Wilhelm Diess

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wilhelm Diess (Wilhelm Dieß) (* 25. Juni 1884 in Bad Höhenstadt, Niederbayern; † 13. September 1957 in München) war ein deutscher Erzähler, Jurist und Theaterdirektor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Diess wurde als Sohn eines Volksschullehrers geboren und besuchte das Königliche Gymnasium in Passau.[1] Anschließend studierte er in München Jura, wo er Mitglied der K.B.St.V. Rhaetia wurde. Im Ersten Weltkrieg diente Diess im Königlich Bayerischen 16. Reserve-Infanterie-Regiment, wo er zeitweise der Vorgesetzte von Adolf Hitler war.[2] Nach dem Krieg eröffnete er eine Anwaltskanzlei in München und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Ministerialrat im bayerischen Justiz- und später auch im Kultusministerium. Er war Vorsitzender des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Honorarprofessor für Urheber- und Erfinderrecht an der Universität München, Generaldirektor der Bayerischen Staatstheater und Mitglied der Akademie der schönen Künste. Max Friedlaender, der "Widersacher und Duzfreund" aus dem Bayerischen Anwaltverein, beschreibt ihn so:

„Wilhelm Diess, ein junger Anwalt aus Niederbayern, sehr massig mit einem seltsamen dicken, kaum behaarten Schädel, ein intelligenter und künstlerisch interessierter Kerl, glänzender Erzähler von drolligen Geschichten, der den Krieg mitgemacht hatte, Offizier und Sozialdemokrat geworden war. Eine Zeit lang hielt er politische Volksreden(…). Er verstand es, die Menschen zu beeinflussen…“[3] In der Spätzeit der Weimarer Republik „…war er inzwischen vom Sozialisten zum Nationalisten mit etwas antisemitischen Einschlag geworden, obwohl er eine Halbjüdin zur Frau hatte.“[4]

Seine Begabung lag im spontanen Vortrag von Stegreifgeschichten, die sich tatsächlich zugetragen hatten oder die er sogar selbst erlebt hatte. Er schaffte es, in seinen Geschichten eine eigene Komik einzubauen und mit wenigen Sätzen Personen und Dinge aus seiner Heimat treffend darzustellen. Seine Freunde waren derart begeistert, dass sie seine Geschichten heimlich mitstenographierten und ihn später dazu überredeten, diese Geschichten zu veröffentlichen, er wurde zum sogenannten „Erzähler wider Willen“.

Seine Geschichten sind nicht im bayerischen Dialekt, wohl aber erinnert der Satzbau an die bayerische Mundart, was sicherlich zum großen Reiz seiner Geschichten beitrug.

Veröffentlichte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Taschenbuch: Wilhelm Dieß: Stegreifgeschichten. DTV, ISBN 3-466-10053-4.
  • Das Geständnis
  • Der Blitz
  • Madeleine Winklholzerin
  • Der kleine Stall
  • Tiberius scherzt

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Wilhelm Diess wurden Straßen und Wege sowohl in Orten seiner Herkunftsregion Niederbayern (z.B. in Passau, Simbach oder Kößlarn) als auch seines späteren Wirkens (München) benannt. Außerdem trägt das Wilhelm-Diess-Gymnasium in Pocking seinen Namen.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Schramm: Wilhelm Diess. In: Archiv für Urheber-, Film-, Funk- und Theaterrecht (UFITA). Band 24, 1957, S. 293–296. [Nachruf]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nö: Wilhelm-Diess-Gymnasium feiert 30. Namenstag. pnp.de, 25. November 2016, abgerufen am 25. November 2016.
  2. Hitlers Regiment, Süddeutsche Zeitung vom 8. Oktober 2014
  3. Max Friedlaender: Lebenserinnerungen. BRAK, abgerufen am 16. Mai 2013 (PDF (1,0 MB), S. 79).
  4. ebd. S. 124
  5. Der Namenspatron unserer Schule. Wilhelm-Diess-Gymnasium Pocking, abgerufen am 16. Mai 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]