Wilhelm Erman

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Wilhelm Adolf Erman (* 13. Juni 1850 in Berlin; † 19. Mai 1932 in Bonn) war ein deutscher Bibliothekar und Geograph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Erman war Sohn des Physikers Georg Adolf Erman und Bruder des Ägyptologen Adolf Erman und des Juristen Heinrich Erman. Nach dem Besuch des Französischen Gymnasiums in Berlin studierte er von 1868 bis 1872 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und der Universität Leipzig Geographie, Klassische Philologie, Sanskrit, Geschichte und Philosophie. Wie alle seine Brüder war er Mitglied der Leipziger Burschenschaft Germania.[1][2][3] 1872 wurde er in Leipzig promoviert.

1874 begann er seine bibliothekarische Tätigkeit an der Königlichen Bibliothek zu Berlin. 1879 wurde er dort Kustos, 1886 Bibliothekar. 1889 übernahm er – zunächst kommissarisch, ab 1890 dann endgültig – die Leitung der Berliner Universitätsbibliothek. Von dort wechselte er als Direktor 1901 an die Universitätsbibliothek Breslau. 1907 kam er schließlich an die Universitätsbibliothek Bonn, die er bis zu seiner Pensionierung 1920 leitete. Erman gehörte mit Karl Dziatzko, Otto Hartwig und Fritz Milkau zu den einflussreichsten Beratern Friedrich Althoffs bei dessen Reform des Bibliothekswesens in Preußen. Althoff seinerseits initiierte und förderte die monumentale Bibliographie der deutschen Universitäten. Carl Manfred Frommel wollte sich an die Neuausgabe des „gewaltigen Titelwerks“ wagen, starb aber 1938. Von 1878 bis 1889 war Erman auch in der Geographie wissenschaftlich tätig und gab die Mitteilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland heraus.

Erman heiratete Klara Rathenow, gemeinsam hatten sie sechs Kinder.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De titulorum ionocorum dialecto. In: Studien zur griechischen und lateinischen Grammatik, Bd. 5 (1872), S. 251–310 (Leipzig, Univ., Diss., 1872).
  • Über die Begründung eines Deutschen Bibliothekartages. Vortrag, gehalten am 26. Sep. 1899 in der Section für Bibliothekswesen auf der Philologenversammlung zu Bremen. In: Gutenberg-Jahrbuch. Bd. 80 (2005), S. 185–199.
  • mit Ewald Horn: Bibliographie der deutschen Universitäten, 3 Bände. Leipzig 1904–1905 (Digitalisat der UB Rostock); Nachdruck Olms, Hildesheim 1965.
  • Geschichte der Bonner Universitätsbibliothek (1818–1901). Halle a. S. 1919; Nachdruck Kraus Reprint und Harrassowitz, Nendeln/Liechtenstein und Wiesbaden 1969 (Digitalisat der ULB Bonn).
  • Schwarzrotgold und Schwarzweißrot. Frankfurt am Main 1925.
  • Der tierische Magnetismus in Preussen vor und nach den Befreiungskriegen. Oldenbourg, München und Berlin 1925 (Beiheft 4 der Historischen Zeitschrift).
  • Paul Erman – ein Berliner Gelehrtenleben 1764–1851. Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin 1927 (Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, 53).
  • Erinnerungen. Böhlau, Köln 1994 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, 38), hrsg. von Hartwig Lohse, ISBN 3-412-08493-X.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Milkau: Wilhelm Erman. Ein Nachruf. Zentralblatt für Bibliothekswesen 50. Jahrgang (1933), Heft 1, S. 27–43. Auch separat: Harrassowitz, Leipzig 1933
  • Gunther Stephenson: Erman, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 600 (Digitalisat).
  • Alexandra Habermann u. a.: Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925–1980, Frankfurt a. M.: Klostermann 1985, ISBN 3-465-01664-5, S. 71.
  • Erman, Wilhelm, in: Friedhelm Golücke: Verfasserlexikon zur Studenten- und Hochschulgeschichte. SH-Verlag, Köln 2004, ISBN 3-89498-130-X. S. 94–95.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [Hirschfeld, Adolf/Franke, August]: Geschichte der Leipziger Burschenschaft Germania 1859-1879. Festgabe zum zwanzigsten Stiftungsfeste am 25., 26., 27. und 28. Juli 1879. o. O. o. J. (Leipzig 1879), S. 69, Nr. 176
  2. Knaake, Emil/Thiele, Wolfgang/Tornius, Valerian/Leonhardt, Hans (Bearb.): Geschichte der Leipziger Burschenschaft Germania 1818-1928. Leipzig o. J. (1928), S. 211.
  3. Harald Lönnecker: „Das Thema war und blieb ohne Parallel-Erscheinung in der deutschen Geschichtsforschung“. Die Burschenschaftliche Historische Kommission (BHK) und die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e. V. (GfbG) (1898/1909–2009). Eine Personen-, Institutions- und Wissenschaftsgeschichte (Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 18), Heidelberg 2009, S. 104.