Wilhelm Ferdinand Kalle

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Wilhelm Kalle jun. um 1904
Arthur von Weinberg (Cassella) Carl Müller (BASF) Edmund ter Meer (WEILER-ter MEER) Adolf Haeuser (HOECHST) Franz Oppenheim (AGFA) Theodor Plieninger (GRIESHEIM-ELEKTRON) Ernst von Simson (AGFA) Carl Bosch, Vorstandsvorsitzender (BASF) Walther vom Rath (HOECHST) Wilhelm Ferdinand Kalle (KALLE) Carl von Weinberg (CASELLA) Carl Duisberg, Aufsichtsratsvorsitzender (BAYER)
Der Aufsichtsrat der 1925 gegründeten I.G. Farben AG, unter anderem mit Carl Bosch und Carl Duisberg (beide vorne sitzend)

Wilhelm (Jakob) Ferdinand Kalle (* 19. Februar 1870 in Biebrich am Rhein; † 7. September 1954 in Wiesbaden) war ein deutscher Chemiker, Industrieller und Politiker (DVP). Kalle wurde bekannt als langjähriger Generaldirektor der chemischen Fabrik Kalle & Co. AG sowie Reichstags- und preußischer Landtagsabgeordneter.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalle wurde als Sohn des Chemiefabrikanten Wilhelm Kalle (* 26. April 1838, † 24. Februar 1919) geboren.[1][2] Sein Cousin war der Offizier und Politiker Arnold Kalle.[3] Nach dem Besuch der Realschule in Biebrich und des Gymnasiums in Wiesbaden studierte Kalle an den Universitäten in Genf, Straßburg (Mitglied des Corps Rhenania) und Erlangen sowie an der Technischen Hochschule Dresden Chemie. Nach seinen Promotionen in den Fachdisziplinen Naturwissenschaften und Ingenieurswissenschaften wurde er 1897 Teilhaber der Chemischen Fabrik Kalle und Co. in Biebrich. Mit der Umwandlung des Familienunternehmens in eine Aktiengesellschaft wurde Kalle 1904 Generaldirektor. Nach der Eingliederung in die I.G. Farben wechselte er zum 1. Januar 1926 in den Verwaltungsrat der I.G. und übernahm gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat von Kalle.

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Kalle auch politisch engagiert. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die von Gustav Stresemann gegründete Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Ab 1919 gehörte er für diese dem Preußischen Landtag an. Anschließend war er von 1924 bis 1932 Mitglied des Reichstags. Während des Zweiten Weltkriegs verriet er Zyklon-B-Entwicklungen innerhalb der I.G. Farben über Erwin Respondek an die USA. Er wurde daher bei den Nürnberger Prozessen nicht angeklagt.[4]

Im hohen Alter wurde Kalle 1953 zum Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden ernannt. 1951 war er aus seinem bisherigen Wohnort Tutzing nach Wiesbaden gezogen, wo er dann auch starb. Sein schriftlicher Nachlass, soweit erhalten geblieben, befindet sich im Stadtarchiv Wiesbaden (im dortigen Bestand WA 3 - Werksarchiv Kalle-Albert).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kalle, Wilhelm, Ferdinand in Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft - Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Erster Band, S. 876, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Ludwig Degener/ Walter Habel: Wer ist wer? Das Deutsche WHO's WHO, 1928
  2. Grete Ronge: Kalle, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 65–68 (Digitalisat).
  3. Ernst Rudolf Huber/ Gustav Schmidt/ Gerhard Borawski: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, 1984, S. 182.
  4. ARTE-Dokumentation über Erwin Respondek, 31-33 und 41-50 min.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]