Wilhelm Ferdinand Kalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wilhelm Kalle jun. (1904)
Kalle als Student in Erlangen, 1894

Wilhelm (Jakob) Ferdinand Kalle (* 19. Februar 1870 in Biebrich am Rhein; † 7. September 1954 in Wiesbaden) war ein deutscher Chemiker, Industrieller und Politiker (DVP). Er war langjähriger Generaldirektor der Chemischen Fabrik Kalle sowie Reichstags- und preußischer Landtagsabgeordneter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalle wurde als Sohn des Chemiefabrikanten Wilhelm Kalle geboren.[1][2] Sein Cousin war der Offizier und Politiker Arnold Kalle.[3] Nach dem Besuch der Realschule in Biebrich und des Gymnasiums in Wiesbaden studierte er an der Universität Genf und der Kaiser-Wilhelms-Universität in Straßburg, wo er Mitglied des Corps Rhenania wurde.[4] Als Inaktiver studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und der Technischen Hochschule Dresden Chemie. Nach seinen Promotionen in den Fachdisziplinen Naturwissenschaften und Ingenieurswissenschaften wurde er 1897 Teilhaber der Chemischen Fabrik Kalle und Co. in Biebrich. Mit der Umwandlung des Familienunternehmens in eine Aktiengesellschaft wurde Kalle 1904 Generaldirektor. Nach der Eingliederung in die I.G. Farben wechselte er zum 1. Januar 1926 in den Verwaltungsrat der I.G. und übernahm gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat von Kalle.

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Kalle auch politisch engagiert. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die von Gustav Stresemann gegründete Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Ab 1919 gehörte er für diese dem Preußischen Landtag an. Anschließend saß er von 1924 bis 1932 im Reichstag (Weimarer Republik). Während des Zweiten Weltkriegs verriet er Zyklon B-Entwicklungen innerhalb der I.G. Farben über Erwin Respondek an die USA. Er wurde daher im I.G.-Farben-Prozess nicht angeklagt.[5] 1951 zog er aus seinem bisherigen Wohnort Tutzing nach Wiesbaden, wo er auch starb. Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Stadtarchiv Wiesbaden (im dortigen Bestand WA 3 – Werksarchiv Kalle-Albert).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arthur von Weinberg (Cassella)Carl Müller (BASF)Edmund ter Meer (WEILER-ter MEER)Adolf Haeuser (HOECHST)Franz Oppenheim (AGFA)Theodor Plieninger (GRIESHEIM-ELEKTRON)Ernst von Simson (AGFA)Carl Bosch, Vorstandsvorsitzender (BASF)Walther vom Rath (HOECHST)Wilhelm Ferdinand Kalle (KALLE)Carl von Weinberg (CASELLA)Carl Duisberg, Aufsichtsratsvorsitzender (BAYER)
Aufsichtsrat der 1925 gegründeten I.G. Farben AG, unter anderem mit Carl Bosch und Carl Duisberg (beide vorne sitzend)
  • 1913: Dr.-Ing. E. h. der Technischen Hochschule Dresden
  • 1923: Dr.-Ing. E. h. der Technischen Hochschule München[6]
  • Ehrenmitglied des Corps Rhenania Straßburg
  • 1953: Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Ludwig Degener/ Walter Habel: Wer ist wer? Das Deutsche WHO's WHO, 1928.
  2. Grete Ronge: Kalle, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 65–68 (Digitalisat).
  3. Ernst Rudolf Huber/ Gustav Schmidt/ Gerhard Borawski: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Stuttgart 1984, S. 182.
  4. Kösener Corpslisten 1960, 100/134.
  5. ARTE-Dokumentation über Erwin Respondek, 31-33 und 41-50 min.
  6. Personal- und Hochschulnachrichten in Angewandte Chemie 36/340 (1923).