Wilhelm Hahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Theologen und Politiker Wilhelm Hahn. Zum Lehrer siehe Wilhelm Hahn (Rektor). Zum sozialdemokratischen Widerstandskämpfer siehe Wilhelm Hahn junior
Ankündigungsplakat Wilhelm Hahns zur Europawahl 1984

Wilhelm Hahn (* 1. Maijul./ 14. Mai 1909greg.[1] in Dorpat (heute Tartu/Estland); † 9. Dezember 1996 in Heidelberg) war ein lutherischer Theologe und Politiker der CDU.

Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kirchenarchivrat der Landeskirche Schleswig-Holstein Wilhelm Hahn, der NSDAP-Mitglied und Unterstützer der Deutschen Christen war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hahn wuchs in Estland auf. Nach der Ermordung seines Vaters Traugott Hahn durch die Rote Armee 1919 floh die Familie nach Deutschland, wo Hahn in Gütersloh das Evangelisch Stiftische Gymnasium besuchte. Während seiner Schulzeit war er Mitglied im Jungdeutschen Orden. Anschließend studierte er Evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen, Göttingen, Bonn und Münster. Während dieser Zeit wurde er Mitglied im Verein Deutscher Studenten Tübingen.[2] 1932 legte er sein erstes theologisches Staatsexamen ab und war danach Hauslehrer in Österreich. Im Sommer 1933 trat er dem Stahlhelm bei. In der Zeit des Nationalsozialismus kehrte er nach Deutschland zurück und engagierte sich in der Bekennenden Kirche, dies insbesondere durch die im März 1934 erfolgte Mitgründung der Bruderschaft der Hilfsprediger und Vikare der Bekennenden Kirche. Nach seiner Promotion zum Dr. theol. in Tübingen 1937 war er Gemeindepfarrer in Minden, doch wurde er 1942 in den Kriegsdienst eingezogen. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 war er als Landeskirchenrat der Westfälischen Kirche tätig und stieg 1949 zum Superintendenten des Kirchenkreises Minden auf.

1950 wurde er Professor für Praktische Theologie an der Universität Heidelberg. Zwei Jahre später wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg gewählt, doch trat er dieses Amt wegen Meinungsverschiedenheiten einiger Synodalen nicht an. 1958 wurde er für zwei Jahre Rektor der Universität Heidelberg.

Nachdem Hahn bereits seit 1956 Mitglied der CDU war, war er von 1962 bis 1979 im Vorstand des Evangelischen Arbeitskreises von CDU und CSU tätig und dort Vorsitzender der Studiengruppe. Er zog am 9. Mai 1962 als Nachrücker für den verstorbenen Hermann Finckh in den Deutschen Bundestag ein, wo er sich vor allem kulturpolitischen Fragen widmete. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 1964 holte ihn Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger in sein Kabinett als Kultusminister. Daraufhin legte er am 16. November 1964 sein Bundestagsmandat nieder. 1968 wurde er in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Das Amt des Kultusministers bekleidete er dann bis 1978, als er als damals dienstältester Kultusminister aus dem Amt schied. In seine Amtszeit fällt unter anderem die Schulreform in Baden-Württemberg (Aufhebung zahlreicher kleinerer Schulen), die Gründung neuer Gymnasien und der Universitäten Ulm und Konstanz.

Als Ministerpräsident Kiesinger 1966 Bundeskanzler wurde, strebte Hahn das Ministerpräsidentenamt in Baden-Württemberg an, doch er scheiterte an Hans Filbinger. Er blieb aber weiterhin Kultusminister und war ab 1972 Stellvertreter Filbingers. Im Anschluss an seine Ministertätigkeit war Hahn bis 1988 Vorsitzender der Deutsch-Indischen Gesellschaft und bis 1992 Vorstandsvorsitzender des Instituts für Auslandsbeziehungen.

Nach dem Ausscheiden als Minister wurde Hahn bei der Europawahl im Juni 1979 in das Europäische Parlament gewählt. 1980 kandidierte er daher nicht mehr für den Landtag von Baden-Württemberg. 1984 wurde er erneut ins Europaparlament gewählt, doch legte er 1987 sein Mandat nieder.

Hahn starb 1996 im Alter von 87 Jahren. Er war verheiratet mit Elisabeth, geb. Rutgers, und hatte zwei Kinder.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hahn schrieb zahlreiche theologische Bücher und Aufsätze.

  • Das Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus bei Paulus. Ein Beitrag zum Problem der Gleichzeitigkeit des Christen mit Christus. Bertelsmann, Gütersloh 1937 (Tübingen, Universität, Dissertation, 1937).
  • Der christliche Glaube und der Mensch der Gegenwart. Sieben Vorträge. Evangelischer Verlag „Der Rufer“, Gütersloh 1947.
  • Erneuerung der Kirche aus dem Evangelium. Evangelischer Verlag „Der Rufer“, Gütersloh 1949.
  • Gottesdienst und Opfer Christi. Eine Untersuchung über das Heilsgeschehen im christlichen Gottesdienst. (= Veröffentlichungen der Evangelischen Gesellschaft für Liturgieforschung. Bd. 5, ZDB-ID 591687-2), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1951.
  • Erziehung aus christlicher Verantwortung. Vier Rundfunkvorträge. (= Leben und Wahrheit. Heft 15, ZDB-ID 845149-7), Bechauf, Bielefeld 1955.
  • Anfechtung und Gewißheit. Predigten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1958.
  • Demokratische Bewährung. Beiträge zur Verantwortung in Kirche, Politik und Bildung. (Vorträge). Staatsbürger-Verlag, Bad Godesberg 1965, 2. Auflage. (= Bürger und Staat. Bd. 1, ZDB-ID 1336946-5), Dümmler, Bonn u. a. 1967.
  • Mehr Bildung, mehr Leistung, mehr Freiheit. Bildungspolitik zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Seewald, Stuttgart 1972.
  • Ich stehe dazu. Erinnerungen eines Kultusministers. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1981, ISBN 3-421-06056-8, (Autobiographie).
  • Europäische Kulturpolitik. Aufsätze über Bildung, Medien und Kirche. Libertas-Verlag, Sindelfingen 1987, ISBN 3-921929-90-3.
  • Das Ende des Sozialismus, Herausforderung für Theologie und Kirche. Eine Analyse. (= Idea e.V. Dokumentation. 91, Nr. 15, ISSN 0937-6984), Idea, Wetzlar 1991.
  • Der Ruf ist immer neu. Aus 200 Jahren der baltischen Theologenfamilie Hahn. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1993, ISBN 3-7751-1905-1.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Taufregister der Universitätsgemeinde zu Dorpat (estnisch: Tartu ülikooli kogudus)
  2. Louis Lange (Hrsg.): Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten. Anschriftenbuch 1931. Berlin 1931, S. 79.