Wilhelm Knappe

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Wilhelm Knappe

Wilhelm Knappe (* 20. Oktober 1855 in Erfurt; † 5. Februar 1910 in Berlin-Grunewald) war ein deutscher Konsularbeamter und Völkerkundler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Knappe besuchte ab 1863 das Erfurter Gymnasium. Nach dem Abitur begann er 1874 Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig zu studieren. Er wurde im „Corps Thuringia Leipzig“ aktiv und bewährte sich als Senior.[1] Er wechselte 1875 an die Georg-August-Universität Göttingen und wurde Consenior im „Corps Hildeso-Guestphalia Göttingen“.[1] Als Inaktiver ging er an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Dort wurde er 1878 zum Dr. iur. promoviert.

Seit 1883 im konsularischen Dienst des Auswärtigen Amts tätig, stieg Knappe 1885 zum Vizekonsul und 1886/1887 zum ersten Kaiserlichen Kommissar der Marshallinseln auf. Als Konsul auf Samoa 1888/1889 wurde er zum Auslöser des Konflikts um Samoa, der zu blutigen Kämpfen und diplomatischen Verstimmungen mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten führte und Knappes Namen weltbekannt machte.

Von Reichskanzler Otto von Bismarck vom Dienst suspendiert, leitete er 1891–1894 als Direktor die Nationalbank von Südafrika (Transvaal) unter Präsident Paul Kruger. In den Dienst des Auswärtigen Amtes zurückgekehrt, war er 1894–1897 Konsul in Kanton und 1898–1905 Generalkonsul in Shanghai. Als deutscher Konsul und Generalkonsul in China baute Knappe seinen privaten Nachrichtendienst auf. Durch Bestechung chinesischer Beamter beschaffte er jahrelang im Interesse des Deutschen Reiches geheime chinesische Regierungsdokumente. Infolge schwerer Tropenkrankheiten musste Knappe 1905 aus dem Dienst scheiden. Sein Nachfolger im Deutschen Generalkonsulat in Shanghai wurde Paul von Buri (1860–1922), der spätere Leiter der Zentralstelle für Auslandsdienst des Auswärtigen Amtes.

Wilhelm Knappe war verheiratet mit Charlotte v. Eckardt, Tochter des Diplomaten Julius von Eckardt, und Isabella David, Tochter des Leipziger Konzertmeisters Ferdinand David. Er verstarb am 5. Februar 1910 mit 54 Jahren in Berlin.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Admiral Felix von Bendemann (rechts), Generalkonsul Knappe und der Gesandte Alfons Mumm von Schwarzenstein (links) nach dessen Eintreffen in China vor dem Kaiserlichen Generalkonsulat Shanghai

Obwohl ihm Otto von Bismarck nach dem „Samoa-Krieg“ 1889 furor consularis unterstellte, gehörte Knappe nicht zum Typus des wilhelminischen „Säbelrasslers“, der für Deutschland um jeden Preis Einfluss und Kolonien zu erwerben suchte. Zeitgenossen bescheinigten ihm zudem großes Interesse für Lebensgrundlagen und Kultur der Einheimischen, was sich auch in seiner Tätigkeit als Völkerkundler niederschlug. Die wissenschaftliche Völkerkunde würdigt die für einen Kolonialbeamten sehr beachtlichen Leistungen auf diesem Gebiet zumal für den Bereich Südsee und Papua-Neuguinea (Hermann Joseph Hiery). Knappes umfangreiche Südsee-Sammlung ist im Bestand des Volkskundemuseums Erfurt zu besichtigen. In China trat Knappe besonders als Förderer deutscher Kulturinteressen und Mitinitiator der heutigen Tongji-Universität (1907) hervor. Bei seinem Abschied aus dem Dienst in Shanghai zollten ihm Diplomaten aus aller Welt und chinesische Würdenträger höchsten Respekt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steffen Raßloff: Wilhelm Knappe (1855–1910). Staatsmann und Völkerkundler im Blickpunkt deutscher Weltpolitik. Glaux-Verlag, Jena 2005, ISBN 3-931743-86-1.
  • Auswärtiges Amt, Historischer Dienst (Hg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes. 1871–1945. Band 2: Gerhard Keiper, Martin Kröger: G–K. Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-71841-X.
  • Marina Moritz, Kai Uwe Schierz (Hg.): Reisen ins Paradies. Die Erfurter Südsee-Sammlung im Spiegel der Kunst (= Schriften des Museums für Thüringer Volkskunde Erfurt. Bd. 23, ISSN 0947-952X). Museum für Thüringer Volkskunde u. a., Erfurt 2005.
  • Jürgen Schmidt: Die Beschaffung geheimer Informationen durch amtliche Einrichtungen des deutschen Reiches in China 1896–1917. Berliner China-Hefte, 29 (2006), S. 102–121. ISSN 1860-2290

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kösener Corpslisten 1930, 97, 135; 46, 155.
VorgängerAmtNachfolger
Otto von StruebelDeutscher Generalkonsul in Shanghai
1899–1906
Paul von Buri