Wilhelm Lamszus

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Wilhelm R. Lamszus (* 13. Juli 1881 in Altona; † 18. Januar 1965 in Hamburg) war ein deutscher Reformpädagoge und pazifistischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Lamszus wurde vor allem durch seine Antikriegsschriften bekannt. So nahm er bereits 1912 mit Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg die Schrecken des Ersten Weltkriegs vorweg und wandte sich gegen den Militarismus der Wilhelminischen Zeit. Das Buch wurde 1915 verboten. Eine Neuauflage, die gemeinsam mit Das Irrenhaus, in dem Lamszus eigene Kriegserlebnisse schildert, und einem Vorwort von Carl von Ossietzky 1919 herauskam, erreichte hohe Auflagen.[1] Nach dem Krieg wurde das Werk wiederholt neu aufgelegt.[2]

Wegen dieses Bestsellers wurde Lamszus als „schlechter Deutscher“, „anarchosyndikalistischer Revolutionär“ und als „vaterlandsloser Geselle“ denunziert. Mit einem Forschungsauftrag zur Lage der deutschen Angehörigen der Fremdenlegion wurde er nach Nordafrika entsandt, anscheinend um ihn aus dem Schuldienst zu entfernen. Seine Rechercheergebnisse veröffentlichte 1914 Lamszus in dem Buch Der verlorene Sohn, bevor er selbst als Soldat in den Ersten Weltkrieg zog.[3]

1915 kehrte er nach Hamburg zurück und nahm seine Unterrichtstätigkeit wieder auf.[1] Bis 1918 stand er der SPD nahe, 1919 trat er in die neugegründete KPD ein, der er bis 1927 angehörte.[1]

Neben seinen Antikriegsschriften veröffentlichte Lamszus zahlreiche Arbeiten zur Aufsatzmethodik, Gesundheits- und Friedenserziehung. In den 1920er Jahren war er Lehrer an der Reformschule Tieloh-Süd in Hamburg-Barmbek, ab 1930 war er an der Meerweinschule (heute GS Winterhude) in der Jarrestadt tätig. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er als einer der ersten Hamburger Lehrer entlassen. Eine Professur an der Pädagogischen Hochschule Braunschweig, auf die er Aussichten gehabt hatte, durfte er nicht übernehmen. Von 1933 bis 1945 lebte Lamszus von seiner verminderten Pension und journalistischen Gelegenheitsarbeiten, die er unter Pseudonym veröffentlichte.[1]

1945 kehrte er nicht in den Schuldienst zurück. Einen Ruf als Rektor der Pädagogischen Hochschule Berlin lehnte er aus gesundheitlichen Gründen ab. Er arbeitete stattdessen für den Norddeutschen Rundfunk und veröffentlichte zu Themen der Lehrerbildung und der Gesundheit, die allerdings kaum Widerhall fanden.[1]

1960 verlieh ihm die Pädagogische Fakultät der Ost-Berliner Humboldt Universität die Ehrendoktorwürde.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg, kommentierter Nachdruck der 1. Auflage von 1912, Weismann Verlag, München 1980, ISBN 3-921040-66-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Wolfgang Emmerich: Lamszus, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 472. online.
  2. Wilhelm R. Lamszus: Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg. Hrsg. von Johannes Merkel und Dieter Richter. Weismann, München 1980; derselbe: Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg. Nabu Press, 2013; derselbe: Das Menschenschlachthaus. Visionen von Krieg. Erster und Zweiter Teil Donat Verlag, 2014.
  3. Andreas Pehnke: Grauen fällt uns an. In: Die Zeit vom 2. August 2012 (online, Zugriff am 8. Dezember 2014).