Wilhelm Sältzer

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Johann Wilhelm Sältzer, Pastell, 1835

Johann Friedrich Wilhelm Sältzer (auch Saeltzer, Saelzer) (* 13. April 1779[1] in Madelungen bei Eisenach; † 12. Juli 1853 in Eisenach; auch häufig als Johann Wilhelm Sältzer genannt) war ein deutscher Architekt und Ziegelei-Besitzer. Als Sächsisch-Weimar-Eisenacher Großherzoglicher Baurat entdeckte er bei der Untersuchung der Überreste der Wartburg eine Säulengalerie, deren Bloßlegung den Anstoß zur Wiederherstellung der alten Burgruine gab.[2] Er war beim sich anschließenden Neuaufbau der Burg – bis zu seiner Pensionierung – als Ausführungsarchitekt und Bauleiter tätig.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Sältzer wurde 1779 als Sohn des Pastors und „Sprachmeisters“ (Sprachlehrers) Christian Bartholomäus Saelzer und der Henriette Juncker in Madelungen geboren. Zunächst als Maurermeister ausgebildet, studierte er Bauwesen und Architektur. Zeitgenossen bezeichneten ihn als „praktisch sowie als kunst- und wissenschaftlich gebildet“[2]. Auch wird er als hervorragender Zeichner, „dessen Bauaufnahmen, wie wir heute wissen, wenig Abweichungen zum modernen, lasergestützten Aufmaß ausweisen“[3] und noch heute als Bauaufnahmen von historischen und praktischen Wert gelten[4], erwähnt.

Aus seiner am 29. Juni 1806 geschlossenen Ehe mit Maria Friederike Sommer gingen u. a. drei Söhne hervor: Eduard Sältzer übernahm die Eisenacher Ziegelei seines Vaters und wirkte als Architekt in Eisenach. Sein Bruder Alexander Sältzer, 1813 in Eisenach geboren, emigrierte in die Vereinigten Staaten, wo er sich ebenfalls als Architekt einen Namen machte. Wilhelm August, in Eisenach am 25. August 1820 „als achtes Kind des J. W. Saeltzer“ geboren, gründete die Kunsttöpferei August Saeltzer, eine Fabrik für Steinzeugwaren.

Eisenacher Ziegelei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1820 gründete Wilhelm Sältzer die Eisenacher Ziegelei, die er auf dem Grundstück Karthäuserstraße, heute Wartburgallee 66/70, zusammen mit einem Wohnhaus errichtete. 1827 erhielt er vom Großherzog Carl August ein auf 20 Jahre angelegtes Privileg, das bestimmte, dass sich „im Eisenachischen Unterlande, das heißt, im fünften Landrathsbezirk“ keine weiteren Ziegelbrennereien ansiedeln durften. Verbunden war dieses Privileg mit der Bedingung, dass Sältzer fortwährend einen Vorrat von wenigstens „50.000 Stück vorschriftsmäßiger Ziegel“ bereithalten müsse. Die Ziegelei wurde später von seinem Sohn Eduard weitergeführt und in die Eisenacher Actien-Ziegelei überführt.

Baubeamter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Sältzer war ab 1804 als Baukondukteur (Bauleiter) in Weimar und von 1809 bis 1846 als Baurat für das fiskalische Bauwesen in Eisenach tätig. Von 1823 bis 1825 errichtete er die 1. Bürgerschule am Markt 13, 1823 baute er zusammen mit Clemens Wenzeslaus Coudray das Gärtnerhaus in der Waisenstr. 2 um und errichtete 1829 auf dem Alten Friedhof am Schloßberg die Leichenhalle, die heute nicht mehr besteht.

Sältzer und die Wartburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Großherzoglicher Baurat wurde Sälzer 1838 mit der Untersuchung der Überreste der Wartburg beauftragt. Seine Entdeckungen gaben den Anstoß zur Wiederherstellung der alten Burgruine. Er ließ die hofseitigen Palas-Arkaden öffnen und ergänzen, maß die Ruine sorgfältig auf und legte sehr originelle und phantasievolle, von einer Burgenromantik geprägte Neubaupläne für die Burg vor. In diesen Plänen waren mehrere Elemente enthalten, „ja eigentlich die entscheidenden, die der Gesamtkomposition dann zu der ihr eigenen, fast suggestiven Wirkung verhalfen“[5], die in die Entwürfe von Hugo von Ritgen, der den Neuaufbau der Wartburg letztendlich auszuführen hatte, eingegangen sind.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bauaufnahme der Wartburg. Grundriß mit Aufrissen. Eisenach 1840 (Wartburg-Stiftung Eisenach, Archiv, BE 36/GK)
  • Die Wartburg. Eine archäologisch-architektonische Skizze, Eisenach 1846 (Wartburg-Stiftung Eisenach, Archiv, Hs. 3501)

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stiftung Weimarer Klassik, Goethe- und Schiller-Archiv: Brief Goethes an Johann Friedrich Sältzer vom 23. November 1814 (Goethes Ausgegangene Briefe (29), Sign. 29/11, Bl. 128)
  • Ed. Wolff sen.: Eduard Sältzer † 14. Juli 1880. In: Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Berlin, Nr. 31 vom 31. Juli 1880
  • Hans Dickel, Helmut Börsch-Supan und Christoph Martin Vogtherr: Preußen, die Kunst und das Individuum, Akademie, Berlin 2003 ISBN 978-3-05-003789-9
  • Lothar Ehrlich und Justus H. Ulbricht: Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Erbe, Mäzen und Politiker, Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2004, S. 207 ISBN 3-412-09203-7
  • Urania Kultur- und Bildungsverein Gotha e.V. (Hrsg.): Eisenacher Persönlichkeiten. Ein biografisches Lexikon, Rhino, Weimar 2004 ISBN 3-932081-45-5
  • Herlind Reiß: Villen und Landhäuser am Fuße der Wartburg (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Thüringen, Band 2.1), Reinhold, Altenburg 2006 ISBN 978-3-937940-24-3
  • Stadtarchiv Eisenach: Nachlassdepot Alfred Appelius, Nr. 40/2/11, 0076

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Taufregister der evangelischen Kirchengemeinde Madelungen 1779. Das vielfach verwendete Geburtsdatum 13. April 1780 ist nach Auskunft des Taufregisters nebst Begleitbrief hierzu falsch.
  2. a b Ed. Wolff sen.: Eduard Sältzer † 14. Juli 1880. In: Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Berlin, Nr. 31 vom 31. Juli 1880
  3. a b Lothar Ehrlich und Justus H. Ulbricht: Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Erbe, Mäzen und Politiker, Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2004, S. 207
  4. Werner Noth: Die Wartburg. Koehler & Amelang, Leipzig 1967, S. 118
  5. Hans Dickel, Helmut Börsch-Supan und Christoph Martin Vogtherr: Preußen, die Kunst und das Individuum, Akademie, Berlin 2003