Wilhelm Stier

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Wilhelm Stier (* 8. Mai 1799 in Błonie bei Warschau; † 19. September 1856 in Schöneberg; vollständiger Name: Friedrich Ludwig Wilhelm Stier) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer an der Berliner Bauakademie.

Leben[Bearbeiten]

Wilhelm Stier lebte seit 1811 in Berlin und besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster und die Bauakademie und legte im Jahr 1817 die Baumeisterprüfung ab. Nach vier Jahren als Bauleiter im Rheinland machte er sich zu Fuß über Frankreich nach Italien auf. Er lebte fünf Jahre im Kreise der deutschen Künstler in Rom und kam wie sein Vorbild Johann Gottfried Seume tatsächlich bis nach Sizilien. Über seine Reise berichtete er in den postum veröffentlichten Hesperischen Blättern.

Nach seiner Rückkehr wurde Stier 1828 Professor an der Berliner Bauakademie. Ab 1841 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. 1842 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin und 1853 in München. 1847 bildete sich um Stier, der ein charismatischer Lehrer war, ein Kreis studentischer Bewunderer, der als Akademischer Verein Motiv bis heute existiert und das Andenken Stiers pflegt.

Stier verfasste zahlreiche Studien- und Lehrentwürfe, u. a. für den Berliner Dom, in denen er das Nachahmen historischer Stile ablehnte. Er wohnte seit 1837 in dem vom Volksmund durch seinen malerischen Aufbau „Stierburg“ genannten Haus. Es lag in der bis 1860 zu Schöneberg gehörenden Straße Auf dem Carlsbade (heute: Am Karlsbad). Stier gehörte dem Schöneberger Schulvorstand an. Am 18. Januar 1851 wurde ihm der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Er ist auf dem Alten Friedhof in der Hauptstraße beigesetzt. Sein von Friedrich August Stüler geschaffenes Grabdenkmal trägt die Inschrift „Dem Freunde, dem Lehrer – die Architekten Deutschlands“.

Wilhelm Stier war der Vater des Architekten Hubert Stier.

In Berlin-Friedenau ist die Stierstraße nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Arthur Lier: Stier, Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 207 f.
  • Nekrolog in Deutsche Bauzeitung, Jahrgang VIII (1857), Sp. 86 ff.
  • E. H. Toelken: Vortrag in der Jahressitzung der Königl. Akademie der Künste zu Berlin, am 21. Juli 1857. In: Deutsches Kunstblatt 8 (1857) 32 (6. August 1857), S. 277–280 (Nekrolog Friedrich Wilhelm Ludwig Stier, S. 277 f)
  • Hubert Stier (Hrsg.): Architektonische Erfindungen von Wilhelm Stier. Berlin 1867.
  • Wilhelm Stier: Hesperische Blätter – nachgelassene Schriften, Ernst & Korn, Berlin 1857, bei Google Books[1].
  • Gudrun Blankenburg: Friedenau – Künstlerort und Wohnidyll. Die Geschichte eines Berliner Stadtteils. Frieling, Berlin 2006, ISBN 3-8280-2350-9 (mit Register sowie beiliegender Denkmalkarte).
  • Hermann Ebling: Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde, 1871–1924. Zinsmeister und Grass, Berlin 1986, ISBN 3-9801309-0-8.
  • Hermann Ebling, Evelyn Weissberg: Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort – 1871 bis 1914. edition Friedenauer Brücke, Berlin 2007, ISBN 978-3-9811242-1-7.

Weblinks[Bearbeiten]