Wilhelm Wandschneider

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Wilhelm Wandschneider

Wilhelm (Georg Johannes) Wandschneider (* 6. Juni 1866 in Plau am See; † 23. September 1942 ebenda) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur.[1] Leben und Werk des Künstlers sind seit 1994 im Plauer Bildhauermuseum Prof. Wandschneider dokumentiert.

Kindheit und Jugend in Plau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Wandschneider besuchte zunächst die unteren Klassen der Plauer Stadtschule. Der Familientradition folgend, erlernte er nach Abschluss der Schulzeit in der Werkstatt des Vaters das Malerhandwerk; die „Pinselführung und Quaststreicherei“. Die wenigen freien Stunden nutzte er zum Zeichnen und Malen, später auch zum Modellieren. Als Malergehilfe ging Wilhelm Wandschneider im Sommer 1884 auf Wanderschaft nach Güstrow und Rostock. Im März 1885 erteilte ihm der Vater dann die Erlaubnis, nach Berlin zu fahren und sich Arbeit zu suchen.

Künstlerischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Plauer Bürgermeister Gustav Holldorff (1850–1898) hatte sich einige plastische Arbeiten Wandschneiders zeigen lassen und setzte sich daraufhin bei Großherzog Friedrich Franz III. für die Gewährung eines Stipendiums ein. Zunächst musste ein Gutachten eines bekannten Bildhauers eingeholt werden. Wandschneider stellte sich in Berlin bei Ludwig Brunow und Martin Wolff vor, die beide wohlwollend über das künstlerische Talent urteilten. Auf einen Bittbrief des Plauer Bürgermeisters hin gewährte der Großherzog ein einmaliges, persönliches Geldgeschenk von 150 Mark zu weiterer Ausbildung Wandschneiders an der Königlichen Kunstschule. Im Herbst 1886 bestand er die Aufnahmeprüfung für die Akademische Hochschule der Bildenden Künste. Die Immatrikulation erfolgte am 12. November 1886. Unter seinen Lehrern waren u.a. Julius Ehrentraut, Albert Wolff und Gerhard Janensch. Zur praktischen Weiterbildung arbeitete er in den Ateliers bei Karl Hilgers, Ernst Herter, Martin Wolff und Ludwig Brunow. Sie alle standen in der Tradition der Berliner Bildhauerschule. Besonderer Förderer Wandschneiders während der Studienzeit wurde Albert Wolff. Unter seinen Mitschülern pflegte er besonders zu Constantin Starck und Hermann Hidding ein freundschaftliches Verhältnis.

Im Mai 1895 wechselte Wandschneider mit Empfehlung der Akademie als Meisterschüler in das Atelier von Reinhold Begas. 1895 gewann er den von der Rohr'schen Stiftung ausgeschriebenen Preis in Höhe von 4500 Mark für eine einjährige Kunst- und Studienreise nach Italien. Wandschneider erreichte Rom am 24. Dezember 1895. Die Akademie hatte dort für ihre Stipendiaten ein Atelier der Villa Strohl-Fern angemietet. Auf dem Kostümfest des deutschen Künstlervereins in Rom begegnete Wandschneider im Januar 1896 Anna Kreß, die er zwei Jahre später heiratete. Im Mai 1896 trat Wandschneider die Heimreise an.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hechtbrunnen in Teterow

Wandschneider beteiligte sich an zahlreichen anonymen Wettbewerben um Denkmäler und Brunnen im ganzen Land. Er gewann die Ausführungen für das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal in Neustettin und für das Kaiser-Friedrich-III.-Denkmal in Dortmund. Die beiden Statuen wurden im September bzw. Oktober 1898 enthüllt. Es folgten u. a.: Denkmal Werner von Siemens in Charlottenburg (1899), Bismarckdenkmal Schwerin (1901), das Rostocker Friedrich-Franz-III.-Denkmal (1901) und das Dreyse-Denkmal Sömmerda.

Über seinen Freund Constantin Starck kam Wandschneider 1899 in Kontakt zu Mecklenburgs Herzog-Regenten Johann Albrecht. Dieser erteilte ihm in den Folgejahren mehrere Aufträge. In den Jahren von 1897 bis 1916 erlebte Wandschneider als Bildhauer seine erfolgreichsten Jahre. Fast ununterbrochen stellte er von 1893 bis 1919 auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus. Auch auf Ausstellungen in Dresden, München, Schwerin, Düsseldorf und im Ausland in St. Louis, Venedig, London, Glasgow und Liverpool war der Name Wandschneider vertreten. In Mecklenburg bekamen Güstrow mit dem Brinckman-Brunnen „Voß un Swinegel“ (1908), Stavenhagen mit dem Fritz-Reuter-Denkmal (1911), Teterow mit dem „Hechtbrunnen“ (1914) und Karow mit dem Schlutius-Mausoleum (1911–1916) hervorragende Werke aus Wandschneiders Werkstatt.

Internationale Ausstellungen und Wettbewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der Name Wilhelm Wandschneider in Deutschland in weiten Kreisen schon bekannt war, sann der Künstler darauf, sich auch im Ausland anzubieten. Erste Gelegenheit war die Delegierung von einigen seiner Arbeiten zur Weltausstellung 1904 in St. Louis/USA. Der „Coriolan“ bekam eine Goldene Medaille. 1906 erhielt er auf der Großen Berliner Kunstausstellung eine kleine Goldmedaille für die Bronzefigur „Der Sieger“, die Kaiser Wilhelm II. ankaufte und im Tiergarten Berlin aufstellen ließ.

Doch nicht nur auf Ausstellungen versuchte Wandschneider sich zu präsentieren, er bewarb sich auch bei internationalen Denkmalswettbewerben, u. a. Denkmal José Rizal für Manila, Reiterdenkmal Peter der Große für Riga, Reiterdenkmal Alexander II. für St. Petersburg, Denkmal Pjotr Arkadjewitsch Stolypin für Moskau, Reiterdenkmal Louis Botha für Kapstadt, Reiterdenkmal Simón Bolívar für Quito. Die genannten Wettbewerbe blieben, mit Ausnahme eines 3. Preises beim Denkmal für Zar Peter den Großen in Riga, alle ohne Erfolg, hingegen wurde die Konkurrenz um ein Denkmal für den russischen Generalfeldmarschall Barclay de Tolly in Riga zu einem unerwartet großen Erfolg. Wandschneider erhielt alle drei Preise und den Auftrag. Wenig später bekam er die Einladung für einen internationalen Wettbewerb um ein Denkmal für St. Louis/USA. Es sollte drei Deutschamerikanern, den Publizisten und Politikern Carl Schurz, Emil Preetorius und Carl Daenzer gewidmet sein. Mit der Figur „Die Nackte Wahrheit“ bekam Wandschneider auch hier den Auftrag.

Nicht als Erfolg im Wettbewerb, sondern als persönlicher Auftrag von Kaiser Wilhelm II. entstand im Kriegsjahr 1915 das dritte große Denkmal Wandschneiders auf ausländischem Boden. In gegenseitiger Abstimmung mit den Behörden der besetzten französischen Gebiete beschloss die deutsche Militärbehörde, ein gemeinsames Ehrenmal für die Gefallenen beider Seiten zu errichten. Als Standort wurde der Soldatenfriedhof St. Martin bei St. Quentin in Nordfrankreich ausgewählt.

Schwere Jahre in Berlin – Rückkehr nach Plau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches als Folge des Ersten Weltkrieges geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber. Zeitweise musste Wandschneider seine 6 Kinder mit Essen aus der Volksküche ernähren.

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre gefallenen Kameraden errichten ließen. In dieser Zeit schuf er das Malchower Hakenkreuzdenkmal.

1925 sah sich Wandschneider gezwungen, das Atelierhaus in Berlin zu verkaufen. Nunmehr fast 60-jährig, setzte er sich in seiner Vaterstadt Plau zur Ruhe. Die Nachricht von der Rückkehr ihres berühmten Sohnes nahm man in der Plauer Stadtverwaltung mit Freude auf. Zum 60. Geburtstag wurde Prof. Wandschneider zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Die Stadtväter stellten in der Stadtschule einen Raum zur Verfügung, in dem zunächst 70 Gipsmodelle Wandschneiderscher Werke ausgestellt wurden. Ein erstes „Wandschneider-Museum“ war gegründet. Es bestand bis 1947.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, trat auch Wandschneider der NSDAP bei. Beruflich profitierte er durch seine frühe NSDAP Mitgliedschaft, die ihn eine ansehnliche Zahl von Kleinaufträgen einbrachte.[2] In den Jahren der NS-Herrschaft entstanden aber auch größere Werke: Sämann und Mähender 1935 als Geschenk zur 700-Jahrfeier von Plau, der Pfennigjunge 1936 für die Sparkasse Plau, das Skagerrakdenkmal mit der Figur eines Geschützmatrosen 1936 für die Stadt Rostock und der Trauernde Soldat 1937 auf dem Soldatenfriedhof Schwerin. Mit diesen gut modellierten, aber künstlerisch wenig überzeugenden Arbeiten konnte der alternde Künstler nicht mehr an vorhergehende Erfolge anknüpfen. Seine bereits 1907 entstandene Aphrodite und der auf Basis des Coriolan (1903) modellierte Thor wurden 1940 und 1942 auf der Großen Deutschen Kunstausstellung ausgestellt.[3] Die Aphrodite wurde während der Großen Deutschen Kunstausstellung 1940 von Adolf Hitler angekauft.[4] Das Original der Aphrodite bekam daraufhin einen Platz in der Neuen Reichskanzlei, den 1941 angefertigten Zweitguss stiftete Hitler 1942 im Rahmen des Sonderauftrages Linz.[5] 1942 wurde die Statue an die Stadt Linz übergeben und im Säulenpavillon im Bauernbergpark aufgestellt. 2008 ließ die Stadt Linz die von Adolf Hitler gestiftete Statue von ihrem Standort entfernen. Seit dieser Zeit lagert die Wandschneider Aphrodite im Keller des Nordico Stadtmuseums Linz.[6]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Ruchhöft, Fred Ruchhöft: Wilhelm Wandschneider. Leben und Werk eines Mecklenburger Bildhauers. Selbstverlag, Plau am See 1992.
  • Heidrun Lorenzen, Volker Probst (Hrsg.): Bildende Kunst in Mecklenburg 1900 bis 1945. Zwischen Regionalität und Internationalität. Hinstorff, Rostock 2010, ISBN 978-3-356-01406-8 (Begleitbuch zur Ausstellung „Schönheit pur. Mecklenburg – ein Land für Künstler 1900 bis 1945“, Güstrow u. Rostock 2010).
  • Hans Land: Wilhelm Wandschneider und sein Werk. Mit elf Illustrationen nach photographischen Original-Aufnahmen. In: Reclams Universum 24.1 (1908), S. 442-447.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Wandschneider – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Künstler: Wilhelm Wandschneider. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e.V., abgerufen am 15. November 2014.
  2. Brigitte Hartel u. Bernfried Lichtnau: Kunst im Ostseeraum: Architektur und bildende Kunst von 1933 bis 1945. Band 2, Peter Lang Verlag der Wissenschaften, Bern u. a., S. 112.
  3. Die Große Deutsche Kunstausstellung 1937–1944/45. gdk-research.de, abgerufen am 9. November 2016.
  4. Otto Thomae: Die Propaganda-Maschinerie: bildende Kunst u. Öffentlichkeitsarbeit im Dritten Reich. Gebrüder Mann Verlag, Berlin 1979, ISBN 978-37-8611-159-7, S. 332 u. S. 333.
  5. Geschenk Adolf Hitlers: Stadt Linz entfernt Aphrodite-Statue. presse.com, abgerufen am 12. März 2017.
  6. Historikerin sieht in Linzer Hitler-Aphrodite "Statue mit Potenzial", standard.at, abgerufen am 20. März 2017.