Wilhelm von Boddien

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Wilhelm von Boddien auf der Demonstration „Stoppt den Palastabriss“ am 14. Januar 2006 im Gespräch mit einem Journalisten

Wilhelm Dietrich Gotthard Hans Oskar von Boddien[1] (* 27. Februar 1942 in Stargard in Pommern) ist ein deutscher Kaufmann und Geschäftsführer des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Er entstammt dem mecklenburgischen Adelsgeschlecht Boddien.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Flucht aus Pommern 1945 lebte Wilhelm von Boddien in Aumühle bei Hamburg. Das Abitur legte er 1962 in Reinbek ab. Den Wehrdienst absolvierte er dann bis 1964 bei der Fernmeldetruppe der Bundeswehr und beendete diesen als Leutnant der Reserve. Es folgte eine kaufmännische Lehre mit Abschluss 1966. Danach trat von Boddien in Bargteheide in die Landmaschinen-Firma seines 1945 verstorbenen Vaters ein. Von 1970 bis Ende 2003 war er Komplementär der KG von Boddien und Co. und Geschäftsführer der Boddien Land- und Kommunaltechnik GmbH. Seit 1978 leitete Wilhelm von Boddien das Unternehmen allein, bis zu dessen Insolvenz 2004.

Angeregt durch Besuche im geteilten Berlin, die er schon als Gymnasiast unternommen hatte, beschäftigte sich von Boddien intensiv mit preußischer Geschichte und Architektur, insbesondere mit dem Untergang des Berliner Schlosses. Dieses war 1945 bei Bombenangriffen schwer beschädigt und 1950 auf Weisung von Walter Ulbricht gesprengt und restlos beseitigt worden. In den 1980er Jahren schloss sich von Boddien dem einflussreichen Kreis „Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten“ an. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands sah er eine Chance zum Wiederaufbau des fast vergessenen Schlosses, an dessen Stelle der Palast der Republik der DDR stand. So initiierte von Boddien 1992 den Förderverein Berliner Schloss e. V. und wurde dessen ehrenamtlicher Erster Vorsitzender. Nach der Insolvenz seines Landmaschinen-Unternehmens ist er seit März 2004 hauptamtlicher Geschäftsführer, an der Seite von Richard Schröder als Präsidenten. Die spektakulärste Aktion des Vereins war die Errichtung einer Schloss-Simulation im Sommer 1993 auf dem Schlossplatz in Berlin im Maßstab 1:1. Sie stand bis Herbst 1994 und trug entscheidend zu einem psychologischen Durchbruch Pro Wiederaufbau des Schlosses bei.

Der Förderverein Berliner Schloss e.V. will für die barocken Schlossfassaden 105 Millionen Euro an Spenden bis Ende 2019 sammeln, dem Zeitpunkt der Einweihung des Humboldtforums im Berliner Stadtschloss. Davon sind bis Ende Februar 2016 49 Millionen Euro in bar und 8 Millionen in Form der rekonstruierten Baupläne und etwa 40 % der notwendigen 1:1 Modelle der Fassadenkunstwerke bereits bereitgestellt worden.[2] Im Februar 2018 betrug das Spendenaufkommen nach Angaben des Vereins insgesamt 81,5 Mio Euro.[3] 2011 wurden die im Auftrag des Fördervereins durch das Architektenbüro Stuhlemmer & Stuhlemmer aus Berlin rekonstruierten Baupläne der Barockfassaden des Schlosses als Grundlagen für die weiteren Arbeiten an die Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum übergeben, wobei einer der Partner Rupert Stuhlemmer selbst bis 2004 im Vorstand des Fördervereins war.[4] Von Boddien bleibt auch nach neuer Arbeitsteilung zwischen Förderverein und Stiftung Mitglied der Fachkommission, die für die Qualitätskontrolle der herzustellenden Fassadenteile zuständig ist.[5]

Nicht zuletzt Dank des Einsatzes und der Vorarbeiten von Boddiens war es 2002 zum Beschluss des Deutschen Bundestages zum Neubau des Hohenzollern-Schlosses (als Humboldtforum) gekommen, mit historisierenden Fassaden auf drei Seiten. 2007 billigte der Bundestag das Budget, das im Juli 2011 auf 595 Millionen Euro aktualisiert worden ist. Der eigentliche Bau wurde 2013 begonnen und soll 2019 vollendet sein.[6] Beim feierlichen Beginn der Arbeiten mit einer Bohrung an der Baugrube am 21. Juni 2012 dankte der damalige Bundesbauminister Peter Ramsauer Wilhelm von Boddien „für sein staatsbürgerliches Engagement mit dem Förderverein Berliner Schloss“ bei diesem „größten kulturellen Bauprojekt der Bundesrepublik Deutschland“.[7] Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte im Beisein des Bundespräsidenten Joachim Gauck am 12. Juni 2013. Beim Richtfest am 12. Juni 2015 wurde mitgeteilt, dass man im Zeit- und Kostenrahmen sei und deshalb das Ziel habe, das „Berliner Schloss – Humboldt Forum“ 2019, also 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, zu eröffnen. „Ohne Sie würde es das Schloss nicht geben“, schrieb der Vorstand der Stiftung Humboldt Forum, Johannes Wien, in einem Glückwunsch-Brief.[8]

Von Boddien ist seit 1966 verheiratet und hat mit seiner Ehefrau Gabriele fünf verheiratete Kinder und 13 Enkel.

Weitere Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglied der Hauptversammlung der Industrie- und Handelskammer in Lübeck 1980–2003
  • Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer in Lübeck 1995–2003

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Menschen hinter dem Schloss. In: www.tagesspiegel.de. Abgerufen am 11. Mai 2016.
  2. Website des Fördervereins Berliner Schloss e. V.: Wie wird die Schlossfassade finanziert? (Memento vom 24. Februar 2010 im Internet Archive)
  3. Website des Fördervereins Berliner Schloss e. V.: Spendenstand und Mittelverwendung, Zugriff am 18. Februar 2018.
  4. Vgl. taz.de
  5. Jahresbericht 2011 der Geschäftsleitung über die Tätigkeit des Fördervereins Berliner Schloss e. V.
  6. Stadtschloss soll bis 2019 fertig werden. In: Der Tagesspiegel, 23. November 2010
  7. Sabine Gundlach: Berliner Stadtschloss startet mit ambitioniertem Zeitplan. In: Berliner Morgenpost, 22. Juni 2012
  8. welt.de: "Berliner Schlossherr" Wilhelm von Boddien wird 75