Wilhelmsburg (Niederösterreich)

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Wilhelmsburg
Wappen Österreichkarte
Wappen von Wilhelmsburg
Wilhelmsburg (Niederösterreich) (Österreich)
Wilhelmsburg (Niederösterreich)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Sankt Pölten-Land
Kfz-Kennzeichen: PL
Fläche: 45,96 km²
Koordinaten: 48° 7′ N, 15° 37′ OKoordinaten: 48° 6′ 39″ N, 15° 36′ 36″ O
Höhe: 321 m ü. A.
Einwohner: 6.558 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 143 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3150
Vorwahl: 0 27 46
Gemeindekennziffer: 3 19 47
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 13
3150 Wilhelmsburg
Website: www.wilhelmsburg.gv.at
Politik
Bürgermeister: Rudolf Ameisbichler (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(29 Mitglieder)
16
7
3
3
16 
Von 29 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Wilhelmsburg im Bezirk Sankt Pölten-Land
Altlengbach Asperbach Böheimkirchen Brand-Laaben Eichgraben Frankenfels Gablitz Gerersdorf Hafnerbach Haunoldstein Herzogenburg Hofstetten-Grünau Inzersdorf-Getzersdorf Kapelln Karlstetten Kasten bei Böheimkirchen Kirchberg an der Pielach Kirchstetten Loich Markersdorf-Haindorf Maria Anzbach Mauerbach Michelbach Neidling Neulengbach Neustift-Innermanzing Nußdorf ob der Traisen Obritzberg-Rust Ober-Grafendorf Perschling Pressbaum Prinzersdorf Purkersdorf Pyhra Rabenstein an der Pielach Schwarzenbach an der Pielach St. Margarethen an der Sierning St. Pölten Statzendorf Stössing Traismauer Tullnerbach Weinburg Wilhelmsburg Wölbling WolfsgrabenLage der Gemeinde Wilhelmsburg (Niederösterreich) im Bezirk Sankt Pölten (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Nordansicht von Wilhelmsburg
Nordansicht von Wilhelmsburg
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Wilhelmsburg ist eine niederösterreichische Stadtgemeinde im Mostviertel im Bezirk St. Pölten-Land in Österreich mit 6558 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017).

Durch das Gemeindegebiet fließt die Traisen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmsburg befindet sich etwa zwölf Kilometer südlich des Stadtzentrums von St. Pölten. Die Stadtgemeinde wird von Süden nach Norden von der Traisen durchflossen. Das östliche Stadtgebiet gehört zu den Ausläufern des Wienerwaldes, das westliche Stadtgebiet zu den Ausläufern der Türnitzer Alpen. Beide Gebirgsgruppen werden von der Traisen getrennt.

Die höchsten Erhebungen des Stadtgebietes sind die Stockerhöhe mit 734 m ü. A. im Süden und das Haberegg mit 693 m ü. A. im Südosten, der niedrigste Punkt befindet sich mit ca. 310 m ü. A. dort, wo im Stadtteil Reith die Traisen das Gemeindegebiet nach Norden verlässt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wilhelmsburg umfasst als einzige Ortschaft Wilhelmsburg und besteht aus den Katastralgemeinden Altenburg, Göblasbruck, Handelberg, Kanzling, Kreisbach, Pömmern, Wegbach, Wielandsberg, Wilhelmsburg und Wolkersberg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmsburg grenzt im Norden an die Bezirks- und Landeshauptstadt St. Pölten. Im Osten befindet sich die Gemeinde Pyhra, die durch die Wasserscheide zwischen Traisen und Perschling getrennt wird. Nachbargemeinde im Südosten ist Sankt Veit an der Gölsen, während Wilhelmsburg im Südwesten an Eschenau grenzt. Beide Gemeinden gehören nicht zum Bezirk Sankt Pölten-Land, sondern zum angrenzenden Bezirk Lilienfeld. Im Westen grenzt die Stadt an Hofstetten-Grünau und im Nordwesten an Weinburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besiedlung vor 850, als ein fränkischer Edelmann namens Wilhelm zur Zeit des Baierischen Ostlandes hier eine Burg gründete, kann nicht durch Funde belegt werden, ist aber wahrscheinlich. Im 10. Jahrhundert wurde die erste Kirche gebaut, 1083 wurde die Stadt unter dem Namen Willehalmspurch erstmals erwähnt. 1180 erbaute Dietricus I. de K´Chrebezbach das Schloss Kreisbach.

Der Babenbergerherzog Leopold VI. überließ 1209 dem Stift Lilienfeld alle seine Güter, Rechte und Freiheiten in und um Wilhelmsburg, in diesem Jahr findet auch die Pfarre erste Erwähnung. Seit 1279 besitzt Wilhelmsburg das Marktrecht.

Die letzten Reste der Ringmauer. Im Vordergrund die Gleise der eingestellten Industriebahn die den Bahnhof Wilhelmsburg mit der Geschirrfabrik und der Gießerei der Fa. Schmid & Söhne verband

Die Marienkapelle in der Kirchengasse wurde 1320 eingeweiht, 1330 wurde mit dem Bau der Ringmauer um Kirche und Ort begonnen.

Ein Großbrand vernichtete den Ortskern 1457, danach wurde mit dem Neubau der Pfarrkirche begonnen. Während der 1. Türkenbelagerung 1529 war der Markt durch die Ringmauer geschützt, die von 1568 bis 1587 erhöht wurde.

Der Abt Georg Premberger gründete 1580 ein Armen-Bürgerspital in der heutigen Unteren Hauptstraße 20. Gegen Ende der Bauernkriege 1597 wurde das Bauernheer nördlich von Wilhelmsburg von den kaiserlichen Streitkräften vernichtend geschlagen. Aufgrund dessen wurde 1607 bis 1627 die Ringmauer erneut verstärkt.

Während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 blieb Wilhelmsburg nahezu verschont. In den Jahren 1805 und 1809 wurde Wilhelmsburg von Napoleons Truppen geplündert.

Die Industrialisierung hielt 1830 mit der Eröffnung einer Baumwollspinnerei in Göblasbruck Einzug.

Zwischen 1835 und 1837 wurde mit dem Abriss der Befestigungsanlage begonnen, im Jahr darauf die erste Poststation errichtet. Die Eröffnung der Bahnstation ist 1877, die Bahnstrecke Leobersdorf – St. Pölten wurde durchgehend befahren.

Am 13. März 1900 wurde der neue Friedhof an seiner heutigen Stelle eingeweiht, 1901 Planung der Schleppbahn zwischen dem Bahnhof und der Geschirrfabrik.

In den Jahren nach 1899 wurde die Traisen reguliert und die II. Wiener Hochquellenwasserleitung gebaut, was zahlreiche Arbeitsplätze schaffte. Auch der Ausbau der Industrie in der Umgebung führte zu einer erhöhten Nachfrage an Arbeitskräften.

Am 29. März 1920 wurden bei einem Großbrand 34 Wohnhäuser und 10 Nebengebäude eingeäschert, auch das alte Rathaus fiel den Flammen zum Opfer.

1926 wurde ein Eisenbahnhaltepunkt in Göblasbruck eröffnet, 1927 hatte die erste Autobusverbindung mit St. Pölten Jungfernfahrt.

Wilhelmsburg, Göblasbruck und Kreisbach vereinigten sich 1938 zu einer Großgemeinde.

1950 wurde der Arbeiter-Samariterbund (ASBÖ) gegründet und 1956 wurde mit dem Bau einer Umfahrungsstraße begonnen, wobei die Verkehrsfreigabe der Strecke schrittweise bis 1958 erfolgte.

Das Stadtrecht erhielt Wilhelmsburg 1959.

Am 2. Dezember 1999 forderte die Gasexplosion im Conrad-Lester-Hof 4 zehn Todesopfer, ein 15-jähriges Mädchen wurde lebend aus dem Trümmerhaufen gerettet. An der Unglücksstelle wurde ein Denkmal errichtet, das beschädigte Nachbargebäude konnte 2001 wieder bezogen werden.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der ersten Volkszählung 1869 beherbergte Wilhelmsburg 1432 Einwohner, in Göblasbruck und Kreisbach lebten 1809 Menschen.

Die Marienkirche

Rund 91 % der Bevölkerung Wilhelmsburgs sind österreichische Staatsangehörige, ca. 4 % Staatsbürger von Bosnien-Herzegowina, ca. 2 % Staatsbürger der Türkei und ca. 2 % Staatsangehörige von Serbien und Montenegro. Von den Bürgern geben rund 90 % Deutsch als ihre Umgangssprache an, ca. 4 % Serbisch, ca. 2 % Türkisch und ca. 1 % Kroatisch.[1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 67 % der Bevölkerung bekennen sich zum römisch-katholischen Kirche, ca. 5 % zur evangelischen Kirche, ca. 5 % zur orthodoxen Kirche und ca. 4 % zum Islam. Rund 18 % der Bürger sind konfessionslos.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmsburger Geschirrmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum wurde 2007 eröffnet, und ist dem von 1795 bis 1997 in Wilhelmsburg produzierten 'Wilhelmsburger Steingut' und Lilienporzellan gewidmet. Es zeigt u.a. die in den 1950er Jahren produzierte legendäre Lilienporzellan-Serie 'Daisy'. Das Geschirrmuseum befindet sich in Wilhelmsburg, Färbergasse 11.

Schloss Kreisbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 12. Jahrhunderts soll das Schloss Kreisbach gegründet und erbaut worden sein. Bereits im Jahr 1323 war Schloss Kreisbach durch den Kauf an die Herren zu Hohenberg und dann an die Herren von Roggendorf übergegangen. 1521 erwarb Wolfgang Jörger durch Kauf Schloss und Gut Kreisbach. Die Jörger erwiesen sich als die eifrigsten Förderer des Luthertums. Die neue Lehre fasste rasch in allen Ständen Fuß und auch katholische Pfarrer konvertierten. Wilhelmsburg war zu dieser Zeit eine Bastion der Lutheraner, geistiges Zentrum für alle Kirchen der Orte im Traisen- und Gölsental.

Schloss Kreisbach von Osten gesehen

Als begeisterter Kämpfer für den Protestantismus wurde der letzte Jörger namens Helmhard vom katholischen Kaiser Ferdinand II. im Zuge der Gegenreformation aller seiner Güter für verlustig erklärt und des Landes verwiesen.

Die herrenlose Besitzung Kreisbach wurde 1625 an das Stift Lilienfeld veräußert, die die Schlosskapelle abreißen ließen und einen Teil des ehemaligen Ballsaals der Jörger zur neuen Kapelle umbauten. Die heutige Annakapelle zeigt an ihrem Tonnengewölbe Stuckaturen aus dem frühesten Barock.

Heute ist von dem stattlichen und viertürmigen Schloss und seiner Wehrmauer nicht mehr viel zu sehen. Auch als Kreisbach Kreisamt war, unterblieben Investitionen zur Erhaltung, es wurde sogar bei Bedarf Baumaterial von hier abgezogen.

1994 entstand die Idee zur Sanierung und Revitalisierung von Schloss Kreisbach, seit Oktober 1999 bemüht sich nun der Kulturverein Schloss Kreisbach um die Durchführung dieser Idee.

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wilhelmsburg

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtkapelle Wilhelmsburg: Die Stadtkapelle Wilhelmsburg ist der älteste aktive Musikverein Wilhelmsburgs. Die Gründung erfolgte am 21. Juni 1921, unter dem Namen Orchesterbund Wilhelmsburg (Obmann Johann Klug, Kapellmeister Rudolf Kössler). Die beiden am längsten aktiven Funktionäre der Stadtkapelle Wilhelmsburg sind Ehrenkapellmeister Professor Willibald Wltschek (Kapellmeister von 1953 bis 1993) und Ehrenobmann Eduard Zeller (Obmann von 1968 bis 1987).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
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(-3,03 %p)
24,53 %
(-5,14 %p)
12,06 %
(+1,60 %p)
9,88 %
(+4,28 %p)
2,29 %
(n. k.)
 

Der Gemeinderat hat 29 Sitze, Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Rudolf Ameisbichler, Stadtamtsleiter Reinhard Kothek.

Bei der Gemeinderatswahl 2005 erreichte die SPÖ 17, die ÖVP 10 und die Grünen 2 Mandate.

Bei der Gemeinderatswahl 2010 verloren die drei bisherigen im Gemeinderat vertretenen Parteien je einen Sitz an die FPÖ, die in den Gemeinderat einzog.[2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Wilhelmsburg

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 234, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 136. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2921. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 45,16 %.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmsburg liegt an der Mariazeller Straße B20 und an der Traisentalbahn. Neben dem Bahnhof Wilhelmsburg befinden sich auf dem Gemeindegebiet auch die Haltestellen Kreisbach und Göblasbruck.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Personen mit Beziehung zur Stadt:

  • Richard Lichtenstern (1870–1937), Unternehmer, übernahm 1895 von seinem Vater die Wilhelmsburger Steingut- und Porzellanfabrik
  • Othmar Steinbauer (1895–1962), Wiener Klangreihenkomponist, weilte viele Jahre hindurch im Ortsteil Altenburg auf Sommerfrische und verstarb dort am 5. September 1962
  • Bernhard Paul (* 1947), Zirkusdirektor, wuchs in Wilhelmsburg auf
  • Benjamin Karl (* 1985), Snowboarder, Weltmeister, Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Winterspielen 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelmsburg (Niederösterreich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gemeindedaten von Wilhelmsburg bei Statistik Austria (PDF; 10 kB)
  2. Endergebnis der Gemeinderatswahl 2010