Wilhelmstadt Schulen

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Wilhelmstadt Schulen
Smuts-Barracks-Spandau2009.jpg
Schulform Schulzentrum
Gründung 2004
Adresse

Wilhelmstraße 25–30

Ort Berlin-Wilhelmstadt
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 10″ N, 13° 10′ 49″ OKoordinaten: 52° 31′ 10″ N, 13° 10′ 49″ O
Träger IBEB Initiative für Bildung und Erziehung Berlin gGmbH
Schüler 648 (Stand: 2019)
Lehrkräfte rund 120
Leitung Gymnasium: B. Baykus,
Oberschule: A. Ünver,
Grundschule: A. Ünver,
Website www.wilhelmstadtschulen.de

Die Wilhelmstadt Schulen sind ein privates Schulzentrum im Berliner Ortsteil Wilhelmstadt, Bezirk Spandau.

Das Schulzentrum besteht derzeit (Stand: Juli 2018) aus drei Schulen und einer Kindertagesstätte:

An den Schulen werden im Schuljahr 2015/2016 insgesamt 373 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, davon rund 82 Prozent mit nichtdeutscher Herkunftssprache.[1]

Das Schulzentrum befindet sich in Gebäuden der kaiserzeitlichen Trainkaserne bzw. der nachfolgenden britischen Smuts Barracks auf dem Gelände Wilhelmstraße 28–30.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung des Schulzentrums ist das TÜDESB Bildungsinstitut Berlin-Brandenburg e. V, ein Verein, der 1994 als Nachhilfeeinrichtung in Berlin-Kreuzberg gegründet wurde und sich in der Folgezeit zu einem umfassenden Bildungs-Anbieter entwickelte.[2]

Auf dem Gelände an der Wilhelmstraße wurde zum Schuljahr 2004/2005 zuerst das Wilhelmstadt-Gymnasium gegründet. Zum Schuljahr 2006/2007 kam eine Realschule hinzu, die spätere Integrierte Sekundarschule. 2009 wurde die Kindertagesstätte Kinderparadies eröffnet. Im Jahr 2012 erwarb der Trägerverein das gesamte Gelände. Zum Schuljahr 2013/2014 kam die Fachoberschule hinzu und zum Schuljahr 2014/2015 schließlich die Wilhelmstadt-Grundschule.

Mit der zunehmenden Größe der Einrichtung ging die Trägerschaft auf die IBEB Initiative für Bildung und Erziehung Berlin gGmbH über.

Im Bewusstsein um die Geschichte der von den Wilhelmstadt Schulen genutzten Liegenschaft, pflegt deren Leitung seit 2010 auch einen engen Kontakt zur Kameradschaft 248 GSU, die sich als ein in Berlin eingetragener Verein aus früheren Angehörigen der 248 German Security Unit der britischen Militärpolizei RMP rekrutiert. Die Einheit war zwischen 1950 und 1994 in der vormaligen Kaserne stationiert.

Durch gemeinsame Projekte werden historische und geschichtliche Aspekte in Unterrichtsstoffe mit eingebunden. So referierte der letzte britische Stadtkommandant in Berlin, Robert Corbett, im Mai 2012 vor mehreren Schulklassen über die Ereignisse während der deutschen Wiedervereinigung. In einem anderen Projekt führte der Verein im Februar 2015 eine mehrwöchige Ausstellung über die Liegenschaft des heutigen Schulgeländes durch, in das Schülerinnen und Schüler anschaulich mit eingebunden wurden.[3][4]

Die Projekte werden regelmäßig durch das Bezirksamt Spandau von Berlin und der Bezirksverordnetenversammlung fraktionsübergreifend unterstützt und gefördert.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler des Wilhelmstadt Gymnasiums wurden am 1. Dezember 2015 von Bundespräsident Joachim Gauck in das Schloss Bellevue eingeladen, um die Organisation eines Schülerkongresses zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte durch die Schule zu würdigen.[5][6] 2014 und 2015 wurde das Gymnasium außerdem im Wettbewerb „Berliner Klima Schulen“ der Berliner Informationsstelle Klimaschutz ausgezeichnet.[7] Anfang 2020 wurde das Wilhelmstadt Gymnasium zur „Jugend forscht Schule 2020“ aufgezeichnet.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schulen werden aufgrund ihrer Nähe zur islamischen Gülen-Bewegung kritisiert.[8] TÜDESB sei der größte Schulträger der Gülen-Bewegung in Deutschland.[9] Die Schulen verhalten sich demnach intransparent.[10] Ziel der Bildungsinitiativen der Bewegung sei es, eine muslimische Bildungselite zu schaffen und einen konservativen Islam in der westlichen Gesellschaft zu verankern.[11] Zwar werde nach außen Dialogbereitschaft gezeigt, im inneren Kreis werde jedoch ein erzieherischer Islamismus gepflegt, der selbst hochpolitisch sei.[12] Auf dem Gelände der Wilhelmstadt Schulen könnte ein quasi geschlossenes Bildungssystem im Sinne Fethullah Gülens aufgebaut werden.[13]

Der Vorsitzende des TÜDESB hat sich ausdrücklich von Vorwürfen distanziert, die Bildungsarbeit werde als Köder für Missionierung betrachtet.[14] Auch die ehemalige Schulleiterin des Gymnasiums Sabrina Leberecht weist darauf hin, dass es sich nicht um eine Bekenntnisschule handelt und auch kein Religionsunterricht stattfindet.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft: Berliner Schulen, abgerufen am 5. Juni 2016.
  2. Der Trägerverein. Website der Integrierten Sekundarschule, abgerufen am 4. Juni 2016.
  3. Carsten Schanz: Volles Programm für die Corbetts. In: Internetseite der Kameradschaft 248 GSU e. V. 10. Mai 2012, abgerufen am 13. Juli 2018 (deutsch).
  4. Carsten Schanz: Neue GSU-Ausstellung feierlich eröffnet. In: Internetseite der Kameradschaft 248 GSU e. V. 11. Februar 2015, abgerufen am 13. Juli 2018 (deutsch).
  5. Veranstaltungsbericht. Website der Bundesstiftung Aufarbeitung zur Veranstaltung „Nach dem Staatsbankrott. Der Wandel in der DDR und in Ostdeutschland von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft“ am 1. Dezember 2015, abgerufen am 6. Juni 2016.
  6. Besuch bei Herrn Gauck. Website des Wilhelmstadt Gymnasiums, abgerufen am 6. Juni 2016.
  7. Wilhelmstadt Gymnasium. Website der Berliner Informationsstelle Klimaschutz, abgerufen am 6. Juni 2016.
  8. Sabine Am Orde: Eine Schule und ein Verdacht. In: taz, 29. Oktober 2004, abgerufen am 4. Juni 2016.
  9. Uta Rasche: Auf dem Marsch durch die Institutionen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. März 2014, abgerufen am 5. Juni 2016.
  10. Freia Peters: Prediger Gülen züchtet eine türkische Elite heran. In: Die Welt, 2. April 2014, abgerufen am 4. Juni 2016.
  11. Reiner Scholz: Moderner Islam oder Parallelwelt? Die Gülen-Bewegung in Deutschland. Bei: NDR Kultur, 20. Mai 2016, 15:20 h, abgerufen am 4. Juni 2016.
  12. Friedmann Eißler: Bildungscampus der Gülen-Bewegung in Berlin geplant. In: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Materialdienst 2/2013, S. 68, abgerufen am 5. Juni 2016.
  13. Thomas Klatt: Türkisches Sozialinstitut plant Bildungscampus in Berlin. Bei: Deutschlandfunk, 2. April 2013, abgerufen am 4. Juni 2016.
  14. Christian Schindler: Tüdesb bestreitet Einfluss von konservativen Prediger. In: Berliner Woche, 19. Mai 2014, abgerufen am 4. Juni 2016.
  15. Martin Spiewak: Die Streber Allahs. In: Die Zeit, 18. Februar 2010, abgerufen am 4. Juni 2016.