Willi Geiger (Maler)

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Willi Geiger (Gemälde von Albert Weisgerber)

Willi Geiger (* 27. August 1878 in Schönbrunn bei Landshut, Niederbayern; † 11. Februar 1971 in München) war ein deutscher Maler, Graphiker, Exlibriskünstler des Expressionismus und frühes Mitglied des Deutschen Künstlerbundes[1].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Lehrers wurde Willi Geiger 1878 in Landshut geboren. 1898–99 besuchte er die Münchner Kunstgewerbeschule, anschließend die Technische Hochschule, an der er sein Staatsexamen als Zeichenlehrer absolvierte. Willi Geiger studierte ab 1903 bei Franz von Stuck und Peter Halm an der Münchner Akademie, u. a. zusammen mit Hans Purrmann und Albert Weisgerber.

1907 gestaltet Willi Geiger eine ganze Serie schwarz/weiß-Kunstpostkarten mit Münchner Sehenswürdigkeiten als Motiv, z. B.[2]

Willi Geiger erhielt 1910 aus Vorschlag von Max Klinger den Villa-Romana-Preis aufgrund seines Erfolges als Graphiker. Er arbeitete an Radierungen zu Werken von Richard Dehmel, Frank Wedekind u. a. Bis 1914 lebte Geiger in Berlin und stellte bei den Galerien von Cassirer und Gurlitt aus. Danach ging er nach München zurück und wurde dort Professor an der Kunstgewerbeschule. Er kopierte Gemälde der großen Spanier Goya, Velasquez und El Greco und wandte sich der Porträtmalerei zu, am bewusstesten spiegelte sich das Greco-Studium am Porträt des Komponisten Hans Pfitzner wider.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Geiger aus dem Staatsdienst und seinem Lehramt an der Leipziger Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe (heute Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig), an der er seit 1928 lehrte, entlassen. 1937 wurde in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ nachweislich eine bedeutende Zahl seiner Werke aus den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf, dem Museum Folkwang Essen, dem Städelschen Kunstinstitut und Städtische Galerie Frankfurt am Main, der Kunsthalle Hamburg, dem Museum der bildenden Künste Leipzig, dem Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg, der Staatlichen Graphische Sammlung München, der Städtischen Galerie Nürnberg und der Ruhmeshalle Wuppertal-Barmen beschlagnahmt. Nahezu alle wurden vernichtet. Einige gingen zur „Verwertung“ auf dem Kunstmarkt an die Kunsthändler Bernhard A. Böhmer und Karl Buchholz. Der Verbleib dieser Arbeiten ist ungeklärt.[3]

Zurückgezogen lebte Geiger in Feldwies am Chiemsee und rang um die Vervollkommnung seiner Malkunst. 1946 nahm Willi Geiger die Lehrtätigkeit, jetzt an der Hochschule der Bildenden Künste in München, wieder auf. 1948 wurde er zum Ehrenbürger von Landshut ernannt. 1951 erhielt Willi Geiger den Kulturpreis der Stadt München, 1958 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 1963 den Schwabinger Kunstpreis und 1969 den Bayerischen Verdienstorden.

Der Maler und Bildhauer Rupprecht Geiger (1908–2009) war sein einziges Kind.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafelbilder (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildnis Heinrich Mann (Öl auf Leinwand, 63,5 × 55 cm, 1927; 1937 als „entartet“ aus der Ruhmeshalle Wuppertal-Barmen beschlagnahmt und zerstört.)
  • Bildnis Prof. Dr. Carolus (Öl, 1931; 1937 als „entartet“ aus der Städtische Galerie Nürnberg beschlagnahmt und zerstört.)

Druckgrafik (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unseren Helden (Mappe mit 10 Lithografien und einem Titelblatt, 38,7 × 27 cm, 1914; Graphik-Verlag, München, 1914)
  • Fjodor Dostojewski;: Der Gatte (Mappe mit 12 Radierungen)
  • Fjodor Dostojewski: Nasser Schnee. (Buch-Vorzugsausgabe in 200 Exemplaren; mit Original-Radierungen und drei radierten Vignetten. Verlag Franz Schneider, Berlin, 1924)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stierkampf. Ein Essay und sechs Originalradierungen. In: Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe. – 12.1914, S. 707–414.[5]
  • Vortrag über die Lage der Kunststudierenden in der Jetztzeit. Ein Vortrag, geh. am 27. November 1932 im Museum der bildenden Künste zu Leipzig, Leipzig 1932.

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen, in deren Bestand sich Werke Geigers befinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Hiepe: Willi Geiger. Verlag der Kunst, Dresden, 1959 (Reihe Künstler der Gegenwart).
  • Wolfgang Petzet: Willi Geiger. Der Maler und Graphiker. Bruckmann Verlag, München 1960.
  • Karl Heinz Schreyl: Willi Geiger, Exlibris. Gesamtverzeichnis. Hans Carl, Nürnberg 1979 (vgl. Seite 26, Anmerkung Nr. 3: hier wird das falsche Geburtsdatum 17. August auf den 27. August berichtigt, vgl. Vollmer Nachtragsband von 1961).
  • Susanna Partsch: Geiger, Willi. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 51, Saur, München u. a. 2006, ISBN 3-598-22791-4, S. 80–82.
  • Julia Geiger: Willi Geiger. In: Karin Althaus u. a. (Hrsg.): Kunst und Leben. 1918 bis 1955. Lenbachhaus, München / Deutscher Kunstverlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-88645-210-1, S. 112–115.

Bekannte Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Geiger, Willi (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kuenstlerbund.de (abgerufen am 3. August 2015)
  2. https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/306886/36
  3. Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
  4. z.b. https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/190833/16
  5. Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe (12.1914). Abgerufen am 22. April 2022.
  6. Irene Netta, Ursula Keltz: 75 Jahre Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München. Hrsg.: Helmut Friedel. Helmut Friedel. Eigenverlag der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München 2004, ISBN 3-88645-157-7, S. 200.
  7. Detail. Abgerufen am 10. April 2019.
  8. Detail. Abgerufen am 10. April 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Willi Geiger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien