Willi Kauhsen

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Willi Kauhsen (rechts) mit Henri Pescarolo 1975
Der Porsche 917 „Die Sau“ beim Boxenstopp in Le Mans 1971
Willi Kauhsens Porsche 917/10

Willibert „Willi“ Kauhsen, auch Willy Kauhsen, (* 19. Mai 1939 in Eschweiler) ist ein ehemaliger deutscher Autorennfahrer und Rennstallbesitzer.

Karriere als Rennfahrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willi Kauhsen war als Spediteur in Aachen tätig, als er 1964 mit dem Motorsport begann. Die ersten Einsätze waren sporadisch, typisch für einen Amateurrennfahrer. Er fuhr mit einem gebraucht erworbenen Porsche 356 B Super 90 und einem alten Morris Minor. Mit dem Minor gelang ihm 1965 die Teilnahme am 500-km-Rennen auf dem Nürburgring, einem Wertungslauf der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Sein erster internationaler Start endete nach vier gefahrenen Runden wegen eines Fahrzeugdefekts.

Ab der Saison 1967 wurde das Engagement für den Rennsport intensiver und die Meldungen für verschiedene Rennveranstaltungen stiegen rasch an. Dieses Engagement führte in der Folge zur Aufgabe der Spedition und der Arbeit als Profi-Rennfahrer. Erfolge stellten sich schnell ein. Auf einem Fiat-Abarth 1000TC gewann er 1967 die Gesamtwertung der Division I. der Tourenwagen-Europameisterschaft, mit Siegen in Aspern.[1] und Zolder[2]

1968 begannen die Rennen mit Fahrzeugen der Marke Porsche, die auch zur Zusammenarbeit als Fahrer mit dem Werksteam führten. Eine besondere Rennveranstaltung war der Marathon de la Route, der auf der Nord- und Südschleife des Nürburgrings ausgetragen wurde. 84 Stunden dauerte das Rennen, das besondere Handicaps hatte. Es gab für alle Wagen eine einheitliche Maximalfahrzeit pro Runde. Jede angefangene Minute die an den Boxen verbracht wurde, führte zum Abzug einer Runde. Ausgenommen waren die Stopps zum Wechseln der Fahrer. Für Reparaturen gab es einen Parkplatz vor dem Sporthotel. Pro 12 Stunden durfte ein halbe Stunde am Fahrzeug ohne Strafe repariert werden. Willi Kauhsen zählte neben Herbert Linge und Dieter Glemser zu dem Dreierteam, das 1968 im siegreichen Werks-Porsche 911S in 84 Stunden 356 Runden fuhr.[3] Ein weiterer großer Erfolg dieses Jahres war der Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps. Teamkollegen im Porsche 911 S von Kremer Racing waren Helmut Kelleners und Teameigner Erwin Kremer.

Ab 1968 startete er regelmäßig in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Bald zeigte sich, dass die Qualitäten von Kauhsen vor allem in seiner Ausdauer und seinen hervorragenden Leistungen als Testfahrer lagen. Obwohl er an die schnellen Rundenzeiten der Porsche-Toppiloten wie Jo Siffert, Pedro Rodríguez, Vic Elford, Brian Redman, Hans Herrmann, Gerhard Mitter, Rolf Stommelen und Kurt Ahrens selten herankam, erhielt er immer wieder ein Werkscockpit. In Le Mans wurde er durch die besonderen Lackierungen der von ihm gefahrenen Porsche 917 bekannt. 1970 wurde er im „Hippie-917“ von Hans-Dieter Dechent mit Partner Gérard Larrousse Gesamtzweiter. Auch 1971 hatte sein 917 eine besondere Lackierung. Der Wagen war wegen seiner rosa Lackierung und den aufgezeichneten Fleischpartien, die Porsche-Designer Anatole Lapine erdachte, sehr auffällig und erhielt wegen der Gestaltung den Spitznamen „Die Sau“. Im Rennen fiel der Wagen an fünfter Position durch einen Unfall aus.[4]

Willi Kauhsen Racing Team[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1972 machte sich Willi Kauhsen von Werkseinsätzen unabhängig und gründete ein eigenes Rennteam. Unterstützung erhielt er dabei vom damaligen Porsche-Rennleiter Rico Steinemann. Bei Porsche hatte man im Herbst 1971 die Porsche 917 Spyder mit leistungsstarken Turbo-Motoren versehen. Den für die nordamerikanische Can-Am-Serie aufgebauten 917/10 hätte 1972 Jo Siffert fahren sollen. Nach dessen Todessturz in Brands Hatch bot Steinemann den Wagen Kauhsen an, der diesen dankbar annahm. 1972 lieferte er sich einen spannenden Zweikampf mit Leo Kinnunen um den Gesamtsieg in der Interserie. Mit dem Sieg in Imola[5] und sechs zweiten Plätzen beendete er die Saison als Gesamtzweiter.[6] Als Fahrer blieb er bis zum Ablauf der Saison 1974 aktiv, dann konzentrierte er sich ganz auf die Leitung des Rennteams.

1975 konnte er von Autodelta die Alfa Romeo T33/TT/12 für den Einsatz in der Sportwagen-Weltmeisterschaft übernehmen. Mit den Fahrern Arturo Merzario, Jacques Laffite, Derek Bell, Henri Pescarolo und Jochen Mass gewann das Team sieben der neun Weltmeisterschaftsrennen und überlegen die Weltmeisterschaft.

Mit dem Beginn des Jahres 1976 verlegte Kauhsen die Rennaktivitäten in den Monopostosport. Nach Rennen in der Formel-2-Europameisterschaft versuchte er 1978 den Einstieg in die Formel-1-Weltmeisterschaft. Die Übernahme von Kojima Engineering scheitere 1978 ebenso, wie 1979 der Bau eines eigenen Rennwagens.[7] Bevor das Engagement zum völligen finanziellen Desaster wurde, beendete Kauhsen nach dem Großen Preis von Belgien 1979 alle Rennaktivitäten.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1969 DeutschlandDeutschland Porsche System Engineering Porsche 908L DeutschlandDeutschland Rudi Lins Ausfall Kupplungsschaden
1970 DeutschlandDeutschland Martini International Racing Porsche 917L DeutschlandDeutschland Gérard Larrousse Rang 2
1971 DeutschlandDeutschland Martini Racing Team Porsche 917/20 DeutschlandDeutschland Reinhold Joest Ausfall Unfall

Einzelergebnisse in der Sportwagen-Weltmeisterschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
1965 Willi Kauhsen Morris Minor Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien BOL ItalienItalien MON ItalienItalien MON Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich RTT ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR ItalienItalien MUG DeutschlandDeutschland ROS FrankreichFrankreich LEM FrankreichFrankreich REI ItalienItalien BOZ DeutschlandDeutschland FRE ItalienItalien CCE SchweizSchweiz OVI DeutschlandDeutschland NÜR Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BRI
DNF
1966 Abarth Deutschland Fiat-Abarth 1000 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MON ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM ItalienItalien MUG ItalienItalien CCE DeutschlandDeutschland HOK SchweizSchweiz SIM DeutschlandDeutschland NÜR OsterreichÖsterreich ZEL
8
1967 Abarth
Abarth Deutschland
Abarth 1300 OT
Fiat-Abarth 1000
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM DeutschlandDeutschland HOK ItalienItalien MUG Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien CCE OsterreichÖsterreich ZEL SchweizSchweiz OVI DeutschlandDeutschland NÜR
DNF DNF
1968 IGFA
Karl von Wendt
Porsche 906
Porsche 910
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR BelgienBelgien SPA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT OsterreichÖsterreich ZEL FrankreichFrankreich LEM
16 7 12 21 5
1969 German BG Racing
Porsche
Porsche Salzburg
Porsche 907
Porsche 908
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT OsterreichÖsterreich ZEL
DNF 4 DNF 5 DNF 6
1970 Kremer Racing
Martini Racing
Porsche 911
Porsche 908
Porsche 917
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON ItalienItalien TAR BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT OsterreichÖsterreich ZEL
DNF 6 2
1971 Auto Usdau
Strähle KG
Martini Racing
Porsche 917
Porsche 914
ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM OsterreichÖsterreich ZEL Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT
6 7 4 13 6 DNF
1972 Reinhold Joest
Roserath
Porsche 908
Porsche 911
ArgentinienArgentinien BUA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SEB Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM OsterreichÖsterreich ZEL Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT
DNF 12
1973 Porsche Porsche Carrera RSR Vereinigte StaatenVereinigte Staaten DAY ItalienItalien VAL FrankreichFrankreich DIJ ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA ItalienItalien TAR DeutschlandDeutschland NÜR FrankreichFrankreich LEM OsterreichÖsterreich ZEL Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT
7 DNF
1974 Kremer Racing
Joest Racing
Porsche Carrera RSR
Porsche 908
ItalienItalien MON BelgienBelgien SPA DeutschlandDeutschland NÜR ItalienItalien IMO FrankreichFrankreich LEM OsterreichÖsterreich ZEL Vereinigte StaatenVereinigte Staaten WAT FrankreichFrankreich LEC Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich BRH Sudafrika 1961Südafrika KYA
14 5 16 DNF

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Hodges: Rennwagen von A bisZ nach 1945. 1. Auflage, Stuttgart 1993.
  • Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, 1. Auflage, Stuttgart 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Willi Kauhsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aspern, Tourenwagen-Europameisterschaft 1967
  2. Zolder, Tourenwagen-Europameisterschaft 1967
  3. Marathon de la Route 1968
  4. Porsche 917 Sau
  5. 300-km-Rennen von Imola 1972
  6. Interserie 1972
  7. Kauhsen-Formel-1-Rennwagen