William Bowman

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Mediziner William Bowman. Zum Ingenieur siehe William Ernest Bowman.
Sir William Bowman

Sir William Paget Bowman (* 20. Juli 1816 in Nantwich, Cheshire; † 29. März 1892 in Joldwynds bei Dorking) war ein britischer Augenarzt, Physiologe und Anatom.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1832 bis 1837 studierte er die Medizin am Krankenhaus von Birmingham.[1] 1837 verließ Bowman Birmingham, um seine medizinische Ausbildung am King's College in London zu erweitern. Hier arbeitete er unter dem Physiologen und Anatomen Robert Bentley Todd und erhielt 1838 eine Stelle als Demonstrator am anatomischen Museum in London.[2] Im Alter von 25 Jahren entdeckte Bowman eine Membran am Nierenkörperchen, die heute nach ihm als Bowman-Kapsel bezeichnet wird. 1842 bewies er, dass die Glomerula der Nierenkörperchen und die Tubuli der Niere eine funktionelle Einheit bilden.[3] Durch konsequente Einbeziehung der Mikroskopie konnte er weitere anatomische Strukturen aufklären, die ebenfalls heute seinen Namen tragen: die Bowman-Drüsen in der Riechschleimhaut und die Bowman-Membran (Membrana limitans anterior) der Hornhaut des Auges. Der seit 1840 bestehende Begriff Sarkolemm stammt von Bowmann. 1847 entdeckte er die radialen Fasern des Ziliarmuskels.

In Zusammenarbeit mit Todd erarbeitete Bowman die fünfbändige Physiological Anatomy and Physiology of Man („Physiologische Anatomie und Physiologie des Menschen“, 1843–1856) und das Nachschlagewerk „Cyclopaedia of Anatomy and Physiology“ (1852).

Ab 1844 praktizierte Bowman als Augenarzt am Royal London Ophthalmic Hospital (heute Moorfields Eye Hospital) und ab 1846 arbeitete er als Chirurg.[4] Zwischen 1848 und 1856 unterrichtete er als Professor für Anatomie und Physiologie am King's College. Danach widmete er sich ganz der Augenheilkunde und wurde zum führenden „Ophthalmic Surgeon“. 1880 gründete Bowman die Ophthalmological Society (heute Royal College of Ophthalmologists).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1841 wurde er als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt, die ihm 1842 die Royal Medal verlieh. 1884 wurde Bowman aufgrund seiner Verdienste von Königin Victoria geadelt.[5] 1890 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Hildebrand: Rudolf Albert Koelliker und seine wissenschaftlichen Kontakte zum Ausland. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 2, 1984, S. 101–115; hier: S. 103.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara I. Tshisuaka: Bowmann, Sir William. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 202 f.; hier: S. 202.
  2. Barbara I. Tshisuaka: Bowman, Sir William. 2005, S. 202.
  3. Horst Kremling: Niere und Schwangerschaft. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 11–16; hier: S. 11.
  4. Barbara I. Tshisuaka: Bowman, Sir William. 2005, S. 202.
  5. Eintrag zu Bowman; Sir; William (1816 - 1892) im Archiv der Royal Society, London