William Colby

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William Egan Colby (* 4. Januar 1920 in St. Paul, Minnesota; † 27. April 1996 in Rock Point, Maryland) war ein US-amerikanischer Regierungsbeamter und von September 1973 bis Januar 1976 Direktor der Central Intelligence Agency (CIA).

Vizepräsident Nelson Rockefeller, Sicherheitsberater Brent Scowcroft und William Colby als Direktor der CIA diskutieren die Situation in Vietnam in einer Pause während einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates der Vereinigten Staaten am 24. April 1975
William Colby (Dritter von links) auf einer Sitzung des Militärischen Nachrichtendienstausschusses MIB (Military Intelligence Board) 1973

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten zwölf Jahre für die CIA verbrachte Colby mit Aufbauarbeit für das NATO-Stay-behind-Netzwerke, wie er später in seinen Memoiren beschrieb.[1] Colby, betonte, dass dies ein "Hauptprogramm" der CIA sei, entworfen vom Office of Policy Coordination (1948–1952) under Frank Gardiner Wisner, um klandestine und bewaffnete Soldaten in Westeuropa zu haben, die bereit waren als Sabotage- und Spionagekräfte eingesetzt zu werden im Falle eines sowjetischen Angriffes.[2]

So gelang es ihm Anfang der 50er in Stockholm aus der 1941 von Otto Hallberg gegründeten rechtsextremen Waffenbruderschaft Sveaborg, die ihrerseits ein Ableger der faschistischen Vereinigung Svensk Socialistisk Samling (SSS, „Schwedische Sozialistische Sammlung“) war, eine Untergrundorganisation aufzubauen, mit etwa 1.200 Kontaktpersonen, von denen viele Armeeangehörige waren, die im "Notfall" (z. B. sowjetischen Invasion) ihre paramilitärische Milizen selbständig hätten führen können. Das Scandia-Haus in Stockholm – früher Thule-Haus – soll dabei die Zentrale der Stay-behind-Netze gewesen sein.[3]

Im Herbst 1953 wurde Colby nach Rom gesandt, wo er unter Gerry Miller, dem CIA-Chief-of-Station arbeitete. Die beiden Männer kannten einander gut, war Miller während des Zweiten Weltkriegs doch Colbys Vorgesetzter bei OSS-Operationen in Norwegen gewesen. Mit den geheimen Gladio-Armeen in Italien wollte die CIA verhindern, dass die als politisch subversiv eingeschätzten politische Partei PCI legislative Macht erhielt, in totaler Abwesenheit einer "sowjetischen Invasion". In seinen Memoiren enthüllte Colby: "Meine Aufgabe war, ganz einfach gesagt, zu verhindern, dass Italien bei den nächsten Wahlen im Jahr 1958 von den Kommunisten übernommen wurde." Als Colby von Italien aus zur CIA-Niederlassung in Vietnam versetzt wurde, setzte der SIFAR-Direktor Giovanni De Lorenzo seine verdeckten Operationen gegen die PCI und die PSI fort.

Colby war von 1959 bis 1962 an der US-Botschaft in Saigon akkreditiert. Er leitete Programme zur ländlichen Entwicklung und die verdeckte Operation Phoenix der CIA während des Vietnamkriegs. Die Operation Phoenix diente dem Zweck, vietnamesische Guerillakämpfer der FNL (Viet Cong) zu töten.

Im September 1973 wurde Colby unter Präsident Nixon Direktor der CIA, bis er 1976 durch den späteren Präsidenten George Bush abgelöst wurde.

In seiner Zeit als Director of Central Intelligence fiel die Eröffnung der Gedenkstätte CIA Memorial Wall im Juli 1974[4], die zu Ehren der im Dienst getöteten Mitarbeiter errichtet wurde.

Am 27. April 1996 ertrank Colby vermutlich bei einem Bootsunfall, kurz nach Bekanntwerden seiner Vorladung zur Olson-Affäre. Entgegen seiner Gewohnheit trug er keine Schwimmweste und erzählte seiner Frau nichts von dem geplanten Ausflug.[5] Sein Haushalt befand sich in einem Zustand, der auf einen eiligen Aufbruch schließen ließ.[6] Sein Kanu fand man 400 Meter von seinem Wochenendhaus entfernt in Rock Point, etwa 40 Meilen von Washington, D.C. am Zusammenfluss des Wicomico River und des Potomac River, seine Leiche am 6. Mai.

Seine letzte Ruhestätte ist der Nationalfriedhof Arlington. Ihm zu Ehren wird seit 1999 der Colby Award verliehen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 stellten der NDR-Journalist Patrik Baab und der US-Politikwissenschaftler Robert E. Harkavy zu seinem ungeklärten Tod in ihrem Buch "Im Spinnennetz der Geheimdienste" eine Verbindung zwischen dem Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme 1986 und dem Tod Uwe Barschels 1987 her. Diese „politischen Morde“ seien „Teil einer einzigen Geschichte“ – der Iran-Contra-Affäre – und Folge einer weltweiten Säuberungsaktion, mit der unliebsame Zeugen und abtrünnige Helfer einer politischen Verschwörung aus dem Weg geräumt werden sollten.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Colby, Peter Forbath: Honourable Men — My Life in the CIA. Simon and Schuster, New York 1978.
  • Philip Willan: Puppetmasters, the political use of terrorism in Italy. London: Constable, 1991.
  • Patrik Baab, Robert E. Harkavy: Im Spinnennetz der Geheimdienste: Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet? Westend Verlag, 2017.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Colby, Peter Forbath: Honourable Men — My Life in the CIA, "Chapter Three: A Scandinavian Spy", Seiten 78–107.
  2. William Colby, Peter Forbath: Honourable Men — My Life in the CIA, "Chapter Three: A Scandinavian Spy", Seite 81.
  3. Patrik Baab, Robert E. Harkavy: Im Spinnennetz der Geheimdienste: Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet? Westend Verlag, 2017
  4. Memorial Wall Publication (Memento vom 24. November 2013 im Internet Archive) CIA, online 24. Februar 2014, abgerufen am 19. Januar 2015, PDF, (englisch)
  5. Christopher Ruddy: The Body Count: Add One More. (@1@2Vorlage:Toter Link/www.newsmax.com(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: newsmax.com), 24. März 1999).
  6. Kevin Dowling, Phillip Knightley: The Olson File – A secret that could destroy the CIA. In: Night and Day, Beilage der London Mail. 23. August 1998 (online (Memento vom 4. August 2001 im Internet Archive)).