William Friedkin

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William Friedkin beim Festival des amerikanischen Films in Deauville (2012)

William Friedkin (* 29. August 1935 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Seine größten Erfolge verzeichnete er in den frühen 1970er Jahren in der Zeit des „New Hollywood“-Kinos mit The French Connection – Brennpunkt Brooklyn und Der Exorzist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedkins jüdische Vorfahren stammen aus der heutigen Ukraine, aus der sie 1903 vor den damals einsetzenden Pogromen in die USA flohen. Seine Karriere startete William Friedkin in der Poststelle eines Chicagoer Lokalsenders, begann aber schon bald Live-Fernsehsendungen und Dokumentarfilme zu drehen. Bereits sein erster Dokumentarfilm (The People vs. Paul Crump) von 1962 über Paul Crump, der seit acht Jahren in einer Todeszelle saß, brachte ihm den Golden Gate Prize des San Francisco Film Festivals ein und Paul Crump die Umwandlung seiner Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe.

Für das Fernsehen drehte er in dieser Zeit auch Folgen der beliebten Sendungen The Alfred Hitchcock Hour und Alfred Hitchcock Presents. Bei den Dreharbeiten dazu lernte er auch sein Idol Alfred Hitchcock kennen.

Der endgültige Durchbruch kam für Friedkin 1971 mit dem Action-Thriller French Connection – Brennpunkt Brooklyn mit Gene Hackman, Fernando Rey und Roy Scheider. Gedreht mit einem Budget von 1,8 Millionen US-Dollar wurde der Film ein weltweiter Erfolg sowohl bei den Einspielergebnissen als auch bei den Kritikern. Insgesamt gewann er fünf Oscars, unter anderem für den besten Film und die beste Regie. French Connection wird inzwischen wegen des beinahe dokumentarischen Stils, der Benutzung der Handkamera und des Verzichts auf das Drehen in Studio-Kulissen als einer der wichtigsten Filme der Ära des New Hollywood gesehen. Den Erfolg von French Connection konnte Friedkin 1973 mit dem Horrorfilm Der Exorzist sogar übertreffen. Er wurde zum ersten Regisseur, der mit einem Film ein Einspielergebnis von mehr als 100 Millionen US-Dollar erzielen konnte. Im Jahre 2001 landete Der Exorzist auf Platz 3 in einer Umfrage des American Film Institute nach den 100 besten Thrillern. Seine nächsten Filme wurden von der Kritik weniger einhellig aufgenommen. Sorcerer, ein Remake von Henri-Georges Clouzots Lohn der Angst, und der Thriller Cruising mit Al Pacino, der in der New Yorker Schwulen- und S&M-Szene spielt, waren kommerziell weniger erfolgreich und entwickelten sich erst später zu reputablen Klassikern. Ähnlich erging es ihm 1985 mit Leben und Sterben in L.A..

Nach Problemen mit Produktionsfirmen wurde es zunehmend stiller um ihn, was seine Arbeit an Kinofilmen betrifft. Dafür wurde der von ihm produzierte Fernsehfilm C.A.T. Squad 1986 ein Quotenerfolg. Mit dem Kinofilm Jade versuchte er sich 1995 mit mäßigem Erfolg im Genre des Erotik-Thrillers und auch seine Kinofilme Rules – Sekunden der Entscheidung und Die Stunde des Jägers wurden von Publikum und Kritik verschmäht. Im Jahr 2000 kam Der Exorzist in einer erweiterten und restaurierten Fassung in die Kinos und erwies sich erneut als Kassenmagnet.

Im Jahr 2006 gab er sein Debüt als Opernregisseur an der Bayerischen Staatsoper mit Salome von Richard Strauss und Das Gehege von Wolfgang Rihm. 2011 erhielt Friedkin für die schwarze Komödie Killer Joe seine erste Einladung in den Wettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele von Venedig.

Friedkins erste drei Ehen wurden geschieden: Von 1977 bis 1979 war er mit der Schauspielerin Jeanne Moreau, von 1982 bis 1985 mit der Schauspielerin Lesley-Anne Down und von 1987 bis 1990 mit der Fernsehjournalistin Kelly Lange verheiratet. Seit 1991 ist er mit der Studiomanagerin und Produzentin Sherry Lansing in einer Ehe. Der Regisseur hat zwei Söhne.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Friedkin (2017)

Als Regisseur

  • 1962: The People vs. Paul Crump (Fernseh-Dokumentation)
  • 1965: The Bold Men (Fernseh-Dokumentation)
  • 1965: Alfred Hitchcock Presents (Fernsehserie, Folge Off Season)
  • 1965: Pro Football: Mayhem on a Sunday Afternoon (Fernseh-Dokumentation)
  • 1965: Time-Life Specials: The March of Time (Fernseh-Dokumentation)
  • 1966: US-Polizei im Kreuzverhör (The Thin Blue Line; Fernseh-Dokumentation, auch Drehbuchautor und Produzent)
  • 1967: Good Times
  • 1968: The Birthday Party
  • 1968: Die Nacht, als Minsky aufflog (The Night They Raided Minsky’s)
  • 1969: Die Harten und die Zarten (The Boys in the Band)
  • 1971: Brennpunkt Brooklyn (The French Connection)
  • 1973: Der Exorzist (The Exorcist)
  • 1975: Conversations with Fritz Lang (Dokumentarfilm)
  • 1977: Atemlos vor Angst (Sorcerer, auch Produzent)
  • 1978: Das große Dings bei Brinks (The Brink’s Job)
  • 1980: Cruising (auch Drehbuchautor)
  • 1983: Das Bombengeschäft (Deal of the Century)
  • 1984: Self Control (Musikvideo für Laura Branigans Hit)
  • 1985: Leben und Sterben in L.A. (To Live and Die in L.A., auch Drehbuchautor)
  • 1985: Twilight Zone (Fernsehserie, Folge Nightcrawlers)
  • 1986: C.A.T.-Squad – Die Elite schlägt zurück (C.A.T. Squad; Fernsehfilm, auch Produzent)
  • 1987: Rampage – Anklage Massenmord (Rampage, auch Drehbuchautor und Produzent)
  • 1988: C.A.T. 2 – Die Elite schlägt zurück (C.A.T. Squad: Python Wolf; Fernsehfilm, auch Drehbuchautor und Produzent)
  • 1990: Das Kindermädchen (The Guardian, auch Drehbuchautor)
  • 1992: Geschichten aus der Gruft (Tales of the Crypt; Fernsehserie, Folge On a Deadman’s Chest)
  • 1994: Blue Chips
  • 1994: Jailbreakers – Jung und Vogelfrei (Jailbreakers; Fernsehfilm)
  • 1995: Jade
  • 1997: Die 12 Geschworenen (12 Angry Men; Fernsehfilm)
  • 2000: Rules – Sekunden der Entscheidung (Rules of Engagement)
  • 2003: Die Stunde des Jägers (The Hunted)
  • 2006: Bug
  • 2007: The Painter’s Voice (Kurzfilm)
  • 2007/2009: CSI: Vegas (Fernsehserie, Folgen Mascara & Cockroaches)
  • 2011: Killer Joe
  • 2017: The Devil and Father Amorth (Dokumentarfilm, auch Drehbuchautor)

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1972 – Oscar als „Bester Regisseur“ für French Connection – Brennpunkt Brooklyn
  • 1972 – Golden Globe als „Bester Regisseur“ für French Connection – Brennpunkt Brooklyn
  • 1972Golden Globe als „Bester Regisseur“ für Der Exorzist
  • 1974 – Oscar-Nominierung als „Bester Regisseur“ für Der Exorzist
  • 1975British Fantasy Awards für Der Exorzist
  • 1981Razzie Award-Nominierung als „Schlechtester Regisseur“ und für „das schlechteste Drehbuch“ für Cruising
  • 1998Emmy-Nominierung als „Bester Regisseur“ für Die 12 Geschworenen
  • 2000 – „Lifetime Achievement Award“ auf dem Palm Beach International Film Festival
  • 2013 – „Leone d'oro alla carriera“ (Goldener Löwe für das Lebenswerk) bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig

Anekdoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als er im Alter von vier Jahren das erste Mal mit seiner Mutter ein Kino betrat, war William Friedkin von der plötzlichen Verdunkelung des Saals und der lauten Musik derart schockiert, dass er fluchtartig das Kino verließ – noch bevor der Vorspann zu Ende war.
  • Er ist bekannt für seinen Perfektionismus und lässt einzelne Szenen oft mehrmals wiederholen, wobei er seine Schauspieler dabei an ihre psychischen und physischen Grenzen bringt. Zum Beispiel ließ er Gene Hackman in French Connection – Brennpunkt Brooklyn eine Folterszene so oft wiederholen, bis dieser seinem Opfer wirklich ins Gesicht schlug.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marcus Stiglegger: [Artikel] William Friedkin. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 266–268 [mit Literaturhinweisen].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]