William Prym

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Prym-Werk an der Zweifallerstraße in Stolberg
Weissenbach an der Triesting, Niederösterreich, Zweigwerk William Prym von Südwest gesehen (1908) [Anm. 1]
Weissenbach an der Triesting, Zweigwerk William Prym Nadlerwaren- und Ketten-Fabrik, Briefkopf, 1894
Notgeld der Firma Prym, Stolberg, unterschrieben von Hans Prym,
Ausgabe 8. August 1923

Die William Prym GmbH & Co. KG ist das älteste Industrieunternehmen Deutschlands. Die Holdinggesellschaft hat ihren Sitz in Stolberg (Rhld.) in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1530 vom Goldschmied Wilhelm Prym (1490–1561) in Aachen als Familienbetrieb zur Herstellung von Messing und Kupfer begründet. 1642 wurde der protestantischen Familie im katholischen Aachen in der Zeit der Aachener Religionsunruhen das Zunft­recht entzogen, weshalb Christian Prym (1614–1683), wie auch die bekannten Kupfermeisterfamilien Amya, Hoesch, Peltzer, Schleicher, Lynen, von Asten und andere, nach Stolberg umsiedelte, wo bis heute die Führung des später entstandenen Prym-Konzerns ihren Hauptsitz hat. Zunächst als Kupfermeister auf dem Kupferhof Roderburgmühle tätig, erwarb Christians gleichnamiger Enkel (1676–1747) Anteile am Dollartshammer, der von seinen Nachkommen noch um die Hammerwerke Salzrumpf und Derichsberger Mühlen erweitert wurde. Damit wurde der Dollartshammer zur Wiege des späteren Großunternehmens.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte Prym die ersten Fertigprodukte aus Messing, Eisen und Stahl, die schon bald maschinell produziert wurden. 1859 erweiterten William Prym (1811–1883) und dessen Sohn Gustav Wilhelm (1839–1916) die Produktpalette um Kurzwaren, die zum Schwerpunkt der Produktion wurden, so der von Heribert Bauer 1885 erfundene Druckknopf, der 1903 von Hans Friedrich Prym (1875–1965) durch eine in den Kopfteil eingelegte Feder verbessert wurde (Kronenfeder-Druckknopf), Nadeln und Einfädler.

Ab dem letzten Drittel des 19. Jh. wurden sowohl die technische Einrichtung vor Ort als auch die Verkaufsorganisation im Ausland ausgebaut, darunter auch die für die Österreichisch-ungarische Monarchie. So wurde in Wien I, Stoß im Himmel Nr. 1, eine Niederlassung errichtet – jedoch war der Import von in Österreich noch händisch erzeugten Artikeln mit hohen, die Waren verteuernden Zöllen belegt. Prym sah sich daher veranlasst, auch in Österreich mit einer eigenen Produktion zu beginnen.[1]

1887 wurden die Kaufverhandlungen für ein in Weissenbach an der Triesting, Niederösterreich, bereits seit vier Jahren stillstehendes Walzwerk geführt. Am 30. März 1888 erfolgte die Gründung einer offenen Gesellschaft als Zweigniederlassung von Stolberg. Die gewerbebehördliche Bewilligung zur Fabrikmäßigen Erzeugung von Nadlerwaren wurde seitens der Bezirkshauptmannschaft Baden dem zweitjüngsten Sohn des 1883 verstorbenen William Prym, Julius Prym (1857–1928), im April 1888 erteilt. Noch im selben Jahr begann in dem einzigen bestehenden gemauerten, ca. 20 mal 30 Meter großen Gebäude die Erzeugung von Stecknadeln und Hafteln sowie, 1889, von Ketten. Maschinen und Meister kamen von Stolberg.[1]

Durch den Ersten Weltkrieg verlor die österreichische Zweigniederlassung den größten Teil ihrer Absatzmärkte.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der österreichische Staat 1955 mit Abschluss des Österreichischen Staatsvertrags gegen eine hohe Ablösesumme die von der sowjetischen Besatzungsmacht bisher durch den USIA-Konzern verwalteten Betriebe, bestrebt, diese preisgünstigst wieder zu veräußern. Nach dem Rückkauf der Firma Prym wurde der Betrieb am 13. August 1955 an zwei öffentliche Verwalter[Anm. 2] übergeben.[3]

Mit rund 4000 Beschäftigten wurde um 1970 der höchste Mitarbeiterstand erreicht. — Die unerwartete Schließung des österreichischen Betriebs erfolgte bei noch voller Beschäftigung, guter Auftragslage und positiver Bilanz am 1. Juli 1981.[4]

2004 wurde dem Unternehmen von der Europäischen Kommission eine Geldstrafe in Höhe von 30 Mio. Euro für ein Nadelkartell mit dem britischen Unternehmen Coats PLC auferlegt. Im Zuge des gleichen Vorgehens der EU wurde ein zweites Kartell im Jahre 2007 mit insgesamt über 303 Mio. Euro, davon 40,5 zu Lasten von Prym, wegen Kartellbildung im Bereich Verbindungs- und Befestigungssysteme bestraft.[5] Der Europäischen Kommission zufolge war Prym Teil einer Gruppe von Gesellschaften, die zwischen 1994 und 1999 illegale Absprachen über Preise und Märkte trafen, die jedoch als zwei einzelne Kartelle angesehen wurden. Dadurch konnte die Kommission die Strafen für Prym deutlich erhöhen; von der üblichen Maximalgrenze von 10 % des Jahresumsatzes auf über 20 %.[6] Dem für die bebußten Unternehmensteile verantwortlichen Geschäftsführer Axel Prym kommt im Rahmen der Kartellbildung besondere Bedeutung zu. Die Kommission schreibt in ihrer Urteilsbegründung nicht nur, dass Axel Prym ausführliche Aufzeichnungen aller Treffen des Kartells erstellte, sondern auch, dass er sich der Illigalität der Treffen und Absprachen bewusst war.[7][8]

Auf Grund der schwierigen Situation über 70,5 Mio. Euro an Bußen begleichen zu müssen, wurde im April 2011 die Strafe für Kartellbildung im Bereich Verbindungs- und Befestigungssysteme von 40,5 Mio. Euro auf 15,5 Mio. Euro reduziert.[9] Insgesamt musste das Unternehmen so über 45,5 Mio Euro an Bußgeldern begleichen.[10][11]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute produziert die verbliebene Firma täglich ca. 15 Millionen Druckknöpfe. Neben Kurzwaren wie Druckknöpfen und Stricknadeln stellt Prym mittlerweile auch Kontaktelemente für elektrische Verbindungen und elektronische Bauteile her. Das Unternehmen ist inzwischen mit 40 Produktions- und Vertriebsstandorten weltweit vertreten.

Unter der William Prym GmbH & Co. KG sind für die einzelnen Geschäftsbereiche drei eigenständige Tochterunternehmen zuständig:

  • Consumer: Näh- und Handarbeitsartikel, Accessoires
  • Fashion: Verschlüsse für Kleidung und Textilien
  • Inovan: Werkstoff- und Oberflächentechnik, Kontaktelemente

2013 lag der Jahresumsatz der Prym Group bei ca. 360 Millionen Euro, die Anzahl der Mitarbeiter betrug 3500.[12] Bis Oktober 2005 war Prym durchgehend von Mitgliedern der Familie Prym geführt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf das finanzielle Engagement der Unternehmerfamilie Prym geht die Gründung der Stadtbücherei und des Schwimmbads in Stolberg sowie Sozialwohnungen zurück. Am 1. November 1884 richtete William Prym GmbH & Co. KG als eine der ersten Firmen in Deutschland eine Fabrik-Krankenkasse ein, aus der später die heutige Actimonda BKK hervorgegangen ist.

Während sich das Werk selbst in Weissenbach befand, waren die Arbeiterhäuser auf der anderen Seite des Further Baches. Diese Arbeiterhäuser existieren noch heute als Teil einer Siedlung, die den Namen Prymhäuser trägt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bert Fröndhoff: Erst die Firma, dann die Familie; Artikel im Handelsblatt vom 6. August 2007.
  • Andrea Prym-Bruck (Hrsg.): I need you: 100 Jahre Prym’s Druckknopf, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in Aachen 2003. Prym, Stolberg 2003, ISBN 3-00-011603-6
  • Joachim Kornelius, Bernd van Boeckel, Erwin Otto (Bearb.): Fingerhüte der William-Prym-Werke: die Geschichte einer alten Fingerhutproduktion mit Bildern des Warenkatalogs von 1934, Wissenschaftlicher Verlag Trier (WVT), Trier, 1988, ISBN 3-922031-96-X
  • Alfons Brammertz: Heimatbuch der Marktgemeinde Weissenbach an der Triesting – von einst bis heute. Marktgemeinde Weissenbach, Weissenbach 1986 [13][14]
  • Alfons Brammertz: Geschichte der Firma William Prym in Weißenbach an der Triesting. In: Unsere Heimat, Band N.F. 56/1985, St. Pölten 1985, S. 282– [15][16]
  • Franz Willems: Prym, Geschichte und Genealogie, Guido Pressler Verlag, Wiesbaden 1968.[17][18]
  • Karl Schleicher: Geschichte der Stolberger Messingindustrie. Heimathefte der Stadt Stolberg/Rheinland, Heft 6. Stadtbücherei, Stolberg/Rhl. 1956 [19][20]
  • Walther Th. Prym: Vorfahren und Nachkommen des Gustav Isaak Prym, 3. April 1783 – 8. Januar 1832, Messingfabrikant auf dem Dollartshammer und in Eschweiler, und seiner Ehefrau Emilie Lynen, 2. November 1791 – 20. August 1844, Hamburg 1996, 5., völlig neu überarbeitete Auflage

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Brammertz: Heimatbuch. S. 67.
  2. Brammertz: Heimatbuch. S. 72.
  3. Brammertz: Heimatbuch. S. 75.
  4. Brammertz: Heimatbuch. S. 76.
  5. http://europa.eu/rapid/press-release_IP-07-1362_en.htm?locale=en
  6. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/knopfhersteller-prym-kartellstrafe-deutlich-ueber-ueblicher-hoechstgrenze/4012044-2.html
  7. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/geringere-eu-strafe-deutschlands-aelteste-firma-kann-weiterleben-a-754498.html
  8. http://europa.eu/rapid/press-release_IP-07-1362_en.htm?locale=en
  9. http://europa.eu/rapid/press-release_IP-07-1362_en.htm?locale=en
  10. europa.eu (26. Oktober 2004): Commission fines Coats and Prym for a cartel in the needle market and other haberdashery products, abgerufen am 25. Juli 2014
  11. Spiegel Online(1. April 2011): Geringere EU-Strafe: Deutschlands älteste Firma kann weiterleben, abgerufen am 25. Juli 2014
  12. http://www.prym.com/prym/proc/docs/0H04001Jz.html?nav=0H04001dZ
  13. Permalink Deutsche Nationalbibliothek
  14. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  15. Permalink Deutsche Nationalbibliothek
  16. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  17. Permalink Deutsche Nationalbibliothek
  18. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  19. Permalink Deutsche Nationalbibliothek
  20. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Koordinaten bzw. Lage des bildbeherrschenden Werksgebäudes.
  2. einer davon: Alfons Brammertz (1906–1995), der spätere Werks- und Orts-Chronist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]