Willy Leow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Willy Leow (rechts) neben Ernst Thälmann (1927)

Willy Leow (* 25. Januar 1887 in Brandenburg an der Havel; † 3. Oktober 1937 in der Sowjetunion) war ein deutscher Handwerker (Tischler) und Politiker der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willy Leow besuchte die Volksschule in Brandenburg. Danach erlernte er das Tischlerhandwerk und wurde an der Arbeiterbildungsschule in Berlin unterrichtet. Im Januar 1904 wurde Leow Mitglied des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Im selben Jahr trat Leow in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein, der er bis 1916 angehörte. Nachdem Leow sich bereits 1917 an der Gründung des Spartakusbundes beteiligt hatte und kurzzeitig der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) angehört hatte, war er Ende 1918 Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

1925 wurde Leow zum Zweiten Vorsitzenden des Rotfrontkämpferbundes (RFB), der 1924 gegründeten Wehr- und Schutzorganisation der KPD, gewählt. 1928 wurde Leow in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Der SPD-Politiker Herbert Wehner, der in der Weimarer Zeit selbst Kommunist war, schrieb Jahrzehnte später in seinen Lebenserinnerungen, Leow sei „eine durch und durch korrupte Person“ gewesen.[1]

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ floh Leow ins Ausland. Ab 1935 lebte er in der Sowjetunion. Er arbeitete als Redakteur und Leiter des deutschsprachigen Staatsverlages in der Wolgadeutschen Republik. 1936 wurde er im Zuge der Stalinistischen Säuberungen verhaftet und am 3. Oktober 1937 wegen Organisation einer trotzkistisch-terroristischen Gruppe vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt und erschossen.[2]

Post mortem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichtsschreibung der Deutschen Demokratischen Republik fiel Leow die ersten Jahrzehnte nach seinem Tod einer sogenannten Damnatio memoriae anheim, das heißt, er wurde in Geschichtsbüchern der DDR und in der öffentlichen Erinnerungskultur des ostdeutschen Staates bewusst verschwiegen: Seine Person wurde gezielt nicht erwähnt und Spuren seiner Existenz wurden systematisch aus Dokumentenveröffentlichungen und Bildreproduktionen der DDR beseitigt. So wurde Leow beispielsweise aus einer vielfach abgedruckten Fotografie, die ihn neben Ernst Thälmann während eines RFB-Aufmarsches in den 1920er Jahren zeigte, herausretuschiert. Grund für diese Praxis war, dass die Verhaftung und Ermordung Leows (also eines deutschen Kommunisten und Flüchtlings vor dem Faschismus) durch den sowjetischen Bruderstaat nicht in das Geschichtsbild der DDR passte und daher in seinen Veröffentlichungen nicht vorkommen durfte.[3][4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Wehner: Zeugnis, 1982, S. 79.
  2. Ulla Plener, Natalia Mussienko (Hrsg.): Verurteilt zur Höchststrafe: Tod durch Erschießen. Todesopfer aus Deutschland und deutscher Nationalität im Großen Terror in der Sowjetunion 1937/1938. Reihe: Texte/Rosa-Luxemburg-Stiftung, Band 27. Dietz, Berlin 2006, S. 58
  3. Walter Hütter: Bilder, die lügen. Begleitbuch zur Ausstellung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2000.
  4. welt.de: Wenn Bilder lügen. Abgerufen am 8. Dezember 2019.