Wilsberg: Straße der Tränen

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Folge der Reihe Wilsberg
OriginaltitelStraße der Tränen
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
Cologne Filmproduktion
im Auftrag des ZDF
Länge90 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
EinordnungFolge 55 (Liste)
Erstausstrahlung11. November 2017 auf ZDF
Stab
RegieDominic Müller
DrehbuchSandra Lüpkes
Jürgen Kehrer
ProduktionSabine de Mardt
Anton Moho
MusikMatthias Weber
KameraRalf M. Mendle
SchnittClemens Erbach
Besetzung
Chronologie

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Die fünfte Gewalt

Nachfolger →
MünsterLeaks

Straße der Tränen ist die 55. Folge der Fernsehfilmreihe Wilsberg. Der Film basiert auf der Wilsberg-Figur von Jürgen Kehrer. Die Erstausstrahlung erfolgte am 11. November 2017 im ZDF. Regie führte Dominic Müller, das Drehbuch schrieben Jürgen Kehrer und Sandra Lüpkes.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schülerin Emelie Boll macht sich nach einem Discobesuch allein auf den Heimweg. Ekkehardt Talkötter, der zufällig mit dem Auto unterwegs ist, nimmt sie mit und setzt sie vor ihrem heimatlichen Grundstück ab. Als Ekki am nächsten Tag seinen Freund, Privatdetektiv Georg Wilsberg, aufsucht, muss er dort im Radio hören, dass das Mädchen vermisst wird und ein Zeuge seinen roten Wagen gesehen hat. Da auch halb Münster die Vermisstenmeldung hört, dauert es nicht lange und Ekkis Auto wird erkannt. Damit beginnt eine Vorverurteilung und digitale Hetzjagd durch die Bevölkerung und die Internetgemeinde. Ekki versucht, dem zu entgehen, indem er sich sofort der Polizei stellt, als er bemerkt, dass man ihn für den Täter hält. Das nützt ihm zwar, nun polizeilich nicht gesucht zu werden, doch die besorgten Bürger sehen in ihm weiter den Mann, der schon vor einigen Jahren genau an dieser Straße zwei Mädchen entführt und dann getötet hatte. Kommissarin Anna Springer versucht deshalb, die Polizeipsychologin zu dem aktuellen Fall hinzuzuziehen, die bereits in den beiden anderen Morden tätig geworden war. Doch Hiltrud Appeldorn verweigert die Zusammenarbeit, da sie sich seit zwei Jahren von allem zurückgezogen hatte, um ihren kranken Mann zu pflegen.

Emelies Eltern sind aufs höchste besorgt, weil auch sie von den Entführungsfällen der Vergangenheit wissen. Eigentlich befindet sich ihre Ehe am Ende und sie sind gerade dabei, sich einvernehmlich zu trennen, wobei ihnen Alex Holtkamp anwaltlich behilflich sein soll. Somit erweitern sie gleich Alex' Kompetenzen, um die Bolls auch vor der Presse zu vertreten. Obwohl sie sich selbst nicht vor den Kameras der Presse zeigen wollen, kann Alex sie überzeugen, wenigstens einen Appell über das Internet zu senden, von wo bereits erste Lebenszeichen Emelies in Form kurzer Videos aufgetaucht sind.

Georg Wilsberg sieht nur eine Möglichkeit, die Treibjagd auf Ekki zu beenden, indem er hilft, den wahren Täter zu finden. Eine erste Möglichkeit sieht er darin, das Internet dafür zu nutzen, die besorgten Bürger bei der Suche nach Emelie mithelfen zu lassen. Alex nimmt die Aktion in die Hand und kann tatsächlich Freunde und Bekannte der Vermissten mobilisieren. Unter Wilsbergs Leitung durchkämmen sie den Wald, um irgendwelche Hinweise zu finden. Wilsberg trifft dabei auf Hiltrud Appeldorn, die sich offenbar doch für des Schicksal des Mädchens zu interessieren scheint. Um sie vielleicht doch zur Mitarbeit zu bewegen, sucht Wilsberg die Psychologin zu Hause auf. Dort muss er miterleben, wie sich die Frau um ihren an Demenz erkrankten und im Rollstuhl sitzenden Mann kümmert. Aus einer Mischung aus Mitleid und Interesse an Hiltrud Appeldorn lädt er sie abends ein. Dabei wird sie Zeugin, wie gerade einer der aufgebrachten Bürger Ekki mit dem Auto anfahren will. Kurzentschlossen steuert sie ihren Wagen gegen das herannahende Fahrzeug. Ekki ist so gerettet, doch Appeldorn muss mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma in die Klinik gebracht werden. Wilsberg besucht sie sofort und sie bittet ihn, sich um die Medikamentengabe für ihren Mann zu kümmern. Als er dies dann tut, hat er den Eindruck, dass Hein Appeldorn wesentlich aktiver ist, als er ihn das letzte Mal gesehen hatte.

Unter den Asservaten der beiden alten Fälle findet sich ein Schlüsselbund, das in der Nähe des Ablageortes der letzten Leiche gefunden wurde und von dem anzunehmen ist, dass einer der Schlüssel zum Versteck der Mädchen gehört. Nur konnte man das Versteck bis heute nicht finden. Durch einen IT-Experten wird bekannt, welche Firmen die passenden Schlosssysteme in den letzten Jahren benutzt haben. Nach Ausschluss aller weniger in Frage kommenden Gebäude bleibt am Ende eine Autobahnbrücke in der Nähe von Münster. Overbeck sieht dort sofort nach, kann Emelie in dem Hohlraum der Autobahnbrücke aber nicht finden. Dafür ergeben sich jedoch eindeutige Hinweise, dass hier vor einigen Jahren die beiden Mädchen festgehalten worden waren. Nachdem Wilsberg den zweiten Schlüssel des Schlüsselbundes mit dem Haustürschlüssel der Appeldorns vergleicht, ist ihm klar, warum sich die Psychologin so plötzlich zurückgezogen hat: Sie will ihre Familie schützen, denn beide Schlüssel sind identisch. So gerät Appeldorns Sohn Markus unter Tatverdacht, was auch diesmal der Internetgemeinde nicht verborgen bleibt. Sofort beginnt eine Treibjagd auf den jungen Mann, der zufällig auch noch bei Emelies Eltern angestellt ist. Wilsberg ermittelt aber nicht in diese Richtung, sondern recherchiert über Markus' Vater. Dieser hatte früher Autobahnen gebaut und arbeitete im Anfangsstadium seiner Krankheit als Taxifahrer. Eine regelmäßige Tour war dabei eine Diskothek, in der die beiden vorigen Opfer verkehrt hatten. Bei der Analyse der Medikamente, die Hiltrud Appeldorn ihrem Mann verabreicht, stellt sich heraus, dass diese bei Demenz absolut unüblich sind, weil sie das Krankheitsbild verschlechtern. Wilsberg ist damit klar, dass Appeldorn begonnen hatte, ihren Mann ruhig zu stellen, nachdem sie das Schlüsselbund bei der Polizei entdeckte und sie feststellte, dass das Täterprofil, das sie selbst erstellt hatte, auf ihren eigenen Mann zutraf. Mit dem Verschwinden Emelies kann er jedoch nichts zu tun haben, sodass nun der Verdacht gegen Markus bestehen bleibt. Dieser beteuert zwar seine Unschuld, wird jedoch gnadenlos vom Internet-Mob bedroht. Als die Lage zu eskalieren droht, taucht plötzlich Emelie wohlbehalten wieder auf und erklärt, dass sie nur erreichen wollte, dass sich ihre Eltern mal um sie Sorgen machen sollten. Niemand würde sich eigentlich für sie interessieren, was sie mit ihrer Aktion ändern wollte.

Hein Appeldorn wird in ein Pflegeheim gebracht und seine Frau festgenommen. Auch Emelie muss sich am Ende wegen Vortäuschung einer Straftat juristisch verantworten.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße der Tränen enthält versteckte Hinweise auf Münsters ehemaligen Olympia-Reiter Hendrik Snoek. Snoek wurde 1976 Opfer einer Entführung und am Ende lebend in einem Hohlraum einer Autobahnbrücke der A45 im Sauerland gefunden. Eine Autobahnbrücke spielt auch in diesem Wilsberg eine Rolle, die allerdings so nicht am Autobahnkreuz Münster-Süd existiert. [1]

Der Running Gag „Bielefeld“ erfolgt in dieser Folge in Minute 38, als Overbeck feststellt, dass Dustin diverse Vorstrafen hat und die JVA Bielefeld-Sennestadt nur auf Bewährung verlassen durfte.

Bei dem Musiktitel am Ende der Episode handelt es sich um Comfortably Numb von Dar Williams.

Straße der Tränen erscheint im Januar 2018 zusammen mit der Folge MünsterLeaks von Polarfilm auf DVD.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Erstausstrahlung von Straße der Tränen am 11. November 2017 im ZDF wurde der Film in Deutschland von insgesamt 7,16 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 23,2 Prozent.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Frankfurter Neuen Presse schrieb Ulrich Feld: „Passend zum Titel verfügt der mittlerweile 55. Wilsberg-Krimi über einen sehr ernsthaften Erzählton und präsentiert sich von Regisseur Dominic Müller gekonnt auf Hochspannung getrimmt. Die Lösung [am Ende] überrascht,“ zeichnet sich aber für Krimiexperten schon im Laufe der Handlung ab.[4]

Tilmann P. Gangloff von tittelbach.tv meinte: „Anders als die Mehrzahl der gut fünfzig bisherigen ‚Wilsberg‘-Episoden ist ‚Straße der Tränen‘ […] keine Krimikomödie, sondern fast ein Thriller. […] Roter Faden der Geschichte ist nicht zuletzt die Konfrontation zwischen analoger & digitaler Welt, was einige pädagogisch klingende Dialoge zur Folge hat.“[3]

Die Redaktion vom Stern kam zu dem Urteil: „Die Folge ‚Wilsberg: Straße der Tränen‘ […] kommt als pädagogischer Weltverbesserer daher und insgesamt ein wenig hölzern.“ „Die Geschichte um den Konflikt zwischen Offline- und Online-Welt verkommt […] unnötig zum Mahnstück. Kein Fan der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. braucht den erhobenen Zeigefinger von Kommissarin Springer, wenn es um voreilige Verurteilungen geht. Die Geschichte hätte mit etwas mehr Spannung und besseren Dialogen zwischen den Hauptdarstellern […] großes Potenzial.“ „Alle Figuren aber leiden aber unter der unglaubwürdigen Umsetzung.“[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Filmkritik bei stern.de, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  2. DVD bei amazon.de, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  3. a b Tilmann P. Gangloff: Lansink, Korittke, Klink, Lüpkes/Kehrer, Müller. Der natürliche Feind – das Internet Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  4. Straße der Tränen: Nicht viel Komödie diesmal bei fnp.de, abgerufen am 3. Dezember 2017.