Wilthen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wilthen
Wilthen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wilthen hervorgehoben
Koordinaten: 51° 6′ N, 14° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 288 m ü. NHN
Fläche: 17,06 km²
Einwohner: 5091 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 298 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 02679–02681
Vorwahl: 03592
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 630
Stadtgliederung: 3 Stadtteile/Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bahnhofstraße 5
02681 Wilthen
Webpräsenz: www.wilthen.de
Bürgermeister: Michael Herfort (CDU)
Lage der Stadt Wilthen im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild

Wilthen (obersorbisch Wjelećin) ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Bautzen in der Oberlausitz.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilthen liegt etwa 9 km südlich der Großen Kreisstadt Bautzen und 45 km östlich von Dresden im Lausitzer Bergland.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile sind Sora (sorb. Zdźar), Irgersdorf (Wostašecy) und Tautewalde (Tućicy).

Angrenzende Städte und Gemeinden sind Obergurig im Norden, Schirgiswalde-Kirschau im Osten, Steinigtwolmsdorf im Süden, Neukirch/Lausitz im Westen und Doberschau-Gaußig im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilthen entstand aus einer sorbischen Siedlung, die von deutschen Kolonisten zu einem Waldhufendorf umgestaltet wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1222. 1585 wurde Wilthen von der Pest heimgesucht, die 148 Tote forderte. Im Jahr 1612 litten die Wilthener Einwohner unter einer großen Hungersnot, so wurden Birkenlaub roh und gekocht sowie Rinde geschabt gegessen. Während des Dreißigjährigen Krieges, vor allem zwischen 1631 und 1648, waren Kriegsunruhen, Plünderungen und Misshandlungen in Wilthen zu verzeichnen.[2]

Reinhard Dietrich von Taube, Lehnherr zu Wilthen, richtete am 28. September 1668 ein Gesuch an den Kurfürsten von Sachsen, Wilthen das Markt- und Stadtrecht zu verleihen. Dieses Gesuch wurde am 22. Dezember 1668 bewilligt und erlangte ab 1669 seine Gültigkeit.[3] Wilthen wurde aber weiterhin als Dorf oder Marktflecken angesehen, da lediglich Jahrmärkte eingerichtet wurden. Genau 300 Jahre später, 1969, wurde Wilthen erneut Stadt. 1972 wurde Wilthen ein staatlich anerkannter Erholungsort. Eine Neubewerbung um dieses Prädikat, das für acht Jahre vergeben wird, war zuletzt 1997 erfolgreich.

Bekannt ist der Ort vor allem aufgrund eines der größten Arbeitgeber des Ortes, eines Spirituosenproduzenten. Die Produktion von hochprozentigen Kräuterschnäpsen und Weinbränden hat hier eine lange Tradition.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in fast allen Gemeinden der Oberlausitz nimmt auch die Einwohnerschaft in Wilthen weiter ab. Dies geschieht zum einen durch eine substantielle Abwanderung und zum anderen durch einen wachsenden Sterbeüberschuss in der überalternden Region. Als Konsequenz beginnt man in Wilthen mit dem Rückbau industriell gefertigter Wohnbauten im Norden der Stadt. Hier sollen in den kommenden Jahren noch viele weitere Wohnungen abgerissen werden.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 2002 31. Dezember):

  • 1834 – 1180
  • 1885 – 2035
  • 2002 – 6761
  • 2004 – 6336
  • 2007 – 5870
  • 2008 – 5744
  • 2009 – 5684
  • 2010 – 5523
  • 2012 – 5315
  • 2013 – 5268
  • 2015 – 5348
Datenquelle ab 2002: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 53,1 % zu folgender Sitzverteilung im Stadtrat:

Partei / Liste: CDU FWWB* FDP LINKE NPD SPD Gesamt
Sitze: 8 4 2 2 1 1 18 Sitze

* Freie Wählerliste Wilthener Bürger

Zusätzlich gehört dem Stadtrat der gesondert gewählte Bürgermeister an, der den Vorsitz führt. Dies ist in Wilthen Michael Herfort (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Wilthen in der Oberlausitz zeigt in blauem Schild eine silberne Frauengestalt mit verbundenen Augen, in der erhobenen linken Hand eine goldene Waage und in der gesenkten rechten Hand ein goldenes Schwert haltend; rechts oben balkenweise ein goldener Webschützen über einer goldenen Weintraube. Diese weibliche Figur mit den Attributen Augenbinde, Schwert und Waage stellt Justitia, die altrömische Göttin des Rechts und Verkörperung der Gerechtigkeit dar. Wahrscheinlich führte Wilthen schon seit 1669 Justitia im Siegel, als durch Kurfürst Johann Georg II. (Sachsen) die Markt- und Stadtgerechtigkeit verliehen wurde.

Pumphut

Wahrzeichen der Stadt ist Martin Pumphutt, Hexenmeister der Oberlausitz. Eine an seine Person erinnernde Holzplastik steht heute in der Nähe des Wilthener Bahnhofes. Um diese Sagenfigur ranken sich viele kleine Geschichten, Lieder und Gedichte, welche u.a. auf www.pumphutt.de zusammengetragen wurden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilthen pflegt Städtepartnerschaften mit Eppelheim und Lwówek Śląski.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Wilthen

Wilthen bietet vor allem zahlreiche Wandermöglichkeiten, Berggaststätten und Aussichtspunkte im Herzen des Oberlausitzer Berglands.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kleine Heimatstube mit einem original funktionierenden Webstuhl und anderen historischen Ausstattungsgegenständen befindet sich in der Nähe des Fremdenverkehrsamtes.

Die Wilthener Weinbrennerei bietet Führungen ab 10 Personen mit Voranmeldung an. Weiterhin befindet sich im Ortsteil Sora eine historische Brunnenstube.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in Wilthen gibt es einige historische Gebäude. Ein schönes Umgebindehaus steht in der Dresdener Straße 30 und auf der Bahnhofstraße 19 ist die Alte Stellmacherei. Bei Spaziergängen durch den Ort sind immer wieder gut erhaltene Gebäude der alten Handwerker zu sehen.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für alle botanisch Interessierten gibt es in den Wilthener Teichlandschaften einen Lehrpfad.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1965 gab es in Wilthen unter der Leitung von Adolf Kiertscher die „Kapelle Oberland“. Am 30. Mai 2010 wurde die Leitung von ihm an Olaf Hoffmann übergeben, der die Kapelle unter der Namen "Olaf und die Oberländer" weiterführt.

Kulinarisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt für seinen rauen Geschmack ist die Wilthener Goldkrone, ein Weinbrandverschnitt, der in Wilthen produziert wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenansicht der Wilthener Weinbrennerei vom St.-Barbara-Platz aus gesehen

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilthener Weinbrennerei / Hardenberg-Wilthen AG
  • KEW Kunststofferzeugnisse GmbH Wilthen
  • Lakowa GmbH Kunststoffbe- und -verarbeitung
  • VTN Wilthen GmbH
  • SLM GmbH
  • Schumann Kies- und Hartsteinwerke

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindertagesstätte, Jugendhaus, Bibliothek, Bikepark „Dirtbase-Wilthen“

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Wilthen verfügt über die Pumphut-Grundschule, die Goethe-Oberschule und das Immanuel-Kant-Gymnasium.

Pumphut-Grundschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundschule Wilthen wurde zum Schuljahresbeginn 1992/1993 mit Durchsetzung des dreigliedrigen Schulsystems in Sachsen eingerichtet und ist in einem großen Altbaugebäude mit Anbau untergebracht. Der Altbau wurde 1921 als Schule gebaut; 1993/94 erfolgte eine grundlegende Rekonstruktion. Der Anbau wurde 1975 eingeweiht. Am 19. Oktober 2012 erfolgte die feierliche Namensweihe der Pumphut-Grundschule.

Goethe-Oberschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1878 wurde der Mittelteil der heutigen Schule errichtet. Später folgten dazu die beiden Seitenflügel. Eine vollständige Sanierung des Schulgebäudes wurde in den Jahren 1991 bis 1995 durchgeführt. Heute beinhaltet das Schulgebäude 18 Unterrichtsräume und Fachkabinette mit moderner und interaktiver Medientechnik.

Immanuel-Kant-Gymnasium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1988 erfolgte die Grundsteinlegung für eine zweite POS in Wilthen. Der Rohbau der Schule wurde bereits im August desselben Jahres fertiggestellt. Die Einweihung wurde am 4. Januar 1989 vollzogen. Im ersten Schuljahr 1989/1990 wurde auch die dazugehörige Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben. Mit der politischen Wende 1990 wurde in den neuen Bundesländern ein neues Schulsystem eingeführt. Die Bildung der ersten beiden Leistungs- bzw. Vorbereitungsklassen für das Abitur erfolgte aus den zehnten Klassen. Die Bestätigung der Schule als Gymnasium erfolgte im Juli 1992. 1994 erfolgte eine Modernisierung der Südfassade und am 22. September 1995 erfolgte die Grundsteinlegung für den neuen Anbau der Schule.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilthen besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Oberoderwitz–Wilthen (Süd-Lausitzer Bahn) und Bahnstrecke Bautzen–Bad Schandau, welcher stündlich von Zügen der Trilex-Linien TLX2 und TL60 in Richtung Dresden und Zittau bedient wird. Zudem verkehren die folgenden Buslinien der Regionalbus Oberlausitz GmbH durch die Stadt:

  • Linie 101: Bautzen – Wilthen – Taubenheim – Oppach über Singwitz – Steinigtwolmsdorf
  • Linie 111: Bautzen – Wilthen – Weifa – Wehrsdorf
  • Linie 113: Wehrsdorf – Schirgiswalde-Kirschau – Wilthen – Wehrsdorf (Ring I und Ring II)
  • Linie 123: Cunewalde – Crostau – Schirgiswalde-Kirschau
  • Linie 178: Bischofswerda – Gaußig – Schirgiswalde-Kirschau

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Wilthen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 32. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (II. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 313.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Historisches. In: wilthen.de. Abgerufen am 13. Juni 2016.
  3. Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Confirm. 1666-1672, XXIII, Seite 594

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilthen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Wilthen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen