Windhagen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu weiteren Bedeutungen siehe Windhagen (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Windhagen
Windhagen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Windhagen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 39′ N, 7° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Neuwied
Verbandsgemeinde: Asbach
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 13,11 km²
Einwohner: 4196 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 320 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53578
Vorwahlen: 02645, 02683 (Stockhausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: NR
Gemeindeschlüssel: 07 1 38 077
Gemeindegliederung: 16 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Flammersfelder Straße 1
53567 Asbach
Webpräsenz: www.windhagen.de
Ortsbürgermeister: Josef Rüddel (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Windhagen im Landkreis Neuwied
Neuwied Buchholz (Westerwald) Asbach (Westerwald) Windhagen Neustadt (Wied) Rheinbreitbach Unkel Bruchhausen (Landkreis Neuwied) Erpel Vettelschoß Linz am Rhein Kasbach-Ohlenberg Ockenfels Sankt Katharinen (Landkreis Neuwied) Dattenberg Leubsdorf (am Rhein) Bad Hönningen Rheinbrohl Hammerstein (am Rhein) Leutesdorf Isenburg (Westerwald) Kleinmaischeid Großmaischeid Stebach Marienhausen Dierdorf Oberdreis Woldert Rodenbach bei Puderbach Ratzert Niederwambach Steimel Döttesfeld Puderbach Dürrholz Hanroth Raubach Harschbach Niederhofen Dernbach (Landkreis Neuwied) Urbach (Westerwald) Linkenbach Breitscheid (Westerwald) Waldbreitbach Roßbach (Wied) Hausen (Wied) Datzeroth Niederbreitbach Hümmerich Oberhonnefeld-Gierend Oberraden Straßenhaus Kurtscheid Bonefeld Ehlscheid Rengsdorf Melsbach Hardert Anhausen Rüscheid Thalhausen Meinborn Nordrhein-Westfalen Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Landkreis Ahrweiler Landkreis Mayen-Koblenz Koblenz Marienhausen WesterwaldkreisKarte
Über dieses Bild
St. Bartholomäus in Windhagen

Windhagen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im nördlichen Rheinland-Pfalz und liegt unmittelbar an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Sie gehört der Verbandsgemeinde Asbach an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Windhagen liegt auf der Asbacher Hochfläche am Übergang vom Siebengebirge in den sich nach Osten erstreckenden Westerwald, unmittelbar an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Die Ortschaft erstreckt sich südöstlich des Dachsbergs auf der Nordseite eines Höhenzugs und umfasst Höhenlagen zwischen 260 m ü. NN und 320 m ü. NN. Teile des Gemeindegebietes liegen im Naturpark Rhein-Westerwald. Der höchste Bodenpunkt wird mit 320 m ü. NN im Ortsteil Vierwinden, der niedrigste mit 165 m ü. NN am östlichen Austritt des Hallerbachs, der hier auch Elsaffer Bach genannt wird, aus der Gemarkung erreicht.

Nachbargemeinden von Windhagen sind Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen) mit dem Stadtbezirk Aegidienberg im Nordwesten, Asbach im Nordosten, Neustadt (Wied) im Südosten, Vettelschoß im Südwesten sowie Erpel, Unkel und Rheinbreitbach im Westen. Die am nächsten gelegenen größeren Städte sind Neuwied, Bonn und Siegburg, jeweils etwa 30 km entfernt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[W] = Gemarkung Windhagen; [R] = Gemarkung Rederscheid; kursiv: kein offizieller Gemeindeteil

Zu Windhagen gehören auch die Wohnplätze Adamstal (Gemarkung Windhagen) und Fischerhaus im Appental (Gemarkung Rederscheid).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Manuskript aus dem Jahre 1613 wurde im 7. Jahrhundert in einer Schenkungsurkunde eine Herrschaft „Wintsan“ erwähnt, die mit Windhagen identifiziert wird. Der Ort ist vermutlich keltischen Ursprungs, in der fränkischen Zeit lag er an der Grenze von Engersgau, Bonngau und Auelgau. Die Gaugrenzen wurden allgemein durch einen Wald, den sogenannten „Wendehagen“ markiert, an dem die germanischen Stämme „umwenden“ (umkehren) mussten.[3] Die mundartliche Bezeichnung des Ortes lautet „Wänte“ oder „Wänten“, die des Ortsteils Oberwindhagen „Honneböschel“ und die des Ortsteils Niederwindhagen „Niddichwänte(n)“.[4]

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte Windhagen landesherrlich zum Kurfürstentum Köln und unterstand der Verwaltung des Amtes Altenwied. Das Amt Altenwied gliederte sich in drei Kirchspiele: Asbach, Neustadt und Windhagen. 1517 erschien der damals Wynthain genannte Ort in einer Zehntabrechnung des Amtes Altenwied als Kirchdorf.[5] Auf Anordnung des Erzbischofs Maximilian Heinrich von Bayern wurden im Jahr 1660 eine Inventur aller Honnschaften im Amt Altenwied durchgeführt. Hierbei wurde für das Kirchspiel Windhagen aufgezählt:

  • „Winthahner Honschaft“:
    Birken, Birkersseifen (Birkenseifen) und das „alte Hunsberg“ (Johannisberg) je ein Haus; Hunsberg (Hüngsberg) vier Häuser; Hecken und Wiesplätzchen je drei Häuser; Stockhausen zehn Häuser; Winthahn (Windhagen) einschließlich des Wittumshofs fünf Häuser, Niederwinthahn neun Häuser; Hasenberg ein unbewohnter Hof.
  • „Hohner Honschaft“:
    Frohnen und Hallerbach je zwei Häuser; Gunnerscheidt (Günterscheid) drei Häuser; Hohn, Schweyfeld (Schweifeld) und Redtscheid (Rederscheid) je fünf Häuser. Die Honnschaft wurde sonst meist Rederscheid genannt.[6]

Die Herrschaft Kurkölns endete 1803 nach über 500 Jahren mit dem Reichsdeputationshauptschluss. Das kurkölnische Gebiet in dieser Region wurde zunächst dem Fürstentum Wied-Runkel zugeordnet und kam 1806 aufgrund der Rheinbundakte zum Herzogtum Nassau. Das Kirchspiel Windhagen mit den Honnschaften Windhagen und Rederscheid unterstand anschließend der Verwaltung des nassauischen Amtes Altenwied. Nach den auf dem Wiener Kongress geschlossenen Verträgen wurde das Gebiet 1815 an das Königreich Preußen abgetreten.[7]

Die Honschaft Windhagen gehörte von 1816 an zum damals neu gebildeten Standesherrlichen Kreis Neuwied (ab 1848 Kreis Neuwied) im Regierungsbezirk Koblenz und wurde zunächst von 1817 bis 1823 von der Bürgermeisterei Altenwied, anschließend von der Bürgermeisterei Asbach (ab 1927 „Amt Asbach“) verwaltet. 1845 erfolgte die Umbenennung in „Gemeinde Windhagen“. In den 1960er-Jahren setzte ein umfangreiches Bevölkerungswachstum, bei dem sich die Einwohnerzahl Windhagens vervierfachte. Von 1984 bis 1988 entstand südlich der Autobahn ein neues Kultur-, Schul- und Sportzentrum der Gemeinde.[8]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der rheinland-pfälzischen Verwaltungs- und Gebietsreform wurde am 7. November 1970 die Gemeinde Windhagen mit der bis dahin eigenständigen Gemeinde Rederscheid (728 Einwohner) zusammengeführt und die neue Ortsgemeinde Windhagen gebildet.[9] Zur Gemeinde Windhagen (ohne Rederscheid) gehörten bis dahin die Ortsteile Adamstal, Birken, Hüngsberg, Johannisberg und Stockhausen.[10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Windhagen bezogen auf das heutige Gemeindegebiet, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[11]

Jahr Einwohner
1816 702
1835 984
1871 1.077
1905 982
1939 1.083
Jahr Einwohner
1950 1.167
1961 1.128
1970 1.588
1987 2.752
2005 4.350

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Windhagen besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[12]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP Gesamt
2014 5 12 2 1 20 Sitze
2009 5 12 1 2 20 Sitze
2004 6 13 1 20 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Josef Rüddel (CDU), der dieses Amt seit 1963 innehat und damit dienstältester sowie ältester Bürgermeister Deutschlands ist.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 13. Mai 1986 ist die Ortsgemeinde Windhagen berechtigt ein Wappen zu führen.

Blasonierung: „Schild durch geschweifte rote Spitze, darin goldener Brunnen gespalten, vorne im ersten Feld ein schwarzes Kreuz auf weißem (silbernen) Grund; hinten im zweiten Feld ein blauer Wellenbalken in silbernem Feld, drei 5-blättrige Rosen mit roten Butzen.“

Wappenerklärung: 1. Feld: Kurköln (frühere Zugehörigkeit zum Erzstift Köln), 2. Feld: Familie von Schoenebeck (steht für den Ortsteil Johannisberg, wo die noch heute im Windhagener Raum ansässige Familie Besitz hatte), 3. Feld: Douwen-Brunnen (die Heilkraft dieses Brunnens ist im Volksmund seit dem frühen Mittelalter bekannt).

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windhagen unterhält seit dem 3. Oktober 1991 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Pfaffschwende in Thüringen. Zur Festigung dieser Partnerschaft finden regelmäßige Treffen und Veranstaltungen beider Gemeinden statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Windhagener Ortskern ist die Anschlussstelle 34 (Bad Honnef/Linz) der Bundesautobahn 3 etwa drei Kilometer entfernt. Im Gemeindegebiet Windhagens liegt der Rastplatz Hambitz der A 3.

Über Buslinien sowie über Anrufsammeltaxi (AST) ist Windhagen gut an den ÖPNV angebunden, wodurch der Verwaltungsstandort Asbach sowie die Stadt Bad Honnef (mit Bahnhof) erreichbar sind.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windhagen ist Sitz des Maschinenbauunternehmens Wirtgen, die mit rund 1400 Mitarbeitern zu einem der weltweit führenden Unternehmen für die Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Maschinen und Anlagen für den Straßenbau zählt. Zu den größeren in der Gemeinde ansässigen Betrieben gehören auch Nölken Hygiene-Products, JK-Ergoline und Geutebrück. Darüber hinaus gibt es zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Handel, Dienstleistung, Produktion und Wellness.

Der seit 2005 in Windhagen ansässige Gewerbeverein „Initiative zur Stärkung der Region um Windhagen“ vereint zahlreiche Unternehmen der gesamten Region und veranstaltet im Rhythmus von zwei Jahren eine Gewerbeschau mit über 100 Ausstellern und weit über 10.000 Besuchern.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einem Bürgerhaus mit Veranstaltungsräumen bietet das moderne "Forum Windhagen" Platz für größere Veranstaltungen.

Zu den sportlichen Einrichtungen gehören eine neue Dreifeldsporthalle sowie der 2014 neu hergerichtete Rasensportplatz.

Windhagen verfügt über eine Grundschule mit Einfeldsporthalle, zwei Kindertagesstätten sowie einen Jugendtreff und zahlreiche Spielplätzen in den jeweiligen Ortschaften.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Windhagen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, Seite 31 (PDF; 2,3 MB)
  3. Dieter Ehlen: Wurzeln Windhagens. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 196.
  4. Helmut Wolff: Der Windhagener Dialekt. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 196.
  5. Günther Muders: Die Besiedlung des heimischen Raums. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 42.
  6. August Welker: Inventur im Amt Altenwied anno 1660, in: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied, 1977, S.101-103.
  7. Nassauische Annalen: Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Band 9-10, 1868, Seite 305
  8. Erwin Rüddel: Schul-, Sport- und Bürgerzentrum. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 344–351.
  9. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Amtliches Gemeindeverzeichnis Rheinland-Pfalz 2006 (PDF; 2,1 MB), Seite 200
  10. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 31 (PDF; 2,3 MB)
  11. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  12. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen