Windische Bühel

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Windische Bühel / Slovenske Gorice
Höchster Gipfel Kreuzberg (633 m ü. A.)
Lage Steiermark, Slowenien
Teil der Lavanttaler Alpen (nach AVE) oder Alpenvorland im Osten und Südosten
Einteilung nach L.d.St. V.3, Reg.Sl. 4.4.
Koordinaten 46° 40′ N, 15° 35′ OKoordinaten: 46° 40′ N, 15° 35′ O
Fläche 1.500 km²
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Die Windischen Bühel, slowenisch Slovenske Gorice, sind ein Hügelland im Grenzgebiet von Slowenien und der Steiermark und traditionell ein gemischtsprachiges Gebiet, daher auch der Name nach den Bewohnern und der Sprache (windisch, Bühel/Bichl heißt ‚Hügel‘).

Lage und Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet von etwa 20 × 65 km liegt zwischen den Flüssen Mur und Drau. Wie diese fließen auch die kleineren Gewässer meist in Richtung Südosten, im Nordwestteil Richtung Norden bis Westen. Die Bühel begleiten bogenförmig den Poßruck nördlich und westlich und stellt die Fortsetzung der Koralpe dar, entspricht morphologisch aber eher dem oststeirischen Hügelland, als Übergang zu einem Mittelgebirge. Es weist Höhen von 200 bis 400 m im slowenischen, und gut 600 m Gipfelflur im österreichischen Teil auf, der höchste Gipfel ist der Kreuzberg mit 633 m ü. A. nördlich Leutschach. Der slowenische Teil umfasst 1000 km², der österreichische 500 km².

Die Bühel reichen bis an die Stadtgrenzen von Maribor (Marburg an der Drau), und dem österreichischen Bad Radkersburg, dessen von der Mur getrennte slowenische Schwesterstadt Gornja Radgona (Oberradkersburg) heißt. Der wichtigste Grenzübergang nach Österreich ist Spielfeld (zwischen Maribor und Graz). Hauptorte des slowenischen Teils sind Jarenina (Jahring) und Lenart (St. Leonhard). Im Südwesten liegen Ormož und Ljutomer am Rand der Bühel. Das jenseits von Spielfeld in der Südweststeiermark angrenzende Hügelland erstreckt sich bis westlich von Leibnitz und St. Johann im Saggautal, Hauptort ist Leutschach.

Nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) wird das Hügelland zu den Lavanttaler Alpen gerechnet.[1] Die Landschaftsgliederung der Steiermark rechnet das Gebiet als Teilregion 5 schon zum Vorland (Region V), die slowenische naturgeographische Regionsgliederung als Mesoregion 4 zum Subpanonska Slovenija (Subpannonisches Slowenien, Makroregion 4), beide also schon zum Alpenvorland im Osten und Südosten.

Umgrenzung und Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordöstlich wird das Hügelland durch die Murebene (Pomurska ravan) begrenzt, das umfasst Leibnitzer Feld (L.d.St. T10), Unteres Murtal (T11), das Apaško polje (Abstaller Feld, Reg.Sl. 4.3.1.), Radensko Polje (Radeiner Feld) und das Mursko polje (Murfeld) bei Murska Sobota (zusammen Reg.Sl. 4.3), dahinter liegen das Steirische Vulkanland und die Goričko der Region Prekmurje (Übermurgebiet), im Osten schließen die kroatischen Medžimurje an. Die östlichsten Hügel der Windischen Bühel werden Prlekija genannt, sie ziehen sich bis an das Središko polje (Polstrauer Feld, Reg.Sl. 4.5.2.) an der Drau. Im Süden liegt die historische Südsteiermark mit Ptujsko polje (Pettauerfeld) und Dravsko polje (Draufeld, zusammen 4.5.) und dahinter das Hügelland der Halože. Die Südwestgrenze bildet der Talzug Pößnitz (Pesnica)Pößnitzbach zum Poßruck (Kozjak). Im Westen liegt jenseits des Saggautals das Weststeirische Riedelland (L.d.St. V1), nordwestlich jenseits des unteren Sulmtals der Sausal (L.d.St. V2).

Bis auf die Benennung der Hügel der Prlekija ist das Gebiet nur wenig gegliedert, markanteste Abgrenzung ist die Wasserscheide Sulm- zu Pesnica-Einzugsgebiet, die in etwa die Staatsgrenze bildet. Sonst hat das Hügelland durch seine lokale Gliederung große kultur- und naturlandschaftliche Eigenständigkeit.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet gehört zum Steirischen Tertiärbeckens,[2] als die Grazer Bucht (Steirisches Becken) ein Randmeer der Paratethys bildete, das weststeirische Becken durch die Mittelsteirische Schwelle, die in die Windischen Bühel hineinläuft, nach Art einer Lagune isoliert.[3][4] Der Raum sind hauptsächlich Ablagerungen des Ottnangium, Karpatium und Badenium (Wende unteres Burdigalium zum Langhium des Miozän, ca. vor 18–13 Mio.Jahren), eine Zeit, in der die Parathetys vordrang, aber schon die Steirische Faltungsphase der Alpenbildung einsetzte, mit Hebungen im Westen.[3] Das Weststeirische Riedelland und der Westen der Windischen Bühel, die Eibiswalder Bucht, sind jüngere limnisch-fluviatile Sedimente (Kreuzbergschotter, Urler Schotter), im Südosten liegen ältere marine Sedimente (Gamlitzer Schlier).[2] Kleine Inseln im Nordwesten (Nestelberg, Mattelsberg, Frauenberg) sind altpaläozoische Phyllite des Sausal (schwach metamorphe Schiefer des Grazer Paläozoikums). Eingelagert finden sich Leithakalkbänke (Abbau etwa in Retznei).[2]

Klima und Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinberge bei Jeruzalem

Die Region ist durch mildes, fruchtbares Klima ausgezeichnet (Illyrisches Klima) und hat Weinbau.

Der ganze österreichische Teil gehört zum Naturpark Südsteirisches Weinland (Landschaftschutzgebiet Südweststeirisches Weinland), in Slowenien liegt der Krajinski park Jeruzalemsko-ormoške gorice.

Geschichte und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt sind die Windischen Bühel nach neuen Forschungen archäologisch sehr ergiebig.[5] Sie stellen eine wichtige Passlandschaft zwischen Mur und Drau dar, die seit der Vorgeschichte besiedelt ist. Über den Platsch/Plački vrh, etwas westlich der heutigen Linie über Spielfeld/Šentilj, verlief ab der Römerzeit die Hauptstraße.

Das Gebiet gehörte bis 1918 zur Untersteiermark. Die Teilung geht auf den Vertrag von St. Germain zurück.

Wichtigste Tourismusinfrastruktur im österreichischen Teil ist die Südsteirische Weinstraße, die Grenzland-Weinstraße (L613) wurde 2007 wieder vollständig für den Verkehr freigegeben.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Alpengliedererung für bergsteigerische Zwecke definiert keine Aussengrenzen und ist bezüglich der randalpinen Gebiete unspezifisch. Im allgemeinen wird der Raum bis zur Linie Spielfeld–Marburg nach dieser Gliederung betrachtet, also hauptsächlich der österreichische Teil der Windischen Bühel.
  2. a b c Josef Hafellner: Ein Beitrag zur Flechtenflora für die Naturräume Weststeirisches Hügelland, Sausal und Windische Bühel (Steiermark). In: Fritschiana 43, Karl-Franzens-Universität Graz (2003), 1. Einleitung S. 47 ff − mit einer Übersicht über den Naturraum (ganzer Artikel S. 47–63, pdf, uni-graz.at).
  3. a b Vergl. Geologische Info zu Florianer Schichten. In Karl Philipp: Fossilien und Mineralien aus der Steiermark, fossilien.heimat.eu (abgerufen 21. Juli 2016).
  4. Fritz Ebener, Reinhard F. Sachsenhofer: Die Entwicklungsgeschichte des Steirischen Tertiärbeckens. = Mitt. Abt. Geol. und Paläont. Landesmuseum Joanneum, Heft 49, Graz 1991 (pdf, museum-joanneum.at).
  5. Matija Črešnar, Marko Mele, Karl Peitler, Manca Vinazza (Red.): Archäologische Biographie einer Landschaft an der steirisch-slowenischen Grenze. Ergebnisse des grenzübergreifenden Projekts BorderArch-Steiermark / Arheološka biografija krajine ob meji med avstrijsko Štajersko in Slovenijo. Rezultati čezmejnega projekta BorderArch-Steiermark (= Universalmuseum Joanneum, Archäologie & Münzkabinett: Schild von Steier, Beiheft 6/2015), Graz/Ljubljana 2015, ISBN 978-3-902095-69-5.
    Vergl. Verborgene Schätze an der Grenze. Wehranlagen, Siedlungen, Tumuli, und Pungen – ein EU-Projekt untersuchte die vielen archäologischen Schätze im steirisch-slowenischen Grenzraum. Walter Schmidbauer in Kleine Zeitung online, 22. April 2015.
  6. Grenzland-Weinstraße befahrbar. In: Der Standard online, 28. August 2007.