Windpark Werder/Kessin

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„Windpark RH2Werder/Kessin/Altentreptow (RH2-WKA)“
Windpark Werder/Kessin aus Richtung Nordosten (im Hintergrund Windpark Altentreptow-Ost)
Windpark Werder/Kessin aus Richtung Nordosten
(im Hintergrund Windpark Altentreptow-Ost)
Lage
Windpark Werder/Kessin (Mecklenburg-Vorpommern)
Windpark Werder/Kessin
Koordinaten 53° 42′ 55″ N, 13° 19′ 12″ OKoordinaten: 53° 42′ 55″ N, 13° 19′ 12″ O
Land Bundesrepublik Deutschland
Daten
Typ Hybridkraftwerk
Primärenergie Windenergie
Leistung ca. 144 MW (elektrisch)
Betreiber WIND-projekt
Betriebsaufnahme September 2013 (offiziell)
Turbine 15 × Enercon E-126 / 7,5 MW, 13 × Enercon E-82 / 2,3 MW
Stand September 2013
f2

Der Windpark RH2-Werder/Kessin/Altentreptow (RH2-WKA) ist ein großer Onshore-Windpark mit integriertem Wasserstoffspeicher in der Gemeinde Grapzow in Mecklenburg-Vorpommern. Er liegt östlich der Ortsteile Grapzow und Kessin, in Richtung des Nachbarortes Werder.

Der Windpark zählt aufgrund eines integrierten kleinen Prototypen zur Wasserstoffspeicherung sowie eines Blockheizkraftwerkes zur Wiedernutzung zu den Hybridkraftwerken. Mit einer installierten Leistung von 140 MW ist er einer der größten Onshore-Windparks in Deutschland (s. u.). Im Unterschied zu anderen Hybridkraftwerken wird im Speicherkreislauf, mit dem Speichermedium Regenerativer Wasserstoff („RH2“), komplett auf die Verwendung oder Beimischung von Kohlenwasserstoffen verzichtet. Daraus ergeben sich einige technische Neuerungen. Als Abgas entsteht bei der Stromrückgewinnung lediglich Wasserdampf.

Die Kosten des Gesamtprojektes betrugen circa 220 Millionen Euro.[1] Der Wasserstoffspeicher, dessen Investitionskosten mit 9,4 Mio. Euro angegeben werden[2], wurde als Pilotprojekt mit 4,5 Mio. Euro aus dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bezuschusst. Die offizielle Inbetriebnahme des Projektes erfolgte am 19. August 2013.[3]

Windpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt sind 28 Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 144 MW vorhanden. Zum Einsatz kommen Turbinentypen des Herstellers Enercon, davon 15 Anlagen des Typs Enercon E-126, der zum Errichtungszeitpunkt leistungsstärksten Windkraftanlage der Welt. Jede dieser Anlagen verfügt über eine Nennleistung von 7,5 MW, einen Rotordurchmesser von 127 Metern sowie eine Nabenhöhe von 135 Metern, womit die Anlagen eine Gesamthöhe von knapp 200 Metern erreichen. Zudem wurden 13 Enercon E-82 mit jeweils 2,3 MW errichtet. Baubeginn des Windparks war im Frühjahr 2011. Nach Medienangaben soll es sich um den größten Windpark Mecklenburg-Vorpommerns handeln, die produzierte elektrische Energie soll dem Jahresverbrauch von 120.000 Haushalten entsprechen, 15 % der Haushalte Mecklenburg-Vorpommerns.[4][5] Andere Medien bezeichnen den Windpark als größten Onshore-Windpark Deutschlands und taxieren die jährlich produzierte elektrische Energie auf den Verbrauch von 125.000 Haushalten.[6]

Zur Einspeisung der elektrischen Energie in das Stromnetz wurde während der ersten Bauphase ein 110-kV-Umspannwerk errichtet. Während der zweiten Bauphase entstand zusätzlich ein 380-kV-Umspannwerk, mit dem direkt ins Höchstspannungsnetz eingespeist werden kann.

Elektrolyse-Speicherkraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage besteht aus einem Elektrolyseur mit einer Leistung von 1000 kW, welcher aus überschüssigem Windstrom mittels der Power-to-Gas-Technologie Wasserstoff erzeugt, einem Verdichter, einem Gasspeicher sowie einem Blockheizkraftwerk, mit dem der Wasserstoff in Zeiten geringer Windstromeinspeisung rückverstromt werden kann. Die bei diesem Prozess anfallende Wärme wird ausgekoppelt und zur Beheizung eines nahe gelegenen landwirtschaftlichen Betriebes eingesetzt. Der Spatenstich der Anlage, die unter der Bezeichnung „RH2-WKA“1 firmiert, fand unter Beisein von Ministerpräsident Erwin Sellering im Juli 2011 statt.[7]

Seit Dezember 2012 befindet sich die Anlage im Testbetrieb, der sich zunächst über drei Jahre[veraltet] erstrecken soll. Ziel dieses Testbetriebs ist es, Techniken zu erforschen, mit denen die wetterbedingt variable Einspeisung von Windkraft- und Photovoltaikanlagen verstetigt werden kann. Die Energiespeicherung gilt neben dem Aufbau der Erneuerbaren Energien sowie des Stromnetzes als eine der Schlüsseltechnologien der Energiewende.[8] Eine erfolgreiche Speichertechnologie würde Windstrom grundlastfähig machen, womit Schatten- und Reservekraftwerke eingespart werden könnten. Zugleich bietet die chemische Speicherung in Form von Wasserstoff den Vorteil, dass Wasserstoff problemlos als Saisonspeicher eingesetzt werden bzw. ebenfalls im Verkehrswesen und zur Wärmeerzeugung zum Einsatz kommen könnte. Derzeit existieren als kommerzielle Speicherkraftwerke nur Pumpspeicherkraftwerke, die jedoch technisch bedingt Energie nur über kurze Zeiträume speichern können.

Auch könnten durch die Speicherung von Windstrom als EE-Gas während Zeiten hoher Windstromerzeugung Erzeugungsspitzen, die aufgrund begrenzter Kapazitäten des Stromnetzes sonst nicht mehr hätten eingespeist werden können, weiterhin genutzt werden. So konnten z. B. 2010 deutschlandweit insgesamt ca. 150 GWh elektrischer Energie nicht eingespeist werden, da in Teilen Deutschlands das Stromnetz während Zeiten starken Windes an seine Kapazitätsgrenze stieß und demnach Windkraftanlagen abgeregelt bzw. gedrosselt werden mussten.[9] Zwar handelt es sich dabei nur um einen Bruchteil der tatsächlich erzeugten Windenergie von rund 37.800 GWh, jedoch nimmt die Gefahr der Zwangsabschaltung von Windturbinen mit dem Ausbau dieser Anlagen immer weiter zu.

Die Erweiterung um eine Methanisierungsanlage für die direkte Einspeisung ins Gasnetz sowie der Bau einer Wasserstofftankstelle ist geplant.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werder/Kessin wind farm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Windpark mit Wasserstoffspeicheranlage wächst (Memento vom 5. September 2012 im Webarchiv archive.is). In: Ostsee-Zeitung, 20. Januar 2012. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  2. Spatenstich beim NIP-Projekt RH2 Werder/Kessin/Altentreptow – Regenerativer Wasserstoff aus Windenergie (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive). Pressemitteilung von WIND-projekt. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  3. Ingenieurstechnische Speicherträume. Windpark erzeugt Wasserstoff. In: n-tv, 19. September 2013. Abgerufen am 20. September 2013.
  4. Aus Wind wird Wasserstoff. In: Sonne Wind & Wärme, 8. Juli 2011. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  5. Enercon Windblatt 01/2012 (PDF; 1 MB). Internetseite von Enercon. Abgerufen am 27. April 2012.
  6. Wasserstoff-Speicher in Betrieb. In: klimaretter.info, 19. September 2013. Abgerufen am 20. September 2013.
  7. Windkraft-Wasserstoffanlage stärkt MV als Vorreiter bei der Energiewende (Memento vom 14. Februar 2016 im Webarchiv archive.is). Pressemitteilung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  8. Konferenz IRES in Berlin: „Keine Energiewende ohne Energiespeicherung. Rechtlicher Rahmen ist überfällig!“. Solarserver. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  9. Anlagen werden immer öfter abgeschaltet. In: Sonne Wind & Wärme, 2. November 2011. Abgerufen am 20. Januar 2012.
  10. Verlässlicher Riesenwindpark. In: Erneuerbare Energien. Das Magazin, 22. Oktober 2013. Abgerufen am 23. Oktober 2013.