Windthorstbund

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Der Windthorstbund war die Jugendorganisation der katholischen Zentrumspartei und nach dem Reichstagsabgeordneten Ludwig Windthorst benannt.

Die 1895 gegründeten Windthorstbünde besaßen ein eher lockereres Verhältnis zur Partei. Sie bestanden überwiegend aus jungen Katholiken, die regelmäßig politische Fragen aus katholischer Sicht diskutierten und sich insbesondere im Wahlkampf der katholischen Volkspartei zur Verfügung stellten, denn es gab um 1900 im Zentrum noch keine Parteiorganisation im heutigen Sinne. Zu den Wahlen traten jeweils Wahlkomitees zusammen, die nach der Abstimmung wieder auseinandergingen. Die Windthorstbünde waren insofern nicht nur politische Fortbildungskurse der jungen katholischen Männerwelt, sondern Keimzelle einer Parteiorganisation des Zentrums.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe der Windthorstbünde war es, Kontakte zu den katholischen Jugendverbänden zu knüpfen. Die Zentrumspartei sah die Aufgaben der jungen Parteimitglieder in der politischen Erziehung der Jugend im Sinne der Zentrumspolitik. In den ersten Jahren der jungen Republik verfolgte der Windthorstbund eigene Interessen und löste sich von denen der Partei.

Ab 1923 bildete sich eine eigene Initiative des Windthorstbundes, welche auf eine Reformierung des Staates im Sinne eines christlich fundierten Sozialismus abzielte. Aufgrund dieses Programms schien es den jungen Parteimitgliedern unmöglich, in Ämter gewählt zu werden, so dass sie von der Politik Abstand nahmen.

Mit den Mai-Wahlen 1928 änderte sich dies, als Ludwig Kaas an die Spitze der Zentrumspartei gewählt wurde. Das Zusammenrücken von Partei und Kirche brachte auch die Jugend wieder näher an das Zentrum heran, so dass im Laufe der nächsten Jahre die Windthorstbünde dem Kurs der Mutterpartei folgten. Der Charakter einer autonomen Parteijugend blieb den Bünden jedoch während der ganzen Weimarer Zeit erhalten.

Im Wahlkampf 1932 verfolgten sie das Ziel: "Nicht Sowjetstern - Nicht Hakenkreuz! Nicht Klassenkampf und Herrenklub! Ein freies Volk im christlichen Volksstaat!"

Der Windthorstbund gehörte zudem zu den Kreisen im Zentrum, die auch im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold engagiert mitarbeiteten.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1895 gründeten sich immer mehr Windthorstbünde. 1903 gab es bereits ein erstes Treffen von Vertretern aller deutschen Windthorstbünde. Darüber hinaus organisierten sie öffentliche Vorträge, die anschließend in Auflagen von bis zu 30 000 Exemplaren gedruckt wurden. So wirkten die Mitglieder stark in die politische Öffentlichkeit hinein.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Bauknecht (1900–1985), Politiker (CDU) und Bauernfunktionär
  • Eugen Bolz (1881–1945), Politiker (Zentrum) und Widerstandskämpfer
  • Johannes Brockmann (1888–1975), Politiker (Zentrum), Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Bundestags
  • Elisabeth Enseling (1907–1998), Politikerin (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestags
  • Johannes Caspers (1910–1986), Politiker (CDU) und Mitglied des Bundestags
  • Matthias Erzberger (1875–1921), Publizist, Politiker (Zentrum) und Reichsminister
  • Bernhard Günther (1906–1981), Politiker (Zentrum, später CDU)
  • Joseph Illerhaus (1903–1973), Politiker (CDU), Mitglied des Bundestags und Mitglied des Europaparlaments
  • Karl Korn (1903–1974), Politiker (CDU) und Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen
  • Heinrich Krone (1895–1989), Politiker (Zentrum, später CDU) und Bundesminister
  • Gerhard Ribbeheger (1918–2007), Politiker (Zentrum) und Mitglied des Bundestags
  • Bernhard Roßhoff (1908–1986), Politiker (Zentrum, später CDU)
  • Joseph Roth, (1896–1945), Politiker (Zentrum) und katholischer Märtyrer
  • Herbert Scholtissek (1900–1979), Politiker (Zentrum, später CDU)
  • Anton Storch (1892–1975), Politiker (Zentrum, später CDU) und Bundesminister
  • Wilhelm Weskamp (1903–1986), Politiker (Zentrum, später CDU)
  • Helene Wessel (1898–1969), Politikerin (Zentrum, später SPD)

Nachkriegseinfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ganze Reihe der ehemaligen Mitglieder des Windsthorstbundes schloss sich nach 1945 der CDU an. Sie setzten sich dort meist für die gesellschaftlichen Vorstellungen ein, die schon von diesem Bund vertreten worden waren. Aktiv beteiligt waren einige von ihnen an der Erarbeitung des "Aalener Programms", das 1946 von einer Tagung in Aalen beschlossen, seiner "linken" Prägung wegen jedoch auf Druck Konrad Adenauers sofort darauf wieder kassiert wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Kleene: „Gegen Hakenkreuz und Sowjetstern!“. Über den Windthorstbund im Emsland (1895–1933). In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes Bd. 54/2008, Sögel 2007, S. 49–68.
  • Wolfgang R. Krabbe: Parteijugend in der Weimarer Republik. Ein typologischer Vergleich am Beispiel der Zentrums- und der DVP-Jugend. In: Ders. (Hrsg.): Politische Jugend in der Weimarer Republik. Brockmeyer, Bochum 1993, ISBN 3-8196-0147-3, S. 38–72.