Windung (Geometrie)

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Windung oder Torsion ist in der Differentialgeometrie ein Maß für die Abweichung einer Kurve vom ebenen Verlauf. Die Windung beschreibt zusammen mit der Krümmung das lokale Verhalten der Kurve und kommt wie die Krümmung als Koeffizient in den frenetschen Formeln vor.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torsion und entsprechende Drehung des Binormalenvektors. Zur Animation bitte anklicken und dann noch einmal anklicken!

Die betrachtete Kurve sei durch die Bogenlänge s parametrisiert:

Für einen Kurvenpunkt erhält man durch Ableiten nach s den Tangenteneinheitsvektor ('Richtung der Kurve')

Die Krümmungsrichtung der Kurve erhält man durch erneutes Ableiten und Normieren als Hauptnormaleneinheitsvektor

Um ein Maß für die 'Drehgeschwindigkeit' von um zu erhalten, wird mit Hilfe des Vektorprodukts der Binormaleneinheitsvektor

festgelegt. Die Windung (Torsion) der Kurve an der Stelle s ergibt sich nun als dessen Richtungsänderung, projiziert auf , also durch das Skalarprodukt


Geometrische Bedeutung: Die Torsion ist ein Maß für die Richtungsänderung des Binormaleneinheitsvektors. Je größer die Torsion, desto schneller dreht sich der Binormaleneinheitsvektor in Abhängigkeit von um die durch den Tangentialvektor gegebene Achse. Dafür gibt es einige (z. T. animierte) grafische Illustrationen.

Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die praktische Berechnung eignet sich die oben gegebene Definition der Windung nicht besonders gut, da eine Parametrisierung durch die Bogenlänge vorausgesetzt wird. Die folgende Formel bezieht sich auf eine Kurve im dreidimensionalen Raum (), die als Funktion r eines beliebigen Parameters t (in der Praxis üblicherweise die Zeit) in der Form

gegeben ist:

Im Falle einer ebenen Kurve gibt es nichts zu berechnen, da die Windung den Wert 0 hat. Man beachte, dass das Vorzeichen für praktische Berechnungen der Torsion reine Konventionssache ist. So gibt beispielsweise do Carmo[1] die Torsion mit negativem Vorzeichen an.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Vorzeichenkonvention obiger Definition nennt man eine Kurve mit linksgewunden oder linkswendig, ist , so spricht man rechtsgewundenen oder rechtswendigen Kurven. In der älteren Literatur nennt man linkswendige Kurven auch hopfenwendig, rechtswendige auch weinwendig, weil die Ranken von Weinrebengewächsen bzw. Hopfen längs solcher Kurven wachsen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfredo P. do Carmo: Differentialgeometrie von Kurven und Flächen (= Vieweg-Studium. Aufbaukurs Mathematik 55). Vieweg & Sohn, Braunschweig u. a. 1983, ISBN 3-528-07255-5.
  2. Wolfgang Kühnel: Differentialgeometrie. Kurven – Flächen – Mannigfaltigkeiten. 4. überarbeitete Auflage. Friedr. Vieweg & Sohn Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8348-0411-2, Absatz 2.8: Raumkurven

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]