Winkel (Rheingau)

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Winkel
Wappen der früheren Gemeinde Winkel (Rheingau)
Koordinaten: 49° 59′ 55″ N, 8° 0′ 31″ O
Höhe: 89 m ü. NHN
Einwohner: 4736 (29. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 65375
Vorwahl: 06723
Karte
Winkel von der Mittelheimer Fähre aus gesehen. Im Hintergrund auf der Anhöhe liegt Johannisberg
Pfarrkirche Sankt Walburga. Über den auf der Terrasse gelegenen Kirchvorplatz verläuft diagonal der 50. Breitengrad. Vor der Terrasse steht ein Denkmal für Rabanus Maurus. Darunter befindet sich als Pflastermosaik das Wappen der früheren Gemeinde Winkel.
Das alte Rathaus von Winkel zwischen Hauptstraße und Kerbeplatz war bis 2005 Amtssitz des Bürgermeisters von Oestrich-Winkel. Seitdem wird das Gebäude von der European Business School als Standort genutzt.
Brentanohaus an der Hauptstraße

Winkel ist ein Stadtteil von Oestrich-Winkel im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winkel ist der westlichste der drei am Rhein gelegenen und baulich ineinander übergehenden Stadtteile Oestrich, Mittelheim und Winkel. Der Ort hat sich baulich entlang der alten in Ost-West-Richtung durch den Rheingau führenden Straße und den kurzen quer dazu verlaufenden Gassen auf einer Länge von 1,5 Kilometer entwickelt. Hinzu kamen als Entwicklungslinien die in Winkel nach Schloss Vollrads und nach Johannisberg abzweigenden Straßen. Durch diese Bauweise bedingt hat Winkel kein erkennbares Zentrum. Mit einiger Berechtigung wird man die Stelle als Ortsmittelpunkt bezeichnen dürfen, wo die Pfarrkirche dem alten Rathaus gegenüberliegt.

Die Winkeler Gemarkung zieht sich als Streifen von der Fahrrinne des Rheins über die Winkeler Aue, eine nach der Rheinregulierung entlang eines Strömungsleitwerkes entstandene Insel, mehr als 10 Kilometer weit über den Taunushauptkamm und den Ernstbach bis in den Hinterlandswald hinein. Die Breite der Gemarkung beträgt am Rhein etwa 2.500 Meter und reicht im Westen bis zur Ortslage von Geisenheim und dem Johannisberger Grund, weicht dann um den Fuß des Johannisbergs nach Osten zurück und zieht sich westlich des Ansbachtals zu den Sieben Wegweisern am Rheinhöhenweg hinauf. Hier hat die Gemarkung noch eine Breite von ungefähr 1.500 bis 1.000 Meter. Da die Bebauung von Winkel und Mittelheim ineinander übergeht, ist die Grenze zwischen beiden Stadtteilen völlig unmerklich. Sie liegt etwa 100 Meter östlich des Engerweges, einer Straßenverbindung, die vom Rheinufer durch eine Eisenbahnunterführung zu den Baugebieten oberhalb der Rechten Rheinstrecke führt.[2]

Winkel ist von allen Seiten von Weinbergen umgeben. Sowohl zwischen dem Ort und dem Rhein liegen noch einzelne Rebflächen, obwohl das Gelände hier zu flach ist, um von Weinbergen zu sprechen, als auch nach Westen Richtung Geisenheim und Johannisberg und nach Norden bis Schloss Vollrads und darüber hinaus bis zum Waldrand überwiegt der Weinbau als landwirtschaftliche Nutzungsart.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Winkela datiert von 850. Dabei geht es um eine Kirche St. Walpurgis, deren Lage und Bauform unbekannt ist. Am 1. Juli 1972 ging Winkel mit etwa 4000 Einwohnern in der neugebildeten Stadt Oestrich-Winkel auf.[3] Letzter Bürgermeister war Klaus Frietsch, der anschließend Bürgermeister von Oestrich-Winkel und danach Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Graue Haus, der Ortslage nach Süden vorgelagert, gilt als ältestes steinernes Wohnhaus in Deutschland und war ein Besitz der Herren von Winkel, genannt Greiffenclau, die seit 1191 nachgewiesen sind.

Zwei Kilometer oberhalb von Winkel am Waldrand wurde ab dem 13. Jahrhundert Schloss Vollrads errichtet, das über Jahrhunderte dem Geschlecht derer von Greiffenclau zu Eigen war.

Im 16. Jahrhundert entstand am Südrand des Ortes der Probecksche Hof, der den Charakter einer Wasserburg hat.

Der Vorplatz der katholischen Pfarrkirche Sankt Walburga liegt nach dem Kartenwerk der topografischen Landesvermessung, das auf dem traditionellen Potsdam Datum basiert, genau auf dem 50. Breitengrad. Etwas weiter nördlich, zwischen der Greiffenclaustraße und der Rhabanus Maurus-Schule, schneidet der 8. Längengrad den 50. Breitengrad und bildet damit einen Konfluenzpunkt.[4]

Am westlichen Ortseingang liegt das Brentanohaus, in dem 1814 Goethe zu Gast weilte.

In der Winkler Gemarkung ist die ehemalige Benediktinerinnenklause St. Georg zu finden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Peter Dietel: Als der Edelmann die Jungfer nahm. Geschichte und Geschichten zur Gebietsreform im Rheingau. ASSverlag, Rüdesheim am Rhein 1997. (DNB 989393801)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winkel (Rheingau) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auszug vom Einwohnermeldeamt zum 29. Dezember 2015: Einwohnerzahlen Winkel.pdf
  2. Hessisches Landesvermessungsamt: Kreiskarte 1:50.000 Wiesbaden Rheingaukreis Untertaunuskreis, Ausgabe 1969
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  4. Einzelnachweis zum Konfluenzpunkt