Winter-Stielporling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Winter-Stielporling
2012-01-29 Polyporus brumalis crop.jpg

Winter-Stielporling (Lentinus brumalis)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Stielporlingsartige (Polyporales)
Familie: Stielporlingsverwandte (Polyporaceae)
Gattung: Stielporlinge (Polyporus)
Art: Winter-Stielporling
Wissenschaftlicher Name
Lentinus brumalis
(Pers.) Zmitr. (2010)

Der Winter-Stielporling oder kurz Winter-Porling (Lentinus brumalis, syn. Polyporus brumalis) ist eine Pilzart aus der Familie der Stielporlingsverwandten. Der Pilz wächst auf totem Laubholz und fruktifiziert, wie der Name bereits verrät, hauptsächlich im Winterhalbjahr.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporen des Winter-Stielporlings im Lichtmikroskop
Die Hutunterseiten des Winter-Stielporlings mit den gut erkennbaren Poren

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der runde Hut hat einen Durchmesser von 1,5 bis 10 cm. Er ist breitkonvex und zur Mitte hin eingesunken. Die Oberfläche ist trocken und seltener haarig strukturiert. Die Farbe variiert von gelb-braun bis dunkelbraun. Der Rand ist häufig eingerollt, vor allem bei jungen Exemplaren. Auf der weißen bis cremeweißlichen Hutunterseite sind ca. 3 mm tiefe Poren eingesenkt, pro mm² finden ungefähr 1–3 Poren Platz. Sie besitzen mittelweite, (0,5–)1–1,5 mm große und rundliche bis annähernd rautenförmige Poren, die am Stiel ein wenig herablaufen und deshalb etwas verlängert sind. Das Sporenpulver ist weiß. Der Hut geht mittig oder nahe dem Zentrum nahtlos in einen 2,5–5 cm langen und 2–8 mm dicken Stiel über. Er ist ockerbräunlich, in der Regel heller als der Hut gefärbt und kann an der Basis rötliche Farbtöne aufweisen. Die trockene Oberfläche ist entweder glatt oder fein filzig bis angedeutet schuppig beschaffen. Das volle, weiße Fleisch hat eine sehr zäh-elastische Konsistenz und keinen besonderen Geruch oder Geschmack.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zylindrisch-gekrümmten oder elliptisch-zylindrischen Sporen messen 5–7 × 1,5–2,5 Mikrometer.

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fruktifikation im Winterhalbjahr ist ein wichtiges Merkmal des Winter-Stielporlings. Ein potenzieller Doppelgänger ist der Mai- oder Sommer-Stielporling (Lentinus strictipes), der jedoch erst ab etwa April zu finden ist. Zudem besitzt die Art deutlich feinere, selten mehr als 0,5 mm große Poren. Die Hutunterseite junger Exemplare erscheint sogar glatt. Noch ähnlicher sieht der Weitlöcherige oder Borstrandige Stielporling (P. arcularius) aus, insbesondere die Hüte beider Arten zeigen keine Unterschiede. Wie der Name verrät, fallen die eckig-rautenförmigen und bis zu 2,5 mm breite Poren aber deutlich größer aus und sind auch schon bei jungen Fruchtkörpern gut zu erkennen. Andere Gattungsvertreter wachsen später im Jahr. Der Löwengelbe Stielporling (P. leptocephalus) wächst beispielsweise an Buchenholz und hat einen gelbbraunen Hut und eine schwarze Stielbasis.

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verteilung der Fruktifikation des Winter-Stielporlings im Jahr

Der Winter-Stielporling ist ein saprobiontischer Bewohner von totem Laub-, sehr selten Nadelholz, der im Substrat eine Weißfäule erzeugt. Die Art besiedelt ein breites Spektrum von Laubhölzern, vor allem liegende Stämme und Äste. Der Winterporling kommt in allen nicht zu trockenen Laub-, Laub-Nadelmischwäldern vor, daneben in Hecken, Parks, Gebüschen und ähnlichen Pflanzungen.

Die Fruchtkörper erscheinen in zwei Schüben: Der erste Schwerpunkt liegt zwischen Anfang September und Mitte November, der zweite Aspekt dauert von Februar bis April. In milden Wintern fruktifiziert der Pilz auch durchgehend. Im Rest des Jahres sind nur noch überständige, ausgeblasste Fruchtkörper zu finden.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Winter-Stielporling kommt in den nördlichen Subtropen (Nepal, Pakistan), in Asien, Nordamerika und Europa vor. In Europa ist die Art überall vorhanden und kann nördlich bis Island und zur Finnmark gefunden werden.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die korkig-zähen Fruchtkörper des Winter-Stielporlings eignen sich nicht zum Verzehr. Darüber hinaus hat der totholzbewohnende Pilz keine wirtschaftliche Relevanz.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 2: Heterobasidiomycetes (Gallertpilze), Aphyllophorales (Nichtblätterpilze), Gastromycetes (Bauchpilze). Mykologia, Luzern 1986, ISBN 3-85604-020-X.
  • Ewald Gerhardt: BLV Handbuch Pilze. 3. Auflage. BLV, München 2002, ISBN 978-3-405-14737-2 (639 Seiten; einbändige Neuausgabe der BLV Intensivführer Pilze 1 und 2).
  • German Josef Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil. Ständerpilze: Gallert-, Rinden-, Stachel- und Porenpilze. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3528-0.
  • Hermann Jahn: Mitteleuropäische Porlinge (Polyporaceae s.lato) und ihr Vorkommen in Westfalen. In: Westfälische Pilzbriefe. Band IV. Heiligenkirchen/ Detmold 1963 (online verfügbar).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Polyporus brumalis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien