Winterpalast

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Dieser Artikel behandelt den Winterpalast in Sankt Petersburg. Für andere Gebäude siehe Winterpalais.
Winterpalast vom Palastplatz aus gesehen
Winterpalast von der Newa aus gesehen
Zar Nikolaus II. verliest die Thronrede im Sankt-Georg-Saal vor der Duma, 1906
Jordantreppe
Der Wappensaal
Ruhmeshalle der russischen Helden des Vaterländischen Krieges von 1812

Koordinaten: 59° 56′ 26″ N, 30° 18′ 49″ O

Der Winterpalast (russ. Зи́мний дворе́ц [ˈzʲimnʲɪj dvɐˈrʲɛts]), auch Winterpalais genannt, war die Hauptresidenz der russischen Zaren in Sankt Petersburg. Das Gebäude befindet sich zwischen dem Palastplatz und dem Ufer der Newa. Es beherbergt heute einen Teil der Museumssammlung Eremitage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name entstand im Gegensatz zum Sommerpalast, der sich im Sommergarten befindet.

Der erste Winterpalast wurde 1711 gebaut und 1721 durch einen neuen ersetzt, in dem Zar Peter I. starb. In den folgenden Jahren wurde er niedergerissen und durch den Baumeister Domenico Trezzini neu gebaut. Zarin Elisabeth ließ diesen aufgrund mangelnder Imposanz abermals niederreißen und ab 1754 durch Bartolomeo Francesco Rastrelli neu errichten.

Am 17. Dezemberjul./ 29. Dezember 1837greg. brannte der Winterpalast durch ein 30-stündiges Feuer völlig aus. Zar Nikolaus I. ordnete eine Wiederherstellung der Residenz nach früherem Zustand an. Zu Ostern 1839 waren die Erneuerungsarbeiten am und im Winterpalast abgeschlossen. Dieser war im Wesentlichen der gleiche, wie er heute an dieser Stelle steht. Die Gemäldesammlung im Palast war nur Mitgliedern des engen höfischen Kreises zugänglich. Nikolaus I. trennte am 5. Februarjul./ 17. Februar 1852greg. organisatorisch den Winterpalast und die Eremitage-Gemäldesammlung, womit die Sammlung öffentlicher wurde.

Einen tragischen Eintrag in die Geschichtsbücher bekam der Winterpalast am 9. Januarjul./ 22. Januar 1905greg., dem Petersburger Blutsonntag, als bei einem Marsch demonstrierender Arbeiter russische Soldaten vor dem Winterpalast auf die Demonstranten schossen, wobei es Hunderte von Toten gab. 1906 verlas Zar Nikolaus II. im Sankt-Georg-Saal des Palastes die erste Thronrede vor der Duma.

Während des Ersten Weltkrieges dienten Teile des Winterpalastes als Hospital. Später war er Sitz der provisorischen Regierung. Die Oktoberrevolution erlebte hier einen entscheidenden Moment, als die Kerenski-Regierung im Winterpalast von den Bolschewiki inhaftiert wurde. Nach der Revolution wurde der Palast dem benachbarten Eremitage-Museum angeschlossen und der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Im Großen Vaterländischen Krieg wurde er bei der Leningrader Blockade zwischen 1941 und 1944 beschädigt und dann restauriert. Heute setzen ihm vor allem die großen Besuchermassen, die mangelnde Standfestigkeit auf Sumpfgebiet sowie die Feuchtigkeit direkt am Fluss zu. Eine Sanierung erfolgte im Jahre 1984 und eine weitere im Jahre 2005.

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rastrellis Bauwerk gilt als eines der Hauptwerke des russischen Barock. Vier Flügel schließen sich rechteckig um einen großen Innenhof. Jede Fassadenseite des Palastes ist anders geschmückt, die Fenster variieren von Geschoss zu Geschoss und von Seite zu Seite. Einheitlich ist jedoch die Dreigeschossigkeit, die reichliche Verwendung von vorgestellten Säulen und das umlaufende Gesimsband über dem Erdgeschoss. Das letztere markiert die Abtrennung der ehemals dem niederen Personal und den Wachsoldaten zugewiesenen Ebene von den dem Hof vorbehaltenen beiden Obergeschossen, die an der Fassade mit durchlaufenden Säulenstellungen („Monumentalordnung“) zusammengefasst werden. Auf der Balustrade des Dachs und den Giebeln stehen Vasen und 3,50 Meter hohe Statuen. Die Farbigkeit des Baus hat im Lauf der Zeit gewechselt und ist weiter in der Diskussion, zurzeit (2016) dominiert ein bläuliches Grün.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sammlungen siehe

Im Inneren befinden sich mehr als 1000 Räume. Aus der Zeit vor dem Brand von 1837 sind kaum noch Inneneinrichtungen erhalten.

Die Jordan- oder Gesandtentreppe führt von der Nordecke des Innenhofs in die Prunkräume des ersten Obergeschosses. Sie wurde von Stassow nach 1837 in der ursprünglichen Form wiederhergestellt. Auch der „Kleine Thronsaal“ oder Peterssaal entspricht wieder den Plänen Auguste de Montferrands von 1833. Der große Thronsaal oder St.-Georg-Saal zeigt sich im Zustand der Umgestaltung durch Stassow. Der größte Raum des Palastes ist der 1103 m² große, von Giacomo Quarenghi 1793 gestaltete Ballsaal. Der Malachitsaal[1] (nach 1837) hat seinen Namen von den aus diesem Material gefertigten Säulen und Pilastern. Er diente als Salon für die Gattin Nikolaus I., Alexandra Fjodorowna. Hier und nebenan, im „Weißen Esszimmer“, tagte im Oktober 1917 letztmals die Übergangsregierung Kerenskis, bis sie in diesen Räumen von den Bolschewiken gefangengenommen wurden.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bilder auf Commons zum Malachitsaal
  2. Birgit Borowski: Baedeker St. Petersburg, 2014, S. 143–146.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winterpalast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien