Wir (2019)

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Filmdaten
Deutscher TitelWir
OriginaltitelUs
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2019
Länge117 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
JMK 14[2]
Stab
RegieJordan Peele
DrehbuchJordan Peele
ProduktionJason Blum,
Ian Cooper,
Sean McKittrick,
Jordan Peele
MusikMichael Abels
KameraMike Gioulakis
SchnittNicholas Monsour
Besetzung
Synchronisation

Wir (Originaltitel Us) ist ein Horror-Thriller von Jordan Peele, der am 8. März 2019 als Eröffnungsfilm des South by Southwest Film Festivals seine Premiere feierte. Am 21. März 2019 kam er in die deutschen und am darauffolgenden Tag in die US-amerikanischen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahrelang musste sich Adelaides Doppelgängerin unter der Erde vom rohen Fleisch der Kaninchen ernähren

Im Jahr 1986 besucht die kleine Ada Thomas gemeinsam mit ihrem Vater Russel und ihrer Mutter Rayne einen Vergnügungspark in Santa Cruz. Kurz unbeaufsichtigt läuft sie in das Shaman Vision Quest. In einem darin befindlichen Spiegellabyrinth, das wie ein Wald gestaltet ist, trifft sie auf ein anderes Mädchen, das ihr Haar so trägt wie sie selbst.

Rund 30 Jahre später hat Adelaide Gabe Wilson geheiratet. Sie wollen gemeinsam mit ihren Kindern Zora und Jason den Sommer in einem Ferienhaus in Nordkalifornien verbringen, in dem Adelaide die Ferien in ihrer Kindheit verbracht hat. Gabe hat ein Boot organisiert und will sich ganz in der Nähe mit einem befreundeten Pärchen am Strand von Santa Cruz treffen. Adelaide möchte nur ungerne dahin zurückkehren, wo ihr einst etwas geschehen ist, über das sie nie geredet hat. Sie lässt sich dennoch breitschlagen. Als sie durch Santa Cruz fahren, überkommt sie ein seltsames Gefühl, und die Erinnerungen kehren zurück. Sie weiß nicht, ob es nur Zufälle sind. Dann sieht sie dort auch einen Mann mit einem Schild, das Jeremiah 11:11 ziert, den sie bereits 1986 dort gesehen hatte, der gerade in einen Rettungswagen geladen wird. Am Strand treffen sie Kitty und Josh Tyler und ihre beiden Töchter Becca und Lindsey. Auch das Spiegelkabinett, in das sie sich einst verirrt hatte, befindet sich noch dort, trägt nun aber den Namen Merlin's Forest.

Abends wieder zurück in ihrem Haus erzählt sie ihrem Mann von den Geschehnissen ihrer Kindheit dort in Santa Cruz und dem damit verbundenen Trauma, das sie ihr Leben lang unterdrückt hat. Sie will einfach weg von hier, doch plötzlich tauchen einige ungebetene Besucher auf. Vier Gestalten in roten Overalls, die sich an den Händen halten, stehen stumm in ihrer Einfahrt. Die Fremden dringen in ihr Haus ein und stellen sich als Doppelgänger der Familie heraus. Nur Adelaides Doppelgängerin spricht zu ihnen. Sie gibt sich als das Mädchen aus dem Spiegellabyrinth zu erkennen und erzählt ihnen, sie seien ihre Schatten und hätten vieles gemeinsam, nur dass ihre Leben nicht ganz so perfekt gelaufen seien. Wie Jason liebe auch ihr Sohn Pluto das Feuer, und wie die Wilsons seien auch sie alle Amerikaner. Jahrelang hätten sie auf diesen Tag gewartet, an dem es zu einer Loslösung kommt.

Gabes Doppelgänger Abraham, Zoras Doppelgängerin Umbrae und Pluto geben anders als ihre Mutter nur gutturale Laute von sich und kommunizieren in Zeichensprache. Alle vier tragen große goldene Scheren bei sich, und ihre Hände stecken in braunen Lederhandschuhen. Adelaides Doppelgängerin setzt auf jedes Mitglied der Familie Wilson eines ihrer eigenen Familienmitglieder an, doch die Wilsons wissen sich zu wehren. Sie können mit dem Boot entkommen und begeben sich zur Ferienwohnung der Tylers, doch auch die hatten mittlerweile Besuch von ihren Doppelgängern und wurden allesamt von ihnen getötet. Die Wilsons müssen auch diese ausschalten. Alle Notrufleitungen der Polizei sind belegt. Aus dem Fernsehen erfahren sie, dass überall in der Gegend Menschen in roten Overalls auftauchen, die mit Scheren scheinbar wahllos töten. Sie sollen aus der Kanalisation gekommen sein.

Adelaide will weg aus der Gegend, am besten nach Mexiko. Zora fährt den Wagen. Die Straßen sind von unzähligen Toten gesäumt. Am Strand von Santa Cruz sehen sie nicht nur, dass die rotgekleideten Doppelgänger eine lange Menschenkette gebildet haben, sie treffen auch auf Pluto und seine Mutter, der es gelingt, Jason in das Spiegelkabinett zu bringen. Adelaide folgt ihnen und muss nun den Ort aufsuchen, den sie so lange aus ihrer Erinnerung streichen wollte. Sie steigt hinab und gelangt in eine riesige unterirdische Anlage, durch die unzählige Kaninchen hoppeln. Als sie ihre Doppelgängerin findet, erfährt sie von ihr, dass sie alle geklont wurden, unter der Erde aufwuchsen und sich von dem rohen Fleisch der Kaninchen ernähren mussten. Die Seelen seien jedoch nicht mitgeklont worden, und viele Menschen seien über die Lebensbedingungen dort unten verrückt geworden. Sie, die ihr im Jahr 1986 im Spiegellabyrinth gegenüberstand, habe viele Jahre einen Plan entwickelt, um die Welt dort oben zu übernehmen, die unter der Erde Lebenden ans Licht zu führen und hierdurch zu erlösen. In einem Kampf scheint Adelaide ihrem Klon unterliegen, doch letztlich gelingt es ihr, ihn zu töten und ihren Sohn zu retten.

Die Wilsons fahren in einem Rettungswagen davon. Da erinnert sich Adelaide plötzlich wieder, was einst in dem Spiegelkabinett mit ihr geschehen war. Sie selbst war der Klon, der die kleine Ada überwältigte, sie in die unterirdische Anlage zerrte und den Platz als Tochter der Thomas‘ einnahm.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Jordan Peele, der auch das Drehbuch schrieb.[3] Im Mai 2018 enthüllte der Filmemacher über die Sozialen Medien den schlichten Filmtitel Us. Im Zentrum der Handlung sollen zwei Pärchen stehen, eines davon schwarz und eines weiß, so The Hollywood Reporter.[4]

Peele hatte bereits vor der US-amerikanischen Kinopremiere seines Regiedebüts Get Out signalisiert, ein generelles Interesse an einer Fortsetzung zum Film zu haben und sagte: „Es gibt verschiedene Richtungen, die wir einschlagen könnten. Aber um ganz ehrlich zu sein, versuche ich gerade ganz andere Ideen umzusetzen. Get Out 2 hat im Moment absolut keine Priorität. Aber wenn wir die Möglichkeit bekommen sollten, ein Sequel zu diskutieren, werde ich vorbereitet sein.“[5] Über eine mögliche Fortsetzung von Get Out hinaus hatte Peele Ideen für vier weitere Gesellschaftsthriller.[6] „Ich habe vier andere Social-Thriller, die ich im nächsten Jahrzehnt enthüllen möchte. Die besten und furchterregendsten Monster in der Welt sind menschliche Wesen und wozu wir in der Lage sind, besonders wenn wir aufeinander treffen. Ich habe an diesen Prämissen dieser verschiedenen sozialen Dämonen gearbeitet, diesen inhärenten Monstern, der Art, wie sie in unser Denken und unsere Interaktion eingewoben sind. Und jeder weitere Film soll von einem anderen dieser sozialen Dämonen handeln“, sagte Peele.[7]

Später erklärte Peele, Wir sei kein zweites Get Out. Ihm sei es sehr wichtig gewesen, eine schwarze Familie ins Zentrum eines Horrorfilms zu stellen, jedoch gehe es darin nicht um die Rassismusthematik, sondern um etwas, von dem er glaube, dass es zu einer unbestreitbaren Wahrheit geworden ist, und das sei die simple Tatsache, dass wir unsere eigenen schlimmsten Feinde sind. Monster und Geschichten über Monster, so Peele, seien unsere besten Mittel, um zu tieferen Wahrheiten vorzudringen und unseren Ängsten als Gesellschaft entgegenzutreten.[8]

Der Film Get Out war ein großer finanzieller Erfolg. Daraufhin hatte ihm Universal Pictures die Finanzierung seiner kommenden Filme angeboten.[9][10] Bei Us sollen die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel das Fünffache des Budgets von Get Out betragen. Jason Blum wird auch Us mitproduzieren.[3] Ende Juni 2018 wurde bekannt, dass sie Kamil Oshundara mit ins Boot holten[11], die an den Handlungsstränge und der Figurenentwicklung arbeitet.[11]

Besetzung und Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2018 wurde das Casting von Elisabeth Moss, Lupita Nyong’o und Winston Duke bekannt.[4] Nyong’o und Duke spielen die Eheleute Adelaide und Gabe Wilson. Evan Alex und Shahadi Wright-Joseph spielen ihre Kinder Jason und Zora. Während Adelaides Doppelgänger ihre eigene Familie mit Ehemann Abraham und den Kindern Pluto und Umbrae namentlich vorstellt, wird sie selbst im Abspann lediglich mit „Red“ (englisch ‚rot‘) geführt entsprechend der Farbe ihres Overalls. Auch die im Film nicht genannten Namen der Doppelgänger der Tylers werden erst im Abspann aufgeführt. Madison Curry spielt Adelaide als Mädchen. Zu Produktionsbeginn Ende Juli 2018 wurde auch die weitere Besetzung öffentlich gemacht, Yahya Abdul-Mateen II, Anna Diop, Tim Heidecker und die Zwillinge Cali Sheldon und Noelle Sheldon.[12] Wie im September 2018 bekannt wurde gibt Duke Nicholson, der Enkel von Jack Nicholson, in US sein Spielfilmdebüt.[13]

Die Dreharbeiten wurden Ende Juli 2018 begonnen[14] und fanden unter anderem im kalifornischen Santa Cruz statt.[15] In dem dortigen Vergnügungspark an der Promenade der Küstenstadt hatten bereits die Dreharbeiten für den Horrorfilm-Klassiker The Lost Boys von Joel Schumacher aus dem Jahr 1987 stattgefunden. Am 8. Oktober 2018 wurden die Dreharbeiten abgeschlossen.[16] Als Kameramann fungierte Mike Gioulakis.

Filmmusik und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik wird von Michael Abels komponiert, mit dem Peele bereits für Get Out zusammenarbeitete.[17] Abels und Peele hatten im Vorfeld über das Konzept der Dualität gesprochen und über Dinge, die in einem Kontext nebeneinander gestellt werden könnten, in dem Sie sie normalerweise nicht gemeinsam zu hören sind, erklärte Abels.[18] So nutzte Abels bei seiner Arbeit neben Streichern und Perkussion auch ein osteuropäisches Instrument, das Cimbalom. Beim Experimentieren mit einer Geige gepaart, seien so sehr unähnliche Klängen aufeinander getroffen. Das Ergebnis wurde der Klang für Umbrea, den bösen Doppelgänger von Zora.[18]

Beteiligt war auch ein 30-köpfiger Chor, von denen ein Drittel Kinder waren. Peeles Motto lautete: „Unschuldiges nehmen und in einen Kontext stellen, in dem sich einem die Nackenhaare aufstellen.“ Peele und er hätten im Film mehrere Male Musik verwendet, die für sich allein noch nett klingt, aber in Kombination mit dem, was auf der Leinwand gezeigt wird, nicht mehr so sehr, so der Filmkomponist.[18] So ist im ersten Track Anthem ein von Perkussion und einem Glockenspiel begleiteter Kinderchor zu hören. Das Musikstück nimmt an Intensität zu und sollte so wie eine „Vorbereitung auf den Kampf“ klingen, erklärte Abels. „Die Stimmen sind keine Sprache, es sind unsinnige Silben, also konzentrierst du dich mehr auf ihr Gefühl und die Musik. [...] Es war wichtig, dass sie sich wie keiner bekannten Kultur zugehörig anhörten.“[19] Bereits für den Film Get Out von Jordan Peele hatte Abels mit Sikiliza Kwa Wahenga ein Musikstück eingefügt, das für den durchschnittlichen Zuschauer nicht verständlich ist.[20][21]

Als sechster Track ist I Got 5 on It in seiner Originalversion auf dem Album enthalten und damit auch Club Nouveaus Why You Treat Me So Bad?, das in den Song gesampelt wurde.[19] Als letztes ist der Song I Got 5 on It auf dem Album in einem Remix enthalten, zu dem Orchesterklänge hinzugefügt wurden, um ihn in Abels Partitur zu integrieren.[18] Die Idee, das Lied zu verwenden, war für Peele naheliegend, da sein Film in Nordkalifornien spielt und I Got 5 on It ein Hip-Hop-Klassiker aus der Bay-Region war.[22] Für das gegen Ende auf dem Soundtrack enthaltene Stück Pas De Deux bediente sich Abels bei Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Pas de deux aus Der Nussknacker, das die Inspiration für die epische Endschlacht im Film war.[18] Abels bettete auch hier I Got 5 on It ein[23][19], verlangsamte den vertrauten Beat und fügte Violinen hinzu[24], wodurch sich die Spannung zu einem Crescendo von schrillen, diskordanten Klängen aufbaut, so Piya Sinha-Roy von Entertainment Weekly. Das Stück ist Red zugeordnet, der Doppelgängerin von Adelaide.[19]

Der Soundtrack, der insgesamt 35 Musikstücke umfasst, wurde am 15. März 2019 von Back Lot Music als Download veröffentlicht.[25]

Im Dezember 2018 wurden das Filmplakat[26] und ein erster Trailer vorgestellt[27], der mit einer Remix-Version von I Got 5 on It unterlegt war.[22] Anfang Januar 2019 folgte ein erster deutscher Trailer.[8] Anfang Februar 2019 wurde im Rahmen des Super Bowls ein zweiter Trailer veröffentlicht.[28] Der Film wurde am 8. März 2019 als Eröffnungsfilm des South by Southwest Film Festivals erstmals gezeigt.[29][30] Am 21. März 2019 kam er in die deutschen[3][31] und am darauffolgenden Tag in die US-Kinos.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe und Filmgenre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film reiht vor allem in der zweiten Hälfte Kampf-, Mord- und Bedrohungsszenarien aneinander. Gewalthandlungen werden jedoch meist nicht gezeigt; die Opfer sind zwar deutlich im Bild zu sehen, nicht aber die Tötungsvorgänge. Eine verrohende Wirkung ist daher bei Jugendlichen ab 16 Jahren nicht zu befürchten, zumal die Gewalt nicht verherrlicht wird und die Familie stets in Notwehr handelt.“ Davon abgesehen seien Jugendliche ab 16 Jahren fähig, die Geschehnisse als Teil eines irrealen Horror-Szenarios zu erkennen und eine angemessen Distanz zu wahren, wobei auch der teils selbstironische Umgang mit der Thematik zur Entlastung und Distanzierung beitrage.[32]

Luca Bruno vom SRF meint, oberflächlich gesehen sei Wir ein Slasher-Film, dazwischen thematisiere er aber die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich und biete so viel Stoff für die Diskussion nach dem Kinobesuch.[33] In einer Kritik der dpa heißt es, Jordan Peele erweise sich einmal mehr als Meister des Horrors, lockere das Szenario aber immer wieder mit einer gekonnten Mischung aus Satire und lakonischem Humor auf. Die Doppelgänger seien am Ende nicht nur ein Problem der Wilsons, was den Film hin zu einer Art Zombieapokalypse verschiebe und ihn so weniger persönlich wirken lasse. Atemberaubend spannend sei Wir aber dennoch.[34]

Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA erreichte der Film nach seinem Start Platz 1 der Kino-Charts[35][36] und avancierte dort mit Einnahmen von insgesamt 163,4 Millionen US-Dollar zum vierterfolgreichsten R-Rated-Horrorfilm, nach Get Out auf Platz 3, bei dem ebenfalls Jordan Peele Regie führte.[37] Den Produktionskosten in Höhe von 20 Millionen US-Dollar stehen bislang weltweit Einnahmen aus Kinovorführungen von 235,6 Millionen US-Dollar gegenüber.[38] In Deutschland verzeichnet er bisher 426.407 Besucher.[39]

Kritiken und Vergleich mit dem Vorgänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bislang konnte der Film 95 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 8 der möglichen 10 Punkte.[40]

Peter Debruge von Variety schreibt in seiner Kritik, Jordan Peele erkläre im Film nicht viel über diese mysteriösen Doppelgänger. Erst im letzten Drittel versuche der Film, seinen komplizierten Masterplan zu erklären und dabei eine ebenso gut durchdachte Metapher für das Es aufzuzeigen, der Bereich in unserer Psyche, der für die Impulse und die unbewussten Aspekte unseres Denkens zuständig ist. Wie der „versunkene Ort“, den Peele für Get Out erfunden hatte, schaffe er hier eine visuelle Allegorie für die dunkleren Aspekte unserer eigenen Sozialisation, durch die wir mit dem Monster konfrontiert werden, das in jedem von uns lauert.[41]

Jochen Kürten schreibt bei Focus.de, Wir besitze nicht die subtile Finesse des Vorgängerfilms Get Out: „Die reinen Horrorszenen verbreiten zwar gehörige Spannung und Gruseleffekte, doch fragt man sich beim Abspann des Films nach dem Sinn des Ganzen.“ Die Zuschauer im Kino zu erschrecken, sei ein altes und bewährtes Mittel des Kinos seit Stummfilmzeiten, so Kürten weiter, doch dem habe Peele in Wir nicht allzu viel hinzugefügt.[42]

Dominik Kamalzadeh von DerStandard schreibt, Wir ziele vor allem darauf ab, das zarte bürgerliche Selbstbewusstsein zu erschüttern, und man müsse unweigerlich an Michael Hanekes Funny Games denken. Für die gefragten Gegenmaßnahmen weise Peele die starke Rolle mit Lupita Nyong’o dabei der weiblichen Hauptfigur zu, die nicht nur ihre Angst, sondern sich selbst besiegen muss, so Kamalzadeh.[43]

Die Filmkritikerin Antje Wessels erklärt, vor allem die Idee, sowohl die Protagonisten als auch ihre jeweiligen Doppelgänger von ein und denselben Darstellern verkörpern zu lassen, trage dazu bei, dass sich Wir ganz langsam seinen Weg ins Unterbewusstsein der Zuschauer bahnt. Lupita Nyong’o, Winston Duke sowie die beiden Newcomer Shahadi Wright Joseph und Evan Alex agierten je nach Figur vollkommen unterschiedlich: „Sie werden zu einer Art negativem Spiegelbild ihres Gegenübers, reden mal gar nicht, dann wiederum so, als würden sie beim Sprechen ein- statt ausatmen, was körperlich nur sehr wenige Worte hintereinander möglich ist. Sie fokussieren ihr anderes Ich, umtänzeln es und morden schließlich auch – und das in Wir auch deutlich blutiger, als es noch in Get Out zu sehen war.“ Klassische Jumpscares gebe es hier zwar keine, dies sei aber auch gar nicht nötig, so Wessels weiter, da das Gruselige an Wir letztlich vor allem der Gedanke über sich selbst sei, wie viel Böses eigentlich in uns stecke.[44]

Von der Deutschen Film- und Medienbewertung wurde Wir mit dem Prädikat Besonders wertvoll versehen. Dort heißt es, wie bereits in seinem ersten Film Get Out beweise Jordan Peele auch in Wir, auf welch beeindruckende Art es ihm gelingt, Horror, Humor und Gesellschaftskritik in perfider Mischung miteinander zu verbinden. Die Schockmomente seien effektvoll inszeniert und die komplexe Story lasse den Zuschauer mehr als einmal voller Anspannung im Dunkeln tappen. Bis zu dem letzten überraschenden Twist baue Peele seinen Thriller wie ein Puzzle auf und im Subtext der Geschichte ließen sich mit Unterdrückung, Aufbegehren und dem Aufbrechen einer zivilisatorischen Maske eine Menge gesellschaftlicher Diskurse entdecken.[45]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Hannes Maurer im Auftrag der RC Production Kunze & Wunder GmbH & Co. KG in Berlin.

Darsteller Synchronsprecher Rolle
Lupita Nyong’o Rubina Nath Adelaide Wilson / Red
Winston Duke Tommy Morgenstern Gabe Wilson / Abraham
Shahadi Wright Joseph Derya Flechtner Zora Wilson / Umbrae
Evan Alex Moritz Hecke Jason Wilson / Pluto
Elisabeth Moss Anna Grisebach Kitty Tyler / Dahlia
Tim Heidecker Jaron Löwenberg Josh Tyler / Tex
Noelle Sheldon Emily Gilbert Lindsey Tyler / Nix
Cali Sheldon Vivien Gilbert Becca Tyler / Io
Madison Curry Myra Rettig Adelaide (jung)
Duke Nicholson Roman Wolko Danny / Tony
Anna Diop Julia Kaufmann Rayne Thomas / Eartha
Yahya Abdul-Mateen II Jan-David Rönfeldt Russel Thomas / Weyland

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Wir. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 187952/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Alterskennzeichnung für Wir. Jugendmedien­kommission.
  3. a b c Markus Trutt: Nach Horror-Hit „Get Out“: Jordan Peele enthüllt neuen Thriller – mit wahrscheinlich zwei „Black Panther“-Stars. In: filmstarts.de, 9. Mai 2018.
  4. a b Borys Kit und Mia Galuppo: Winston Duke, Lupita Nyong’o, Elisabeth Moss Circling New Jordan Peele Movie 'Us'. In: The Hollywood Reporter, 8. Mai 2018.
  5. Carmine Carpenito: Get Out 2 – Geht der Spuk bald in die zweite Runde? Regisseur Jordan Peele über die Möglichkeit. In: blairwitch.de, 17. Februar 2017.
  6. Jude Dry: 'Get Out' Is the First of Many 'Social Thrillers' Jordan Peele Has Planned. In: indiewire.com, 2. März 2017.
  7. Selim Baykara: Get Out 2: Geht der Horror in die nächste Runde? In: giga.de, 8. Mai 2017.
  8. a b Sein neuer Albtraum: Erster Trailer enthüllt Jordan Peeles „Wir“. In: moviejones.de. Abgerufen am 10. März 2019.
  9. Graham Winfrey: 'Get Out' Opens Hollywood’s Doors for a Promising Director: Here’s Why Jordan Peele Should Be Wary. In: indiewire.com, 4. Mai 2017.
  10. Anita Busch: 'Get Out's Jordan Peele Seals First-Look Deal With Universal Pictures. In: deadline.com, 3. Mai 2017.
  11. a b Borys Kit: Jordan Peele's Monkeypaw Productions Hires Cultural Executive. In: The Hollywood Reporter, 29. Juni 2018.
  12. http://www.blackfilm.com/read/2018/07/jordan-peeles-next-film-us-starts-production-with-full-cast-announced/
  13. Justin Kroll: Jack Nicholson’s Grandson to Make Acting Debut in Jordan Peele’s 'Us'. In: Variety, 14. September 2018.
  14. Anthony D'Alessandro: Jordan Peele’s 'Us' Starts Production, Rounds Out Cast. In: deadline.com, 30. Juli 2018.
  15. Alyssa Pereira: Jordan Peele filming movie in Santa Cruz with Lupita Nyong'o, Elisabeth Moss, Winston Duke. In: sfgate.com, 13. September 2018.
  16. https://www.geekfeed.com/jordan-peele-releases-first-trailer-for-upcoming-movie-us/
  17. Michael Abels to Reteam with Jordan Peele on 'Us'. In: filmmusicreporter.com, 30. Juli 2018.
  18. a b c d e Paula Parisi: Michael Abels on Delivering a Frightfully Good Score for Jordan Peele's Horror Flick 'Us'. In: billboard.com, 22. März 2019.
  19. a b c d Piya Sinha-Roy: How Jordan Peele's composer conjured scares for Us — listen to two new tracks. In: Entertainment Weekly, 14. März 2019.
  20. Daniel Schweiger: Interview with Michael Abels. In: filmmusicmag.com, 7. März 2017.
  21. By Bo Tefu: A native of note: Phoenix Boys Choir alum scores hit movie 'Get Out'. In: azpbs.org, 15. Mai 2017.
  22. a b Piya Sinha-Roy: Jordan Peele breaks down the frightening first Us trailer. In: Entertainment Weekly, 25. Dezember 2018.
  23. "Pas De Deux (from US)" by Michael Abels. von Back Lot Music bei Youtube (Audio).
  24. Jasmine Ting: The 'Us' Soundtrack Puts A Creepy Twist On Hip-Hop & Soul Classics. In: bustle.com, 20. März 2019.
  25. Soundtrack Details for Jordan Peele’s 'Us'. In: filmmusicreporter.com, 14. März 2019.
  26. https://www.highsnobiety.com/p/jordan-peele-us-poster/
  27. Rachel Yang: Watch the Terrifying First Trailer for Jordan Peele’s 'Us'. In: Variety, 25. Dezember 2018.
  28. https://variety.com/2019/film/news/us-trailer-jordan-peele-1203122625/
  29. Neha Aziz: Announcing Jordan Peele’s Us as 2019 SXSW Film Festival Opening Night. In: 8. Januar 2019.
  30. Ramin Setoodeh: Jordan Peele, Lupita Nyong’o Terrify SXSW with 'Us'. In Variety, 8. März 2019.
  31. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 12. Januar 2019.
  32. https://www.spio-fsk.de/?seitid=2737&tid=469&Vers=1&FGID=4944
  33. https://www.srf.ch/radio-srf-virus/serien-filme/film-review-der-horrorfilm-mit-den-schlimmsten-monstern-ueberhaupt-uns-selbst
  34. „Wir“ erweckt Grauen und tiefe Ängste. In: focus.de, 18. März 2019.
  35. Benjamin Hecht : Fast so stark wie „Avatar“: Horrorfilm „Wir“ schlägt „Captain Marvel“ mit Rekordstart. In: filmstarts.de, 25. März 2019.
  36. Brad Brevet: Jordan Peele's 'Us' Delivers a Mind-Blowing $70 Million Debut. In: boxofficemojo.com, 24. März 2019.
  37. https://www.boxofficemojo.com/genres/chart/?id=rratedhorror.htm
  38. US. In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 16. April 2019.
  39. Top 100 Deutschland 2019. In: insidekino.com. Abgerufen am 16. April 2019.
  40. Us. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 22. März 2019.
  41. https://variety.com/2019/film/reviews/us-review-jordan-peele-1203158604/
  42. https://www.focus.de/kultur/leben/nichts-fuer-zartbesaitete-jordan-peeles-horrorfilm-wir_id_10478604.html
  43. https://www.derstandard.de/story/2000099828260/jordan-peeles-wir-spielt-mit-dem-horror-der-unterdrueckten
  44. Wir. In: programmkino.de. Abgerufen am 12. März 2019.
  45. Wir In: fbw-filmbewertung.com. Deutsche Film- und Medienbewertung. Abgerufen am 22. März 2019.