Wirbelrad

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Wirbelrad mit 12 Segmenten
Bildstein mit Wirbelrad, Spiralmotiven und Schiff (unten)
Wirbel- und andere komposditionen vom Castro de Santa Trega - Portugal

Das Wirbelrad (schwedisch Virvelhjul) ist ein Ornament des nordischen Kunststils, das auf den älteren gotländischen Bildsteinen überliefert ist. Das Wirbelrad stellt eine Modifikation der Swastika dar. Es stammt aus der Zeit vor dem Oseberg-Stil und wird in das 5. und 6. Jahrhundert (germanische Eisenzeit) und in die schwedische Vendelzeit datiert. Wirbelräder sind z. B. von den Bildsteinen von Bro No. 24, Broa XIV, Havor I, Ire I, Sanda IV und Väskinde V bekannt.

Schwedische Wirbelräder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wirbelrad ist auf den älteren schwedischen Steinen das Zentralmotiv. Jüngere Steine zeigen es weiterhin dominant aber kombiniert mit Spiralen und Ruderbooten. Um die suggestive Wirkung zu verstehen, die die Darstellung ursprünglich hatte, muss man sich die heute verschwundenen Farben vorstellen. Der Ausformung der Räder nach zu urteilen, ist rot mit schwarz und weiß kombiniert worden. Auf den älteren Bildsteinen haben sich keine Farbspuren erhalten. Auf den jüngsten, die relativ schnell nach ihrer Erstellung im Zuge der Christianisierung als Baumaterial (meist in Kirchen) gedient haben, haben sich gelegentlich Farbspuren erhalten.

Die Wirbelräder weisen wiederkehrende Details auf, die zeigen, dass diese abstrakte Darstellung einen tieferen Sinn hatte. Ihre halbmondförmigen Segmente erscheinen 6-, 12-, 16-, oder 24-fach. Dreiecke, die bisweilen zwischen die Speichen der Wirbelräder (z. B. Sanda IV mit 16 Segmenten) eingesetzt sind, könnten mit verschiedenartiger Färbung die Bewegungsvorstellung verstärken. Die stets vorhandene strahlenförmige Randzier soll vielleicht die Strahlkraft der Sonne wiedergeben. Viele dieser Bildsteine sind in Gotlands Fornsal in Visby ausgestellt.

Wirbelräder der Iberischen Halbinsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirbelräder mit drei und mehr Segmenten wurden z. B. auch in der Citânia de Briteiros in Portugal, im Oppidum Santa Terga in Galicien und auf kantabrischen Scheibenstelen (Estelas cántabras) (z. B. Stelen von Lombera) der Iberischen Halbinsel gefunden, wo sie etwa ein Jahrtausend älter als die skandinavischen sind.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erik Nylén, Jan Peder Lamm: Bildsteine auf Gotland. Wachholtz, Neumünster 1981, 1991 (2. Aufl.), ISBN 3-529-01823-6. S. 20
  • Philine Kalb: Großsteingräber und Menhire. In: Hermanfrid Schubart et al. (Hrsg.): Funde in Portugal. Muster-Schmidt, Göttingen/Zürich 1993, ISBN 3-7881-1512-2 Abb. Tafel 33 S. 101

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]