Wirecard

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wirecard AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0007472060
Gründung 1999
Sitz Aschheim, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 3.766 (2016)[1]
Umsatz 1.028,4 Mio. (2016)[1]
Branche Software/IT-Dienstleistung
Website www.wirecard.de
Stand: 31. Dezember 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016

Die Wirecard AG (bis 13. März 2005: InfoGenie AG) ist ein börsennotiertes und weltweit tätiges Technologie- und Finanzdienstleistungs-Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, das Risikomanagement sowie die Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten. Die Tochtergesellschaft Wirecard Bank AG verfügt über eine deutsche Banklizenz und hält eine Lizenz von VISA und Mastercard. Darüber hinaus bestehen Verträge u. a. mit American Express, Discover/Diners, JCB, Alipay, Apple Pay sowie China UnionPay.

Produkte und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirecard ist internationaler Anbieter für elektronische Zahlungs- und Risikomanagementlösungen. Dies umfasst klassischer Weise die Einbindung von Zahlungsmethoden sowie die Abwicklung von Zahlungen im E-Commerce sowie an der stationären Kasse (POS). In diesen Bereichen arbeitet Wirecard derzeit mit insgesamt 27.000 großen Unternehmen zusammen (Stand: Juni 2017), darunter u. a. KLM, Rakuten oder O2 / Telefónica.[2]

Im Bereich Mobile Payment hat Wirecard mehrere Verträge mit Telekommunikationsanbietern für technische Dienstleistungen rund um das mobile Bezahlen mit dem Smartphone auf Basis der Technologie Near Field Communication (NFC) abgeschlossen. Zur Annahme von Kartenzahlungen über das Smartphone oder Tablets bietet der Zahlungsabwickler Vertriebspartnern einen Mobile Card Reader als White-Label-Programm an. Seit 2015 bietet Wirecard die voll digitalisierte, mobile Payment-App boon an, die auf einer virtuellen Prepaid-Mastercard basiert und auf Smartphones mit den Betriebssystemen Android sowie iOS läuft. Die Android-Version ist bislang in Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Irland verfügbar. Via Apple Pay kann boon derzeit in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und Italien genutzt werden, und dies unabhängig von Banken oder Netzbetreibern.[3]

Im November 2006 startete Wirecard den Prepaid-Internet-Bezahldienst mywirecard. Kunden können sich online anmelden und ein Konto bei der Wirecard-Bank eröffnen, das sie dann per Überweisung, Lastschrift, Bareinzahlung oder Einzahlung über die Kreditkarte aufladen. Dabei erhält jeder Kunde grundsätzlich eine virtuelle Prepaid-MasterCard, auf Wunsch auch als Plastikkarte.

Seit 2010 ist die mycard2go (vormals wirecard 2Go VISA) im Portfolio der Bank – eine Prepaid-Kreditkarte, die im Einzelhandel erworben und bereits beim Kauf mit Guthaben aufgeladen werden kann. Vor der Nutzung ist noch eine Online-Aktivierung notwendig.

Das Produkt Supplier and Commission Payments (SCP) der Wirecard ist auf die Travel-Branche zugeschnitten. Es basiert auf der automatischen Herausgabe von virtuellen Kreditkarten und ermöglicht elektronische Auszahlungen an Partner und Zulieferer, zum Beispiel für Provisionszahlungen. So können internationale Zahlungen über den elektronischen Versand von virtuellen Kreditkartennummern abgewickelt werden.

Wirecard unterstützt außerdem den stationären Einzelhandel bei der Digitalisierung, etwa zusammen in einem Projekt mit T-Systems.[4] Viele FinTech-Unternehmen kooperieren mit Wirecard und nutzen z. B. die Banklizenz von Wirecard. Bekannte Beispiele sind das Start-Up Number26 (bis 2016), das „Smartphone-Konto“ Bankomo oder der Mobile-Banking-Anbieter Mondo.[5][6][7] Des Weiteren arbeitet Wirecard mit bekannten FinTechs wie Curve oder Funding Circle zusammen.[8][9]

Seit 2014 bietet Wirecard das Checkout Portal an, eine vollautomatische Lösung für die unkomplizierte Einbindung von verschiedenen Zahlungsarten in Online-Shops, die sich an kleine und mittelständische Unternehmen sowie virtuelle Marktplätze richtet.[10]

Seit 2015 kooperiert Wirecard mit Alipay, um chinesischen Reisenden die vertraute, heimische Zahlmethode in Europa anzubieten. Hierfür integriert Wirecard das alternative Bezahlverfahren in die Kassensysteme von Einzelhändlern wie z. B. Printemps, The Body Shop oder die National Bank of Greece.[11] [12][13]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsjahr Umsatz in Mio. € Gewinn in Mio. € Mitarbeiter
(Jahresdurchschnitt)
2004 6,83 0,053 18
2005 54,13 8,00 323
2006 81,94 15,44 361
2007 134,17 30,47 459
2008 196,79 42,31 442
2009 228,51 45,52 468
2010 271,62 53,97 500
2011 324,80 61,19 498
2012 394,60 73,29 674
2013 481,74 82,73 1.025
2014 601,03 107,92 1.750
2015 771,30 142,64 2.300
2016 1.028,35 266,74 3.766

Stand: 31. Dezember 2016[14]

Wirecard Bank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Wirecard Bank AG
Logo der Wirecard Bank AG
Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz Aschheim
Rechtsform Aktiengesellschaft
Bankleitzahl 512 308 00[15]
BIC WIRE DEMM XXX[15]
Gründung 2006
Website www.wirecardbank.de
Geschäftsdaten 2015[16]
Bilanzsumme 861,2 Mio. Euro
Einlagen 770,1 Mio. Euro
Kundenkredite 97,6 Mio. Euro
Mitarbeiter 97
Leitung
Vorstand Alexander von Knoop
Burkhard Ley
Rainer Wexeler
Aufsichtsrat Wulf Matthias (Vors.)

Seit Januar 2006 ist die Wirecard Bank AG Teil der Wirecard-Unternehmensgruppe und verfügt über eine deutsche Banklizenz. Die Bank hat Verträge mit mehreren Kartenorganisationen und kann für deren Kredit- und Debitkarten-Marken Kartenakzeptanzverträge (Acquiring) schließen. Die Wirecard Bank ist Mitglied im Bundesverband deutscher Banken sowie dessen Einlagensicherungsfonds.

Die Wirecard Bank ist dem genossenschaftlichen Rechenzentrum der GAD eG in Münster angeschlossen und nutzt als Kernbankensystem deren Software bank21.[17]

Wirecard Card Solutions Ltd.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirecard Card Solutions Ltd. (WDCS) ist ein Tochterunternehmen der Wirecard AG mit Sitz in Newcastle upon Tyne, Vereinigten Königreich und bietet Prepaid-Kreditkarten-Lösungen für Geschäftskunden (u. a. Skrill) an. Sie hält wie ihre Muttergesellschaft Lizenzen von MasterCard und Visa sowie eine E-Money-Lizenz und ist von der FSA-Nachfolgeregulierungsbehörde FCA autorisiert.

Der Standort Newcastle entstand 2011, als Wirecard das mit 1,5 Millionen Prepaidkarten in sechs europäischen Ländern vertretene Prepaidkarten-Geschäft der Genossenschaftsbank Newcastle Building Society für 7,5 Mio. Britische Pfund (GBP) (rund 8,9 Mio. Euro) übernahm. Abhängig vom Erfolg wurden weitere Earn-Out Zahlungen in Höhe von bis zu 1,5 Mio. GBP (ca. 1,8 Mio. Euro) für 2012 und bis zu 1,0 Mio. GBP (ca. 1,2 Mio. Euro) für 2013 vereinbart. Die 24 Mitarbeiter des ehemaligen Prepaidkarten-Geschäftes wurden mit übernommen.[18][19]

Seit 2016 bietet WDCS eine virtuelle Prepaid-Karte an, die überall dort funktioniert, wo eine Visa-Kreditkarte akzeptiert wird und auf die Nutzer im Voraus einen beliebigen Betrag aufladen können, was ihnen eine Kontrolle ihrer Ausgaben ermöglicht.

Bilanzierung und Kursmanipulationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2008 warf die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) der Wirecard falsche bzw. irreführende Bilanzierung vor. Infolgedessen beauftragte Wirecard die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit einem Sondergutachten für das Geschäftsjahr 2007. Später wurde bekannt, dass Mitglieder der SdK über Differenzkontrakte auf fallende Kurse vor Bekanntmachung der Bilanzdefizite spekuliert hatten. Auch Fondsmanager der Privatbank Sal. Oppenheim setzten auf fallende Kurse und wiesen institutionelle Anleger zur Kursmanipulation bereits vor Bekanntwerden der Vorwürfe auf Bilanzfehler hin.[20][21] Die Aktie des Unternehmens fiel daraufhin um fast siebzig Prozent.

Wirecard erstattete Ende Juni 2008 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen die Fondsmanager der Privatbank Sal. Oppenheim und Mitarbeiter der SdK.[22]

Am 6. April 2010 fiel die Aktie des Unternehmens infolge einer Falschmeldung des Nachrichtendienstes Goldman, Morgenstern & Partners (GoMoPa) erneut um mehr als dreißig Prozent. Die BaFin gab daraufhin am 7. April 2010 bekannt, eine förmliche Ermittlung eingeleitet zu haben.[23] Laut GoMoPa Presseaussendung vom 26. Oktober 2012 wurde das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I gegen GoMoPa wegen des Verdachts auf ein Vergehen nach dem Wertpapierhandelsgesetz mangels Nachweis am 12. Oktober 2012 eingestellt.[24]

Am 24. Februar 2016 stürzten die Aktien von Wirecard nach der Veröffentlichung eines Bericht des bis dato unbekannten Analyse-Unternehmen Zatarra Research & Investigation erneut ab. In der Studie werfen die Analysten Wirecard diverse illegale Praktiken vor. Allerdings geht man davon aus, dass das Analyse-Unternehmen, von welchem selbst erfahrene Analysten noch nie gehört hatten, Teil einer groß angelegten Kursmanipulation ist.[25]

Am 22. Februar 2017 veröffentlichte das Manager Magazin einen Artikel, der auf – aus Sicht des Magazins – intransparente Bilanzierungspraktiken hinweist.[26] Der Aktienkurs fiel daraufhin zeitweilig um knapp 8 Prozent. Wirecard wies den Bericht als unbegründet zurück.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss 2016. Wirecard AG, abgerufen am 4. Mai 2017 (PDF).
  2. it-times: Wirecard versus Google, Apple und PayPal im Mobile- und Online-Payment Boom. (it-times.de [abgerufen am 29. Mai 2017]).
  3. inside-it.ch: Boon bringt Apple Pay für alle. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  4. Wirecard und T-Systems kooperieren bei IoT-Lösung. (kreditwesen.de [abgerufen am 18. Mai 2017]).
  5. N26: Kundenzahl verdreifacht sich in einem Jahr – WiWo Gründer. In: WiWo Gründer. 15. März 2017 (wiwo.de [abgerufen am 18. Mai 2017]).
  6. Tim Kanning: Handykonten: Ein Smartphone-Konto für Flüchtlinge. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. April 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. Mai 2017]).
  7. Das Startup, das in 96 Sekunden eine Million Pfund einsammelte. In: Gründerszene Magazin. (gruenderszene.de [abgerufen am 18. Mai 2017]).
  8. IT Finanzmagazin: Wirecard bringt Curve-Karte: Kreditkarten zu einer physischen Karte zusammenfassen & per App verwalten. In: IT Finanzmagazin. 23. Mai 2016 (it-finanzmagazin.de [abgerufen am 18. Mai 2017]).
  9. Plattform für Mittelstandskredite – Wirecard MAGAZINE. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  10. Diese Payment-Methoden tragen zum Erfolg von Onlineshops bei. In: Gründerszene Magazin. (gruenderszene.de [abgerufen am 18. Mai 2017]).
  11. French department store offers Alipay mobile payments • NFC World. In: NFC World. 9. November 2016, abgerufen am 29. Mai 2017.
  12. The Body Shop To Launch Alipay Mobile Wallet In Three London Stores | PYMNTS.com. Abgerufen am 29. Mai 2017 (amerikanisches englisch).
  13. Wirecard Inks Deal With NBG To Integrate AliPay | PYMNTS.com. Abgerufen am 29. Mai 2017 (amerikanisches englisch).
  14. Geschäftsbericht des jeweiligen Jahres
  15. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  16. Jahresabschluss 2015 der Wirecard Bank AG im Bundesanzeiger, Recherche unter http://www.bundesanzeiger.de/
  17. Vgl. Internetbanking der Bank unter https://internetbanking.gad.de/
  18. Wirecard übernimmt Prepaidkarten-Division der britischen Newcastle Building Society. In: boerse.de. 16. Dezember 2011, abgerufen am 16. Januar 2016.
  19. Wirecard übernimmt Prepaidkarten-Division der britischen Newcastle Building Society. In: Wirecard: Investor Relations: News & Publikationen. Wirecard AG, 16. Dezember 2011, abgerufen am 16. Januar 2016.
  20. Bilanzierung: Wirecard beauftragt Ernst&Young. Handelsblatt, 5. August 2008, abgerufen am 22. März 2011.
  21. Wirecard erstattet Anzeige gegen Oppenheim-Fondsmanager. In: Boersenreport.de. 27. Juli 2008, abgerufen am 22. März 2011.
  22. Wirecard AG tritt Marktmanipulationen entschieden entgegen. Wirecard, 30. Juni 2008, abgerufen am 22. März 2011.
  23. Marktgerüchte: Finanzaufsicht untersucht Kursachterbahn bei Wirecard. Handelsblatt, 7. April 2010, abgerufen am 22. März 2011.
  24. Pressemeldung der GoMoPa, vom 26. Oktober 2012, abgerufen am 29. April 2013
  25. Boerse Online – aRtikel über Wirecard-Crash, vom 24. Februar 2016
  26. Heinz-Roger Dohms: Das 250-Millionen-Euro-Rätsel des Börsenwunders Wirecard. In: Manager Magazin (online), 22. Februar 2017 (Abruf am 23. Februar 2017).
  27. Wirecard-Aktie: „Ominöse Forderungsposition“ – Papier fällt nach Medienbericht ans TecDax-Ende. In: Börse Online, 23. Februar 2017, Abruf am 23. Februar 2017.

Koordinaten: 48° 8′ 51″ N, 11° 41′ 18″ O