Wirtschaft Kolumbiens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Artikel Wirtschaft Kolumbiens und Kolumbien#Wirtschaft überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. H7 (Diskussion) 16:27, 5. Mär. 2017 (CET)
Kolumbien
KolumbienKolumbien
Weltwirtschaftsrang 40
Währung Kolumbianischer Peso (COP)
Umrechnungskurs 3,372.00 COP je Euro (Juli 2018)[1]
Handels-
organisationen
WTO, Pazifik-Allianz
Kennzahlen
Bruttoinlands-
produkt (BIP)
US$ 300,99 Mrd. (prognostiziert 2017)[2]
BIP pro Kopf US$ 5.623,27
Wachstum 3,1 % (2016)
Inflationsrate 5,0 % (2016)
Gini-Index 53,5 (2014)
Erwerbstätige 22,8 Mio
Erwerbsquote 64 %
Arbeitslosenquote 11,7 % (Januar 2017)
Außenhandel
Exportgüter Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Gold, Smaragde, Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Bananen, Blumen, Chemikalien, Baumwollprodukte, Zucker, Vieh
Exportpartner USA, Kanada, EU, China, Venezuela, Panama
Importgüter Fahrzeuge, Nachrichtentechnik, Rohstoffe und Halbfabrikate, Kapitalgüter, Konsumgüter
Importpartner USA, China, Mexiko, Brasilien, Deutschland, Kanada
Außenhandelsbilanz −6,4 %
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 50,6 % des BIP (2015)[3]
Haushaltssaldo 49 % Staatsverschuldung in Prozent des BIP (2016)
Der internationale Finanzdistrikt in Bogotá

Die Wirtschaft Kolumbiens ist derzeit im Wandel und erfuhr erst seit den 1990er Jahren eine spürbare Änderung. Kolumbien hat in den letzten zehn Jahren einen historischen Wirtschaftsboom erlebt. Davor war das Land gelähmt durch den Bürgerkrieg während 50 Jahren (genau vom 27. Mai 1964 – 26. September 2016), das Wachstum und Entwicklung immer wieder durch den internen bewaffneten Konflikt, Kriminalität oder Vetternwirtschaft einschränkte. Die über Jahrzehnte währenden Gewaltkonflikte sind nun weitgehend beigelegt, die Wirtschaft floriert, die Gesellschaft nutzt ihre neuen Freiräume. Die daraus entstandene wirtschaftliche Öffnung („Apertura económica“)[4] orientiert sich an marktwirtschaftlichen Grundsätzen und bemüht sich ausländische Investitionen ins Land zu holen. Das US-Magazin Forbes klassifiziert Kolumbien 2017 weltweit an 57. Stelle in einem Ranking zum Thema „Die besten Länder für Unternehmen“.[5] Die „Apertura“ gehörte zu einer Reihe von Schritten den der südamerikanische Kontinent insgesamt genommen hatte um sich in die Weltwirtschaft besser zu integrieren.

Wirtschaftslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumbien gilt als ein gut industrialisiertes Land und gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen Lateinamerikas. Der Ressourcenreichtum gilt als aussichtsreich, ebenso die gute Lage im Zentrum Amerikas mit einer Vielzahl an Handelswegen für den Export. Dazu kommt eine vorteilhafte Geographie und ein angenehmes Klima, sowie das Arbeitskräftepotenzial. In den letzten Jahrzehnten kamen auch immer mehr Ausländer nach Kolumbien um zu investieren, nachdem 1990 die Wirtschaftsöffnung (apertura) erfolgte und sich die Sicherheitslage im Land stetig verbesserte. Kolumbien hat die am schnellsten wachsende Informationstechnologie-Industrie in der Welt und hat das mit 19.000 Kilometer längste Glasfasernetz in Lateinamerika.[6] Laut der Prognose wird die Zahl der Internetnutzer in Kolumbien im Jahr 2017 bei 30,5 Millionen liegen.[7] Kolumbien hat außerdem eine der größten Schiffbauindustrien weltweit außerhalb Asiens.

Entwicklung des BIP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 war Kolumbien noch Lateinamerikas fünftgrößte Volkswirtschaft und erreichte ein BIP pro Kopf von nur US$ 1.500, 2015 ware es nur noch die viertgrößte und lag weltweit an 31. Stelle. Bis 2015 stieg das BIP (Purchasing Power Parity, PPP) von US$ 120 Milliarden im Jahr 1990 auf fast 700 Milliarden US-Dollar an, pro Kopf auf über US$ 14.000 (Weltrang 113).[8] Die Armutsquote war im Jahr 1990 mit 65 % sehr hoch, sank aber bis 2015 auf unter 24 %.

Wirtschaftsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Wirtschaftszweige Kolumbiens sind neben dem Bergbau (siehe untenstehender Abschnitt) Bauwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen sowie seit nicht so langer Zeit der Tourismus[9]. Wichtige kolumbianische Unternehmen sind: Grupo Aval (Bankwesen), Ecopetrol (Erdöl), Bavaria (Bier und Getränke), ETB (Kommunikation), ISA (Energie), Grupo Éxito (Supermärkte), Grupo Nutresa (Lebensmittel), Manuelita (Agrobusiness), Colpatria (Bank), Alpina (Lebensmittel), Coltejer (Textilien), Acerías Paz del Río (Stahl), Argos (Zement), Corona (Baumärkte), Norma (Druckereiwesen und Publikationen) und Colombina (Lebensmittel). Auch große ausländische Unternehmen wählten Kolumbien zum Schwerpunkt ihrer südamerikanischen Aktivitäten, so Siemens, Microsoft, Renault, Bayer, BASF, Dupont, Procter & Gamble, STEAG, Goodyear, General Motors und Hewlett-Packard. Die Existenzgründungsrate ist hoch.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

El Cerrejón, größter Steinkohleabbau in Lateinamerika

Kohle, Erdöl und Nickel machen 47 % der Exporte des Landes aus [10]. Zunehmende Bedeutung kommt in Kolumbien dem Dienstleistungssektor zu. Hierbei ist auch der Tourismus zu nennen, der aber durch die Sicherheitslage im Land nach wie vor gehemmt wird.

Erdöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erdöl macht wertmäßig 33,2 % der Exporteinnahmen von Kolumbien aus.[11] Kolumbien hat 2017 854.121 bpd (Barrels per day) gefördert, weniger als 2016 (damals waren es 885.000).[12] Die Vorkommen liegen zwischen 1,54 und 1,84 Milliarden Barrel.[13] Dazu kommt eine Gasförderung, die über das Jahr hinweg bei 908,7 Mio Kubikfuss/Tag liegt.[14]

Steinkohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Export von Steinkohle kommt an zweiter Stelle. Kolumbien hat mit geschätzt rund 7,4 Milliarden Tonnen die größten Kohlereserven in Südamerika, wobei geschätzt 72 Prozent der Vorkommen qualitativ hochwertige Kesselkohle sind.[15] Kolumbien belegt weltweit den 11. Platz bei der Produktion von Kohle, wovon 90 Prozent exportiert wird.

Die Kohleproduktion wurde in den letzten Jahren ausgeweitet, wobei jedoch kaum Umweltverträglichkeitsprüfungen existieren, was unter anderem in der Umgebung zur Grundwasserverseuchung führte. Die Menschenrechte der Anwohner werden unter anderem durch Vertreibungen und Verschmutzung[16] sowie durch gefährliche Arbeitsbedingungen und Bedrohung von Gewerkschaftern durch Paramilitärs verletzt.[17]

Kolumbien ist Hauptlieferant für Smaragde von hoher Qualität in die ganze Welt. Die Smaragdvorkommen bilden einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor, vor allem für den Außenhandel. Jährlich werden Smaragde mit einem offiziellen Handelsvolumen zwischen 150 und 400 Mio. US-Dollar exportiert, wobei der gleiche Betrag für den Schwarzhandel erwartet wird.

Kolumbien ist außerdem ein bedeutender Hersteller von Nickel.

Andere Bodenschätze wie Gold, Platin und Silber sind ebenfalls wichtige Exportgüter.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den tropischen Zonen gedeihen Früchte wie Bananen, Ananas oder Papaya sowie Reis, Zuckerrohr, Kartoffeln, Baumwolle und Tabak; in den gemäßigten Gebieten wachsen Zitrusfrüchte, Yucca, Tomaten sowie verschiedene Getreidesorten.

Kolumbien streitet sich abwechslungsweise mit Indonesien um den dritten Platz als Top-Exportnation von Rohkaffee weltweit, nach Brasilien und Vietnam. An den Berghängen erntet man den beliebten kolumbianischen Arabica-Kaffee, der seit Jahrhunderten weltweit exportiert wird : Derzeit ist Kolumbien der drittgrößte Kaffee-Produzent der Welt (2016 etwa 810.000 Tonnen) und der weltweit größte Produzent von Fairtrade-Kaffee.[18] Bei der Produktion von Bananen steht Kolumbien mit mehr als 1,5 Mio. Tonnen weltweit an fünfter Stelle.[19] Bei der Produktion von Kartoffeln ist Kolumbien in Lateinamerika führend.

Kolumbien ist der weltweit größte Produzent von Nelken als Schnittblumen, bei Schnittblumen insgesamt steht es an zweiter Stelle, nach den Niederlanden. Bei Orchideen hat das Land mit 3500 Arten das weltweit größte Angebot. In 2012 exportierte Kolumbien mehr als 200.000 Tonnen Blumen im Wert von US$ 1,27 Milliarden.[20] Kolumbien ist weltgrößter Produzent von Guadua-Bambus, das vor allem für den, auch mehrstöckigen, Hausbau und Brückenbau aber auch für den Gerüstbau verwendet wird. Weite Gebiete sind der Viehwirtschaft vorbehalten.

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufbruchstimmung in Kolumbien hat auch Hochschule und Wissenschaft erfasst. Hohe Qualitätsstandards in der Ausbildung, ein gut ausgebautes Hochschulsystem und ein breites Spektrum an zukunftsorientierten Forschungsthemen bietet das Land. Es setzt in der Wissenschaft bewusst auf strategische Vernetzung und internationale Zusammenarbeit. „Kolumbien sind die wissenschaftlichen Beziehungen mit Deutschland besonders wichtig“, betont Botschafter Juan Mayr Maldonado. Der seit vielen Jahren intensive Austausch gewinnt angesichts der positiven Entwicklungen im Land neue Dynamik und eröffnet dank zahlreicher Förderangebote gute Perspektiven.[21]

Aussichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumbiens Wirtschaft wuchs 2015 mit 3,1 % geringer als in den Vorjahren. Ursache war vor allem der Absturz der Erdölpreise. Zukünftig könnte das Wachstum nachhaltiger als in der Vergangenheit sein und nicht mehr nur auf dem Rohstoffsektor basieren. Die starke Abwertung des Peso wirkt dabei als Puffer, der andere Sektoren wettbewerbsfähiger macht. Im Jahr 2013 begann Kolumbien seinen Beitrittsprozess zur OECD.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EURCOP Spot Exchange Rate. bloomberg.com. Abruf am 11. Juli 2018 (englisch).
  2. Kolumbien: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 2007 bis 2017 (in Milliarden US-Dollar). de.statista.com. Abruf am 5. März 2017.
  3. Länderprofil KOLUMBIEN. wko.at. Abruf am 5. März 2017
  4. Apertura económica. banrepcultural.org. Abruf am 5. März 2017 (spanisch)
  5. Best Countries for Business – 2016 RANKING. forbes.com. Abruf am 12. März 2017 (englisch)
  6. Azteca Installs 12,000 km of Fiber Optic Cable in Colombia. azooptics.com. Abruf am 5. März 2017 (englisch)
  7. Prognose zur Anzahl der Internetnutzer in Kolumbien. de.statista.com. Abruf am 5. März 2017
  8. Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. laenderdaten.de. Abruf am 8. März 2017
  9. Kolumbien: Neues Boomland in Südamerikas?. tt.com. Abruf am 6. März 2017
  10. Kolumbien und der Bergbau-Boom, übersetzt aus La Semana, Mai 2010, 28. April 2013.
  11. La ola de bondades que traería el petróleo a US$ 70 eltiempo.com, abgerufen am 23. Januar 2018 (spanisch)
  12. Colombia produjo en promedio 854.121 barriles de crudo diarios en 2017 eltiempo.com, abgerufen am 23. Januar 2018 (spanisch)
  13. Countries – U.S. Energy Information Administration (EIA). Abgerufen am 8. März 2015.
  14. Colombia produjo en promedio 854.121 barriles de crudo diarios en 2017 eltiempo.com, abgerufen am 23. Januar 2018 (spanisch)
  15. Manfred Fuchs, Tilman Schiel: Der Preis der Kohle: eine vergleichende Studie über den Kohlebergbau in Kolumbien, Südafrika und Polen. C. H. Beck, 1997, S. 14.
  16. Deutsche Welle: Menschenrechtsverletzungen durch Kohlebergbau, 20. November 2008.
  17. Handelsblatt online: Die Kohle ist blutbefleckt, 28. April 2013.
  18. Die 10 grössten Kaffee Anbauländer tenoftheday.de, abgerufen am 23. Januar 2018
  19. Christian Seiler: Die Banane ist ein Spiesser. Porträt unserer Lieblingsfrucht. Das Magazin, Tamedia, Zürich 1. Oktober 2016, Seite 13
  20. Blumen aus Bogotá. nzz.ch. Abruf am 6. März 2017
  21. Laenderprofil Kolumbien. gate-germany.de. Abruf am 5. März 2017 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]