Wirtschaft Kolumbiens

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Kolumbien
KolumbienKolumbien
Weltwirtschaftsrang 40
Währung Kolumbianischer Peso (COP)
Umrechnungskurs 3.151,50 COP je Euro (März 2017)[1]
Handelsorganisationen WTO, Pazifik-Allianz
Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) US$ 300,99 Mrd. (prognostiziert 2017)[2]
BIP pro Kopf US$ 5.623,27
Wirtschaftswachstum 3,1% (2016)
Inflationsrate 5,0% (2016)
Gini-Index 53,5 (2014)
Erwerbstätige 22,8 Mio
Erwerbsquote 64%
Arbeitslosenquote 11,7% (Januar 2017)
Außenhandel
Exportgüter Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Gold, Smaragde, Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Bananen, Blumen, Chemikalien, Baumwollprodukte, Zucker, Vieh
Exportpartner USA, Kanada, EU, China, Venezuela, Panama
Importgüter Fahrzeuge, Nachrichtentechnik, Rohstoffe und Halbfabrikate, Kapitalgüter, Konsumgüter
Importpartner USA, China, Mexiko, Brasilien, Deutschland, Kanada
Außenhandelsbilanz -6.4%
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 50,6% des BIP (2015)[3]
Haushaltssaldo 49% Staatsverschuldung in Prozent des BIP (2016)
Der internationale Finanzdistrikt in Bogotá

Die Wirtschaft Kolumbiens ist derzeit im Wandel und erfuhr erst seit den 1990er Jahren eine spürbare Änderung. Kolumbien hat in den letzten zehn Jahren einen historischen Wirtschaftsboom erlebt. Davor war das Land gelähmt durch den Bürgerkrieg während 50 Jahren (genau vom 27. Mai 1964 – 26. September 2016), das Wachstum und Entwicklung immer wieder durch den internen bewaffneten Konflikt, Kriminalität oder Vetternwirtschaft einschränkte. Die über Jahrzehnte währenden Gewaltkonflikte sind nun weitgehend beigelegt, die Wirtschaft floriert, die Gesellschaft nutzt ihre neuen Freiräume. Die daraus entstandene wirtschaftliche Öffnung („Apertura económica“)[4] orientiert sich an marktwirtschaftlichen Grundsätzen und bemüht sich ausländische Investitionen ins Land zu holen. Das US-Magazin Forbes klassifiziert Kolumbien 2017 weltweit an 57. Stelle in einem Ranking zum Thema „Die besten Länder für Unternehmen“.[5] Die „Apertura“ gehörte zu einer Reihe von Schritten den der südamerikanische Kontinent insgesamt genommen hatte um sich in die Weltwirtschaft besser zu integrieren.

Wirtschaftslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumbien gilt als ein gut industrialisiertes Land und gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen Lateinamerikas. Der Ressourcenreichtum gilt als aussichtsreich, ebenso die gute Lage im Zentrum Amerikas mit einer Vielzahl an Handelswegen für den Export. Dazu kommt eine vorteilhafte Geographie und ein angenehmes Klima, sowie das Arbeitskräftepotenzial. In den letzten Jahrzehnten kamen auch immer mehr Ausländer nach Kolumbien um zu investieren, nachdem 1990 die Wirtschaftsöffnung (apertura) erfolgte und sich die Sicherheitslage im Land stetig verbesserte. Kolumbien hat die am schnellsten wachsende Informationstechnologie-Industrie in der Welt und hat das mit 19.000 Kilometer längste Glasfasernetz in Lateinamerika.[6] Laut der Prognose wird die Zahl der Internetnutzer in Kolumbien im Jahr 2017 bei 30,5 Millionen liegen.[7] Kolumbien hat außerdem eine der größten Schiffbauindustrien weltweit außerhalb Asiens.

Entwicklung des BIP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 war Kolumbien noch Lateinamerikas fünftgrößte Volkswirtschaft und erreichte ein BIP pro Kopf von nur US$ 1.500, bis 2015 wurde es die viertgrößte in Lateinamerika und kam insgesamt weltweit an 31. Stelle. Bis 2015 stieg das BIP (Purchasing Power Parity, PPP) von US$ 120 Milliarden im Jahr 1990 auf fast 700 Milliarden US-Dollar an, pro Kopf auf über US$ 14.000 (Weltrang 113).[8] Die Armutsquote war im Jahr 1990 mit 65 % sehr hoch, sank aber bis 2015 auf unter 24 %.

Wirtschaftsstruktur und Exporte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenschätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigstes Exportgut ist mit 27 % Erdöl sowie Erdgas. Der Erdölexport hat aber zuletzt an Bedeutung etwas verloren, dominiert aber nach wie vor den Außenhandel. Der Export von Steinkohle kommt an zweiter Stelle. Der Bergbau spielt ebenso eine wichtige Rolle. Andere Bodenschätze wie Gold, Platin und Silber sind ebenfalls wichtige Exportgüter. Kolumbien ist Hauptlieferant für Smaragde von hoher Qualität in die ganze Welt.

Kaffee, Früchte und Blumen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Berghängen erntet man den beliebten kolumbianischen Kaffee, der seit Jahrhunderten weltweit exportiert wird; in den tropischen Zonen gedeihen Früchte wie Bananen, Ananas oder Papaya sowie Reis, Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak; in den gemäßigten Gebieten wachsen Zitrusfrüchte, Yucca, Tomaten sowie verschiedene Getreidesorten.

Kolumbien ist der weltweit größte Produzent von Nelken als Schnittblumen, bei Schnittblumen insgesamt steht es an zweiter Stelle, nach den Niederlanden. Bei Orchideen hat das Land mit 3500 Arten das weltweit größte Angebot. In 2012 exportierte Kolumbien mehr als 200.000 Tonnen Blumen im Wert von US$ 1,27 Milliarden.[9] Kolumbien ist weltgrösster Produzent von Guadua-Bambus, das vor allem für den, auch mehrstöckigen, Hausbau und Brückenbau aber auch für den Gerüstbau verwendet wird. Weite Gebiete sind der Viehwirtschaft vorbehalten. Weitere wichtige Wirtschaftszweige sind die Bauwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen. Besonders starker Motor der Wirtschaft ist derzeit der Tourismus. Das Land gilt als eines der schönsten der Welt.[10]

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufbruchstimmung in Kolumbien hat auch Hochschule und Wissenschaft erfasst. Hohe Qualitätsstandards in der Ausbildung, ein gut ausgebautes Hochschulsystem und ein breites Spektrum an zukunftsorientierten Forschungsthemen bietet das Land. Es setzt in der Wissenschaft bewusst auf strategische Vernetzung und internationale Zusammenarbeit. „Kolumbien sind die wissenschaftlichen Beziehungen mit Deutschland besonders wichtig“, betont Botschafter Juan Mayr Maldonado. Der seit vielen Jahren intensive Austausch gewinnt angesichts der positiven Entwicklungen im Land neue Dynamik und eröffnet dank zahlreicher Förderangebote gute Perspektiven.[11]

Ausssichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumbiens Wirtschaft wuchs 2015 mit 3,1 % geringer als in den Vorjahren. Ursache war vor allem der Absturz der Erdölpreise. Zukünftig könnte das Wachstum nachhaltiger als in der Vergangenheit sein und nicht mehr nur auf dem Rohstoffsektor basieren. Die starke Abwertung des Peso wirkt dabei als Puffer, der andere Sektoren wettbewerbsfähiger macht. Im Jahr 2013 begann Kolumbien seinen Beitrittsprozess zur OECD.

Kolumbien hat Freihandelsabkommen mit mehr als einem Dutzend Ländern unterzeichnet oder verhandelt; Das Freihandelsabkommen Kolumbien – USA ist im Mai 2012 in Kraft getreten. Die USA und Kolumbien haben von der FTA profitiert, aber Kolumbiens Fähigkeit, vollen Nutzen aus seinem verbesserten Zugang zu den amerikanischen Märkten zu nehmen, ist weiterhin durch den Mangel an Exportdiversifizierung eingeschränkt.[12]

Das Hauptproblem der kolumbianischen Wirtschaft ist die Arbeitslosigkeit. Gemäß offiziellen Statistiken gibt es in Kolumbien 2,85 Millionen Arbeitslose (Januar 2017).[13] Personen, die unter Unterbeschäftigung leiden oder einen so geringen Lohn erhalten, dass er nicht zur Deckung der elementaren Bedürfnisse ausreicht, sind jedoch in dieser Zahl nicht berücksichtigt. Das Resultat dieser steigenden Arbeitslosigkeit ist eine stetige Zunahme der Armut in Kolumbien. Ein weiteres ernstes Problem ist die Korruption, die sowohl die staatliche Verwaltung als auch den Privatsektor betrifft.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EURCOP Spot Exchange Rate. bloomberg.com. Abruf am 5. März 2017 (englisch)
  2. Kolumbien: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 2007 bis 2017 (in Milliarden US-Dollar). de.statista.com. Abruf am 5. März 2017
  3. Länderprofil KOLUMBIEN. wko.at. Abruf am 5. März 2017
  4. Apertura económica. banrepcultural.org. Abruf am 5. März 2017 (spanisch)
  5. Best Countries for Business – 2016 RANKING. forbes.com. Abruf am 12. März 2017 (englisch)
  6. Azteca Installs 12,000 km of Fiber Optic Cable in Colombia. azooptics.com. Abruf am 5. März 2017 (englisch)
  7. Prognose zur Anzahl der Internetnutzer in Kolumbien. de.statista.com. Abruf am 5. März 2017
  8. Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. laenderdaten.de. Abruf am 8. März 2017
  9. Blumen aus Bogotá. nzz.ch. Abruf am 6. März 2017
  10. Kolumbien: Neues Boomland in Südamerikas?. tt.com. Abruf am 6. März 2017
  11. Laenderprofil Kolumbien. gate-germany.de. Abruf am 5. März 2017 (englisch)
  12. Daten Kolumbien. forbes.com. Abruf am 11. März 2017 (englisch)
  13. Colombia Unemployment Rate 2001-2017. tradingeconomics.com. Abruf am 5. März 2017 (englisch)
  14. Kolumbien Hintergrundinformationen . horyzon.ch. Abruf am 5. März 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]