Wischer (Hassel)

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Wischer
Koordinaten: 52° 38′ 29″ N, 11° 57′ 38″ O
Höhe: 42 m ü. NHN
Fläche: 2,68 km²[1]
Einwohner: 322 (31. Dez. 2021)[2]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner/km²
Eingemeindung: 30. September 1928
Eingemeindet nach: Hassel
Postleitzahl: 39596
Vorwahl: 039321
Wischer (Sachsen-Anhalt)

Lage von Wischer in Sachsen-Anhalt

Wischer ist ein Ortsteil der Gemeinde Hassel im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.[3]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Wischer liegt acht Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Stendal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1345, als weschern, als Markgraf Ludwig, den von Alvensleben das Dorf Wischerde verlieh.[4] Im Jahre 1430 wird das Dorf wischerde genannt, als Markgraf Johann die von Woldeck mit Besitzungen im Ort belehnte.[5] Weitere Nennungen sind 1435 wescherten, 1492 wiscerden und 1506 Wyscherde.[6] Anscheinend war das Dorf schon 1435 und 1492 verödet,[7] noch am Anfang des 16. Jahrhunderts lag es wüst.

Auf der wüsten Feldmark wurde wahrscheinlich erst im 18. Jahrhundert eine Schäferei angelegt.[7] 1804 gab es dann das Etablissement Wischer oder Vischer auf der wüsten Feldmark Vischheyde.[8] Zwischenzeitlich wurden hier fünf Höfe betrieben. Im Jahre 1905 hatte das Vorwerk Wischer 17 Einwohner, die Kolonie Wischer nur 7.[6]

Die Entwicklung des heutigen Dorfes ist maßgeblich auf den jüdischen Landwirt Karl Riedel zurückzuführen. Ab 1913 betrieb er hier auf 275 Hektar eine Landwirtschaft mit einem Gutshof. Riedel hat Flächen trockengelegt, Straßen gebaut, Schafe und Schweine gezüchtet. Im Jahr 1934 wurde er veranlasst, das Gut weit unter Wert an eine Siedlungsgesellschaft zu verkaufen. Anschließend emigrierte er über die Schweiz in die USA.[9] Das Kulturamt Stendal kündigte am 4. September 1935 im Amtsblatt die Bildung von Rentengütern auch aus dem Gut Wischer an.[10] Die Siedlungsgesellschaft verkaufte das Land als zehn Einzelhöfe wesentlich teurer weiter. Damit war der Grundstein für den Ort gelegt. Im Jahre 1990 stellten die Söhne Riedels einen Rückführungsantrag nach dem Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen. Sie wurden entschädigt. Die Bewohner Wischers hatten anfangs Befürchtungen ihr Land, das sie mit gutem Gewissen gekauft hatten, wieder zu verlieren. Das wäre aber auch nicht der Sinn des Antrags der Söhne gewesen, wie Charles Riedel seinerzeit beim Besuch in Stendal klarstellte.[9]

Insbesondere nach der Wiedervereinigung hat das ursprüngliche kleine Dorf einen starken Zuzug erfahren.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1924 wurden vier Grundstücke mit zusammen 0,416 Hektar Fläche vom Gutsbezirk Billberge abgetrennt und dem Ortsteil Wischer im Gutsbezirk Bürs zugeordnet.[11] Danach wurde die Kolonie Wischer (Wohnplatz der Landgemeinde Kolonie Bürs) mit dem Vorwerk Wischer (Wohnplatz des Gutsbezirks Bürs) vereinigt.

Am 30. September 1928 wurde mit der Auflösung des Gutsbezirks Domäne Bürs das Nebengut (Vorwerk) Wischer mit einer Fläche von 267,9762 Hektar mit der Landgemeinde Hassel vereinigt.[1] Damit wurde Wischer ein Ortsteil von Hassel.[3]

Das Vorwerk Wischer des ehemaligen Gutsbezirks Bürs, das mit der Gemeinde Hassel vereinigt ist, wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1929 von dem Standesamtsbezirk Sanne abgetrennt und dem Standesamtsbezirk Hämerten zugeteilt.[12]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorf, Kolonie und Vorwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohner[6]
Jahr 1790 1798 1801 1818 1840 1871 1885 1895 1905
Dorf 8 25 8 20 16
Kolonie 12 10 09 07
Vorwerk 16 28 19 17

Ortsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
2014 [00]337[13]
2015 [00]348[13]
2017 [00]347[14]
2018 [00]341[14]
2020 [0]309[2]
2021 [0]322[2]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Wischer gehören zur evangelischen Kirchengemeinde Hassel, die zur Pfarrei Jarchau gehörte.[15] Sie werden heute betreut vom Pfarrbereich Arneburg im Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[16]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wählergemeinschaft Naturfreunde Wischer wurde bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 mit einem Sitz in den Gemeinderat von Hassel gewählt.[17]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Friedhof in Wischer am Arnimer Weg ist ein kommunaler Friedhof der Gemeinde Hassel.
  • Das Flächennaturdenkmal Kieferngruppe Wischer befindet sich am südöstlichen Ortsausgang.[18]

Naherholung und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waldseebad Wischer wird als Naherholungsgebiet insbesondere für die Stadt Stendal genutzt. Daneben liegt ein Campingplatz. Entstanden ist der See durch den intensiven Abbau von Kies für die Bauindustrie der Umgebung. Am 14. Januar 2019 war das Waldbad Wischer Startpunkt des 31. Altmarktriathlons.[19]

Durch die Nähe zur Elbe, die landschaftliche Unversehrtheit der Altmark und nicht zuletzt den Waldsee ist Wischer eine Reise wert, insbesondere für diejenigen, die Ruhe suchen oder auch sportlich aktiv unterwegs sind (Radfahren, Schwimmen, Reiten, Wandern).

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinsregister des Amtsgerichts Stendal sind drei Vereine verzeichnet.[20]

  • Der Verein Naturfreunde Wischer e. V hat es sich zur Aufgabe gemacht die Natur zu bewahren und trotzdem für den Menschen nutzbar zu machen.
  • Die Bungalowgemeinschaft IGB II Wischer e. V. und die Interessengemeinschaft Wochenendhaus-Bungalowsiedlung Wischer e. V. vertreten die Interessen der Nutzer der Bungalowsiedlung im Süden des Dorfes.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kieswerk Wischer ist das einzige größere Gewerbe im Ort. Es besteht seit der Mitte des 20. Jahrhunderts.[21]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es verkehren Linienbusse und Rufbusse von stendalbus.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 208.
  2. a b c Karina Hoppe: In die Einwohnerstatistik geschaut. In: Stendaler Volksstimme, Der Altmärker. 22. Januar 2022, DNB 1002381223, S. 21.
  3. a b Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. April 2013 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr. 2013). Halle (Saale) Mai 2013, S. 113 (destatis.de [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 24. August 2019]).
  4. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 17. Berlin 1859, S. 64 (Digitalisat).
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 6. Berlin 1846, S. 483 (Digitalisat).
  6. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2464–2466, doi:10.35998/9783830522355.
  7. a b Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a.S. 1909, S. 248–250, Nr. 250 Wischerde.
  8. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 298 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D0020~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. a b Recht und Unrecht in unseren Zeiten. In: Werner Brückner (Hrsg.): Das Wissen der Region. Band 1, Arneburg-Goldbeck-Werben und Umland. Edition Kulturförderverein „Östliche Altmark“, Hohenberg-Krusemark 2005, DNB 978966937, S. 44.
  10. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1935, ZDB-ID 3766-7, S. 147.
  11. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1924, ZDB-ID 3766-7, S. 38, Nr. 127.
  12. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 271, L. 1.
  13. a b Doreen Schulze: Erstmals Zuwachs in Arneburg-Goldbeck. In: Volksstimme Stendal. 15. Januar 2016.
  14. a b Karina Hoppe: Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck verlor 2018 insgesamt 93 Einwohner. In: Volksstimme Stendal. 14. Februar 2019.
  15. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 116 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  16. Pfarrbereich Arneburg. Abgerufen am 12. Februar 2022.
  17. Ingo Gutsche: Ein Duo überspringt 1000er-Marke. In: Stendaler Volksstimme. 28. Mai 2019, S. 16.
  18. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  19. Thomas Koepke: 31. Altmarktriathlon in Wischer: Erik Müller schwimmt, fährt und läuft dann allen davon. In: Volksstimme Stendal. 16. Juli 2019, S. 12.
  20. Vereinsregister des Amtsgerichts Stendal auf handelsregister.de. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  21. Kieswerk Wischer. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  22. Fahrplan der Linie 971. In: Stendalbus. Abgerufen am 18. April 2021.