Wissenschaft in der Sowjetunion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die Wissenschaft in der Sowjetunion war in erheblichem Maße durch die marxistisch-leninistische Weltanschauung geprägt. Einerseits erzielten die sowjetischen Ingenieure und Wissenschaftler Spitzenleistungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, andererseits waren speziell die Geistes- und Sozialwissenschaften in der Sowjetunion rigorosen politischen Tabus unterworfen.

Geschichte der sowjetischen Wissenschaft[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Informationen zur Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, politische Verfolgung von sowjetischen Wissenschaftlern (Wissenschaft und Stalinsche Säuberungen: Fall Grigol Zereteli 1937, Umgang mit Andrei Dmitrijewitsch Sacharow)
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.

Vorrang für Industrialisierung und Technik[Bearbeiten]

Nach 1917 beschleunigte sich die wissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Entwicklung Sowjetrusslands und verstärkten sich Industrialisierung, Technisierung und Alphabetisierung des zuvor vorwiegend bäuerlich geprägten zaristischen Landes in allen seinen Republiken. (Sowjetrepubliken)

Kommunismus gleich Sowjetmacht plus Elektrifizierung, dieser bekannte Ausspruch von Lenin brachte die Ziele der nächsten Jahre zum Ausdruck, die einhergingen mit einem Fortschritt in allen Bereichen der sowjetischen Wissenschaften und Technik, deren Leistungen und Ergebnisse am wenigsten noch durch die Elektrifizierung des 230 Millionen-Staates charakterisiert wurden.

Ungeachtet starker Hemmnisse, wie dem Bürgerkrieg, den Dürrekatastrophen und den ausländischen Militärinterventionen in den 1920er Jahren mit Millionen Opfern, und dem Stalinismus in den 1930er Jahren, unter dem viele Wissenschaftler zum Beispiel durch Aufenthalt in Sondergefängnissen leiden mussten, konnte die UdSSR nicht zuletzt aufgrund ihrer wissenschaftlich-technischen Entwicklung innerhalb weniger Jahre wirtschaftlich und militärisch zu einer mit Deutschland und den Vereinigten Staaten vergleichbaren Weltmacht werden. Auch im und nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Sowjetunion bis zu ihrer Auflösung 1991 eine mit den USA, Frankreich, England, Deutschland und Japan vergleichbare auch wissenschaftlich-technische Großmacht; trotz des Verlustes von 20–30 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg. Dem Krieg fielen auch viele Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker zum Opfer, sowie zigtausende Städte, Fabriken, Werke und Anlagen.

Militärtechnische Meilensteine in der Nachkriegszeit waren das Wettrüsten mit den Vereinigten Staaten, die atomare, chemische, biologische und konventionelle Aufrüstung mit der Atombombe, der Wasserstoffbombe und den Atom-U-Booten.

Besondere Erfolge in der Raumfahrt[Bearbeiten]

Raumstation Mir

In der Raumfahrttechnik war die Sowjetunion zwischen 1957 und etwa 1968 weltweit führend und erbrachte zahlreiche historische Pionierleistungen:

Diese Erfolge wurden im Kalten Krieg – wesentlich intensiver als jene der USA – auch als Propagandaerfolg ausgeschlachtet und teilweise auf wichtige Staatsbesuche hin terminiert. Häufig waren die Erfolge auch Ausdruck einer unter massiven Zeitdruck stehenden Aufholjagd, wie etwa der Bau des ersten, später als Leninski Komsomol bekannt gewordenen sowjetischen Atom-U-Bootes, das seinem amerikanischen Gegenstück nachhinkte.

Nach dem Tode Stalins (1953) durften auch bislang tabuisierte Forschungsgebiete wie die Mendel'sche Vererbungslehre, die Soziologietheorien von M. N. Petrowskij oder der sprachwissenschaftliche Strukturalismus wieder behandelt werden. Dennoch galt es für sowjetische Wissenschaftler als gefährlich, westliche Forscher offiziell zu zitieren. Auch die Geschichtsforschung wurde bis 1991 mit historischen Tabus belegt, die sowohl die frühmittelalterliche Geschichte Russlands (Waräger) als auch die jüngere Zeitgeschichte (Massaker von Katyn) betrafen.

Synchrophasotron in Dubna

Ganze Städte mit Wissenschaftlern und Technikern entstanden, wie das Kernforschungszentrum Dubna, das Sternenstädtchen, Akademgorodok in Sibirien und das Wissenschaftszentrum in Tschernogolowka bei Moskau mit dem Landau-Institut für Theoretische Physik. Solche Wissenschaftstädte galten teilweise als Sperrgebiet.

Entgegen der gelegentlich gehörten Meinung waren in der UdSSR und DDR weder die Kybernetik noch das Vertreten der Evolutionstheorie verboten.

Meilensteine der Wissenschaft in der UdSSR[Bearbeiten]

  • 1954 Bau und Betrieb des weltweit ersten Kernkraftwerks in Obninsk bei Moskau (Leistung: 5 MW).
  • Am 5. Dezember 1957 lief der weltweit erste Atomeisbrecher vom Stapel; er trug den Namen Lenin und wurde ab Dezember 1959 für zivile Zwecke eingesetzt.
  • 1958 wurde der erste Computer (Setun) entwickelt, der mit ternären Zahlen rechnete.
  • Entdeckung der Superkavitation und Bau des ersten funktionsfähigen Überschallantriebs unter Wasser nach diesem Prinzip. Als erstes einsatzfähiges System wurde 1977 der Torpedo Schkwal (russisch Шквал) nach etwa zehnjähriger Entwicklung von der Marine der Sowjetunion in Dienst gestellt; seine Maximalgeschwindigkeit beträgt 500 km/h.
  • 1970 erste gesteuerte Kernfusion mit Tokamak-3.
  • 1971 Fertigstellung des weltweit ersten MHD-Generators „U-25“ mit circa 50 MW Leistung. Einspeisung in das Moskauer Stromnetz, sowie Verwendung in der Forschung.[1]

Weitere besondere Leistungen[Bearbeiten]

Nobelpreisträger[Bearbeiten]

Tscherenkow, 1958
Kapiza, 1964
Sacharow, 1989

Zahlreichen sowjetischen Wissenschaftlern wurde neben anderen internationalen Preisen der Nobelpreis zuerkannt, wie zum Beispiel:

In der Sowjetunion unterdrückte Forschung[Bearbeiten]

„Bourgeoise Pseudowissenschaft“[Bearbeiten]

Unter dem Kampfbegriff Bourgeoise Pseudowissenschaft wurden unter anderem und zu verschiedenem Grad, Genetik, Kybernetik, Soziologie, Semiotik und Vergleichende Sprachwissenschaft subsumiert. Diese Wissenschaftsgebiete oder gewisse Interpretationen davon wurden als mit dem Sozialismus inkompatibel angesehen und ihre Erforschung durch die KPdSU unterdrückt.

Geschichtswissenschaft[Bearbeiten]

Unter Historizismus versteht der Philosoph Karl Popper die sozialistische Theorie, dass die Gesellschaft sich zwangsläufig ändern wird, jedoch entlang eines vorgegebenen Pfades, der nicht geändert werden kann, diktiert von unabwendbaren Notwendigkeit. “Gesellschaftsformation“ ist der hierfür in der marxistischen Theorie verwendete zentrale Begriff.[3] Diese Verschwörungstheorie prägte die sowjetische Geschichtswissenschaft und erschwerte so unvoreingenommene historische Forschung.

Im Stalinismus wurde die Geschichte der Russischen Revolution verfälscht. Stalin autorisierte das Werk 'Kurzer Lehrgang der Geschichte der KPdSU (B)' von 1938 als historische Wahrheit: keine sowjetische Veröffentlichung durfte von dem hierin gezeichneten Bild abweichen. Der Zugang zu sowjetischen Archiven wurde allgemein stark eingeschränkt und missliebige Fakten, beispielsweise über das Massaker von Katyn 1940, geheimgehalten.[4][5]

Biologie[Bearbeiten]

Genetik[Bearbeiten]

Trofim Lyssenko propagierte den Lyssenkoismus, das ist die pseudowissenschaftliche lamarckistische Idee, Tiere und Pflanzen könnten erworbenen Eigenschaften an ihre Nachkommen über veränderte Erbanlagen weiterreichen. Diese These wurde unter anderem von Stalin begrüßt.[6] Im Gegenzug wurde die klassische Genetik und die Mendelsche Vererbungslehre als „konterrevolutionär“ abgelehnt und die Forschung an Fruchtfliegen oder anderen Modellorganismen als sinnlos oder sogar umtriebig abgetan.

Lyssenkos Konkurrent, der Genetiker Nikolai I. Wawilow, wurde auf Lyssenkos Anregung zuerst in Gewahrsam genommen und dann nach Sibirien deportiert, wo er 1943 starb.

Psychologie und Psychoanalyse[Bearbeiten]

Die Pawlowsche Reflexpsychologie wurde mit der Etablierung des Stalinismus als einzige „politisch-korrekte“ Unterart der Psychologie etabliert. Die vorher von Trotzki teilweise akzeptierte Psychoanalyse geriet auch mit seinem Ausschluss aus dem inneren Zirkel der KPdSU immer mehr in die Kritik. Der „bourgeoise Individualismus“ sowie die wesentliche Bedeutung der Sexualität in Freuds Theorien wurden mit der sozialistischen Ideologie als unvereinbar empfunden und sozialistische „Freudomarxisten“ wurden marginalisiert und das Staatliche Institut für Psychoanalyse 1925 geschlossen. 1936 verbot [Josef Stalin[Stalin]] dann die Verbreitung und das Zitieren aus den Werken Freuds vollends.[7]

Medizin[Bearbeiten]

Pädologie[Bearbeiten]

In der frühen Sowjetunion der 1920er Jahre befasste sich die staatlich geförderte Wissenschaft der Pädologie unter anderem mit der Zusammensetzung der Schulklassen und mit geistig gestörten und schwer erziehbaren Kindern. Pädologie darf hierbei nicht mit Pädagogik verwechselt werden.[8]

Physik[Bearbeiten]

Theoretische Physik[Bearbeiten]

Die Quantenmechanik und Relativitätstheorie in der Physik wurden von Stalin persönlich abgelehnt, da sie möglicherweise die marxistisch-leninistische materialistische Erkenntnistheorie untergruben. Andererseits waren diese Erkenntnisse auch unverzichtbar für den theoretischen Hintergrund der Fertigung von Atomwaffen, die die Sowjetunion dringend benötigte.[9]

Kybernetik[Bearbeiten]

Sowjetische Kybernetiker strebten danach, diverse kybernetische Theorien, die im Westen ausgearbeitet worden waren, zu vereinheitlichen – Kontrolltheorie, Informationstheorie, Automatentheorie und weitere – in einem einzigen übergreifenden konzeptionellen Rahmen, der als Grundlage für eine allgemeine Methodik für eine breite Palette von sozialen Anwendungen der Kybernetik dienen würde.

In den frühen 1950er Jahren, im Zuge einer Welle der stalinistischen ideologischen Kampagnen gegen westlichen Einfluss in der sowjetischen Wissenschaft, wurde die Kybernetik als „modische Pseudowissenschaft“ und „eine reaktionäre imperialistische Utopie“ gebrandmarkt.[10]

Entwicklung seit der Wende[Bearbeiten]

Seit 1985 Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU wurde, flossen geringere Staatsmittel in die Rüstungsindustrie. Betroffen davon war auch die Wissenschaft. Viele fast fertige Großprojekte und noch mehr Kleinprojekte wurden eingestellt oder eingeschränkt, viele Projekte nicht begonnen.

Im Raumfahrtbereich wurde die einmal unbemannt erfolgreich geflogene und gelandete, wiederverwendbare Raumfähre Buran aufgegeben; ebenso wie die stärkste je von Menschen gebaute Trägerrakete Energija. Es wurde der Ausbau der Raumstation MIR eingeschränkt, die Station später gezielt zum Absturz gebracht und durch die Arbeiten an der ISS ersetzt.

Bei der Atomtechnik strich man neue leistungsfähige Teilchenbeschleuniger und stellte die Arbeit an Kernfusionsexperimenten ein.

Bei der Armee wurde die Modernisierung und Wartung der Militärtechnik eingeschränkt. So führen amerikanische Untersuchungen den Untergang des Atom-U-Boots K-141 Kursk darauf zurück.

Viele sowjetische Wissenschaftler verließen seit etwa 1989 das Land und versuchten in Forschungseinrichtungen anderer Industriestaaten ein Auskommen zu finden.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Info zu U-25 auf Books.Nap.edu (englisch)
  2.  Lizenzen aus Moskau. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1957 (online).
  3. „Extracts from The Open Society and Its Enemies Volume II“ Abgerufen am 16. November 2014.
  4. vgl. etwa Jonathan Brent, Inside the Stalin Archives: Discovering the New Russia, Washington 2008.
  5. „Paper Trail “ Abgerufen am 16. November 2014.
  6. „Aufstand der Ketzer Die sowjetische Genetik“ Abgerufen am 16. November 2014.
  7. „Geschichte der Psychoanalyse in Russland“ Abgerufen am 16. November 2014.
  8. Aktueller Überblick aus der Zeitschrift „Pädologie & Pädiatrie“ Abgerufen am 16. November 2014.
  9. „Ethan Pollock – Stalin and the Soviet Science Wars“ Abgerufen am 16. November 2014.
  10. „Ethan Pollock – Stalin and the Soviet Science Wars“ Abgerufen am 16. November 2014.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]