Wissenschaftsleugnung

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Jim Inhofe 2015 bei einer Senatsrede, bei der er mit einem Schneeball gegen die Existenz der menschengemachten globalen Erwärmung argumentierte.

Wissenschaftsleugnung (oft auch englisch: Science denial oder science denialism) bezeichnet das gesellschaftliche Phänomen, dass wissenschaftlich unstrittiges Wissen durch bestimmte Personengruppen oder Organisationen abgelehnt oder rundheraus geleugnet wird. Im Deutschen hat sich bisher noch kein allgemein etablierter Begriff durchgesetzt; neben den englischsprachigen Begriffen und Wissenschaftsleugnung wird hier teilweise auch von Wissenschaftsverweigerung[1], Denialismus[2] oder Leugnismus[3][4] gesprochen. Die entsprechenden Personen werden im Deutschen u. a. als Wissenschaftsleugner[5] bezeichnet.

Unterschieden werden kann grob zwischen einer persönlichen Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse durch Privatpersonen und einem öffentlichen Leugnen durch Organisationen und Personen mit dem konkreten Ziel, die Öffentlichkeit bezüglich wissenschaftlicher Erkenntnisse hinters Licht zu führen.[6] Die Leugnung selbst kann aktiv oder passiv sein (abhängig davon, ob der Leugner im Streit mit wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt oder nicht), nach innen oder nach außen gerichtet (d. h. auf Selbsttäuschung ausgelegt sein oder auf Täuschung anderer, wie beispielsweise bei Desinformationskampagnen durch Industriegruppierungen), und sie kann viele unterschiedliche Gründe haben. Hierzu zählen unter anderem die Belohnung mit materiellen Vergütungen oder immateriellen Gütern wie beispielsweise die Anerkennung durch oder die Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen.[7]

Ursprünglich wurde der Begriff „denialism“ mit der Bedeutung der "systematischen und ideologisch motivierten Negierung von Realität und Wahrheit" zunächst vor allem für die Holocaust-Leugnung, also die Leugnung gesicherter Erkenntnisse der Geschichtswissenschaften, verwendet. Heutzutage wird er jedoch deutlich breiter genutzt, unter anderem für die Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung, das Bestreiten der Mondlandung oder die Aids-Leugnung.[8] Ebenfalls zum Denialismus gezählt wird unter anderem die Ablehnung der Evolutionslehre durch Anhänger des Kreationismus oder seiner Unterform Intelligent Design, das Abstreiten der Relativitätstheorie (also die Leugnung gesicherter Erkenntnisse der Physik), das Leugnen der gesundheitsschädlichen Folgen des Tabakkonsums oder das Vorgehen von Impfgegnern.[9] Auch der Glaube an eine Flache Erde[10] oder das Abstreiten der negativen Auswirkungen der Verbreitung invasiver Spezies[11] zählt dazu. Science Denial basiert auf dem Nicht-Glauben-Wollen wissenschaftlicher Erkenntnisse, daher wird davon abgeraten, hierfür den Begriff „Skeptizismus“ zu nutzen, da dies eine offensichtliche Falschbezeichnung sei.[12] Kritik, „Skeptizismus“ und die Falsifikation von Hypothesen sind Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Science Denial zielt hingegen auf die Ignoranz des wissenschaftlichen Diskurses und nicht auf eine kritische Auseinandersetzung mit dem Stand der Wissenschaft. Leugnerbewegungen versuchen dabei, die Wissenschaft an sich zu untergraben, um das öffentliche Verständnis der wissenschaftlichen Methoden zu entstellen und Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Institutionen hervorzurufen.[13]

Die Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse tritt vor allem dort auf, wo (Interessen-)Gruppierungen existieren, die aus persönlichen Motiven ein starkes ureigenes Interesse daran haben, einen wissenschaftlichen Konsens in einem Gebiet zu bestreiten. Häufig werden dabei Gefahren oder negative Auswirkungen heruntergespielt oder kleingeredet.[11] Ursachen des Denialismus sind sowohl grundsätzliche Verständnisprobleme der wissenschaftlichen Methode als auch bewusste Desinformationskampagnen durch Industrieunternehmen und Lobbyverbände, wie sie z. B. von der Tabakindustrie, der DDT-Industrie oder der Bleiindustrie gefahren wurden.[14] Ziel solcher Kampagnen ist es hierbei, ein wissenschaftliches Theorem zu verwerfen, in dem ein wissenschaftlicher Konsens existiert.[15] Zwischen diesen einzelnen Formen der von Interessengruppen vorangetriebenen organisierten Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse existieren personelle, organisatorische und finanzielle Verbindungen.[16] Als die mit großem Abstand am besten koordinierte und mit den größten finanziellen Ressourcen ausgestattete Form des Denialismus gilt die organisierte Leugnung des menschengemachten Klimawandels, die darüber hinaus auch das Rückgrat des generellen Kampfes gegen Umweltforschung und Umweltschutz darstellt.[17] Diese organisierten Kampagnen zur Leugnung des menschengemachten Klimawandels sowie seiner Auswirkungen begannen dabei praktisch in dem Moment, als der Klimawandel Ende der 1980er Jahre zum öffentlichen Interesse wurde.[18]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zentralen fünf Charakteristiken der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Der Denialismus wird üblicherweise definiert als „Widerwille, existierende wissenschaftliche Beweise zu glauben“.[12] Lewandowsky et al. verstehen unter der Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse "das Zurückweisen von gut begründeten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Gründen, die nicht wissenschaftlich motiviert sind".[19] Die Gebrüder Hoofnagle definieren Science Denial als "Anwendung rhetorischer Argumente, um den Anschein einer legitimen Debatte zu erwecken, wo es keine gibt".[20] Nach Pascal Diethelm und Martin McKee, deren Publikation wiederum auf den Vorarbeiten der Gebrüder Hoofnagle aufbaut, ist die gezielte Leugnung des wissenschaftlichen Konsenses in einem bestimmten Feld „ein Prozess, der manche oder alle der folgenden fünf Elemente auf miteinander abgestimmte Art und Weise nutzt“:[15]

  1. Das Vertreten von Verschwörungstheorien
  2. Das Nutzen falscher Experten, die eine quer zum Stand der Forschung liegende Meinung vertreten
  3. Selektivität bzw. Rosinenpicken bei der Datenauswahl
  4. Das Stellen unerfüllbarer Anforderungen an wissenschaftliche Forschung
  5. Der Rückgriff auf Falschdarstellungen und logische Fehlschlüsse

Im Englischen werden neben „denial“ bzw. „denialism“ auch die Begriffe „skepticism“, „contrarianism“, „antiscience“, „doubt“ und „dismissal“ genutzt, wobei sich die genauen Bedeutungen teilweise etwas unterscheiden können.[12] Viele Forscher finden es wichtig herauszustellen, dass Wissenschaftsleugnung nicht mit Skeptizismus verwechselt werden darf oder dass es problematisch ist, Wissenschaftsleugner als Skeptiker zu bezeichnen.[21][22][23][24][25][26][27] So sei Skeptizismus gegenüber wissenschaftlichen Thesen eine Kernelement der Wissenschaft, das als treibende Kraft der wissenschaftlicher Debatten diene und über Mechanismen wie das Peer-Review und Replikation experimenteller Forschung die Qualität neuer Aussage erhöhe. Grundlage dieses "funktionellen Skeptizismus" sei das wissenschaftliche Ethos, dass Forscher ihre Überzeugungen ohne Rücksicht auf das Ergebnis anhand von Daten aktualisierten. Im Unterschied zu diesem funktionellen Skeptizismus würden Wissenschaftsleugner Belege nur dann akzeptieren, wenn diese ihre vorher vorhandenen Überzeugungen bestätigten, die üblicherweise dem wissenschaftlichen Konsens widersprächen. Damit sei dies ein dysfunktionaler Skeptizismus, der weniger von Belegen, sondern vielmehr von dem Wunsch des Leugners angetrieben sei, wie er die Dinge gerne hätte. Damit sei Wissenschaftsleugnung eine Form der motivierten Zurückweisung von Wissenschaft.[21]

Akteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wissenschaftsleugnung wird von einer Vielzahl verschiedener Akteure betrieben mit unterschiedlichen Motivationen. Im Umwelt- und Gesundheitsbereich, wo die Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse weit verbreitet ist, lassen sich sechs Hauptgruppen unterscheiden: Leugnende Wissenschaftler, Regierungen, politische und religiöse Organisationen, Industrieakteure, Medien und die normalen Bürger.

Wissenschaftler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fred Singer gilt als der „produktivste“ der „universell einsetzbaren käufliche[n] Leugner“ wissenschaftlicher Erkenntnisse.[28]

Wissenschaftler, die Belege für Umweltprobleme wie den sauren Regen, das Ozonloch oder die globale Erwärmung leugnen, stellen eine kleine Minderheit der wissenschaftlichen Gemeinschaft dar. Sie sind üblicherweise nicht Teil der Forschergemeinschaft in dem jeweiligen Fachgebiet und sind oft nicht an akademischen Einrichtungen tätig, sondern stehen häufig in Verbindung mit einschlägigen Think Tanks wie z. B. dem Heartland Institute, dem George C. Marshall Institute oder dem Institute of Public Affairs. Beispielsweise waren die sehr wenigen (Natur)-Wissenschaftler unter den Klimaleugnern meistens keine Klimaforscher, sondern oft Physiker, hinzu kamen einige ältere Meteorologen.[17] Auch bei AIDS-Leugnern spielten ein paar wenige, als "Helden" dargestellte Wissenschaftler eine große Rolle, um dieser Bewegung "eine Patina wissenschaftlicher Legitimität zu verleihen".[29]

Die Wissenschaftler werden hierbei als verlässliche Autoritäten präsentiert, um den geäußerten Falschbehauptungen und Halbwahrheiten Glaubwürdigkeit zu verleihen. Zurück geht diese Strategie auf die Tabakindustrie: Diese erkannte bereits in den 1950er Jahren, dass der Interessenkonflikt (zu) offensichtlich wäre, wenn sie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens selbst attackieren würde. Würden jedoch Wissenschaftler die wissenschaftlichen Erkenntnisse hinterfragen, so wäre die Glaubwürdigkeit viel höher. Daraufhin suchte die Tabakindustrie gezielt nach Wissenschaftlern, die bereit waren, die wissenschaftlichen Erkenntnisse öffentlich zu bezweifeln.[30]

Regierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungen sind ebenfalls bisweilen Treiber von Wissenschaftsleugnung. Als wichtiger Akteur im "Krieg gegen die Wissenschaft" wurde insbesondere die US-Regierung unter Präsident George W. Bush identifiziert, die in verschiedenen Bereichen, insbesondere der Klimaforschung, gegen die Wissenschaft agierte und die Klimaleugnung sogar innerhalb der Regierung institutionalisierte. Dies erlaubte Akteuren aus der fossilen Energieindustrie und konservativen Think Tanks, aus der Regierung heraus gegen die Klimaforschung vorzugehen. Auch weitere Regierungen wie die kanadische unter Stephen Harper und die australische unter John Howard setzten aktiv Ignoranz-Bildungs-Maßnahmen ein, um den Willen des Volks zum Klimaschutz zu schwächen.[31] Die AIDS-Leugnung wurde wiederum von der südafrikanischen Regierung unter Thabo Mbeki maßgeblich vorangetrieben.[29]

Mit Donald Trump wurde im Januar 2017 zudem ein Klimawandelleugner US-Präsident. Die für Klimapolitik relevanten Kabinettsposten besetzte er ebenfalls mit Klimawandelleugnern: Unter anderem wurde der langjährige ExxonMobil-Chef Rex Tillerson Außenminister, der frühere Generalstaatsanwalt und Lobbyist Scott Pruitt Chef der Umweltbehörde EPA, der frühere texanische Gouverneur Rick Perry Energieminister und der Umweltschutz-Gegner Ryan Zinke Innenminister.[32] Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Regierung Trump noch deutlich stärker in der Wissenschaftsleugnung aktiv ist als frühere Regierungen.[31] Wissenschaftler sehen z. B. einen Angriff auf und eine Umgestaltung der Umweltbehörde EPA zu einer wissenschaftsfeindlichen Organisation, die historisch trotz ähnlicher Aktionen unter den Regierungen Reagan und Bush einzigartig sei.[33] Insbesondere der EPA wird zudem ein klarer Kurswechsel weg von ihrem eigentlichen Mandat, dem Umwelt- und Gesundheitsschutz, und hin zu den speziellen Interessen von Industrieunternehmen attestiert, was stark für eine Regulatory capture spräche, d. h. eine Vereinnahmung von Regierungsbehörden durch Lobbygruppen.[34]

Politische und religiöse Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer bedeutender Treiber sind politische und religiöse Organisationen wie z. B. Think Tanks, Stiftungen und sonstige Institute. In der Literatur wird vor allem die Rolle herausgearbeitet, die die konservative Bewegung in den USA spielte mit Think Tanks wie der Heritage Foundation, dem Cato Institute oder dem Heartland Institute. Zudem waren weitere neoliberale und neokonservative Organisationen aktiv, dazu die Republikanische Partei, die Tea-Party-Bewegung und die christliche Rechte. Diese verbreiten ihre Wissenschaftsleugnung, gerade die Klimawandelleugnung, auch in weitere Teile der Welt. Außerhalb der USA sind u. a. der Think Tank Institute of Public Affairs in Australien und das Stockholm Network in Europa tätig. Das Committee for a Constructive Tomorrow trägt wiederum zur engen Vernetzung europäischer, amerikanischer und australischer Think Tanks bei.[31]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die organisierte Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse begann in den 1950er Jahren mit dem Bestreiten der Gesundheitsgefahren des Tabakrauchens durch die Tabakindustrie.

Wirtschaftsunternehmen, vor allem Industrieunternehmen, Wirtschaftsverbände und von ihnen gegründete Organisationen sind wichtige Finanziers für die Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und speziell für Aktivitäten, die gegen die Umweltforschung ausgerichtet sind.[31] Eingeleitet wurden die Angriffe von Industrieunternehmen auf die Wissenschaft in den 1950er Jahren von der Tabakindustrie. Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass Tabakprodukte gesundheitsschädlich sind. Daher begann sie gezielt Zweifel zu säen, indem sie Denkfabriken und Frontorganisationen große Mengen Geld zu Verfügung stellte, mit denen diese dann zusammen mit speziell dafür rekrutierten Wissenschaftlern den Forschungsstand in Zweifel zogen. Diese auch als "Tabakstrategie" bezeichnete Vorgehensweise wurde in der Folge von einer Vielzahl anderer Industriebranchen übernommen, um wissenschaftliche Belege für Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Industrieprodukte zu bestreiten bzw. unglaubwürdig wirken zu lassen. Als erstes übernahm sie die DDT-Industrie in den 1960er Jahren. Später wurde sie dann u. a. angewandt, um die Folgen des Sauren Regens zu bestreiten, dann um die ozonschichtschädigende Wirkung der Fluorkohlenwasserstoffe abzustreiten und schließlich um die menschengemachte globale Erwärmung zu leugnen.[35]

Die Klimawandelleugnung wird insbesondere von Unternehmen aus der Erdöl- und Kohlebranche vorangetrieben, auch wenn Stahlerzeuger, Automobilhersteller und Bergbauunternehmen ebenfalls wichtige Treiber solcher Aktivitäten sind. Einiger dieser Unternehmen betreiben ihre Leugnung über vorgeblich unabhängige Organisationen; frühe Beispiele hierfür waren z. B. die Global Climate Coalition oder das Information Council on the Environment. Zudem existieren Parallelen zu der Wissenschaftsleugnung der Tabakindustrie. So übernahmen Klimawandelleugner z. B. die Strategien der Tabakindustrie, wobei sie dieser aber weitere Elemente hinzugefügt haben, wie beispielsweise die Anschuldigung, dass Klimaforscher an einer Verschwörung beteiligt seien oder wissenschaftliches Fehlverhalten praktizierten.[31]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren verschiedene Studien, die sich mit Wissenschaftsleugnung in Medien auseinandersetzen, wobei eine starke Korrelation zwischen politisch rechter Orientierung der Medien und der Publikation von Artikeln mit wissenschaftsleugnendem Inhalt festgestellt wurde. Beispielsweise sendete Fox News häufiger Inhalte, die dem wissenschaftlichen Konsens bezüglich der menschengemachten Erderwärmung widersprachen als andere Sender wie MSNBC oder CNN und lud auch häufiger Klimawandelleugner in die Sendungen ein. Eine weitere wichtige Rolle bei der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse spielen Blogs und Soziale Medien, nicht zuletzt durch den Aufbau einer Echokammer.[31]

Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenfassende Ergebnisse für die Wissenschaftsleugnung durch die Öffentlichkeit liegen vor allem für die Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung vor. Für die USA wurde eine starke Polarisierung innerhalb der Bevölkerung festgestellt, wobei Menschen, die sich als Demokraten bzw. "liberals" ansahen, viel eher die globale Erwärmung anerkennen als Konservative und Republikaner. Am weitesten verbreitet ist die Klimaleugnung unter konservativen weißen Männern. In Großbritannien ist die Klimaleugnung am stärksten unter älteren Menschen mit schwacher sozioökonomischer Stellung, konservativen Menschen, Männern und Autobesitzern. In Deutschland sind Klimawandelleugner überdurchschnittlich häufig männlich und stammen aus Ostdeutschland, die sozioökonomische Stellung ist hingegen wenig bedeutsam.[31]

Vorgehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftsleugner nutzen eine Reihe verschiedener Taktiken, um ihnen missliebige wissenschaftliche Erkenntnisse abzustreiten. Der Biologe Sean B. Carroll nennt sechs Kerntaktiken, die zum Teil bereits seit dem 19. Jahrhundert immer wieder angewandt werden. Diese von ihm als „grundsätzliches Handbuch des Denialismus“ bezeichnete Sammlung umfasst folgende Vorgehensweise, anhand derer man Wissenschaftsleugnung von einer echten wissenschaftlichen Debatte unterscheiden könne:[14]

  1. „Rufe Zweifel an der Wissenschaft hervor.“
  2. „Stelle die persönlichen Motive und die Integrität von Wissenschaftlern in Frage.“
  3. „Bausche echte Meinungsverschiedenheiten in der Forschung auf und führe Nicht-Experten mit Minderheitenmeinungen als Autoritäten an.“
  4. „Übertreibe die möglichen Gefahren, die durch die jeweilige Thematik entstehen können.“
  5. „Stelle die Thematik als Bedrohung für die persönliche Freiheit dar.“
  6. „Behaupte, dass die Akzeptanz einer Schlüsselphilosophie, einem religiösen Glauben oder einem Brauch einer Gruppe widersprechen würde.“

Die Tabakstrategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrale Vorgehensweise von Wissenschaftsleugnern aus der Industrie ist die sog. Tabakstrategie, die in den 1950er Jahren kreiert wurde und seit diesem Zeitpunkt von einer Vielzahl anderer Industrieunternehmen und -Branchen angewendet wurde und wird, um wissenschaftliche Erkenntnisse aus Umweltforschung oder der Medizin zu bestreiten, die negative Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit haben könnten.[36] In der wissenschaftlichen Literatur wird die Tabakstrategie beschrieben als "konzertiertes Vorgehen, um Zweifel an der etablierten Wissenschaft zu wecken, um ein bestimmtes politisches Ziel zu erreichen".[37] Um diese Zweifel zu erreichen, entwickelte die Tabakindustrie ein aus verschiedenen Einzeltaktiken bestehendes Maßnahmenpaket. Zu diesem gehörten unter anderem[37]:

  • Suchen von einigen wenigen mit der Sache sympathisierenden Wissenschaftlern, welche die Zweifel hervorrufenden Botschaften in die Öffentlichkeit trugen.
  • Falschdarstellungen über die Zahl der Wissenschaftler, um zu suggerieren, dass es in der Wissenschaft eine starke Debatte über das jeweilige Thema gäbe.
  • Rosinenpicken von Daten und Konzentration auf einige wenige ungeklärte oder anomale Details bei gleichzeitigem Ignorieren der überwältigenden Mehrheit an Daten, die den wissenschaftlichen Konsens stützen.
  • Erwecken des Eindrucks einer Kontroverse durch Stellen von Fragen, selbst wenn die Antworten auf diese bereits bekannt sind und nicht die Ansichten der jeweiligen Industrie stützen
  • Fordern von "fairer" Berichterstattung, bei der der wissenschaftlichen Meinung und der Meinung der Industrie gleich viel Raum eingeräumt wird.

Die Tabakstrategie erwies sich als hoch erfolgreich. So gelang es der Tabakindustrie die öffentliche Debatte über die Gesundheitsgefahren des Tabakkonsums jahrzehntelang aufrecht zu erhalten, nachdem diese Frage in der Wissenschaft geklärt worden war. Ziel war es dabei gar nicht, die Unschädlichkeit von Zigaretten zu beweisen (die Tabakmanager waren sich bewusst, dass dies ein aussichtsloses Unterfangen wäre[38]), sondern nur Zweifel zu schüren. So hält ein 1969 verfasstes internes Dokument aus der Tabakbranche fest:[37]

“Doubt is our product since it is the best means of competing with the "body of fact" that exists in the mind of the general public. It is also the means of establishing a controversy.”

„Zweifel ist unser Produkt, denn es ist das beste Mittel, um mit dem "Korpus an Fakten" zu konkurrieren, der im Bewusstsein der Allgemeinheit existiert. Er ist auch das Mittel, um eine Kontroverse zu erzeugen.“

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Einsatz von rhetorischen Taktiken wie z. B. dem Rosinenpicken, dem Anwenden logischer Fehlschlüsse oder dem Rückgriff auf falsche Experten kommen industriefinanzierte Studien häufig zu diametral unterschiedlichen Schlussfolgerungen als Studien unabhängiger Wissenschaftler; teils unterdrücken sie für ihre Auftraggeber unvorteilhafte Ergebnisse auch ganz. Beispielsweise ermittelte eine Review-Arbeit, dass von der Tabakindustrie durchgeführte Studien 88 Mal häufiger zum Ergebnis kamen, dass Passivrauchen ungefährlich sei als Studien, die von unabhängigen Forschern verfasst wurden.[39]

Erkenntnistheoretische Charakteristiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Sven Ove Hansson weist das Vorgehen von Denialisten vier bestimmte Charakteristiken auf[40]:

Rosinenpicken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermeintliche Pause der globalen Erwärmung. Viele Klimaleugner argumentieren mit dem selektiv ausgewählten Temperaturabschnitt 1998 bis 2012, dass die globale Erwärmung zum Stillstand gekommen sei.

Wissenschaftliche Arbeitsweise basiert darauf, die gesamte Palette an Indizien und Beweisen für einen Sachverhalt zu beachten, da nur so ein vollständiges Bild der Sachlage gewonnen werden kann, mit dem man zu einem gut begründeten Urteil gelangen kann. Die Technik des Rosinenpickens basiert stattdessen darauf, nur einzelne Aspekte zu berücksichtigen und widersprechende Ergebnisse zu ignorieren, um so eine vom Gesamtbild aller Beweise abweichende Sachlage zu suggerieren. Mit der Technik des Rosinenpickens ist es möglich, nahezu alles zu „beweisen“, wenn die Indizien bewusst selektiv ausgewählt werden.[41]

Ein Beispiel für Rosinenpicken ist die bisweilen von Evolutionsleugnern getätigte Argumentation, dass Fossilien, die sich über mehr als eine geologische Schicht erstrecken, ein Beweis gegen die Evolutionstheorie seien. Tatsächlich erklärt sich das Vorkommen solcher Fossilien mit der schnellen Ablagerung von Sedimenten um ein Fossil. Eine weitere Form von Rosinenpicken ist das sog. „quote mining“, bei dem Zitate bewusst aus dem Kontext gerissen werden, um dann den Sinn der Gesamtaussagen zu verdrehen. Beispielsweise werden Zitate von Wissenschaftlern, die sich darüber streiten, wie genau die Evolution stattfand, von Kreationisten umgedeutet und anschließend als Beweis gegen die Evolution an sich angeführt. Klimawandelleugner nutzen Rosinenpicken u. a. um eine vermeintliche Pause der globalen Erwärmung zu konstruieren, die real nicht stattfand. Ein bekanntes Beispiel ist die selektive Auswahl des Jahres 1998 für die Berechnung von Temperaturtrends. Mit diesem extrem warmen Jahr als Startpunkt der Zeitreihe vermitteln die folgenden Jahre den Anschein eines deutlich geringeren Temperaturanstiegs.[41] Davon ausgehend argumentierten Klimaleugner fälschlicherweise, dass die Erderwärmung seit 1998 zum Stillstand gekommen wäre.[42] Wird hingegen statt 1998 das Jahr 1997 als Ausgangspunkt herangezogen, fällt die ganze Argumentation in sich zusammen.[43]

Wissenschaftsleugner wählen sich oft zudem ihre Autoritäten sehr selektiv aus. So lehnen AIDS-Leugner z. B. Studien, die belegen, dass AIDS durch das HI-Virus verursacht wird, mit der Begründung ab, dass diese aufgrund von Forschungsgeldern aus der Pharmabranche parteiisch seien. Hingegen akzeptieren sie oft unkritisch Aussagen von anderen AIDS-Leugnern, die finanziell am Verkauf „alternativer AIDS-Medizin“ profitieren.[13]

Ignorieren widersprechender Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Charakteristikum von Denialisten ist die Missachtung widersprechender Informationen. Ein Kern wissenschaftlicher Arbeitsweise stellt die Weiterentwicklung von Wissen dar, wobei neue Erkenntnisse alte nach und nach ersetzen. Wissenschaftsleugner halten dagegen in aller Regel hartnäckig an veralteten Ideen fest, die von modernen Erkenntnissen obsolet gemacht wurden, und weigern sich, diese aufzugeben. Beispielsweise wird von manchen Evolutionsleugnern behauptet, dass das Auge zu komplex sei, um durch einen evolutionären Prozess entstanden zu sein. Dieses Argument basiert auf der Annahme, dass das Auge in einem Einzelevent als Ganzes entstanden sein müsse. Tatsächlich wies aber bereits Charles Darwin darauf hin, dass sich das Auge ausgehend von lichtempfindlichen Zellen nach und nach über verschiedene Stufen entwickelt haben müsse. Ähnliches gilt für Argumente von Junge-Erde-Kreationisten, die behaupten, dass die Erde erst wenige Tausend Jahre alt sei. Solche Behauptungen wurden durch geologische Datierungsmethoden wie die Radiometrische Datierung längst widerlegt, werden aber weiterhin angeführt. Klimawandelleugner führen wiederum häufig an, dass die gegenwärtig beobachtete Erderwärmung auf die Sonne zurückzuführen sei, was jedoch durch eine Vielzahl von Studien widerlegt ist. Ein Hauptgrund dafür, dass sich solche "Zombie-Argumente" sehr lange halten können, ist dieser, dass Wissenschaftsleugner vor allem außerhalb der peer-reviewten Fachliteratur publizieren und sie sich damit außerhalb der innerwissenschaftlichen Qualitätssicherung bewegen.[44]

Erzeugung künstlicher Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige Strategie von Denialisten ist die Erzeugung künstlicher „Kontroversen“, bei denen wissenschaftlich unstrittige Themen für die Öffentlichkeit als große und vermeintlich offene wissenschaftliche Kontroversen dargestellt werden. Dies wird oft dann angewandt, wenn es Denialisten zuvor nicht gelungen ist, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass nur ihr Standpunkt der richtige ist. Für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie reicht es oft aus, Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass ihr Standpunkt glaubwürdig genug ist, um ernst genommen zu werden. Dieses Missverständnis des wissenschaftlichen Sachstandes wird oft dadurch begünstigt, dass Entscheidungsträger und Öffentlichkeit, gerade wenn sie keinen wissenschaftlichen Hintergrund haben, oft Probleme damit haben, die Unterschiede zwischen den Ergebnissen einer Einzelstudie, einer Gruppe von Studien und einem wissenschaftlichen Konsens basierend auf sehr vielen Studien zu erkennen. Verschärft wird dieses Problem noch durch eine Medienberichterstattung, bei der solche Unterschiede nicht klar genug herausgearbeitet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Wissenschaftsleugner solche Schwierigkeiten häufig geschickt ausnutzen.[45] Wissenschaftshistorische Forschungen zeigen, dass solche vermeintlichen Kontroversen unter anderem von Industrien eingesetzt wurden, um die Bevölkerung über die Gefahren des Tabakkonsums, die Ursachen des Sauren Regens, die Rolle von Fluorchlorkohlenwasserstoffe bei der Zerstörung der Ozonschicht und die Realität der menschengemachten globalen Erwärmung zu desinformieren und diese Themen somit fälschlich als wissenschaftlich umstritten darzustellen.[46]

Genutzt wurde diese Strategie bereits von den Leugnern der Relativitätstheorie, die viel Mühe darauf verwendeten in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, dass ihre Position eine ernstzunehmende alternative Erklärungstheorie zur etablierten wissenschaftlichen Lehrmeinung sei. So betonte z. B. Arvid Reuterdahl (1876–1933) sehr häufig, dass es über diese Frage eine enorme wissenschaftliche Debatte gebe, bei der die Vertreter der Relativitätstheorie fortwährend zurückgedrängt würden. Auch Kreationisten gingen dazu über, diese Strategie zu nutzen, nachdem ihr ursprünglicher Plan, an US-Schulen ausschließlich die biblische Schöpfungsgeschichte zu lehren, 1968 mit einer Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gescheitert war. Nach diesem Gerichtsbeschluss änderten sie ihre Vorgehensweise und forderten von nun an, dass an Schulen biblische Schöpfungsgeschichte und wissenschaftliche Evolutionstheorie gleichermaßen und mit gleichem Zeitaufwand gelehrt werden müssten. Starken Aufwind bekam diese Forderung mit den 1980 getätigten Äußerungen des damaligen Präsidenten Ronald Reagan, der die Evolution "nur als wissenschaftliche Theorie" bezeichnete, die "große Mängel" habe und er denke, dass wenn die Evolutionstheorie in Schulen gelehrt würde, dann auch die Schöpfungsgeschichte unterrichtet werden solle.[45]

Auch Klimaleugner forderten von Anfang an "gleiche Zeit" für ihre Position, wenn auch zunächst nicht in der Schule, sondern in den Medien. Von der Tabakindustrie hatten sie gelernt, wie man mit der Fear, Uncertainty and Doubt-Taktik Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen schürt, und damit in der Öffentlichkeit gezielt den Eindruck einer wissenschaftlichen Kontroverse hervorruft, die tatsächlich überhaupt nicht existiert.[45] Um diese vermeintliche Kontroverse zu kreieren wurden von Unternehmen und konservativen Think Tanks eine kleine Zahl klimaskeptischer Wissenschaftler und sonstiger vermeintlicher Experten (oft ohne Expertise in Klimafragen) rekrutiert, die nicht nur Kritik an der echten wissenschaftlichen Forschung, sondern eine Alternative zu ihr herstellen sollten, um Öffentlichkeit und Politiker bewusst zu verwirren. Die Funktionsweise der echten Forschung wird hierbei gezielt imitiert[47]: Die Contrarians veröffentlichen (zumeist nicht-begutachtete) Berichte und Bücher, publizieren in randständigen Fachzeitschriften, halten Konferenzen ab und stellen zudem Listen von Wissenschaftlern zusammen, die die menschengemachte Erwärmung angeblich bezweifeln. Ein Beispiel für diese Methode ist die Schaffung des Nongovernmental International Panel on Climate Change durch das Heartland Institute als Gegenstück zum IPCC. Motivation hierfür war, die zentralen Erkenntnisse der Klimaforschung, dass sich die Erde maßgeblich durch menschliches Tun erwärmt und dies negative Folgen haben wird, für die Öffentlichkeit nicht nur unsicher erscheinen zu lassen, sondern den Anschein zu erwecken, sie seien in der Wissenschaft in erheblichem Maß umstritten. Die Gegenbehauptungen zu den Erkenntnissen der Klimaforschung werden zugleich stark zirkuliert und häufig mit Anschuldigungen wissenschaftlichen Fehlverhaltens ergänzt, um besondere Wirkung auf Öffentlichkeit und Politik zu erzielen und die Notwendigkeit des Klimaschutzes zu untergraben.[47]

Dieses Vorgehen war insbesondere in den Vereinigten Staaten hochgradig erfolgreich. Nachdem Medien ursprünglich den Sachstand zur globalen Erwärmung weitgehend korrekt wiedergegeben hatten, gingen sie ab ca. 1995 dazu über, vermeintlich „ausgewogen“ zu berichten, d. h. wissenschaftliche Erkenntnisse und vorgebliche wissenschaftliche Alternativmeinungen, wie sie von Klimaleugnerorganisationen vorgebracht wurden, in ihrer Berichterstattung gleichermaßen darzustellen. Ähnliches geschah auch in anderen Staaten. Hierdurch kam es infolge vermeintlich neutraler Berichterstattung zu einer informativen Schieflage, die dadurch ausgelöst wurden, dass die Berichterstattung über die Klimaforschung erheblich von der Lehrmeinung im Fach selbst abwich.[45][48] Ausgelöst wurde dieser Effekt durch eine mit vielen Mitteln ausgestattete Kampagne, deren Ziel es ist, vorsätzlich ein falsches Bild über den Forschungsstand zu vermitteln.[45] Dabei gelang es Klimaleugnern, eine "monumentale Illusion" zu kreieren, nämlich dass innerhalb der Klimaforschung keine Einigkeit über grundlegende Erkenntnisse bestünde, sondern eine Kontroverse herrsche.[49] Inzwischen gilt diese sogenannte „Kontroverse um die globale Erwärmung“ als das Paradebeispiel für eine von Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik künstlich erzeugte und geschürte „Kontroverse“ ohne reale Entsprechung innerhalb der Wissenschaft.[47]

Auch AIDS-Leugnern gelang es, mit dieser Vorgehensweise der Öffentlichkeit ein falsches Bild vom Forschungsstand vorzutäuschen. Im Jahr 2000 berief der damalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki – selbst ein AIDS-Leugner – das sogenannte „Presidential AIDS Advisory Panel“ ein. In dieses Gremium wurden alle international bekannten AIDS-Leugner berufen, die dann mit anerkannten südafrikanischen AIDS-Forschern debattieren sollten. Dadurch dass AIDS-Leugner und Wissenschaftler zu gleichen Teilen vertreten waren, wurde in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, dass es innerhalb der Wissenschaft eine echte wissenschaftliche Debatte über HIV und AIDS gäbe. Auf diese Weise schuf dieses Gremium, dem nach Nicoli Nattrass und Seth C. Kalichman „mit die weltweit besten AIDS-Wissenschaftler und die am stärksten diskreditierten AIDS-Leugner der Welt“ angehörten, die Illusion einer (wissenschaftlichen) „AIDS-Debatte, die Skepsis gegenüber wissenschaftlich fundiertem Wissen rechtfertigte“. Gleichzeitig verlieh die Aufnahme in das Panel einer Reihe von Pseudowissenschaftlern und wissenschaftlichen Außenseitern eine Glaubwürdigkeit, von der sie lange zehren konnten.[50]

Von der wissenschaftlichen Norm abweichende Kriterien für die Akzeptanz von Erkenntnissen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine zentrale Komponente des wissenschaftlichen Arbeitsethos ist, dass die Akzeptanz wissenschaftlicher Erkenntnisse einheitlich nicht von Ideologie oder Wunschdenken beeinflusst sein sollte. Abweichend von dieser Norm stellen Wissenschaftsleugner ganz spezielle Kriterien für die Akzeptanz von Belegen für von ihnen bestrittene Theorien auf, die fast immer unmöglich zu erfüllen sind. Hierzu zählt zum Beispiel die Forderung nach absoluter Sicherheit, die sowohl auf einer veralteten Sicht auf die Wissenschaft basiert als auch Unmögliches fordert[51].

Eine solche Form von in der Praxis unerfüllbaren Ansprüchen sind z. B. die häufig von Impfgegnern geäußerten Forderungen, dass Impfungen ein 100 % sicheres Ergebnis erzielen müssten oder keinerlei Nebenwirkungen haben dürften.[52] Eine Möglichkeit, diese Strategie umzusetzen, ist z. B. das sog. "Verschieben der Torpfosten". Hierbei wählen Wissenschaftsleugner ihre Anforderungen an die Wissenschaft immer genau so, dass sie nicht erfüllt werden können, und verschieben sie mit fortschreitendem Kenntnisstand immer weiter. So argumentierten AIDS-Leugner z. B. noch in den 1980er Jahren, dass die Medikamente gegen AIDS nicht wirksam seien und die Lebensspanne nicht nennenswert verlängerten. Als in den 1990er Jahren jedoch effektivere Medikamente aufkamen, die die Überlebensraten deutlich steigerten, verwarfen sie ihre Position, dass die Überlebensraten ein geeignetes Kriterium für die Wirksamkeit von Medikamenten sei.[13]

Eine weitere Form, die Ablehnung bestimmter Beweisketten, wurde von der Tabakindustrie genutzt, um in diversen Kampagnen die Erkenntnisse von medizinischen Forschungen zu diskreditieren, dass der Tabakkonsum gesundheitsschädlich ist. So argumentierten von der Tabakindustrie bezahlte Vertreter, dass epidemiologische Beweisketten generell ignoriert bzw. verworfen werden sollten, sofern diese nicht sehr klare Ergebnisse brachten oder enorme Risiken nachwiesen.[51] Unter anderem versuchte der Tabakkonzern Philip Morris International Anfang der 1990er Jahre einen neuen, von ihnen als „Good Epidemiological Practice“ bezeichneten epidemiologischen Standard zu etablieren, nach dem alle Studien mit einer odds ratio von unter 2 ausgesondert werden müssten. Mit diesem hätten sie schlagartig einen großen Teil aller Forschungen zu Gesundheitsauswirkungen verschiedener Schadstoffe für ungültig erklären können. Nachdem diese Methodik von der wissenschaftlichen Gemeinde einhellig abgelehnt wurde, gab Philip Morris die Etablierung dieses Standards auf. Andere Tabakkonzerne wie British American Tobacco nutzten dieses Argument aber weiterhin, um die Gesundheitsgefahren von Passivrauchen abzustreiten.[15][53] Wieder andere Vertreter der Tabakindustrie gingen noch einen Schritt weiter und behaupteten, dass Epidemiologie überhaupt keine echte Wissenschaft sei.[15] Ähnlich wie die Tabakindustrie argumentierten auch viele Wissenschaftler, die im Dienst von anderen Industrieunternehmen gegen die Absenkung von Grenzwerten für gesundheitsschädliche Substanzen lobbyierten. Folgte man einer solchen Uminterpretation der Wissenschaft, so würden viele Gesundheitsrisiken mit teils erheblichen Zahlen an Todesopfern wie beispielsweise Passivrauchen vor jeglichen Reduktionsmaßnahmen geschützt.[51] Neben dieser ökonomisch motivierten Ablehnung epidemiologischer Studien durch Wirtschaftsunternehmen gibt es noch weitere Leugnerbewegungen, die derartige Beweisketten zurückweisen. So lehnen z. B. auch AIDS-Leugner tausende epidemiologische Studien ab, die belegen, dass AIDS durch HIV verursacht wird.[13]

Auch Gegner der Evolutionstheorie nutzen abweichende Kriterien für die Akzeptanz von Erkenntnissen und haben verschiedene Strategien entwickelt, die Ansprüche an wissenschaftliche Beweise für die Evolution in die Höhe zu schrauben. So fordern sie z. B. experimentelle Beweise für Sachverhalte, die durch Experimente einfach nicht bewiesen werden können. Hierzu zählt beispielsweise die Entstehung neuer Arten bei Säugetieren und Vögeln, die sich nur langsam fortpflanzen und deswegen aufgrund der dafür notwendigen langen Zeiträume nicht in der Praxis bewiesen werden können. Hingegen lehnen sie experimentelle Beweise für die Entstehung neuer Arten bei Spezies mit kurzen Reproduktionszyklen ab und behaupten z. B., dass experimentell neu geschaffene Arten von Taufliegen überhaupt keine neuen Spezies seien. Des Weiteren operieren sie mit Begrifflichkeiten wie z. B. "Geschöpf", die das evolutionsbedingte Aufkommen neuer Spezies schon per se ausschließt.[51]

In den 1920er und 1930er Jahren argumentierten Gegner der Relativitätstheorie wiederum, dass die Relativitätstheorie nicht „anschaulich“ genug sei. Beispielsweise wurde in Deutschland versucht, der Relativitätstheorie die sogenannte Deutsche Physik gegenüber zu stellen, die anschaulich sei und damit die Physik auch von komplexen mathematischen Modellen befreien würde. Gleichzeitig forderten sie absolute Sicherheit in Bezug auf Zeit und Raum, was unmöglich ist, da es sich hier um empirische Sachverhalte handelt.[51] Klimaleugner wiederum legen enormen Wert auf die möglichen Fehlerquellen in den Beweisketten für die globale Erwärmung, während sie Argumentationen, die ihre eigene Sichtweise zu unterstützen scheinen, für bare Münze nehmen. Beispielsweise fordern sie unverhältnismäßig exakte Temperaturdaten für Zeiträume, für die keine exakten Thermometermessungen vorliegen (können) und lehnen komplexe mathematische Modelle wie z. B. Klimamodelle als Mittel zur Informationsgewinnung ab. Hierdurch kam es zu einem starken Ungleichgewicht bei der Hinterfragung verschiedener Positionen.[51]

Soziologische Charakteristiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedrohung des eigenen Weltbildes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die abgelehnten Erkenntnisse stellen häufig eine Bedrohung für das eigene Weltbild dar. Beispielsweise war die Relativitätstheorie eine Herausforderung für den gesunden Menschenverstand, während die Evolutionstheorie eine Bedrohung für religiöse Vorstellungen war, insbesondere für evangelikale Christen, die die Bibel wörtlich auslegen. Die Klimaforschung wiederum stellt mit ihren Erkenntnissen eine Bedrohung für bestimmte Lebensstile und politische Auffassungen dar, insbesondere für Menschen, die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft oder Lebensweisen für Klimaschutzmaßnahmen ablehnen.[54]

Komplexität der abgelehnten Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgelehnte Theorien sind häufig auch komplex und schwierig zu verstehen. Beispielsweise basieren sowohl die Relativitätstheorie als auch die Klimaforschung teils auf hochkomplexen mathematischen Modellen, wodurch sie für Laien unzugänglich und nicht nachvollziehbar sind. Die Evolutionstheorie und die Klimaforschung nutzen zudem eine riesige Menge an Daten und theoretischen Beweisführungen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen, die für Nicht-Fachleute schwierig nachzuvollziehen sind. Dies macht die Forschungsfelder leicht angreifbar für Wissenschaftsleugner, die das mangelnde Wissen von Laien für ihre Zwecke ausnutzen wollen.[54]

Fehlende Kompetenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielen Wissenschaftsleugnern fehlt die Kompetenz für die Beurteilung der Erkenntnisse, die sie ablehnen. Die große Mehrheit der führenden Wissenschaftsleugner sind „Privatforscher“ ohne den nötigen wissenschaftlichen Hintergrund, den es braucht, um im jeweiligen Fachgebiet an einer reputablen Einrichtung tätig zu sein. Fachkompetente Forscher werden hingegen nur sehr selten zu Leugnern des Forschungsstandes. Noch am meisten Fachkompetenz hatten Leugner der Relativitätstheorie, unter denen sogar drei Physik-Nobelpreisträger waren, die jedoch im Fach nur wenig anerkannt waren. Zwei von ihnen (Philipp Lenard und Johannes Stark) waren isoliert, weil sie sowohl Außenseitermeinungen vertraten als auch überzeugte Nationalsozialisten waren, der dritte (Charles Édouard Guillaume) erhielt den Preis für Forschung an Nickel-Stahl-Legierungen; sein Nobelpreis war von Anfang an umstritten. Unter Klimaleugnern und Evolutionsleugnern sind hingegen nur sehr wenige fachkompetente Forscher zu finden. Unter Kreationisten finden sich kaum Personen mit wissenschaftlichem Abschluss in einem relevanten Fach; diejenigen, die sich "naturwissenschaftliche Expertise" zuschreiben, haben zu einem großen Teil Abschlüsse in Naturwissenschaften, die für die Evolutionstheorie irrelevant sind, oder in den Ingenieurswissenschaften. Ähnlich ist die Situation unter Klimaleugnern. Auch dort verfügt der Großteil der führenden Gegner der Klimaforschung über keinerlei Expertise in Klimafragen. Stattdessen wurden gezielt Wissenschaftler diverser Disziplinen angeworben, die über gute PR-Fähigkeiten verfügten und bereit waren, den Forschungsstand zu bestreiten.[54]

Allerdings sinkt bei Konservativen die Akzeptanz klimawissenschaftlicher Ergebnisse mit steigendem Bildungsgrad.[55] Dan M. Kakan u. a. gehen davon aus, dass es nicht wirklich Inkompetenz oder mangelnde Bildung sind, die wissenschaftliche Erkenntnisse bezweifeln lassen, sondern unterschiedliche Interessenlagen[56] oder politische Grundhaltungen.[57]

Männliche Dominanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftsleugnung ist stark männlich dominiert. Unter Relativitätsleugnern fanden sich nur zwei Frauen, von denen eine mit einem bekannten Leugner verheiratet war und ihn nach dessen Tod in einer eigenen Publikation verteidigte. Auch unter Evolutions- und Klimaleugnern sind Frauen selten. Auffällig ist dies insbesondere unter Evolutionsleugnern, da in der Biologie vergleichsweise viele Frauen tätig sind, während sie hingegen unter Evolutionsleugnern und Kreationisten kaum vorkommen.[54] Am weitesten verbreitet ist die Leugnung von umweltwissenschaftlichen Erkenntnissen wie dem menschengemachten Klimawandel unter konservativen, weißen Männern.[31] Insbesondere trifft dieser Umstand auf Klimaleugner in den USA zu, unter denen sich weit überwiegend konservative, weiße Männern befinden, unabhängig davon, ob Wissenschaftler, Medienpersonen, Think-Tank-Mitglieder oder Politiker untersucht werden.[58] Als Erklärung für dieses Phänomen wird angeführt, dass Männer möglicherweise eher als Frauen dazu neigen, ihre vermeintliche Fachkompetenz höher zu bewerten als die Expertise tatsächlicher Experten.[54]

Unfähigkeit zur wissenschaftlichen Publikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Charakteristikum ist der Umstand, dass Wissenschaftsleugner in der wissenschaftlichen Literatur praktisch kaum vertreten sind. Sowohl Leugner der Relativitätstheorie, Evolutionsleugner als auch Klimaleugner scheitern fast immer an den Qualitätssicherungsmaßnahmen wissenschaftlicher Zeitschriften, dem sog. Peer-Review, und können damit kaum Publikationen in begutachteter Fachliteratur aufweisen. Dieses Scheitern an wissenschaftlichen Qualitätsstandards steht dabei in direktem Widerspruch zu den vorgeblich hohen Qualitätsmaßstäben, die Leugner ihren eigenen Behauptungen zuschreiben.[59] Wissenschaftsleugner bezeichnen das wissenschaftliche Peer-Review-System daher gerne als Zensur ihrer Ansichten.[60]

Anstelle von begutachteten Arbeiten geben insbesondere Klimaleugner, häufig mit großer Unterstützung durch Industrieunternehmen und Think Tanks, eine Vielzahl nicht begutachteter Publikationen für die Öffentlichkeit heraus, beispielsweise Bücher und Berichte, wobei sie das Ziel verfolgen, eine "Alternative" zur peer-reviewten Fachliteratur darzustellen.[61] So umgingen mindestens 90 % der bis 2010 publizierten Bücher, in denen der Klimawandel geleugnet wird und die eine Schlüsselrolle bei den Angriffen auf die Klimaforschung spielen, das Peer-Review. Auf diese Weise ist es möglich, den Forschungsstand zu umgehen und immer wieder wissenschaftlich längst widerlegte Aussagen zu publizieren, ohne dass dies von einer Qualitätskontrolle verhindert wird.[62] Zudem existieren nach einer 2008 erschienenen Analyse von 141 zwischen 1972 und 2005 erschienenen englischsprachigen Büchern, in denen die Gefahren von Umweltproblemen verharmlost oder bestritten werden, bei 92 % dieser Bücher Verbindungen zu konservativen Think Tanks. Diese wiederum hatten zu 90 % eine umweltskeptische Agenda, die primär durch Leugnung der Ernsthaftigkeit von Umweltproblemen und Ablehnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu gekennzeichnet ist.[63]

Verbreiten und Glauben an Verschwörungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auto eines Kreationisten, der die Evolutionstheorie als "Märchen für Erwachsene" verspottet.

Häufig vertreten ist auch das Glauben an oder Nutzen von Verschwörungstheorien.[64][15][6][13] Beispielsweise waren die Gegner der Relativitätstheorie dominiert von Antisemiten, die argumentierten, dass die Relativitätstheorie Bestandteil einer jüdischen Verschwörung sei. Unter anderem führten sie ihre Unfähigkeit, in wissenschaftlichen Zeitschriften zu publizieren, darauf zurück, dass die Physikzeitschriften sowie physikalischen Gesellschaften unter jüdischem Einfluss stünden. Evolutionsleugner sehen sich selbst oft einer Verschwörung durch Atheisten oder den Teufel ausgesetzt. Unter Klimaleugnern sind wiederum verschiedene Vorstellungen verbreitet, dass es eine Verschwörung durch linke Kräfte, geldgierige Klimaforscher, linke Politiker oder Umweltschützer gebe.[64] Beispielsweise deuten Klimaleugner die Tatsache, dass sowohl Klimaforscher, wissenschaftliche Einrichtungen und peer-reviewte Fachzeitschriften bezüglich des Klimawandels übereinstimmen, zu einer Verschwörung innerhalb der Klimaforschung um oder werfen Klimaforschern Korruption vor.[65]

Ähnlich argumentieren AIDS-Leugner: Auch dort ist die Behauptung verbreitet, dass Wissenschaftler aus eigennützigen Motiven am wissenschaftlichen Konsens festhalten, weil sie persönlich davon profitieren, z. B. durch den Erwerb von Fördergeldern oder Prestige. Auf diese Weise können sie zudem fachliche Autoritäten als Beteiligte in einer großen Verschwörung darstellen.[13] Teils wird auch die Behauptung aufgestellt, dass es längst ein Heilmittel für AIDS gäbe, dieses aber von der Pharmaindustrie geheimgehalten werde, damit diese hohe Gewinne mit dem Verkauf von antiretroviralen Mitteln erzielen könne, die ein Leben lang eingenommen werden müssen.[29] Vertreter verschiedener Denialismusströmungen machten zudem ihre Unfähigkeit, in peer-reviewten Fachzeitschriften zu publizieren, an einer Verschwörung gegen sie fest, aufgrund derer sie nicht die Aufmerksamkeit bekämen, die ihnen gebühre.[64]

Aufrufe direkt an die Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitet sind ebenfalls Aufrufe und Appelle direkt an die Öffentlichkeit, gerade wenn sie nicht dazu in der Lage sind, in der peer-reviewten Fachliteratur zu publizieren. Leugner der Relativitätstheorie wandten sich in den 1920er und 1930er Jahren in zahlreichen Broschüren und Flugblättern an die breite Bevölkerung und publizierten auch viele Artikel in Massenmedien. Wichtigstes Medium war dabei in den USA die Dearborn Independent, die nicht nur eine der größten öffentlichen Zeitungen war, sondern auch streng antisemitisch ausgerichtet. Auch Evolutionsleugner und Klimaleugner publizieren heutzutage ihre Thesen hauptsächlich in Büchern, Broschüren und auf Websites, die für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind. Durch dieses Publizieren von Leugnern in Massenmedien entsteht wiederum ein Problem für die Wissenschaftskommunikation, da seriöse Wissenschaftler, die wissenschaftlich in Fachzeitschriften publizieren, eher selten für Massenmedien schreiben, die von breiten Bevölkerungsschichten gelesen werden und dort die Positionen der Leugner dann überrepräsentiert sind.[64] Stark überrepräsentiert sind Klimawandelleugner insbesondere in konservativen Medien in angelsächsischen Staaten, vor allem in den USA, wo sie eine zentrale Funktion beim Verbreiten von Klimaleugnerargumenten besitzen. Wichtige Medien hierbei sind und waren Zeitungen wie das Wall Street Journal, die New York Post und die Washington Times, Magazine wie The Weekly Standard, The American Spectator und National Review, sowie diverse Medien der News Corporation, die sich im Besitz von Rupert Murdoch befindet. Gemeinsam wirken diese Medien wie eine Echokammer, in der die Behauptungen von Klimaleugnern endlos zirkulieren und dabei gegenseitig verstärkt werden.[66]

Vortäuschen einer viel größeren wissenschaftlichen Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Charakteristikum ist das Vortäuschen eines viel größeren Rückhaltes von Positionen in der Wissenschaft als es tatsächlich der Fall ist. Hierzu gründen Wissenschaftsleugner u. a. eigene Institute, halten eigene Konferenzen ab, und legen teils sogar eigene Zeitschriften auf, die jedoch nicht wissenschaftlichen Zwecken folgen, sondern speziell der Leugnung dienen.[64] Ein Beispiel hierfür ist die Academy of Nations, die 1921 von Leugnern der Relativitätstheorie als vorgeblich wissenschaftliche Organisation gegründet wurde. Auch Kreationisten gründen eine Vielzahl solcher, scheinbar wissenschaftlicher Organisation wie z. B. die Creation Research Society, das Institute for Creation Research oder das Discovery Institute.[64]

Klimaleugner wiederum nutzen eine Vielzahl von Frontgruppen und Astroturfing-Organisationen, die oft eigens für die Leugnung gegründet wurden. Diese haben das Ziel, die globale Erwärmung als solche zu leugnen, aber auch die konkrete Gesetzgebung in Form von Umwelt- und Klimaschutzgesetzen zu untergraben. Aufgelegt wurden bzw. werden Frontgruppen von Industrieunternehmen und Wirtschaftsverbänden, um ihre eigenen Aktivitäten bei der Leugnung des menschengemachten Klimawandels sowohl zu verschleiern als auch abzuschirmen. Die Auflegung solcher Organisationen erfolgte dabei sowohl mit Hilfe als auch ohne Zusammenarbeit mit Think Tanks aus der organisierten Klimawandelleugnerbewegung.[67] Diese Frontgruppen geben sich häufig euphemistische Namen, die ihre wahren Absichten verschleiern sollen.[68] Eine gern angewendete Technik hierbei ist das sogenannte Greenscamming, bei dem sich Anti-Umwelt-Organisationen zum Beispiel durch die Wahl eines einschlägig klingenden Namens als Umweltschutzorganisationen ausgeben. Beispiele hierfür sind die Global Climate Coalition, die Alliance for Environment and Resources oder das American Council on Science and Health.[69]

En weiteres angewandtes Mittel ist der Einsatz von öffentlichen Petitionen bzw. Unterschriftenlisten, die das Ziel haben, der Öffentlichkeit zu suggerieren, dass die von den Wissenschaftsleugnern geäußerten Thesen in der Wissenschaftsgemeinde fest verankert seien. 1931 publizierten z. B. Gegner der Relativitätstheorie eine Broschüre mit dem Titel 100 Autoren gegen Einstein. 2001 lancierte das kreationistische Discovery Institute eine Petition unter dem Namen "A Scientific Dissent From Darwinism", deren Unterzeichner vor allem Evangelikale waren, während nur wenige Biologen unterschrieben hatten. Auch Klimaleugner nutzen des öfteren solche Petitionen[64], unter anderem die Leipziger Erklärung und die Oregon-Petition. Diese werde von ihnen häufig als Argumente angeführt, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens über die globale Erwärmung gebe. In der Wissenschaft werden diese Erklärungen hingegen als Desinformationskampagnen von Klimaleugnern betrachtet, deren Ziel es ist, die Öffentlichkeit in Bezug auf den Forschungsstand zum menschengemachten Klimawandel und den dort herrschenden fachlichen Konsens zu verwirren.[70] Auch AIDS-Leugner griffen zu dieser Strategie, um mit einer Unterschriftenliste zu suggerieren, dass eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern nicht an einen Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und AIDS glaube und somit Zweifel bezüglich des mit Tausenden Studien abgesicherten wissenschaftlichen Konsens zu streuen.[13]

In allen Fällen waren die Unterzeichner größtenteils fachfremd.[64] Bei der Oregon-Petition wird beispielsweise behauptet, dass 31.000 Wissenschaftler der Konsensmeinung widersprächen. Tatsächlich aber hatten nicht einmal ein Prozent der Unterzeichner Expertise in Klimafragen.[70] Obwohl bereits 1999 entstanden, wird die Oregon-Petition immer wieder von Online-Plattformen neu aufgriffen und anschließend über soziale Medien stark verbreitet. Ein im September 2016 erschienener Fake-News-Artikel von YourNewsWire.com, bei dem die Oregon-Petition als Beleg dafür angeführt wurde, dass der menschengemachte Klimawandel ein Schwindel sei, wurde beispielsweise binnen eines halben Jahres über 600.000 Mal bei Facebook geteilt. Die Petition dient zudem als Beispiel für weitere ähnliche Aktionen.[71]

Angriffe auf seriöse Wissenschaftler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Repertoire der Wissenschaftsleugner zählen ebenfalls scharfe Angriffe auf echte Wissenschaftler. Solche Angriffe sind sowohl von Leugnern der Relativitätstheorie, Evolutionsleugnern und Klimaleugnern bekannt. In den Zwischenkriegsjahren war ein großer Teil der Leugner der Relativitätstheorie antisemitisch motiviert, wobei viele Einstein vehement attackierten. Auch zahlreiche Wissenschaftler, die die Evolutionstheorie oder die Klimaforschung gegen Wissenschaftsleugner verteidigen, werden scharf angegangen und immer wieder Opfer von Verfolgung und Bedrohung.[64] In der Klimaforschung werden zudem insbesondere Forscher angegriffen, die bedeutsame Forschungsbeiträge geleistet haben. Ziel dieser persönlichen Angriffe auf Klimaforscher ist dabei die Diskreditierung der Klimaforschung selbst.

Besonders stark attackierte Klimaforscher sind z. B. die IPCC-Leitautoren Benjamin Santer und Michael E. Mann. Santer wurde 1995, nachdem der IPCC in seinem Zweitem Sachstandsbericht festgehalten hatte, dass der Einfluss des Menschen auf das Klima bereits „erkennbar“ war, in einer von der fossilen Energieindustrie lancierten Kampagne vorsätzliche Unehrlichkeit, Korruption und Manipulation der Daten vorgeworfen, zudem wurde ihm unterstellt, die Öffentlichkeit und Politiker absichtlich zu täuschen.[72][73] Mann wurde nach der Publikation des sogenannten Hockeyschläger-Diagramms, das einen starken Anstieg der Temperaturen im 20. Jahrhundert zeigte und das schließlich auch im Dritten Sachstandsbericht des IPCC prominent wiedergegeben wurde, einer groß aufgelegten, laut Stefan Rahmstorf "in der Wissenschaftsgeschichte wohl einzigartige[n] Kampagne" zu diskreditieren versucht. Unter anderem erhielt er während des Höhepunktes der Milzbrand-Briefserie in den USA einen Brief mit weißem Pulver zugesandt.[74]

Starke Verbindungen zur Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Merkmal sind oft Verbindungen zur Politik. Leugner der Relativitätstheorie waren in den 1920er und 1930er Jahren oft antisemitisch motiviert, während gegenwärtig in den USA Verbindungen zu rechten Strömungen erkennbar sind. Beispielsweise listet die sich als konservativ verstehende Enzyklopädie Conservapedia Artikel, in denen sie die Relativitätstheorie angreift, aber auch die Evolutionstheorie und die Klimaforschung. Die Leugnung der Evolution ist wiederum vor allem von einer christlichen Rechten geprägt, die auf diese Weise ihre fundamentalistischen Glaubenspositionen zu verteidigen sucht. Die Klimawandelleugnung wiederum wird primär von einer wirtschaftsorientierten Rechten vorangetrieben, die staatliche Eingriffe in den Markt ablehnt.[64] Eine große Rolle beim Aufbau und der Finanzierung der Klimawandelleugnung spielten und spielen insbesondere wirtschaftliche Interessen von Wirtschaftsunternehmen, die in der Förderung und Verarbeitung fossiler Energien tätig sind wie beispielsweise ExxonMobil oder Koch Industries sowie Verbände dieser Branchen.[75] Inzwischen existiert eine breit aufgestellte sogenannte „organisierte Klimaleugnerszene“, die sich unter anderem aus konservativen Think Tanks, verschiedenen politischen Frontgruppierungen sowie einer Vielzahl von Laienbloggern zusammensetzt. Hinzu kommen sich selbst als Experten ausgebende Laien, einige Wissenschaftler, PR-Unternehmen, Astroturfing-Gruppierungen, konservative Medien und Politiker. Gemeinsam ist ihnen vor allem die Ablehnung von staatlicher Regulierung durch Klimaschutzmaßnahmen.[76]

Erklärungsansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Wissenschaft existieren verschiedene Ansätze, mit denen Wissenschaftsleugnung zu erklären versucht wird. Diese lassen sich grob in psychologische und soziologische Faktoren sowie Werte und Weltbilder unterteilen, zudem existiert die zielgerichtete Leugnung durch die sog. "denial machine" von Industrieakteuren.[12]

Ein psychologischer Ansatz versucht Wissenschaftsleugnung als psychologischen Abwehrmechanismus zu erklären, oft als Antwort auf ein als unlösbar angesehenes Problem. So wurde sowohl versucht sie als selbstbetrügerische Reaktion auf eine existentielle und hartnäckige Zwangslage zu deuten als auch als Kognitive Dissonanz. Unter anderem liegen auch experimentelle Belege dafür vor, dass kognitive Dissonanzen zur Wissenschaftsleugnung beitragen.[12]

Ein soziologischer Erklärungsansatz ist, dass Personen vor allem Informationen von einem Anführer annehmen, dem sie vertrauen, da die sozialen Kosten der Ablehnung der dominierenden Weltbilder und Ansichten innerhalb von bestimmten sozialen Gruppen hoch sein können. Weitere Faktoren können auch mangelnde wissenschaftliche Fähigkeiten sein oder der Umstand, dass die abgelehnten wissenschaftlichen Erkenntnisse beunruhigend bzw. unangenehm sind.[12]

Eine wichtige Rolle scheinen zudem Weltbilder zu spielen. So deuten eine Vielzahl an Studien darauf hin, dass die Klimawandelleugnung stark korreliert mit Faktoren wie einer individualistischen Weltsicht, Anthropozentrismus, Befürwortung von Eigentumsrechten, Glauben an den Kapitalismus oder den Freie-Markt-Neoliberalismus sowie mit konservativen Kernüberzeugungen und Evangelikalismus. Die größte Aussagekraft ergab sich, wenn mehrere dieser wertebezogenen Faktoren berücksichtigt wurden.[12]

Zudem liegen zahlreiche Studien vor, die die Aktivitäten der sog. Leugnungsmaschinerie ("denial machine") untersucht haben, um herauszufinden, wie diese die Wissensleugnung der Bevölkerung und von Politikern hervorgerufen hat. Als zentrale Motivation für diese gezielt geschürte Leugnung, die vor allem in Nordamerika von politischen, wirtschaftlichen und religiösen Organisationen betrieben wurde und wird, wurden sowohl konservative Ideologie als auch Eigeninteresse durch Industrieunternehmen erkannt, bzw. eine Kombination von beiden Faktoren. Negativ wirkte sich zusätzlich aus, dass Desinformationskampagnen von solchen Gruppierungen von vielen Medien nicht als solche behandelt wurden, sondern aufgrund von Falscher Ausgewogenheit als gleichwertig zu wissenschaftlichen Informationen präsentiert wurden.[12]

Historische Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edmund Husserl erklärte, dass schon in der antike Platon sich gegen Wissenschaftsleugnung verteidigt haben soll. Als Reaktion auf die grundsätzliche Ablehnung der Wissenschaft an sich habe er diese auf Logik aufgebaut.[77]

Das Beispiel Ignaz Semmelweis aus dem 19. Jahrhundert, dessen wisschenschaftliche Entdeckung eine breiten Ablehnung erfuhr, war namensgebend für den Semmelweis-Reflex. Er zeigte, dass Hygiene im Medizinbetrieb Krankheiten verhindert, und starb nach seinen ungeschickten Überzeugungsversuchen im Irrenhaus.[78]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anna Durnová: Der ‚March for Science‘ als Schauplatz der gesellschaftspolitischen Polarisierung zwischen Elite und Volk: ein interpretativer Beitrag zur Analyse von Postfaktizität. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft. Band 29, Nr. 2, 2019, S. 345–360, doi:10.1007/s41358-019-00186-3.
  2. Über den Denialismus. Informationsethik. Abgerufen am 19. Januar 2018.
  3. Glaube an Scheibenwelt. Flachwitz . In: Spiegel-Online, 13. August 2017. Abgerufen am 22. September 2017.
  4. Die besten neuen Wörter 2017. In: Aargauer Zeitung, 27. Dezember 2017, abgerufen am 19. Januar 2018.
  5. Neue Strategie gegen Desinformation zum Klimawandel: ein logisches Seziermesser ansetzen. In: Klimafakten, 3. Juli 2018. Abgerufen am 3. Juli 2018.
  6. a b Stephan Lewandowsky u. a.: NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax: An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. In: Psychological Science. Band 24, Nr. 5, 2013, S. 622–633, doi:10.1177/0956797612457686.
  7. Matthew H. Slater et al.: Denialism as Applied Skepticism: Philosophical and Empirical Considerations. In: Erkenntnis. 2018, doi:10.1007/s10670-018-0054-0.
  8. Vgl. Emanuela Fronza, Memory and Punishment. Historical Denialism, Free Speech and the Limits of Criminal Law. Den Haag 2018, S. 6.
  9. Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 40, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  10. Stephan Lewandowsky, Klaus Oberauer: Motivated Rejection of Science. In: Current Directions in Psychological Science. Band 25, Nr. 4, 2016, S. 217–222, doi:10.1177/0963721416654436.
  11. a b James C.Russell, Tim M.Blackburn: The Rise of Invasive Species Denialism. In: Trends in Ecology & Evolution. Band 32, Nr. 1, 2017, S. 3–6, doi:10.1016/j.tree.2016.10.012.
  12. a b c d e f g h Karin Edvardsson Björnberg et al.: Climate and environmental science denial: A review of the scientific literature published in 1990–2015. In: Journal of Cleaner Production. Band 167, 2017, S. 229–241, hier: S. 237, doi:10.1016/j.jclepro.2017.08.066.
  13. a b c d e f g Tara C. Smith, Steven P. Novella: HIV Denial in the Internet Era. In: PLOS Medicine. Band 4, Nr. 8, 2007, S. 1312–1316, doi:10.1371/journal.pmed.0040256.g001.
  14. a b Vgl. Wendee Holtcamp: Flavors of Uncertainty: The Difference between Denial and Debate. In: Environmental Health Perspectives. Band 120, Nr. 8, 2012, S. a314–a319, doi:10.1289/ehp.120-a314.
  15. a b c d e Pascal Diethelm, Martin McKee: Denialism: what is it and how should scientists respond? In: European Journal of Public Health. Band 19, Nr. 1, 2009, S. 2–4, doi:10.1093/eurpub/ckn139.
  16. Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 39, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.; Vgl. auch Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft. Weinheim 2014.
  17. a b Karin Edvardsson Björnberg et al.: Climate and environmental science denial: A review of the scientific literature published in 1990–2015. In: Journal of Cleaner Production. Band 167, 2017, S. 229–241, hier: S. 235, doi:10.1016/j.jclepro.2017.08.066.
  18. Riley E. Dunlap, Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731, S. 699, doi:10.1177/0002764213477096.
  19. Stephan Lewandowsky u. a.: NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax: An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. In: Psychological Science. Band 24, Nr. 5, 2013, S. 622–633, hier: S. 623, doi:10.1177/0956797612457686.
  20. Zit nach: Pascal Diethelm, Martin McKee: Denialism: what is it and how should scientists respond? In: European Journal of Public Health. Band 19, Nr. 1, 2009, S. 2–4, doi:10.1093/eurpub/ckn139.
  21. a b Philipp Schmid, Cornelia Betsch: Effective strategies for rebutting science denialism in public discussions. In: Nature Human Behavior. 2019, doi:10.1038/s41562-019-0632-4.
  22. Karin Edvardsson Björnberg et al.: Climate and environmental science denial: A review of the scientific literature published in 1990–2015. In: Journal of Cleaner Production. Band 167, 2017, S. 229–241, doi:10.1016/j.jclepro.2017.08.066.
  23. Riley E. Dunlap: Climate Change Skepticism and Denial: An Introduction. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 691–698, doi:10.1177/0002764213477097.
  24. Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan, 2011, S. 1 f.
  25. Jeremy Kemp et al.: Sceptics and deniers of climate change not to be confused. In: Nature. Nr. 464, 2010, S. 673, doi:10.1038/464673a.
  26. James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 4.
  27. Michael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. 1f; Ebd. XIX f.
  28. Michael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. 85.
  29. a b c Nicoli Nattrass: The art of medicine. How bad ideas gain social traction. In: The Lancet. Band 380, 2012, S. 332 f., doi:10.1016/S0140-6736(12)61238-0.
  30. Vgl. Naomi Oreskes: Foreword. In: Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan, 2011, S. XIII f.
  31. a b c d e f g h Karin Edvardsson Björnberg et al.: Climate and environmental science denial: A review of the scientific literature published in 1990–2015. In: Journal of Cleaner Production. Band 167, 2017, S. 229–241, hier: S. 236, doi:10.1016/j.jclepro.2017.08.066.
  32. Bruce W. Jentleson: Global Governance, the United Nations, and the Challenge of Trumping Trump. In: Global Governance. Band 23, 2017, S. 143–149, doi:10.1163/19426720-02302001.
  33. Leif Fredrickson: History of US Presidential Assaults on Modern Environmental Health Protection. In: American Journal of Public Health. Band 108, S2, 2018, S. S95-S103, doi:10.2105/AJPH.2018.304396.
  34. Lindsey Dillon et al.: The Environmental Protection Agency in the Early Trump Administration: Prelude to Regulatory Capture. In: American Journal of Public Health. Band 108, S2, 2018, S. S-89-S94, doi:10.2105/AJPH.2018.304360.
  35. Michael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. 77–80.
  36. Vgl. Michael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. 77f; Zentrales Standardwerk: Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft. Weinheim 2014.
  37. a b c Andrew Dessler: Introduction to Modern Climate Change. Cambridge University Press 2015, S. 215.
  38. James Hoggan, Richard Littlemore: Climate Cover-Up: The Crusade to Deny Global Warming. Greystone Books 2009, S. 35.
  39. Jennifer S Mindell et al.: All in this together: the corporate capture of public health. In: BMJ. Band 345, 2012, doi:10.1136/bmj.e8082.
  40. Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  41. a b Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 40, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  42. Iselin Medhaug u. a.: Reconciling controversies about the ‘global warming hiatus’. In: Nature. Band 545, 2017, S. 41–47, doi:10.1038/nature22315.
  43. James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 172.
  44. Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 41, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  45. a b c d e Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 41 f., doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  46. Justin Farrell et al.: Evidence-based strategies to combat scientific misinformation. In: Nature Climate Change. 2019, doi:10.1038/s41558-018-0368-6.
  47. a b c Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press, 2015, 300–332, S. 308 f.
  48. Vgl. auch Maxwell T. Boykoff, Jules M. Boykoff: Balance as bias: global warming and the US prestige press. In: Global Environmental Change. Band 14, 2004, S. 125–136, doi:10.1016/j.gloenvcha.2003.10.001.
  49. William C. Tucker: Deceitful Tongues: Is Climate Change Denial A Crime? In: Ecology Law Quarterly. Band 39, 2012, S. 831–892, hier, S. 891, doi:10.15779/Z38V55M.
  50. Nicoli Nattrass, Seth C. Kalichman: The Politics and Psychology of AIDS Denialism, in: Poul Rohleder et al. (Hrsg.), HIV/AIDS in South Africa 25 Years On. Psychosocial Perspectives. Springer, New York – Dordrecht – Heidelberg – London 2009, 123–134, S. 125 f u. 132.
  51. a b c d e f Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 42 f, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  52. Cornelia Betsch: Advocating for vaccination in a climate of science denial. In: Nature Microbiology. Band 2, 2017, doi:10.1038/nmicrobiol.2017.106.
  53. Elisa K. Ong, Stanton A. Glantz: Constructing “Sound Science” and “Good Epidemiology”: Tobacco, Lawyers, and Public Relations Firms. In: American Journal of Public Health. Band 91, Nr. 11, 2001, S. 1749–1757, doi:10.2105/AJPH.91.11.1749.
  54. a b c d e Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 43, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  55. Lawrence C. Hamilton: Education, politics and opinions about climate change evidence for interaction effects. In: Climatic Change, Volume 104 (2010), Issue 2, S. 231–242.
  56. Dan M. Kahan: The polarizing impact of science literacy and numeracy on perceived climate change risks. In: Nature Climate Change, Volume 2 (2012), S. 732–735.
  57. Dan M. Kahan u. a.: Motivated Numeracy and Enlightened Self-Government. In: Behavioural Public Policy, Vol. 1, S. 54–86.
  58. Aaron M. McCright, Riley E. Dunlap: Cool dudes: The denial of climate change among conservative white males in the United States. In: Global Environmental Change. Band 21, 2011, S. 1163–1172, doi:10.1016/j.gloenvcha.2011.06.003.
  59. Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 43 f, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  60. Arturo Casadevall, Ferric C. Fang: Is Peer Review Censorship? In: Infection and Immunity. Band 77, Nr. 4, 2009, S. 1273–1274, doi:10.1128/IAI.00018-09.
  61. Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press, 2015, 300–332, S. 308.
  62. Riley E. Dunlap, Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731, doi:10.1177/0002764213477096.
  63. Peter J. Jacques et al.: The organisation of denial: Conservative think tanks and environmental scepticism. In: Environmental Politics. Band 17, Nr. 3, 2008, S. 349–385, doi:10.1080/09644010802055576.
  64. a b c d e f g h i j Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, hier: S. 44 f, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  65. Vgl. G. Thomas Farmer, John Cook: Climate Change Science. A modern Synthesis. Volume 1 – The Physical Climate. Dordrecht 2013, S. 454.
  66. Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press, 2015, 300–332, S. 316 f.
  67. Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press, 2015, 300–332, S. 314 f.
  68. Seth Heald: Climate Silence, Moral Disengagement, and Self- Efficacy: How Albert Bandura's Theories Inform Our Climate-Change Predicament. In: Environment: Science and Policy for Sustainable Development. Band 59, Nr. 6, 2017, S. 4–15, doi:10.1080/00139157.2017.1374792.
  69. Vgl. Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan, 2011, S. 72–75 (englisch).
  70. a b John Cook et al.: Neutralizing misinformation through inoculation: Exposing misleading argumentation techniques reduces their influence. In: PLOS ONE. Band 12, Nr. 5, 2017, doi:10.1371/journal.pone.0175799.
  71. Michael Brüggemann: Die Medien und die Klimalüge. Falsche Skepsis und echte Leugnung, in: Volker Lilienthal, Irene Neverla (Hrsg.), „Lügenpresse“ : Anatomie eines politischen Kampfbegriffs. Köln 2017, S. 137–157, hier S. 141 f.
  72. Spencer Weart: Global Warming. How skepticism became denial. In: Bulletin of the Atomic Scientists. Band 67, Nr. 1, 2011, S. 41–50, S. 46 f., doi:10.1177/0096340210392966.
  73. Vgl. Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Die Machiavellis der Wissenschaft. Weinheim 2014, S. XV–XX.
  74. Stefan Rahmstorf: Vorwort zur Deutschen Ausgabe. Der Zweifel als industrielles Produkt, in: Michael E. Mann, Tom Toles: Der Tollhauseffekt. Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt. Erlangen 2018, S. VII f.
  75. Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press, 2015, S. 300–332, S. 310 f.
  76. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press, 2011, S. 144–160, S. 144.
  77. Edmund Husserl: Formale und transzendentale Logik: Versuch einer Kritik der logischen Vernunft. In: Jahrbuch für Philosophie und Phänomenologische Forschung. Bd. 10, 1929, S. 1f.
  78. Jutta von Campenhausen: Wissenschaft vermitteln: Eine Anleitung für Wissenschaftler. 2014, S. 29 (books.google.com, abgerufen am 15. August 2018).