Witnica

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Witnica
Wappen von Witnica
Witnica (Polen)
Witnica
Witnica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Gorzów
Fläche: 8,21 km²
Geographische Lage: 52° 41′ N, 14° 53′ OKoordinaten: 52° 41′ 0″ N, 14° 53′ 0″ O
Höhe: 17 m n.p.m.
Einwohner: 6822
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 66-460
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FGW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KüstrinGorzów Wielkopolski
Schienenweg: Küstrin–Krzyż Wielkopolski
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 17 Schulzenämter
Fläche: 278,25 km²
Einwohner: 12.998
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 47 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0801073
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Andrzej Zabłocki
Adresse: ul. KRN 6
66-460 Witnica
Webpräsenz: www.witnica.pl



Witnica (deutsch Vietz) ist eine Stadt im Powiat Gorzowski der polnischen Woiwodschaft Lebus mit etwa 13.000 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie liegt in der Neumark, 20 km nordöstlich von Küstrin im Warthebruch und 25 Kilometer westlich von Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vietz westlich der Stadt Landsberg an der Warthe auf einer Landkarte von 1905
Stadtflagge

Das alte Fischerdorf Vietz im Landsberger Land war vermutlich eine Gründung der Templer. Es ist nach dem Flüsschen benannt, von dem es durchflossen wird, der Vietze. Im Jahre 1261 gelangte der Ort aus dem Ordensbesitz zur Mark Brandenburg. Markgraf Otto IV. schenkte anno 1300 dem Kloster Kolbatz verschiedene Ländereien als Grundlage für die Gründung des Tochterklosters Himmelstädt. Mit der Säkularisation des Klosters im Jahre 1539 wurde Vietz zum kurfürstlichen Amtsdorf.

In dem Dorf an der alten Handelsstraße (es war die spätere Reichsstraße 1 AachenBerlinKönigsberg (Preußen), deren Trasse hier die heutige Woiwodschaftsstraße DW 132 folgt) von Küstrin nach Landsberg lebten die Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft und an dem Fließ zur Warthe waren einige Wassermüller ansässig. Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Industrialisierung von Vietz. 1747 entstand eine Strumpf- und Leinenweberei. Für den Bedarf des preußischen Militärs wurde 1753 eine königliche Eisenhütte mit zwei Hochöfen errichtet, die zunächst hauptsächlich Kanonen fertigte. 1842 wurde das Hüttenwerk stillgelegt und nahm nach seinem Verkauf im Jahre 1855 als Eisengießerei und Maschinenfabrik wieder die Produktion auf.

Die Bedeutung des Ortes wuchs durch den Bau der Preußischen Ostbahn (heute Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze), die ab 1857 durch Vietz führte, und vom Bau der Reichsstraße 1 von Aachen bis Königsberg (heute die polnische Woiwodschaftsstraße 312 (droga wojewódzka 132, die Verlängerung der Bundesstraße 1)). Einerseits kam Arbeit durch deren Bau selbst in die Region, andererseits profitierte die Ortschaft später von diesen erstklassigen Verkehrsanbindungen. Im Dorf siedelten sich zahlreiche Betriebe des Maschinenbaus, der Holzverarbeitung und der Baustoffherstellung an. Die 1873 gegründeten Ludwig Hartmann, Dampfziegelwerke, Vietz a.d.Ostbahn, waren 1925, laut dem Vietzer Tageblatt, die größten Ziegelwerke im Regierungsbezirk Frankfurt.[2] Vietz im Landkreis Landsberg (Warthe) war zu dieser Zeit die größte Landgemeinde der Provinz Brandenburg. Seit 1935 ist Vietz eine Stadt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Vietz unter polnische Verwaltung gestellt und anschließend in Witnica umbenannt. In der Folgezeit wurde die gesamte deutsche Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Seit 2016 besteht ein Zugpaar am Tag nach Berlin.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1751 1804 1875 1880 1900 1933 1939 2004 2010
Einwohnerzahl 500 888 3.281[3] 3.956[3] 4.139 5.469[3] 5.637[3] 6.858 13.000[4]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Witnica umfasst ein Territorium von 278 km² auf denen 12.570 Einwohner leben. Dazu gehören neben der Stadt Witnica folgende 17 Ortsteile (deutsche Namen, amtlich bis 1945)[5] mit einem Schulzenamt:

Gut Charlottenhof um 1860, Sammlung Alexander Duncker
  • Białcz (Balz)
  • Białczyk (Neu Balz)
  • Boguszyniec (Brückendorf)
  • Dąbroszyn (Tamsel)
  • Kamień Mały (Stolberg in der Neumark)
  • Kłopotowo (Schützensorge)
  • Krześniczka (Wilkersdorf)
  • Mosina (Massin)
  • Mościce (Blumberg)
  • Mościczki (Blumbergerbruch)
  • Nowe Dzieduszyce (Neu Diedersdorf)
  • Nowiny Wielkie (Döllensradung)
  • Oksza (Woxholländer)
  • Pyrzany (Pyrehne)
  • Sosny (Charlottenhof)
  • Stare Dzieduszyce (Alt Diedersdorf)
  • Świerkocin (Fichtwerder)
  • Fort Sarbinowo (Fort Zorndorf)
  • Grudzia (Gernheim)

Weitere Orte ohne Schulzenamt sind:

  • Bełczek (Pißmühlenbrücke)
  • Dzięciołki (Dreiort)
  • Długie (Försterei Dolgensee)
  • Grzybno (Scharnhorst)
  • Głębocko (Försterei Glambecksee)
  • Głębokie (Glambecksee'er Theerofen)
  • Jadowice (Haidehof)
  • Jeleniec (Hirschgrund)
  • Kamień Wielki (Groß Cammin)
  • Kawczy Las (Glückauf)
  • Kleczewko (Vietzer Schmelze)
  • Kobyliniec (Hegemeisterei)
  • Kociałek (Oberhaide)
  • Kownatki (Entenwerder)
  • Lagów (Logau)
  • Łąki (Försterei Kienwerder)
  • Lisi Kąt (Forsthaus Unterhaide)
  • Ludzisław (Ludwigsgrund)
  • Łupówko (Försterei Loppow)
  • Mokronosy (Mühlenberg)
  • Mościczki (Kirchenvorwerk)
  • Niewiadów (Försterei Rehberg)
  • Objezierze (Altes Vorwerk)
  • Okółka (Reinikenhof)
  • Okrąglica (Ludwigshof)
  • Osmolin (Hinterbruch)
  • Poźrzadło Las (Försterei Spiegel)
  • Poźrzadło (Spiegel)
  • Prądy (Schnellewarthe)
  • Pszczelnik (Kleinheide)
  • Pyrzanki (Pyrehner Holländer)
  • Płowęsy (Stolberg West)
  • Radogoszcz (Radorf)
  • Rań (Groß Rehne)
  • Rozstaje (Stern)
  • Ścibiersko (Försterei Pechbruch)
  • Sienicki Młyn (Sennewitz Mühle)
  • Sucharzewo (Klein Vortheil)
  • Tarnówek
  • Tarnówka (Splinterfelde)
  • Witniczka (Vietzer Feld)
  • Wyrąb (Schneidemühle)
  • Zagajno (Radewiesen)
  • Zamęcie (Wiesenhaus)

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde befindet sich der so genannte Wegweiser-Park. Mit den Exponaten aus Technik, Natur und Politik soll der gemeinsamen Geschichte der Polen und Deutschen gedacht werden. Er erinnert daran, dass übersteigerter Nationalstolz auf das eigene Volk Ursache vielen Übels zwischen den Völkern sei.[6] Der Sammler und eigentliche Schöpfer des Parks, Zbigniew Czarnuch, wurde für sein unspektakuläres, beharrliches Wirken für die polnisch-deutsche Verständigung vom Deutschen Kulturforum östliches Europa im Oktober 2009 in Berlin mit dem Georg Dehio-Kulturpreis ausgezeichnet.[7]

Söhne und Töchter (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 475–476.
  • Patricia Clough: Aachen – Berlin – Königsberg. Eine Zeitreise entlang der alten Reichsstraße 1. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-04210-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Witnica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. GenWiki: Vietzer Tageblatt
  3. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Einwohnerzahlen im Landkreis Landsberg (Warthe). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  4. Homepage Witnica (poln.), abgerufen 24. Juli 2010
  5. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  6. Dietrich Schröder: Ein Weiser erklärt die Welt, in Märkische Oderzeitung, 24. September 2009, S. 10, Artikel online auf Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www4.moz.deMOZ 297715
  7. Zwischen den Grenzpfählen, abgerufen 24. Juli 2010