Witnica

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Witnica
Wappen von Witnica
Witnica (Polen)
Witnica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Gorzowski
Gmina: Witnica
Fläche: 8,21 km²
Geographische Lage: 52° 41′ N, 14° 53′ OKoordinaten: 52° 41′ 0″ N, 14° 53′ 0″ O
Höhe: 17 m n.p.m.
Einwohner: 6822 (31. Dez. 2016)
Postleitzahl: 66-460
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FGW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KüstrinGorzów Wielkopolski
Eisenbahn: Kostrzyn–Krzyż Wielkopolski
Nächster int. Flughafen: Poznań-Ławica



Witnica (deutsch Vietz) ist eine Stadt im Powiat Gorzowski der polnischen Woiwodschaft Lebus mit etwa 6800 Einwohnern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit rund 13.000 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Neumark, 20 km nordöstlich von Küstrin im Warthebruch und 25 Kilometer westlich von Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe).

Heutiges Verwaltungsgebäude
Vietzer Rathaus im 19. Jahrhundert
Brauerei-Gebäude

Bahn-Haltestelle

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Fischerdorf Vietz im Landsberger Land war vermutlich eine Gründung der Templer. Es ist nach dem Flüsschen benannt, von dem es durchflossen wird, der Vietze. Im Jahre 1261 gelangte der Ort aus dem Ordensbesitz zur Mark Brandenburg. Markgraf Otto IV. schenkte anno 1300 dem Kloster Kolbatz verschiedene Ländereien als Grundlage für die Gründung des Tochterklosters Himmelstädt. Mit der Säkularisation des Klosters im Jahre 1539 wurde Vietz zum kurfürstlichen Amtsdorf.

In dem Dorf an der alten Handelsstraße (es war die spätere Reichsstraße 1 AachenBerlinKönigsberg (Preußen), deren Trasse hier die heutige Woiwodschaftsstraße DW 132 folgt) von Küstrin nach Landsberg lebten die Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft und an dem Fließ zur Warthe waren einige Wassermüller ansässig. Das in der Niederung der Warthe liegende Gemeindegebiet war von regelmäßigen Überschwemmungen bedroht.[1]

Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Industrialisierung von Vietz. 1747 entstand eine Strumpf- und Leinenweberei. Für den Bedarf des preußischen Militärs wurde 1753 eine königliche Eisenhütte mit zwei Hochöfen errichtet, die zunächst hauptsächlich Kanonen fertigte. 1842 wurde das Hüttenwerk stillgelegt und nahm nach seinem Verkauf im Jahre 1855 als Eisengießerei und Maschinenfabrik wieder die Produktion auf.

Die Bedeutung des Ortes wuchs durch den Bau der Preußischen Ostbahn (heute Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze), die ab 1857 durch Vietz führte. Einerseits kam Arbeit durch deren Bau selbst in die Region, andererseits profitierte die Ortschaft später von diesen Verkehrsanbindungen. Im Dorf siedelten sich zahlreiche Betriebe des Maschinenbaus, der Holzverarbeitung und der Baustoffherstellung an. Die 1873 gegründeten Ludwig Hartmann, Dampfziegelwerke, Vietz a.d.Ostbahn, waren 1925, laut dem Vietzer Tageblatt, die größten Ziegelwerke im Regierungsbezirk Frankfurt.[2] Vietz im Landkreis Landsberg (Warthe) war zu dieser Zeit die größte Landgemeinde der Provinz Brandenburg. Seit 1935 ist Vietz eine Stadt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Vietz der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt. Anschließend wurde die OrtsbezeichnungWitnica eingeführt. Es begann nun die Zuwanderung von Migranten, die anfangs vorwiegend aus von der Sowjetunion beanspruchten Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen, der sogenannten Kresy. In der Folgezeit nahm die örtliche polnische Verwaltungsbehörde die „wilde“ Vertreibung der gesamten einheimischen Bevölkerung vor, um sie durch Polen zu ersetzen.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1804 888 in 118 Haushaltungen (Feuerstellen)[3]
1818 1089 königliches Dorf und Vorwerk, mit Schäferei und Wassermühle[4]
1840 1646 in 186 Wohngebäuden[5]
1852 2124 [6]
1858 2655 in 253 Häusern, darunter drei Katholiken und 59 Juden,[7]
1867 3000 am 3. Dezember[8]
1871 3060 am 1. Dezember, in 308 Wohngebäuden des Marktfleckens, davon 2967 Evangelische, 15 Katholiken und 78 Juden[8]
1875 3281 [9]
1880 3956 [9]
1910 4313 am 1. Dezember[10][9]
1933 5469 [9]
1939 5637 [9]
Anzahl Einwohner nach Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr 2004 2016
Einwohnerzahl 6858 6822

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Witnica umfasst ein Territorium von 278 km² auf denen 12.570 Einwohner leben. Dazu gehören neben der Stadt selbst 17 Dörfer mit Schulzenämtern.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde befindet sich der so genannte Wegweiser-Park. Mit den Exponaten aus Technik, Natur und Politik soll der gemeinsamen Geschichte der Polen und Deutschen gedacht werden. Er erinnert daran, dass übersteigerter Nationalstolz auf das eigene Volk Ursache vielen Übels zwischen den Völkern sei.[11] Der Sammler und eigentliche Schöpfer des Parks, Zbigniew Czarnuch, wurde für sein unspektakuläres, beharrliches Wirken für die polnisch-deutsche Verständigung vom Deutschen Kulturforum östliches Europa im Oktober 2009 in Berlin mit dem Georg Dehio-Kulturpreis ausgezeichnet.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den ansässigen Unternehmen gehören die Gießerei ZPH Metalkolor[13], die Brauerei Browar Witnica und die Hygienepapierfabrik Lamix[14].

Witnica ist über eine Woiwodschaftsstraße und über eine Bahnstrecke mit Kostrzyn nad Odrą und mit Gorzów Wielkopolski verbunden. Seit 2016 besteht ein Zugpaar am Tag nach Berlin.

Söhne und Töchter (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 475–476.
  • Patricia Clough: Aachen – Berlin – Königsberg. Eine Zeitreise entlang der alten Reichsstraße 1. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-04210-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Witnica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Heinrich Stubenrauch: Nachricht von der Verwaltung und Urbarmachung der Warthebrücher, Verlag C. Spener, Berlin 1787 (online).
  2. GenWiki: Vietzer Tageblatt
  3. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg. Berlin 1809, S. 116.
  4. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 71, Ziffer 334.
  5. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844 S. 125, Ziffer 205.
  6. Güthlein: Topographische Uebersicht des Appellationsgerichts-Departements Frankfurt a/O., Verlag Gustav Harnecker & Co., Frankfurt a/O. 1856, S. 74, Ziffer 193.
  7. W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 457.
  8. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873,S. 148–149, Ziffer 112 .
  9. a b c d e Michael Rademacher: Provinz Mark Brandenburg – Stadt und Landkreis Landsberg a. d. Warthe. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  10. Vietz, Landkreis Landsberg (Warthe), in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Vietz)
  11. Dietrich Schröder: Ein Weiser erklärt die Welt, in Märkische Oderzeitung, 24. September 2009, S. 10, Artikel online auf Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www4.moz.de MOZ 297715
  12. Zwischen den Grenzpfählen, abgerufen 24. Juli 2010
  13. ZPH Metalkolor
  14. Lamix