Wittelsbacher Palais

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Wittelsbacher Palais
Gedenktafel

Das Wittelsbacher Palais stand in München an der Nordost-Ecke von der Brienner Straße und der Türkenstraße. Heute steht an dieser Stelle ein Gebäude der BayernLB.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der rote Backsteinbau, der im Äußeren Elemente der englischen Gotik aufnahm, wurde 1843 bis 1848 von Friedrich von Gärtner und Johann Moninger (Bauleitung) als Kronprinzenpalais für den späteren König Maximilian II. errichtet; nach dem Tod Gärtners wurde er durch dessen Mitarbeiter Carl Klumpp fertiggestellt. 1848 bis 1868 war das Palais dann jedoch nach seiner Fertigstellung stattdessen Alterssitz von König Ludwig I., der es mit seiner neugotischen Architektur nicht schätzte. 1887 bis 1918 diente das Wittelsbacher Palais als Wohnstätte von König Ludwig III. Anfang August 1914 sprach der Monarch bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs vom Balkon des Palais zur Bevölkerung.

1919 war es Tagungsort des Aktionsausschusses der Münchner Räterepublik. Am 5. April 1919 wurde im Wittelsbacher Palais von Vertretern der SPD, USPD, des Bayerischen Bauernbunds und der Arbeiterräte die Ausrufung der Räterepublik beschlossen. Ab Oktober 1933 war es Hauptquartier der Gestapo und ab 1934/35 Gestapo-Gefängnis, in dem auch Sophie und Hans Scholl von ihrer Festnahme am 18. Februar 1943 bis zum Prozess am 22. Februar 1943 inhaftiert waren. Bei den Luftangriffen auf München brannte das Wittelsbacher Palais im Jahr 1944 aus und der Mittelrisalit des Südflügels stürzte weitgehend ein.[1] Das Gebäude wurde jedoch erst im Jahr 1964 ganz abgebrochen.

Seit dem Jahr 1984 erinnert eine Gedenktafel an das Gebäude. Diese befindet sich an der Ecke Brienner Straße/Türkenstraße.

Die beiden sitzenden Löwen zur Rechten und zur Linken am Portal des Wittelbacher Palais waren ebenso wie die Sockel aus Sandstein gefertigt. Sie wurden durch den Bildhauer Johann von Halbig im Auftrag König Ludwigs I. gefertigt und 1909 durch den vom Obersthofmeisterstab beauftragten, aus Vilsingen stammenden Bildhauer Fidelis Enderle erneuert. Die acht Kubikmeter großen und 350 Zentner schweren verarbeiteten Blöcke waren aus Kirchheimer Muschelkalk. Einer der beiden Löwen steht seit 1970 als Denkmal für den im KZ Dachau ermordeten Publizisten Fritz Gerlich vor der Katholischen Akademie in der Mandlstraße, ein weiterer (bei diesem handelt es sich um eine Nachbildung) vor dem Nordeingang der Bayerischen Landesbank an der Gabelsberger Straße.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frauke Kretschmer (Hrsg.): Kriegsschicksale Deutscher Architektur: Verluste - Schäden - Wiederaufbau, Eine Dokumentation für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, Band II: Süd, Neumünster u. Wiesbaden 2000, S. 1407.
  2. Ehrenvoller Auftrag für einen Vilsinger. In: Schwäbische Zeitung vom 25. Mai 2009

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konstantin Köppelmann (Autor), Dietlind Pedarnig (Autor): Münchner Palais, 2016, S. 730, ISBN 978-3-86906-820-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 8′ 39″ N, 11° 34′ 20″ O