Wittelshofen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wittelshofen
Wittelshofen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wittelshofen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 4′ N, 10° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Ansbach
Verwaltungs­gemeinschaft: Hesselberg
Höhe: 434 m ü. NHN
Fläche: 24,23 km2
Einwohner: 1237 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km2
Postleitzahl: 91749
Vorwahlen: 09854, 09853
Kfz-Kennzeichen: AN, DKB, FEU, ROT
Gemeindeschlüssel: 09 5 71 227
Gemeindegliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstr. 15
91749 Wittelshofen
Webpräsenz: www.wittelshofen.de
Bürgermeister: Werner Leibrich (Wählergruppe)
Lage der Gemeinde Wittelshofen im Landkreis Ansbach
Landkreis Donau-Ries Ansbach Fürth Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Fürth Landkreis Roth Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Unterer Wald Lehrberg Adelshofen (Mittelfranken) Bechhofen (Mittelfranken) Bruckberg (Mittelfranken) Buch am Wald Burk Colmberg Dentlein am Forst Diebach Dietenhofen Dinkelsbühl Dombühl Ehingen (Mittelfranken) Feuchtwangen Flachslanden Gebsattel Gerolfingen Geslau Heilsbronn Insingen Langfurth Leutershausen Lichtenau (Mittelfranken) Merkendorf (Mittelfranken) Mönchsroth Neuendettelsau Neusitz Oberdachstetten Ohrenbach Petersaurach Röckingen Rothenburg ob der Tauber Rügland Sachsen bei Ansbach Schillingsfürst Schnelldorf Schopfloch (Mittelfranken) Steinsfeld Unterschwaningen Wassertrüdingen Weidenbach (Mittelfranken) Weihenzell Weiltingen Wettringen (Mittelfranken) Wieseth Windelsbach Windsbach Wittelshofen Wörnitz (Gemeinde) Wolframs-Eschenbach Wilburgstetten Ornbau Mitteleschenbach Herrieden Dürrwangen Burgoberbach Aurach (Landkreis Ansbach) Arberg Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Wittelshofen ist eine Gemeinde im Landkreis Ansbach in Mittelfranken. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hesselberg mit Sitz in Ehingen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Hesselberg auf das Gemeindegebiet

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wittelshofen (434 m ü. NN) liegt an der Mündung der Sulzach in die Wörnitz am Fuße des Hesselbergs.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind:

(Aufzählung im Norden beginnend im Uhrzeigersinn)

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittelshofen besteht aus zehn Ortsteilen[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1274 als „Witelshoven“ erstmals erwähnt. Die Entstehung der Siedlung dürfte aber schon früher erfolgt sein. Dass die am Zusammenfluss von Sulzach und Wörnitz stehende Kapelle dem hl. Martin geweiht war, bietet einen Anhaltspunkt für eine karolinger-zeitliche Gründung im 8. Jahrhundert n. Chr. Im alten Ortskern, auf einer Erhöhung, steht die heutige Pfarrkirche St. Martin, die bis 1627 Filialkirche von St. Johannis in Aufkirchen war. Im Osten des Dorfes befindet sich am Ufer der Sulzach ein Dorfbereich, bei dem es sich möglicherweise um einen weiteren Siedlungskern handelt. Der Norden des Dorfes wird durch eine Wasserburg bestimmt, von der noch Mauer- und Grabenreste sowie ein Teil der Vorburg mit der Zehntscheune erhalten sind. Es ist anzunehmen, dass auf dem Burghügel im 11. Jahrhundert ein Holzturm gestanden hatte, der im 12. Jahrhundert zu einer Steinburg umgebaut wurde. Für die Anlage der Burg in diesem Gelände waren sicher die Wasserverhältnisse des Bodens maßgebend. Im Jahre 1277 verpfändete der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg den Zehnt von Wittelshofen und Gerolfingen an die Herren von Nortenberg. Von 1300 bis 1380 befand sich die Burg im Besitz der Herren von Merkingen, die ihn dem Bürger Wilhelm Hofer von Lobenstein verkaufte. Von diesem ging der Besitz an das Stift St. Gumbertus in Ansbach über, von welchem ihn 1525 die Markgrafen übernahmen. Seitdem ist er in markgräflicher Hand geblieben. Der Einfluss der Markgrafen von Ansbach dauerte bis 1791. Im Jahre 1856 wurde das ehemalige Markgrafenschloss durch Brand zerstört.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem überwiegend evangelischen Ort findet der Hauptgottesdienst sonntäglich in der St. Martinskirche, der katholische Gottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche statt.

In Wittelshofen bestand eine jüdische Gemeinde vom 17. Jahrhundert bis 1938. 1716 lebten bereits 30 jüdische Familien am Ort. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1809/10 mit 282 Personen (ca. 40 % der Gesamteinwohnerschaft von 689 Personen) erreicht. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung stetig zurück (1910 42, 1933 17 jüdische Einwohner). Eine Synagoge war bereits im 18. Jahrhundert vorhanden; eine neue Synagoge wurde am 1. Dezember 1843 eingeweiht. Sie bestand bis zu ihrer Zerstörung beim Novemberpogrom am 10. November 1938. Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Handel mit Vieh und Waren. Ihnen gehörten bis nach 1933 mehrere Geschäfte am Ort. Mindestens 18 der in Wittelshofen geborenen oder längere Zeit hier wohnhaften Personen wurden zwischen 1941 und 1945 in Konzentrationslagern ermordet.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige
Gemeinde
Einwohner
(1970)
Datum Anmerkung
Dühren 1864[3] Umbenennung in Grüb
Grüb 076 01.07.1972[3]
Illenschwang 434 01.07.1972[3] Eingliederung von 253 der 434 Einwohner,
Umgliederung der anderen Einwohner nach Wilburgstetten
Obermichelbach 185 01.05.1978[4]
Untermichelbach 260 01.07.1972[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Wittelshofen mit eingemeindeten Ortsteilen:

  • 1939: 1209 Einwohner
  • 1950: 1742 Einwohner
  • 1961: 1353 Einwohner[4]
  • 1970: 1334 Einwohner[4]
  • 1979: 1182 Einwohner
  • 1991: 1346 Einwohner
  • 1995: 1300 Einwohner
  • 2005: 1362 Einwohner
  • 2010: 1255 Einwohner
  • 2015: 1237 Einwohner

Gemeinde Wittelshofen ohne eingemeindete Ortsteile:

  • 1910: 548 Einwohner[5]
  • 1933: 512 Einwohner
  • 1939: 447 Einwohner[6]
  • 1961: 556 Einwohner[4]
  • 1970: 560 Einwohner[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der letzten Kommunalwahl am 16. März 2014 hat der Gemeinderat zwölf Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

Wählergruppe Illenschwang-Obermichelbach-Untermichelbach-Grüb 6 Sitze
Wählergruppe Wittelshofen 6 Sitze

Gegenüber 2008 ergab sich keine Veränderung bei der Sitzverteilung. Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister Hermann Reichert war nach 24 Amtsjahren nicht mehr zur Wahl am 16. März 2014 angetreten. Werner Leibrich von der Wählergruppe Wittelshofen kam auf 51,98 Prozent der gültigen Stimmen, Günther Harich von der Wählerliste Illenschwang-Obermichelbach-Untermichelbach-Grüb-Dühren erhielt 48,02 Prozent.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappenbeschreibung: Unter von Silber und Schwarz geviertem Schildhaupt, in Blau eine silberne heraldische Lilie.

Die Lilie war das Wappensymbol des Stifts St. Gumbert in Ansbach, sie taucht auf einem Gerichtssiegel auf, das 1556 für Wittelshofen bezeugt ist. Die blaue Feldfarbe versteht sich als Symbol für den Zusammenfluss der Sulzach und der Wörnitz. Das gevierte Schildhaupt lässt sich auf die Markgrafen von Ansbach zurückführen und versinnbildlicht deren Landsherrenschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Römerpark Ruffenhofen liegt zwischen der Romantischen Straße und dem Fränkischen Seenland. Er befindet sich zwischen den Gemeinden Gerolfingen, Wittelshofen und dem Markt Weiltingen. Von der Staatsstraße Dinkelsbühl–Wassertrüdingen ist er ausgeschildert. Am besten lässt sich der Römerpark derzeit mit eigenen Verkehrsmitteln erreichen.
  • Heimatmuseum Heinrich Zoller

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • St. Martinskirche im alten Ortskern von Wittelshofen
  • Katholische Heilig-Kreuz-Kirche Am Rande des Siedlungsgebietes
  • ehemalige Wehrkirche in Illenschwang
  • Michaelskirche in Obermichelbach
  • Kirche St. Leonhard in Untermichelbach

In einem malerischen Seitental der Sulzach liegt Dühren mit der Kirche St. Michael. Das Kirchlein birgt Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die erst 1985 entdeckt und teilweise freigelegt wurden.

Das ehemalige Markgrafenschloss wurde bei einem Brand 1856 zerstört.

Der Grenzwall des Römischen Reiches, der Limes, durchzieht das Gemeindegebiet. Bei Dühren und der Gelsmühle sind noch Reste davon zu finden.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittelshofen ist Ausgangspunkt des geologischen Wanderpfades, der auf die Höhen des Hesselberges führt. An seinem Anfang liegt eine der wenigen Ölschiefergruben in Deutschland, die immer wieder das Ziel von Geologen ist. An Sulzach und Wörnitz brüten noch Kiebitz und Bekassine und der Storch hat auf dem alten Molkereikamin eines seiner letzten Rückzugdomizile in Franken.

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geologischer Lehr- und Wanderpfad auf dem Hesselberg

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt.

Wittelshofen ist Mitglied im Tourismusverband Romantisches Franken, Zweckverband Römperpark Ruffenhofen und im "Touristikverband Hesselberg e.V".

Im Gemeindebereich gibt es einen Kindergarten und eine Grund- und Hauptschule, in der die Klassen 1–9 unterrichtet werden. Weiterführende Schulen gibt es in Wassertrüdingen, Dinkelsbühl, Gunzenhausen und Oettingen. Alle Schulen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die überörtliche Verkehrsanbindung erfolgt über zwei Kreis- und über eine Staatsstraße. Die Autobahnen A 6 und A 7 (Ausfahrt Herrieden und Ausfahrt Ansbach) liegen jeweils ca. 28 km von Wittelshofen entfernt.

Die nächsten Bahnhöfe sind Gunzenhausen (31 km) und Ansbach (38 km). Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg sichergestellt.

Touristische Routen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Deutschen Limesstraße sowie dem Fernwanderweg Alpen–Ostsee. Außerdem führt der Deutsche Limes-Radweg durch die Gemeinde. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau. Wittelshofen liegt auch am Limesweg des Fränkischen Albvereins, einem Teilabschnitt des Deutschen Limes-Wanderwegs.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Kaspar Bundschuh: Wittelshofen. In: Geographisches, statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 6: V–Z. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1804, DNB 790364328, OCLC 833753116, Sp. 271 (franconica.uni-wuerzburg.de).
  • Karl Heinrich von Lang; Heinrich Christoph Büttner: Landgericht Dinkelsbühl. In: Historische und statistische Beschreibung des Rezatkreises. Nr. 2. Johann Lorenz Schmidmer, Nürnberg 1810, S. 31–32 (Digitalisat).
  • Gottfried Stieber: Wittelshofen. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, S. 970–973 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wittelshofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20120324/203238&attr=OBJ&val=1375
  3. a b c d Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 448.
  4. a b c d e Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 707 und 708.
  5. http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?mittelfranken/dinkelsbuehl.htm
  6. http://geschichte-on-demand.de/bay_dinkelsbuehl.html