Witthüser & Westrupp

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Witthüser & Westrupp
Allgemeine Informationen
Genre(s) Liedermacher
Gründung 1969
Auflösung 1973
Website Witthüser & Westrupp – Das Buch
Gründungsmitglieder
Bernd Witthüser
Gesang, akustische, elektrische und 12-saitige Gitarre, Mandoline,
Tenorbanjo, Gitarrenbanjo, Harmonica, Kazoo, Tamburin, Triangel
Walter Westrupp
Gesang, Ukulele, akustische Gitarre, Posaune, Trompete, Harmonium, Xylophon, Psalter, Flöten, Mundharmonika, Zither, Trommel, Waschbrett, Maultrommel, Congas, Glöckchen, Becken, Zimbel, Pauke, Tamburin, Rassel, Kastagnetten, Triangel

Witthüser & Westrupp war ein deutsches Liedermacher-Duo aus Essen. Ihre Besonderheit waren melodische Lieder in deutscher Sprache sowie vielseitige Instrumentierung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1969 schlossen sich Bernd Witthüser und Walter Westrupp als „W & W's Pop-Cabaret“ zusammen. 1970 änderten sie ihren Namen in „Witthüser & Westrupp“. Unter diesem Namen traten sie bis März 1973 als eine klanglich auf Folk basierende Variante des Krautrock zusammen auf.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lieder von Vampiren, Nonnen und Toten

Die erste LP „Lieder von Vampiren, Nonnen und Toten“ wurde im März 1970 in Hamburg aufgenommen und behandelte thematisch das Leben, Sterben und den Tod. Sie erschien auf dem gerade neu gegründeten Label Ohr von Rolf-Ulrich Kaiser. Neben eigenen Texten wurden Gedichte von Heinrich Heine, Novalis, Thomas Rother und Baltus Brösel vertont. Die Musik stammte ausschließlich von Witthüser & Westrupp. Fälschlicherweise wurde auf dem Frontcover nur Bernd Witthüser genannt, der zuvor als "Protestsänger des Ruhrgebiets" bekannt wurde. Die Instrumentierung war, im Gegensatz zu den folgenden LPs, sparsam und einfach gehalten. Ihre Bühnenshow bestand zu dieser Zeit aus nur einem roten und einem grünen Licht – abwechselnd für Liebes- und Sarglieder.

Trips & Träume

„Trips und Träume“, W & Ws zweite LP, wurde im März 1971 in Stommeln im Studio von Dieter Dierks eingespielt. Sie entstand unter Mithilfe der Musiker Bernd Roland und Renée Zucker. Produzenten waren Rolf-Ulrich Kaiser und Gille Lettmann. Die LP erschien ebenfalls auf Ohr. Auf diesem Album befinden sich auch die Lieder „Nimm einen Joint, mein Freund“ und „Laßt uns auf die Reise gehn“ (Text: Thomas Rother), welche zu den bekanntesten der Band zählen. Auf der Bühne arbeiteten Witthüser & Westrupp zu dieser Zeit auch u.a. mit dem Essener Bratschisten Paul Pudel zusammen.

Der Jesuspilz – Musik vom Evangelium

Die dritte LP „Der Jesuspilz“ wurde im August 1971 im Zuge der Jesusbewegung produziert. Sie hatte das Buch „Geheimkult des heiligen Pilzes“ von John Marco Allegro zur Basis. Der Grundgedanke für diese LP war, die Bibel neu zu interpretieren. So wurde der Brösel zur Uressenz des Lebens erklärt, und Jesus spricht seine Jünger mit Jungs an. Die Bibeltexte 1. Mose 1 („Schöpfung“), Lukas 3,21–22; 6,13 („Erleuchtung und Berufung“), Lukas 9,12–17 („Versammlung“), Markus 4,26–32 („Bekenntnis“) und Markus 16,15 („Die Aussendung“) wurden dabei von Witthüser & Westrupp musikalisch umgesetzt und interpretiert. Es wurden noch einige andere Lieder geschrieben, wie z.B. Der Sündenfall, Auferstehung und Himmelfahrt und Vision 1, welche aber – bis auf Vision 1 (Bauer Plath) – nicht veröffentlicht wurden. Aufgenommen wurde die LP wieder im Studio Dierks in Stommeln, wobei Dieter Dierks, neben Gille Lettmann, als Musiker mitwirkte. Diese Produktion wurde von Rolf-Ulrich Kaiser und Gille Lettmann produziert. Das Album erschien auf dem Tochterlabel von Ohr, ebenfalls von Rolf-Ulrich Kaiser gegründet, Pilz. Die Uraufführung der „Jesusoper“ fand in der Apostel-Kirche in Essen statt. Das Medienecho war groß, so dass das Duo in über hundert Kirchen der Bundesrepublik und im Deutschen Fernsehen auftrat.

Bauer Plath

Nachdem W & W mit der Musik vom Evangelium durch ganz Deutschland getourt waren, zogen sie in die Abgeschiedenheit des kleinen Dorfes Dill im Hunsrück zurück. Hier entstand die vierte LP „Bauer Plath“. Gewidmet wurde sie ihrem Vermieter und trägt dessen Namen. Die Anregungen basierten auf deutschen und indischen Märchen sowie Texten von J. R. R. Tolkien und Carlos Castaneda. Musik und Text stammte ausschließlich von Witthüser & Westrupp. Die LP wurde im Juni / Juli 1972 im Studio Dierks in Stommeln aufgenommen. Produziert wurde die LP erneut von Rolf-Ulrich Kaiser und Gille Lettmann. Als Gastmusiker wirkten Jürgen Dollase, Jerry Berkers, Tommy Engel, Harald Großkopf, Gille Lettmann, Antje Dahlhaus und Dieter Dierks mit. Die LP stammt von der gleichen Session, in der auch Jerry Berkers' „Unterwegs“-Album entstand. Bauer Plath erschien ebenfalls auf dem Pilz-Label.

Parallel zu den Studioarbeiten waren Witthüser & Westrupp regelmäßig auf Tournee. Sie spielten in Clubs und auf Kabarett-Bühnen (z.B. im Mainzer Unterhaus). In Berlin traten sie mit Ingo Insterburg, Reinhard Mey, Ulrich Roski, Schobert und Black und Hannes Wader auf. Sie spielten auf diversen Pop- und Blues-Festivals, so auch auf dem Fehmarn-Festival am 6. September 1970, wo sie vor Jimi Hendrix auftraten. Sie absolvierten diverse Fernsehauftritte, u.a. zusammen mit Insterburg & Co., Franz Josef Degenhardt und Wallenstein. Ebenfalls zu hören war das Duo bei Produktionen von Klaus Schulze, Tangerine Dream, Sergius Golowin, Walter Wegmüller, Hoelderlin und Bröselmaschine.

Im März 1973 löste sich Witthüser & Westrupp auf. Bernd Witthüser reiste nach Indien, ging anschließend nach Berlin und später nach Italien, wo er auch noch heute lebt. Walter Westrupp ließ sich wieder in Essen nieder.

Ende 1973 wurde eine Live-Doppel-LP mit Konzertmitschnitten aus Freiburg und Koblenz veröffentlicht. Diese letzte LP des Duos wurde von Dieter Dierks abgemischt und von Rolf-Ulrich Kaiser und Gille Lettmann produziert. Darauf enthalten waren auch Lieder, die auf keiner der vorherigen LP veröffentlicht worden waren. Diese LP kann als repräsentativer Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens gesehen werden.

Eine DVD, die von Walter Westrupp 2005 unter dem Titel „Als wäre es gestern erst gewesen“ veröffentlicht wurde, zeigt den Werdegang der beiden Musiker anhand von alten Fernsehaufzeichnungen, Dokumentationen und Bildern von 1968 bis 2003 einschließlich der Geschichte ihrer Erfindung (der Teebeutelhochhebmaschine – TEHOMA) sowie das Solo-Konzert für elektrische Kaffeemühle.

Die Geschichte des Duos wird ausführlich in Walter Westrupps Online-Buch „68er nach Noten“ beschrieben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]