Wittichenau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wittichenau
Wittichenau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wittichenau hervorgehoben
Koordinaten: 51° 23′ N, 14° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 60,68 km²
Einwohner: 5800 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 96 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02997
Vorwahl: 035725
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 640
Stadtgliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
02997 Wittichenau
Webpräsenz: www.wittichenau.de/stadt
Bürgermeister: Markus Posch (CDU)
Lage der Stadt Wittichenau im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild
Die katholische Kirche im Stadtzentrum

Wittichenau, sorbisch Kulow, ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Bautzen in der Oberlausitz. Die Bevölkerung ist teils sorbischer, teils deutscher Muttersprache.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittichenau liegt etwa fünf Kilometer südlich der Stadt Hoyerswerda an der Schwarzen Elster. Durch das Stadtgebiet fließen als weitere kleine Flüsse das Schwarzwasser und das Klosterwasser, die hier in die Schwarze Elster münden. Als einer ihrer Seitenarme verläuft in der Nähe der Stadt der vom Reichsarbeitsdienst angelegte Hochwasserschutzkanal Wudra. Die Umgebung ist flach, wasserreich und teils dicht bewaldet.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt besteht aus folgenden zwölf Ortsteilen:

  • Brischko (Brěžki), 180 Einwohner
  • Dubring (Dubrjenk), 93 Ew.
  • Hoske (Hózk), 150 Ew.
  • Keula (Kulowc), 196 Ew.
  • Kotten (Koćina), 215 Ew.
  • Maukendorf (Mučow), 459 Ew.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung fand Wittichenau im Jahre 1248 als Witigenow in der Stiftungsurkunde des Klosters St. Marienstern durch die Herren von Kamenz. Im Jahre 1286 wurde der Ort dann erstmals als Stadt, civitatem Witigenhaw, bezeichnet. Als Gründer des Ortes darf der in der Urkunde genannte Witego I. von Kamenz angenommen werden, auf den auch der Name Witigenow zurückgeht. Der Ursprung des sorbischen Namens stammt vom Namen des Nachbarortes Keula (Kulowc). Das bedeutet „kleines Runddorf“. Im Kontext mit der Belagerung der Sechsstadt Kamenz durch die Hussiten am 7. Oktober 1429 wurden das ungeschützte Landstädtchen und seine Herrschaft, das Zisterzienser-Kloster St. Marienstern, heimgesucht und ausgeplündert, weil sie das geforderte Lösegeld nicht bezahlen wollten.

Bis ins 18. Jahrhundert gehörte die Stadt gemeinsam mit vielen anderen sorbischen Siedlungen zum „Niederland“ der Klosterpflege St. Marienstern.

Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses kamen die Niederlausitz und Teile der Oberlausitz von Sachsen an Preußen, und so gehörte Wittichenau mit den näher umliegenden Dörfern zwischen 1815 und 1945 zum Königreich Preußen Provinz Schlesien.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1957 wurde Brischko eingemeindet. Am 1. Januar 1978 folgte Keula. Nach der Wende vergrößerte sich Wittichenau am 1. Januar 1994 um Dubring, Hoske (mit dem am 1. Juli 1950 eingegliederten Rachlau), Kotten (mit dem am 1. Juli 1950 eingegliederten Saalau), Maukendorf und Sollschwitz.[3] Am 1. Januar 1995 wurde Spohla eingemeindet.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortswappen
Das Wappen zeigt in Gold die blau und rot gewandete, mit silbernem Heiligenschein versehene Jungfrau Maria. In der Linken hält sie das mit silbernem Heiligenschein versehene Jesuskind und in der Rechten einen Stab, auf dem eine stilisierte silberne Taube sitzt. Maria steht auf einer silbernen Mondsichel, deren nach oben zeigende Enden mit je drei stilisierten silbernen Blumen verziert sind.

Das Wappen basiert auf dem einzig bekannten Wappen der Stadt aus dem 17. Jahrhundert, welches wiederum aus dem Wappen des Klosters der Zisterzienserinnen St. Marienstern entstanden ist.

Bevölkerung und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 2500, davon eine Hälfte sorbisch- und die andere deutschsprachig.[5] Ernst Tschernik zählte 1956 in der Stadt Wittichenau (mit Neudorf-Klösterlich) noch einen sorbischsprachigen Anteil von 32,4 % der Bevölkerung.[6] Bis heute wird in Wittichenau und insbesondere seinen Ortsteilen auch Sorbisch gesprochen.

Laut der Volkszählung von 2011 waren zu diesem Zeitpunkt von 5.879 Einwohnern 3.397 römisch-katholisch (57,8 %), 467 evangelisch (7,9 %) und 2.015 gehörten einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an (34,3 %).[7]

Laut einer Umfrage unter 12.700 Lesern der Sächsischen Zeitung leben in Wittichenau die glücklichsten Menschen in Sachsen.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[9]
Wahlbeteiligung: 70,7 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,7 %
(-2,2 %p)
31,3 %
(-3,0 %p)
6,0 %
(-0,9 %p)
8,0 %
(n. k.)
ABV
WVM
2009

2014

Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 sitzen von insgesamt 16 Stadträten von Wittichenau neun für die CDU (2009: 9), fünf für die Allgemeine Bürgervertretung (6) und einer für die Wählervereinigung Maukendorf (1) im Stadtparlament.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften bestehen mit Tanvald (Tschechien), Bad Honnef (Deutschland) und Lubomierz (dt.: Liebenthal) (Polen).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Krabat-Säule auf dem Marktplatz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den wichtigsten Baudenkmälern gehört die Katholische Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ im Stadtzentrum, die nach der Zerstörung durch die Hussiten im Jahr 1429 in den Folgejahren bis 1440 wiederaufgebaut wurde. Die dreischiffige Pseudobasilika wurde 1527 nach Osten verlängert und mit einem Gewölbe vollendet. Der Hauptaltar aus Stuckmarmor wurde 1722/23 von Mathias Wenzel Jäckel (Prag, aus Wittichenau gebürtig) entworfen. Die Ausstattung der Kirche ist weitgehend barock.

In Wittichenau befinden sich zudem mehrere historische Mühlen, darunter die Schowtschickmühle – bis 1560 Kubitzmühle – die letzte von drei Wassermühlen am Rande des Dubringer Moores. Die Pasternakmühle und die Mittelmühle wurden um 1900 abgetragen. Die Kober-Mühle (früher Koßlickmühle) war bis in die 1920er Jahre Papiermühle und dient heute als Getreidemühle. Die Stadtmühle wurde um 1650 erstmals erwähnt.

Auf dem Marktplatz des Städtchens befinden sich sowohl eine rekonstruierte kursächsische Postmeilensäule von 1732, deren Originalschriftblock im Schlossmuseum Hoyerswerda steht, als auch die Krabatsäule, welche an den kroatischen Obristen Johann Schadowitz erinnert, auf den die sorbische Sage vom Krabat zurückgeht. An seinem Grab in der katholischen Kirche erinnert eine Gedenktafel an ihn. Heutzutage verläuft außerdem der Radwanderweg „Auf den Spuren des Krabat“ durch Wittichenau.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den kulturellen Höhepunkten gehören unter anderem das Osterreiten und die Karnevalszeit (Wittichenauer Karnevalsverein e.V.). Den Karneval in Wittichenau gibt es bereits seit dem Jahr 1706.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Wittichenau verfügt über die Krabat-Grundschule sowie die Oberschule „Korla Awgust Kocor“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg August Swotlick (1650–1729), übersetzte die Bibel ins Sorbische und schuf das erste gedruckte sorbische Wörterbuch.
  • Mathias Wenzel Jäckel (1655–1738), war ein bedeutender Barockbildhauer, Werke sind zu sehen in der Wittichenauer Pfarrkirche und auf der Karlsbrücke in Prag.
  • Xaver Jakub Ticin (1656–1693), verfasste die erste obersorbische Grammatik, starb als Feldkaplan im Türkenkrieg vor Belgrad.
  • Franz Georg Lock (1751–1831), Bischof, war ein bedeutender Vertreter der Katholischen Aufklärung in der Oberlausitz.
  • Herta Nikovich (1923–1994) hinterließ als Stifterin der „Wittichenauer Kinder – Mrs. Nikovich-Stiftung“ 102.000 Dollar für die Förderung der Erziehung, der Volks- und Berufsbildung, der Jugendpflege und der Jugendfürsorge aller Kinder der Stadt Wittichenau. Sie stammte aus der Stadt und verbrachte ihr Leben in den Vereinigten Staaten.
  • Günter Särchen (1927–2004), katholischer Sozialpädagoge, Publizist und Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung, ist Ehrenbürger von Wittichenau.
  • Hubertus Zomack (* 1941), katholischer Theologe und Priester, war Generalvikar des Bistums Görlitz.
  • Waltraut Skoddow (1942–2014), Schriftstellerin.
  • Ulrich Pogoda (* 1954), ist ein sorbischer Komponist klassischer Musik.
  • Peter Schowtka (* 1945), ist Abgeordneter im Sächsischen Landtag und war von 1990 bis 1994 Bürgermeister von Wittichenau.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Stand: 31. Dezember 2012
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995
  5. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.
  6. Ludwig Elle: Sprachenpolitik in der Lausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, S. 250.
  7. Zensusdatenbank auf zensus2011.de
  8. Elke Görlitz, Sebastian Böttler: Wo das Glück zu Hause ist. In: Sächsische Zeitung. 11. Oktober 2014, ZDB-ID 2448502-0, S. 2.
  9. statistik.sachsen.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wittichenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Wittichenau – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Wittichenau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen