Witwenvögel

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Witwenvögel
Dominikanerwitwe (Vidua macroura)

Dominikanerwitwe (Vidua macroura)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Witwenvögel
Wissenschaftlicher Name
Viduidae
Cabanis, 1847
Spitzschwanz-Paradieswitwe
Ein männlicher Kuckucksfink. Kuckucksfinken unterscheiden sich in ihrem Erscheinungsbild auffällig von denen anderer Arten dieser Familie

Die Witwenvögel (Viduidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes). Es handelt sich um Brutparasiten mit einem auffälligen Sexualdimorphismus, bei den meisten Arten entwickeln die Männchen in der Fortpflanzungszeit sehr lange Steuerfedern. Das Schlichtkleid ist dagegen unauffällig. Der Schwanz weist insgesamt 12 Federn auf, davon werden die inneren zwei Paare zweimal im Jahr von den Männchen gemausert.[1] Die anderen Steuerfedern werden nur einmal im Jahr gemausert. Witwenvögel kommen ausschließlich in Afrika südlich der Sahara vor.

Davon abweichend haben die Männchen des Kuckucksfinks (Anomalospiza imberbis) ein leuchtend gelbes Gefieder, während die Weibchen bräunlich sind. Kuckucksfinken bewohnen offenes Grasland und sie parasitieren mehrere Arten der Halmsängerartigen.

Witwenvögel als Brutparasiten der Prachtfinken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Witwenvogelarten sind Brutparasiten, wobei als Brutwirt ausschließlich Arten der Prachtfinken genutzt werden. Die meisten Witwenarten haben sich dabei auf eine Prachtfinkenart spezialisiert; nur bei wenigen Arten werden zwei oder drei sehr nah verwandte Prachtfinkenarten von den Witwenvögeln als Brutwirt genutzt. Die Neigung einiger afrikanischer Prachtfinkenarten, sogenannte Hahnennester zu errichten, wird als eine mögliche Abwehrstrategie dieser Arten gesehen, um den Brutparasitismus zu verhindern.[2]

Die Anpassung zwischen den Wirtsvögeln und den Witwenvögeln geht dabei sehr weit. Die Eier der Witwenvögel aus der Gattung Vidua gleichen denen der Prachtfinken; sie sind lediglich etwas größer. N. B. Davies weist aber allerdings darauf hin, dass sowohl die Vidua-Arten als auch die parasitierten Wirtsvögel weiße Eier legen. Dies deutet er als Hinweis darauf, dass beide eine enge Entwicklungsgeschichte haben.[3] Die Weibchen der Vidua legen gewöhnlich nur jeweils ein Ei in das Nest ihres Wirtsvogel und entfernen auch keine der Eier des Gelege. Anders als beim Kuckuck entfernt ein schlüpfender Witwenvogel nicht die Eier und Jungvögel seiner Wirtsfamilie, sondern wächst gemeinsam mit den Stiefgeschwistern auf. Die Jungvögel der Witwenvögel haben dabei die gleiche Rachenzeichnung, Papillen oder Schnabelrandwülste wie die jungen Prachtfinken. Auch im Federkleid, mit ihren Bettelbewegungen und -lauten gleichen sie den Jungvögeln der Brutwirte. Bei ausgewachsenen Witwenmännchen kann man am Gesang erkennen, von welcher Prachtfinkenart sie aufgezogen wurden. Lediglich die Dominikanerwitwe, die den Wellen- und den Grauastrild als Brutvogel nutzt, und die Glanzwitwe, die ihre Jungen von Elfen- und Feenastrilden aufziehen lässt, haben einen arteigenen Gesang, der nicht an den der Wirtsfamilie erinnert.

Beim Kuckucksfink, dem einzigen Vertreter der Gattung Anomalospiza, sind die Eier blass bläulich mit einer roten Fleckung. Nach Ansicht von N.B. Davies ist dies Folge einer Anpassungsentwicklung.[4] Die Ablage durch den Kuckucksfink geht auch gewöhnlich mit dem Verschwinden eines Eies aus dem Gelege des Wirtsvogels einher. Allerdings wurde dies noch nie direkt beobachtet. Die Nestlinge der Kuckucksfinken unterscheiden sich auch deutlich von dem ihres Wirtsvogel und es gibt keine Mimikrie der Rachenzeichnung. Nestlinge des Kuckucksfinken werfen weder Eier noch Nestlinge aus dem Nest wie es ein frisch geschlüpfter Kuckuck beispielsweise tut. Allerdings ist der Nestling des Kuckucksfinken beim Betteln um Futter durchsetzungsfähiger und in einem parasitierten Nest wächst gewöhnlich kein Nestling des Wirtsvogels heran.[4]

Gattungen und Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • N. B. Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. T & AD Poyser, London 2000, ISBN 0-85661-135-2.
  • C. Hilary Fry und Stuart Keith (Hrsg): The Birds of Africa – Volume VII., Christopher Helm, London 2004, ISBN 0-7136-6531-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Viduidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fry et al., S. 419
  2. Jürgen Nicolai (Hrsg), Joachim Steinbacher (Hrsg), Renate van den Elzen, Gerhard Hofmann, Claudia Mettke-Hofmann: Prachtfinken - Afrika, Serie Handbuch der Vogelpflege, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4964-3, S. 258
  3. Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. S. 22
  4. a b Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. S. 23.