Wladimir Michailowitsch Bechterew

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Bechterew (1912)
Bechterews Grab in Sankt Petersburg

Wladimir Michailowitsch Bechterew (russisch Владимир Михайлович Бехтерев; * 20. Januarjul./ 1. Februar 1857greg. im Dorf Sorali, Gouvernement Wjatka; † 24. Dezember 1927 in Moskau) war ein russischer Neurologe, Neurophysiologe und Psychiater. Er untersuchte den Aufbau des Gehirns, erforschte konditionierte Reflexe und war einer der führenden Vertreter der verhaltenskundlichen Reflexkettentheorie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bechterew, der Sohn eines Polizeioffiziers, studierte an der Militärmedizinischen Akademie St. Petersburg, wo er sein Medizinstudium 1878 abschloss. Er begann seine ärztliche Laufbahn in der Psychiatrischen Klinik und habilitierte sich 1881 in Neurologie und Psychiatrie. 1884 unternahm er Studienreisen und wurde Schüler von Jean-Martin Charcot in Paris und Wilhelm Wundt in Leipzig. Wieder in Russland wurde er 1885 Professor der Psychiatrie in Kasan und ab 1893 an der Militärmedizinischen Akademie in Sankt Petersburg. 1886 gründete er in Kasan das erste russische experimentalpsychologische Labor und 1903 in Sankt Petersburg das Psychoneurologische Labor, dessen Leiter er ab 1908 wurde.

Bechterew erforschte angeborene und erlernte Reflexe. Unabhängig von Iwan Pawlow entwickelte er eine Theorie der konditionierten Reflexe. Er zählt damit zu den Begründern der objektiven Psychologie russischer Prägung und den Vätern der Verhaltenstherapie.

Als Professor in Kasan war Bechterew auch neuroanatomisch tätig gewesen und hatte Verläufe neuronaler Leitungsbahnen in Gehirn und Rückenmark beschrieben. Der Hirnnervenkern Nucleus vestibularis superior wird synonym auch Bechterew-Kern genannt. Weltbekannt wurde Bechterew durch die nach ihm benannte Wirbelsäulenerkrankung Morbus Bechterew (Bechterewsche Krankheit), die er zwar nicht als erster beschrieben, für die er aber eine im deutschen Sprachraum besonders beachtete Beschreibung geliefert hat.

Wladimir Bechterew starb 1927 im Alter von 70 Jahren an einer Vergiftung. Angeblich wurde er auf Geheiß Stalins ermordet, nachdem Bechterew dem Generalsekretär zwei Tage zuvor eine schwere Paranoia diagnostiziert hatte. Einige Jahre später wies Andrei Wyschinski als Stalins Chefankläger ein Gericht an, Bechterews Sohn Pjotr zum Tode zu verurteilen und dessen Familie in ein Lager einzuweisen.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Verbrechertum im Lichte der objektiven Psychologie. Wiesbaden 1914.
  • Martin Pappenheim (Hrsg.): Allgemeine Grundlagen der Reflexologie des Menschen. F. Deuticke, Wien 1926.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regine Pfrepper (Hrsg.): Vladimir Michajlovič Bechterev (1857–1927): neue Materialien zu Leben und Werk . Shaker, Aschen 2007.
  • Barbara I. Tshisuaka: Bechterew, Wladimir Michailovich von. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 158.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wladimir Bechterew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donald Rayfield: Stalin und seine Henker. Blessing Verlag, München 2004, ISBN 3-89667-181-2, S. 198 f.