Wladislaw Alexandrowitsch Tretjak

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SowjetunionSowjetunion  Wladislaw Tretjak Eishockeyspieler
Hockey Hall of Fame, 1989
IIHF Hall of Fame, 1997
Wladislaw Tretjak
Geburtsdatum 25. April 1952
Geburtsort Orudjewo, Oblast Moskau, Russische SFSR
Spitzname Mann mit den 1000 Händen
Größe 183 cm
Gewicht 91 kg
Position Torwart
Fanghand Links
Draft
NHL Entry Draft 1983, 7. Runde, 138. Position
Montréal Canadiens
Karrierestationen
1969–1984 HK ZSKA Moskau

Wladislaw Alexandrowitsch Tretjak (russisch Владислав Александрович Третьяк; * 25. April 1952 in Orudjewo, Oblast Moskau, Russische SFSR) ist ein russischer Eishockeytorwart. Während seiner aktiven Zeit galt der Nationaltorwart der sowjetischen Eishockeynationalmannschaft als weltbester Torwart und trug den Spitznamen „Mann mit den tausend Händen“.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wladislaw Tretjak wurde am 25. April 1952 in einem Dorf nach Dmitrow geboren. Er stammt aus einer ukrainischen Familie, seine beiden Eltern kamen ursprünglich aus Sumy. Sein Vater war 37 Jahre lang Pilot der sowjetischen Luftwaffe, während seine Mutter als Sportlehrerin arbeitete. Wie sein älterer Bruders begann er als Kind mit dem Schwimmsport, probierte aber auch das Tauchen und Turmspringen. Mit seinen Eltern ging er jeden Sonntag zum Eislauf in den Gorki-Park.[1]

Später entdeckte er den alten Feldhockeyschläger seiner Mutter und verwandelte den Hof und Garten der elterlichen Wohnung in einen Eishockeyübungsplatz.[2] Im Alter von 11 Jahren meldete ihn seine Mutter in der Kinder- und Jugendsportschule des ZSKA Moskau an, an der er aufgrund seiner Vorkenntnisse im Schlittschuhlaufen angenommen wurde. Unter Trainer Witali Jerfilow spielte er zunächst als Stürmer. Aufgrund der Knappheit von Spielerausrüstungen wechselte er bald auf die unbesetzte Position des Torhüters, da er dadurch sofort eine komplette Ausrüstung erhielt.[1]

Seine erste Verletzung erlitt er im Alter von 12 Jahren, als er einen Pucktreffer im Gesicht erhielt. Aus Angst, aus dem Team geschmissen zu werden, meldete er die Verletzung nicht sofort.[2]

Im Sommer 1967 interessierte sich erstmals der Cheftrainer der Herrenmannschaft, Anatoli Tarassow, für Wladimir Tretjak und ließ ihn als vierten Torhüter beim Training der Herren mitwirken.[2]

Zwischen Dezember 1967 und Anfang Januar 1968 fand in Finnland die erste U19-Europameisterschaft statt, bei der Tretjak mit der U19-Nationalmannschaft die Silbermedaille gewann. Der damalige U19-Nationaltrainer, Nikolai Putschkow, charakterisierte Tretjak in einem Zeitungsinterview als hervorragenden Torhüter: „Im Allgemeinen mache ich jungen Leuten keine Komplimente ..., aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Ich habe einen Jungen namens Wladimir, der mich mit seiner erstaunlichen Reaktionsfähigkeit, Beweglichkeit und Mut begeistert.[3]

Während der Saison 1968/69 debütierte er in der sowjetischen Meisterschaft, der damaligen Klass A, für die Herrenmannschaft des ZSKA und absolvierte insgesamt drei Partien bis zum Saisonende. Parallel dazu spielte er weiter für die U19-Juniorenmannschaft des Armeesportklubs, wurde mit dieser 1969 Juniorenmeister der UdSSR und als bester Torhüter der U19-Junioren ausgezeichnet.[4] Außerdem nahm er mit der U19-Nationalmannschaft an der Junioren-Europameisterschaft 1969 teil, bei der zwei Partien absolvierte und die Goldmedaille gewann.

Aufstieg zum Stammtorhüter beim ZSKA und der Sbornaja[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Saison 1969/70 gewann er mit dem ZSKA seinen ersten sowjetischen Meistertitel und absolvierte dabei 34 der 44 Saisonspiele, womit sein Aufstieg zum Stammtorhüter – trotz seines Alters von 17 Jahren – besiegelt war. Der ZSKA beendete die Saison mit zehn Punkten Vorsprung vor Spartak Moskau. Im Dezember 1969 debütierte er als 17-Jähriger in der sowjetischen A-Nationalmannschaft, der sogenannten Sbornaja, beim Iswestija-Pokal, einem in Moskau ausgetragenen Wettbewerbs für Nationalmannschaften. Dort trat die Nationalmannschaft mit zwei sehr jungen Torhütern an – Wladimir Schepowalow mit 21 Jahren und Wladislaw Tretjak.[5] Sein erstes A-Länderspiel war die Partie gegen Finnland, im weiteren Turnierverlauf absolvierte er die zweite Hälfte des Spiels gegen Kanada, die Partie gegen Schweden sowie zehn Minuten Eiszeit gegen die Tschechoslowakei.

Außerdem gewann er im Januar 1970 die Goldmedaille bei der Junioren-Europameisterschaft. Seine Saison endete bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 1970 mit dem Gewinn seiner ersten Goldmedaille bei Herren-Weltmeisterschaften.

Er blieb noch weitere 15 Jahre dort und konnte insgesamt 482 Spiele für ZSKA bestreiten, wobei er jedoch nur 1158 Tore zuließ.

Er spielte 287 Mal für die UdSSR. In dieser Zeit konnte er mit seiner Mannschaft 10 Gold-, 1 Silber- und 2 Bronzemedaillen bei den Eishockey-Weltmeisterschaften gewinnen. In 98 Spielen hatte er einen Schnitt von lediglich 1,78 Gegentoren. Seine größte Niederlage war bei den Olympischen Winterspielen 1980 im legendären Spiel (Miracle on Ice) gegen die USA: Das Spiel ging 4:3 verloren, und er wurde zudem am Ende des ersten Drittels von seinem damaligen Trainer Wiktor Tichonow durch Wladimir Myschkin ersetzt.

Bei Olympischen Winterspielen konnte er mit seiner Mannschaft drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille erringen. Beim Canada Cup 1981, den die UdSSR gewann, wurde er zum Most Valuable Player gewählt. 1981, 1982 und 1983 wurde Tretjak von der Tageszeitung Iswestija mit dem goldenen Schläger als bester europäischer Spieler des Jahres ausgezeichnet und ist gemeinsam mit Wjatscheslaw Fetissow, der ebenfalls drei Mal die Auszeichnung gewann, Rekordgewinner.[6]

Tretjak wollte ab dem Canada Cup bei den Montréal Canadiens in der NHL spielen. Beim NHL Entry Draft 1983 wurde er von ihnen in der 7. Runde an 138. Stelle gezogen. Dieser Traum zerplatzte jedoch aufgrund des Eisernen Vorhangs. 1984 streikte er bei ZSKA und in der Nationalmannschaft. Tichonow verbot den Wechsel und Tretjak beendete daraufhin seine Karriere.[7]

Als Trainer und Funktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tretjak und Irina Rodnina entzünden das olympische Feuer bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi

1989 wurde er als erster sowjetischer Eishockeyspieler überhaupt mit der Aufnahme in die Hockey Hall of Fame geehrt.

Am 25. April 2006 wurde er zum Präsidenten des Russischen Eishockeyverbandes ernannt. Nur wenige Tage später, am 28. April 2006, erhielt er die Meritorious Service Medal durch den Generalgouverneur von Kanada. Diese Auszeichnung wurde ihm für seine Bemühungen um die kanadisch-russischen Beziehungen verliehen.[8]

Bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi war Tretjak gemeinsam mit Irina Rodnina Schlussläufer des olympischen Fackellaufs, der am Ende mit der Fackel das olympische Feuer entzündete. Anlässlich der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo führte er die sowjetische Mannschaft als Fahnenträger an.

Erfolge und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

National[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1969 U19-Meister der UdSSR und U19-Torhüter des Jahres
  • 1970 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1971 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1971 All-Star-Team der Wysschaja-Liga
  • 1972 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1973 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1973 Sowjetischer Pokalsieger
  • 1974 Spieler des Jahres und All-Star-Team der Wysschaja Liga
  • 1974 Sowjetischer Pokalsieger
  • 1975 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1975 Spieler des Jahres der Wysschaja Liga
  • 1975 Sowjetischer Pokalsieger
  • 1976 Spieler des Jahres der Wysschaja Liga
  • 1976 Sowjetischer Pokalsieger
  • 1977 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1977 Sowjetischer Pokalsieger
  • 1978 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1979 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1979 Sowjetischer Pokalsieger
  • 1980 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1981 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1981 Spieler des Jahres der Wysschaja Liga
  • 1982 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1983 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau
  • 1983 Spieler des Jahres der Wysschaja Liga
  • 1984 Sowjetischer Meister mit ZSKA Moskau

Europapokal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tretjak wird mit dem Verdienstorden für das Vaterland, III. Grad, geehrt (2012)
2017 erhielt Tretjak den Verdienstorden für das Vaterland, II. Grad

Orden und Medaillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karrierestatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Legende zur Torhüterstatistik: GP oder Sp = Spiele insgesamt; W oder S = Siege; L oder N = Niederlagen; T oder U oder OT = Unentschieden oder Overtime- bzw. Shootout-Niederlage; Min. = Minuten; SOG oder SaT = Schüsse aufs Tor; GA oder GT = Gegentore; SO = Shutouts; GAA oder GTS = Gegentorschnitt; Sv% oder SVS% = Fangquote; EN = Empty Net Goal; 1 Play-downs/Relegation)

Wysschaja Liga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Team Liga Sp Min S U N GT GTS SO
1968/69 ZSKA Moskau Klass A 3 180 2 0,67
1969/70 ZSKA Moskau Klass A 34 2040 76 2,24
1970/71 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 40 2400 81 2,03
1971/72 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 30 1800 78 2,6
1972/73 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 30 1800 80 2,67
1973/74 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 27 1620 94 3,48
1974/75 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 35 2100 104 2,97
1975/76 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 33 1980 100 3,03
1976/77 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 35 2100 98 2,8
1977/78 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 29 1740 72 2,48
1978/79 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 40 2400 111 2,78
1979/80 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 36 2160 85 2,36
1980/81 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 18 1080 32 1,78
1981/82 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 41 2295 34 3 4 65 1,7 6
1982/83 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 29 1641 25 1 3 40 1,46 6
1983/84 ZSKA Moskau Wysschaja Liga 22 1267 22 0 0 40 1,89 4

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Team Liga Resultat Sp Min S U N GT GTS SO
1968 UdSSR U19-EM Silber 1 20 1 3 0
1969 UdSSR U19-EM Gold 2
1970 UdSSR U19-EM Gold 2
1970 UdSSR WM Gold 6 215 2 4 1,12 1
1971 UdSSR U19-EM Gold 3 180 5 1,67
1971 UdSSR WM Gold 5 241 6 1,49
1972 UdSSR Olympia Gold 4 240 10 2,5
1972 UdSSR WM Silber 8 430 15 2,09
1972 UdSSR Summit Series - 8 480 3 1 4 31 3,88 0
1973 UdSSR WM Silber 7 420 14 2
1974 UdSSR WM Silber 8 440 12 1,64
1974 UdSSR Summit Series - 7 420 3 3 1 25 3,57 0
1975 UdSSR WM Gold 8 449 18 2,41
1976 UdSSR Olympia Gold 4 240 10 2,5
1976 UdSSR WM Silber 10 577 19 1,98
1976 UdSSR Canada Cup Platz 3 5 300 2 1 2 14 2,8 1
1977 UdSSR WM Bronze 9 482 17 2,12
1978 UdSSR WM Gold 8 480 21 2,63
1979 UdSSR Challenge Cup 2 120 8 4
1979 UdSSR WM Gold 7 407 12 1,77
1980 UdSSR Olympia Silber 5 220 9 2,45
1981 UdSSR WM Gold 7 420 13 1,86
1981 UdSSR Canada Cup Platz 1 6 360 5 1 0 8 1,33 0
1982 UdSSR WM Gold 8 464 19 2,46
1983 UdSSR WM Gold 7 420 4 0,57
1984 UdSSR Olympia Gold 6 360 4 0,67

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wladislaw Tretjak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b « Биография/ Детство » (Memento vom 24. März 2017 im Internet Archive) auf tretyak.ru
  2. a b c Legends of Hockey - Spotlight - One on One with Vladislav Tretiak. In: hhof.com. 18. Mai 2004, abgerufen am 14. August 2019.
  3. Владислав Третьяк отмечает юбилей. In: ria.ru. 25. April 2007, abgerufen am 14. August 2019 (russisch).
  4. Championnat junior d'URSS 1968/69 bei hockeyarchives.info (französisch)
  5. Tournoi des Izvestia (du 1er au 8 décembre 1969 à Moscou, URSS) bei hockeyarchives.info (französisch)
  6. Stephan Müller: International Ice Hockey Encyclopaedia 2005, S. 8
  7. Der kanadische Traum; Der Spiegel 15/1983 com 11. April 1983, S. 212–215; abgerufen am 25. September 2013
  8. Governor General announces 14 Meritorious Service Decorations (Memento vom 10. Mai 2006 im Internet Archive); Mitteilung des Büros des Generalgouverneurs von Kanada vom 27. März 2006; abgerufen am 25. September 2013.
  9. IIHF Centennial All-Star Team. In: webarchive.iihf.com. Abgerufen am 16. August 2019 (englisch).