Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte

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Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH
Rechtsform GmbH
Sitz Berlin, Deutschland
Mitarbeiter 368 (2014)
Umsatz 220 Mio. EUR (Umsatz 2014)
Branche Wohnungswirtschaft
Website wbm.de

Die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBM) ist ein kommunales Immobilienunternehmen des Landes Berlin. Sie bewirtschaftet Wohn- und Geschäftsimmobilien in verschiedenen Bezirken Berlins, vor allem in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau.

Mit rund 28.000 Wohnungen gehört sie zu den größten Immobilienanbietern in den Berliner Innenstadtlagen. Durch Neubau, Zukäufe und Bestandsoptimierung steht bis 2016 ein Zuwachs von rund 1.000 Wohnungen bevor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige WBM entstand am 1. Juli 1990[1] aus dem VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Berlin-Mitte.[2] Durch Erwerb anderer Wohnungsunternehmen wie der WBF (Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain) und der Bewoge (Berliner Wohn- und Geschäftshaus GmbH) sind Bestände in anderen, auch westlichen Bezirken Berlins hinzugekommen.

Das defizitäre Unternehmen baute in den letzten Jahren seine Bestände kontinuierlich durch Verkauf an externe Investoren[3] und Mietergenossenschaften[4] ab. Diese Fokussierung auf gute Lagen in der Berliner Innenstadt war eine Maßnahme, um die Wohnbaugesellschaft auf ein solides wirtschaftliches Fundament zu stellen. Bei den Veräußerungen kam es des Öfteren zu Konflikten, da die neuen Erwerber häufig andere Nutzungskonzepte verfolgten, und etwa die Entmietung und den Abriss der Wohnhäuser und daran anschließend die Neubebauung der Grundstücke planten.[5] Von ehemals über 50.000 Objekten (2004) sank der insgesamt bewirtschaftete Bestand auf knapp 35.000 (2008).[6] Der Großteil der Verkäufe, die im Rahmen des Sanierungsprogrammes abgewickelt wurden, verlief jedoch reibungslos. 2007 erreichte die WBM schließlich ihr Ziel, die Paketverkäufe ihres zum Verkauf anstehenden Wohnungsbestands ausschließlich einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft in Berlin erfolgreich anzubieten – zum Beispiel rund 1.200 Kreuzberger Wohnungen an die Degewo. Häufig erzeugte die einst als „Flaggschiff der städtischen Wohnungsbaugesellschaften“ geltende WBM Schlagzeilen, als es beispielsweise 2009 um Korruption und dubiose Geschäftsverbindungen der alten Geschäftsführung im Zusammenhang mit der Veräußerung von Immobilien Anfang 2000 aus ihrem Bestand ging[7] und 2011 über Veruntreuung der neuen Geschäftsführung einer WBM-Tochtergesellschaft.[8]

Seit 2004 wird die WBM von einer neuen Geschäftsführung geleitet. Diese konnte die von ihr eingeleitete Sanierung Ende 2008 erfolgreich abschließen und schreibt seitdem wieder schwarze Zahlen. Trotz Wirtschaftskrise entwickelt sich das Kerngeschäft der WBM, die Immobilienbewirtschaftung, positiv.

Der Immobilienbestand des WBM-Konzerns – rund 33.000 Einheiten – befindet sich zum Großteil in attraktiven Lagen in der Berliner Innenstadt. Vor allem in den Quartieren Mitte und Friedrichshain – hier ist das Unternehmen der größte städtische Immobilienanbieter – hat sich in den letzten Jahren der Wohnungs-, aber auch der Gewerbemarkt weiterhin positiv entwickelt.

Dementsprechend positiv hat sich die Leerstandsquote entwickelt, für Wohnungen lag diese 2014 bei 2,0 Prozent (ohne Bauleerstand: 0,5 %).

Um stabile Mieten und eine niedrige Leerstandquote bei einem differenzierten Wohnungsbestand zu erzielen, setzt die WBM auf nachhaltige, energetische Sanierungen. Von 2014 bis 2018 ist dafür eine Investitionssumme von rund 292 Millionen Euro eingeplant. Ein Schwerpunkt liegt im Klimaschutz: Durch Sanierungsmaßnahmen in den Beständen, die zu großen Teilen aus Plattenbauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren bestehen, konnte die WBM bereits rund 50 Prozent an Heizenergie einsparen sowie den CO2-Ausstoß erheblich reduzieren, nämlich auf 1,14 Tonnen pro Jahr. Damit erreichte sie schon 2014 ihre Ziele für 2020, die im Rahmen des Klimaschutzabkommens der zweiten Generation vereinbart wurden.

Aktuelle Wohntrends werden analysiert und in Zukunft verstärkt in individuellen Wohnkonzepten umgesetzt. So wurden zum Beispiel 2009 möblierte Appartements für Geschäftsleute und Berlinbesucher, die eine längere Zeit in Berlin wohnen wollen, neu ins Dienstleistungsprogramm aufgenommen. Mit dem Internetportal www.jeder-quadratmeter-du.de wertet die WBM das Image der Plattenbauwohnungen auf und möchte ihren Bestand an vielen kleinen Wohnungen vor allem bei jungen Menschen attraktiv machen.

Im Geschäftsjahr 2009 wurde das Projekt Einführung von Qualitätsstandards zum Umgang mit den Kunden weiterentwickelt. Hierzu gehören Themen wie Optimierung der Bearbeitungszeiten, Erreichbarkeit, Beschwerdemanagement und eine freundliche, individuelle Kundenansprache.

Im November 2009 unterzeichnete die WBM, gemeinsam mit zwölf öffentlichen Unternehmen (u. a. BSR, Bäderbetriebe sowie einige andere Berliner Wohnungsunternehmen) die Charta der Vielfalt: Die Initiative setzt sich für Integration und mehr Vielfalt in der Gesellschaft ein. Außerdem schloss die WBM sich dem sogenannten „Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten“ an (2014).

Bei der WBM arbeiten 368 Mitarbeiter, seit Jahren erhöht sie ihre Ausbildungsquote, im Jahr 2014 befanden sich 21 Beschäftigte in beruflicher, praxisnaher Ausbildung in der Wohnungswirtschaft.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Dach der WBM-Gruppe sind die Unternehmen WBMI Real Estate GmbH, WBF (Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain) sowie die Bewoge (Berliner Wohn- und Geschäftshaus) zusammengefasst. Die Eigentumsverwaltung IHZ GmbH wurde 2014 an die ebenfalls städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land veräußert.

Bekannte Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden in unmittelbarer Nähe vom Alexanderplatz gelegenen Einkaufszentren Rathauspassagen und Berlin Carré werden von der WBM verwaltet, ebenso wie das denkmalgeschützte Haus des Lehrers, das mit seinem riesigen Fries von Walter Womacka zu den bekanntesten Gebäuden Berlins zählt.

Auch Teile des Nikolaiviertels, das Hochhaus Fischerinsel 2 in Berlin, einige Häuser an der Leipziger Straße sowie am Platz der Vereinten Nationen, die das Stadtbild in den entsprechenden Bezirken stark prägen, befinden sich im Eigentum der WBM. Ebenso zählt das Internationale Handelszentrum (IHZ) in der Friedrichstraße zu den WBM-Immobilien. Das zu DDR-Zeiten durch japanische Architekten und Baufirmen errichtete Bürohochhaus ist eines der markantesten und höchsten Gebäude Berlins.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bmgev.de
  2. Daten und Fakten zur WBM. In: Berliner Morgenpost
  3. Kölner Unternehmen kauft 1347 Wohnungen der Bewoge. In: Berliner Morgenpost
  4. Mieter kaufen die Siedlung Wöhlertgarten. In: Berliner Zeitung, 30. Juni 2000
  5. tagesspiegel.de
  6. wbm.de (Memento vom 7. März 2009 im Internet Archive)
  7. Das ist der Berliner Filz, Filz, Filz. In: Die Zeit, Nr. 43/2009
  8. Aufs eigene Konto gewirtschaftet. In: Berliner Zeitung, 21. April 2011