Wohnungslosigkeit

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Wohnungslosigkeit beschreibt als Oberbegriff die Lebenslage von Menschen ohne festen Wohnsitz oder geschützten privaten Wohnraum.[1]

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnungslosigkeit wird häufig mit Obdachlosigkeit verwechselt oder gleichgesetzt. Die beiden Begriffe werden in der aktuellen internationalen wissenschaftlichen Diskussion aber differenziert: Obdachlosigkeit ist zwar Bestandteil, macht insgesamt gesehen jedoch nur einen geringen Teil der Wohnungslosigkeit aus. Für die meisten Menschen ist dieser gleichwohl mit Abstand am besten sichtbar, da Obdachlose sich häufig im öffentlichen Raum aufhalten (und dort teilweise auch nächtigen).

Andere Formen von Wohnungslosigkeit hingegen bleiben für Außenstehende meist unsichtbar. Scham- und Schuldgefühle führen auch dazu, dass die Betroffenen ihre Wohnungslosigkeit vor anderen verschweigen. Häufig gehen mit Wohnungslosigkeit auch noch eine oder mehrere Problematiken einher, wie Verschuldung, Krankheit, häusliche Gewalt, Drogen- oder Alkoholsucht und Arbeitslosigkeit. Als wohnungslos gelten so wesentlich mehr Betroffene, wie beispielsweise auch Frauen und Kinder, die wegen häuslicher Gewalt ihre Wohnung verlassen mussten und die kurz- bis mittelfristig in einer Schutzeinrichtung beherbergt sind, wie z. B. in Frauenhäusern.

Die bis in die 90er Jahre übliche Bezeichnung als nichtsesshafte Personen wird auf Grund des stark diskriminierenden Bedeutungshintergrunds, gerade in der Zeit des Nationalsozialismus, nicht mehr verwendet.

Europäische Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Verband nationaler Organisationen der Wohnungslosenhilfe (FEANTSA) unterscheidet in seiner übergreifenden Definition von Wohnungslosigkeit (ETHOS – Europäische Typologie für Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit und prekäre Wohnversorgung) vier konzeptionelle Kategorien:[2]

Diese sind weiter unterteilt in 13 operationelle Kategorien.

Definition nach BAG Wohnungslosenhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der offiziellen Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe in Deutschland sind Menschen wohnungslos, wenn sie über keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen und auf ordnungs- oder sozialrechtlicher Grundlage in eine kommunale Wohnung oder in ein Heim der Wohnungslosenhilfe eingewiesen werden.

Darüber hinaus besteht Wohnungslosigkeit auch, wenn die Betroffenen in einer Notunterkunft oder als Selbstzahler in einer Billigpension leben. Wohnungslos sind zudem jene Personen, die „Platte machen“ (BAG-W 2006). Dies ist ein szeneüblicher Ausdruck und bedeutet, ohne jede Unterkunft auf der Straße leben.

Die durch die Wohnungslosigkeit hervorgerufene gesellschaftliche Ausgrenzung und Stigmatisierung ermöglicht den Betroffenen nur wenig Rückgriffsmöglichkeiten auf ein soziales Umfeld, das sie materiell und emotional angemessen unterstützen könnte. Viele Wohnungslose stammen aus defizitären familiären Verhältnissen, die nur wenig Schutz und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Traumatische Erfahrungen, wie z. B. der Tod nahestehender Personen oder der Verlust beruflicher Existenz stellen dabei häufig Faktoren dar, die wesentlichen Anteil an der Entstehung einer Wohnungslosigkeit tragen (Essendorfer 2006). Weiterhin ist fehlendes Arbeitseinkommen häufig der Grund, warum wohnungslose Menschen aus dem Regelsystem der sozialen Absicherung und der Gesundheitsfürsorge weitgehend ausgeschlossen sind. Die Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen erhöht die Gefahr der Fremdbestimmung durch die Akteure des Hilfesystems und öffentlicher Behörden (Notz 2005).

Lebenslage, Unterbringung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnungslosigkeit ist ein wichtiger Hinweis auf Armut. Sie hat sehr oft den Hintergrund einer massiven Krise in der Lebensgeschichte. Wohnungslosigkeit bezeichnet die Situation, in der sich Menschen befinden, die in Einrichtungen wohnen, in denen die Aufenthaltsdauer begrenzt ist und in denen keine Dauerwohnplätze zur Verfügung stehen. Dazu zählen Übergangswohnheime, Asyle und Herbergen, aber auch Übergangswohnungen und andere Lösungen.

Wohnungslos sind auch Immigranten und Asylwerber, die in Auffangstellen, Lagern, Heimen oder Herbergen wohnen, bis ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist sowie Ausländer mit befristeter Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, die in Gastarbeiterquartieren leben.

Eine weitere Gruppe Wohnungsloser sind Menschen, die aus Institutionen entlassen werden, z. B. Gefängnissen, Spitälern, Heilanstalten und Jugendheimen. Diese Menschen bleiben weiter hospitalisiert, weil häufig keine oder nicht rechtzeitig Vorkehrungen zur Entlassung getroffen wurden und zum Zeitpunkt der Entlassung kein Wohnplatz zur Verfügung steht. Ganz junge Erwachsene fallen oft nicht mehr unter die Jugendwohlfahrt, bleiben aber weiterhin im Heim, weil keine andere Wohnmöglichkeit zur Verfügung steht.

Letztlich gelten auch Menschen, die in Dauereinrichtungen für Wohnungslose wohnen, als wohnungslos.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird keine bundesweite Statistik über Wohnungslosigkeit geführt, es gibt lediglich Schätzungen. 2012 lebten in Deutschland nach Zahlen des Vereins Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe insgesamt 284.000 wohnungslose Personen, davon 35.000 in Ostdeutschland. Weitere 130.000 Menschen waren durch prekäre Wohnsituationen von Wohnungslosigkeit gefährdet. 75 % der erwachsenen Wohnungslosen sind Männer. Der Anteil der wohnungslosen Minderjährigen beträgt 11 %.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe beobachtet seit 2008 in Ost und West steigende Wohnungslosigkeit und prognostiziert 380.000 Betroffene für 2016. Sie verweist auf eine Steigerung der Zahlen in vielen Bereichen, so für die Straßenobdachlosigkeit, den Anstieg der Zwangsräumungen und der Wohnungsnotfälle.[3]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in Österreich ist die Datenlange zum Umfang der Wohnungslosigkeit schwierig. Die im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz zuletzt 2009 erstellte Wohnungslosenerhebung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWO) nennt 37.000 Fälle für das Jahr 2006, wobei nur von Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe betreute oder beratene Klienten in diese Zählung eingingen. 606.000 Österreicher lebten in überfüllten Wohnräumen. 2007 seien 41.769 Delogierungen (Zwangsräumungen) eingeleitet worden. [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Wandel der Begriffe vgl. Wolfgang Ayaß: Vagabunden, Wanderer, Obdachlose und Nichtsesshafte. Eine kleine Begriffsgeschichte der Hilfe für Wohnungslose, in: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit 43 (2013), Heft 1, S. 90–102.
  2. ETHOS – Europäische Typologie für Obdachlosigkeit, abgerufen am 16. Januar 2014.
  3. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe: Zahl der Wohnungsnotfälle, online, abgerufen am 16. Januar 2014
  4. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe: Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe in Österreich. online (Memento des Originals vom 17. Januar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmask.gv.at ( Kurzfassung (Memento des Originals vom 17. Januar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmask.gv.at), abgerufen am 16. Januar 2014.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]