Wolbeck (Münster)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wolbeck
Stadt Münster
„In Silber (Weiß) über einem gewellten blauen Schildfuß ein grüner Baum mit zwei schwarzen Vögeln in den oberen Zweigen, begleitet von zwei kleinen grünen Bäumen.“
Koordinaten: 51° 55′ 10″ N, 7° 43′ 45″ O
Höhe: 54 m
Fläche: 20,7 km²
Einwohner: 9213 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 445 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 48167
Vorwahl: 02506
Karte
Wolbeck in Münster

Wolbeck ist ein Stadtteil der Stadt Münster im Stadtbezirk Süd-Ost. Er liegt ländlich im Südosten der Stadt zwischen den Flüssen Werse und Angel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wolbeck oder Walbeke im Jahre 1185. Der Name (auch als Woltbecke erwähnt) bedeutet wörtlich Siedlung am Waldbach.

Durch Fürstbischof Everhard von Diest bekam Wolbeck erstmals Wigboldrechte verliehen. Das bedeutete für den Ort:

  • eingeschränkte Finanzhoheit
  • Marktrecht
  • Befestigungsrecht
  • eigene Gerichtsbarkeit

Wolbeck war Schauplatz zahlreicher Hexenprozesse, man spricht deshalb heute noch von Hexenwolbeck.

Wolbeck war ab dem 13. Jahrhundert Sitz des Fürstbischofs, der seinen Sitz auf der Fürstbischöflichen Burg Wolbeck hatte. Diese wurde im Siebenjährigen Krieg von den französischen Truppen stark beschädigt. Viele Steine der ehemaligen Burg wurden später für den Bau des Schlosses zu Münster verwendet. Heute ist von den Überresten der fürstbischöflichen Landesburg nur noch ein abgedeckter Brunnen auf dem Grundstück des Bauern Tripp („Tripps Hügel“) zu sehen.

Im Zuge der Landgemeinde-Ordnung in der Provinz Westfalen 1843/44 entstand das Amt Wolbeck. Es umfasste neben seinen beiden Teilen Wigbold Wolbeck als Amtssitz und Kirchspiel Wolbeck die Gemeinden Albersloh, Alverskirchen, Angelmodde und Rinkerode.

Am 1. April 1957 wurden die bisherigen Gemeinden Wigbold Wolbeck und Kirchspiel Wolbeck zur neuen Gemeinde Wolbeck zusammengeschlossen.[1]

In den 1960er Jahren war Wolbeck für kurze Zeit Kneippkurort.

Am 1. Januar 1975 wurde aus der bis dahin eigenständigen Gemeinde im Zuge der Gebietsreform ein Stadtteil der Stadt Münster.[2] Das Amt Wolbeck wurde aufgelöst, die übrigen Gemeinden fielen an den Kreis Warendorf (Albersloh, Alverskirchen und Rinkerode) und Münster (Angelmodde). Wolbeck hat rund 9200 Einwohner (Stand 31. Dezember 2015).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber (Weiß) über einem gewellten blauen Schildfuß ein grüner Baum mit zwei schwarzen Vögeln in den oberen Zweigen, begleitet von zwei kleinen grünen Bäumen.“

Das ursprüngliche Wolbecker Wappen aus dem 13. Jahrhundert zeigte drei Vögel auf einem Baum über einem Hügel. Das seit 1952 offizielle Wappen trägt nur noch zwei Vögel, der Hügel wurde durch einen Fluss ersetzt.[3]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drostenhof in Wolbeck
St. Nikolaus, Wolbeck

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Westpreußische Landesmuseum befand sich von 1975 bis 2012 im Drostenhof in Wolbeck, einem der gut erhaltenen Herrenhäuser des Münsterlandes. Neben der ständigen Ausstellung zu Geschichte, Kunst und Kultur Westpreußens präsentierte das Museum jedes Jahr mehrere Sonderausstellungen. Dem Besucher standen auf Wunsch auch die Präsenzbibliothek, das Westpreußen-Archiv sowie das Fotoarchiv zur Verfügung.

Am 31. August 2012 wurde das Museum im Drostenhof geschlossen, da ein zeitgemäßer Museumsbetrieb hier nicht mehr möglich war. Es wurde Ende 2014 im ehemaligen Franziskanerkloster in Warendorf wieder eröffnet.[4]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolbeck verfügt über eine Musikschule, die von einem eingetragenen Verein betrieben wird.[5]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Drostenhof in Wolbeck ist ein Baudenkmal aus der fürstbischöflichen Zeit. Er wurde im Jahre 1535 von dem bischöflichen Amtmann Dirk von Merveldt gebaut, der wesentlich an der Vertreibung der Täufer aus Münster teilgenommen hatte. Der Drostenhof ist Eigentum der Familie Graf von Merveldt, die über Generationen das Amt des Drosten zu Wolbeck führte und schon seit 1389 eine sehr enge Verbindung mit Wolbeck hatte. Der Drostenhof prägt noch heute das Ortsbild. Ein Teil des Drostenhofes war bis August 2012 als Westpreußisches Landesmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.
  • Die Pfarrkirche St. Nikolaus ist eine frühgotische Hallenkirche, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Der Turm ist im unteren Teil romanisch; er wurde im 17. Jahrhundert im Barockstil aufgestockt und erhielt eine geschwungene Haube.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sportverein TV Wolbeck bietet Volleyball, Judo, Leichtathletik, Basketball und Fitnesstrainings an. Außerdem gibt es mit dem TC 66 Wolbeck einen Tennisverein sowie den Fußballverein VfL Wolbeck.

Veranstaltungen und Freizeitangebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einmal im Jahr findet in Wolbeck der Ziegenbocksmontag (ZiBoMo) statt. Es handelt sich um eine Karnevalsveranstaltung jeweils am Montag vor Rosenmontag, die auch Gäste aus dem Umland anzieht.[6]

Für Kinder und Jugendliche gibt es in Wolbeck regelmäßige Freizeitangebote durch die Kirchengemeinden und durch einen Pfadfinderstamm der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg). Das Jugendzentrum Bahnhof Wolbeck an der Bahnstrecke Münster–Warstein bietet im ehemals durch die Westfälische Landes-Eisenbahn genutzten Bahnhof weitere Freizeitbeschäftigungen an.

Das am südöstlichen Ortsrand liegende Naturschutzgebiet Wolbecker Tiergarten ist 288 Hektar groß, es ist mit dem Status eines FFH-Gebietes versehen und ist ein gern genutztes Naherholungsgebiet. Dank der Förderung aus LIFE-Mitteln geleiten inzwischen zahlreiche Hinweistafeln und Informationsmaterialien den Besucher durch dieses Waldgebiet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wirtschaftsleben in Wolbeck ist überwiegend geprägt durch Handel, Landwirtschaft und Handwerk. Das Gartenbauzentrum Münster-Wolbeck der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bietet Fortbildungen für Gärtner und Garten- und Landschaftsbauer an und beheimatet die gartenbauliche Beratung, ein überbetriebliches Ausbildungszentrum mit mehr als 2.000 Kursteilnehmern pro Jahr sowie eine Versuchsanstalt und ein Hotel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolbeck liegt an der Bahnstrecke Münster–Warstein der Westfälischen Landes-Eisenbahn (Westfälische Landes-Eisenbahn) WLE. Der Personenverkehr wurde im Jahre 1975 eingestellt, seitdem fahren hier ausschließlich nur noch wenige Güterzüge. Zukunftsplanungen gehen aber von einer möglichen Teilreaktivierung des Personenverkehrs (Münster – Sendenhorst) in Form eines stadtbahnähnlichen Betriebs bis zum Jahre 2020 aus. Die Planung hierzu ist inzwischen europaweit ausgeschrieben.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der katholischen Kirche St. Nikolaus mit historischen Kunstschätzen gibt es in Wolbeck die evangelische Christuskirche von 1965. Dem Bau des Architekten Heinrich Otto Vogel liegt die Vision der Himmlischen Stadt Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes zugrunde.

Daneben sind in Wolbeck Freiwillige Feuerwehr und einige Vereine aktiv wie z. B. der Heimatverein Wolbeck oder das Bürgerforum Wolbeck.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolbeck verfügt über die Grundschule Nikolaischule sowie über eine Hauptschule, eine Realschule und das Gymnasium Wolbeck im 1969 errichteten Schulzentrum an der Von-Holte-Straße.[7] Das Gebäude besaß im Originalzustand eine Fassade aus unbehandelten Stahlplatten, was dazu führte, dass die Schule den Spitznamen Rostlaube bekam.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gudrun Beckmann-Kircher: Wolbeck – In Vergangenheit und Gegenwart. ISBN 3-87716-794-2
  • Ferdinand Jendrejewski: Wolbeck: Foto- Impressionen: ein Bildband. – Münster: Druckwerkstatt Hafen, [ca. 1995]. – 176 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolbeck (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 297.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 311.
  3. Beschreibung des Wappens von Wolbeck
  4. Westpreußisches Landesmuseum
  5. Bürgerforum Wolbeck e. V.: 700 Jahre Wigbold Wolbeck, Festprogramm im Jubiläumsjahr 2010
  6. Westfälische Nachrichten: Website ZiBoMo Tausende Karnevalisten feiern ZiBoMo in Wolbeck , 13. Februar 2012
  7. Schulen
  8. Schulgeschichte in der Schulzeitung Rostlaube