Wolfgang Haberl (Schriftsteller)

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Wolfgang Haberl 2014

Wolfgang Haberl (* 21. Januar 1960 in Ingolstadt) ist ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Haberl wuchs in einfachen Familienverhältnissen im von Autoindustriekultur und konservativer Politik geprägten Ingolstadt der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts auf. Seine Familie mütterlicherseits kommt aus Schlesien (heute Polen). Nach dem Abitur am Reuchlin-Gymnasium wurde er zum Grundwehrdienst in der Ingolstädter Pionierkaserne auf der Schanz eingezogen, in der Folge jedoch am 27. November 1990 nachträglich als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Ab dem Wintersemester 1979/1980 studierte er zwei Jahre lang an der Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster und anschließend an der Freien Universität im damaligen West-Berlin, die er 1991 mit dem Magister Artium verließ. Seine Magisterarbeit schrieb er über Bob Dylan, dessen Songtexte damals in akademischen Kreisen am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien noch wenig Akzeptanz fanden und als Populärkultur galten. Anfang der neunziger Jahre zog er nach Italien, wo er aus beruflichen Gründen häufig den Wohnort wechselte (Toskana, Latium, Verona, Neapel). Von 1995 bis 2005 arbeitete er im Verkauf von Natur- und Kunststein, zuletzt als Gebietsvertriebsleiter für die Firma Quarella. Seit 2016 lebt er in Rom und arbeitet am neusprachlichen Gymnasium Federigo Enriques in Ostia als Deutschlehrer. Er ist mit Giovanna Maria Teresa Luceri verheiratet und Vater der 1997 geborenen Tochter Diletta Haberl.

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2011 veröffentlichte er sein erstes Buch Zimmys Jukebox, ein Sachbuch über den amerikanischen Rockmusiker Bob Dylan beim Südwestbuch-Verlag. 2012 folgte ein weiteres Sachbuch über den kanadischen Rockmusiker Leonard Cohen mit dem Titel Leonard Cohen: Die Ohnmacht der Worte, das im November 2018 mit dem fast gleich lautenden Titel Leonard Cohen: Die Macht der Worte vom Südwestbuch-Verlag neu aufgelegt wurde. 2013 wurde vom Autor, erneut beim Südwestbuch-Verlag, ein Sachbuch über die amerikanische Rockmusikerin Patti Smith veröffentlicht, das Erwähnung beim „Rolling Stone Deutschland“ fand.[1] Es folgte 2015 ein weiteres Sachbuch, ebenfalls beim Südwestbuch-Verlag über den Berliner Rockmusiker Rio Reiser.

Der Berliner Westkreuz-Verlag veröffentlichte 2015 Wolfgang Haberls ersten Roman Niemand sagt was, der die (autobiographisch motivierte) Liebesgeschichte zwischen Edgar Rödl und Teresa Bianciardi 1988 im Kreuzberg vor dem Mauerfall zum Thema hat. 2017 folgte, wieder beim Westkreuz-Verlag, das Buch Italien!, das 25 Jahre Italienaufenthalt mit seinen Höhen und Tiefen Revue passieren lässt und dabei faktische und fiktive Texte verschiedenster Gattungen (Essay, Tagebucheintrag, Zeitungsartikel, Kurzgeschichte, Lyrik) mischt. Besonderes Augenmerk richtet der Autor dabei auf die jüngsten, oft traumatischen Erfahrungen in Neapel (und Umgebung).[2]

Ende 2017 veröffentlichte der Autor im Selbstverlag epubli einen Gedichtband und zwei Theaterstücke.[3]

In einem eigens dafür 2014 geschaffenen Weblog schreibt der Autor in unregelmäßigen Abständen hauptsächlich Kurzrezensionen über gelesene Bücher.[4]

Themen und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haberls Protagonisten und Texte schwanken oft zwischen kurzen Ausbrüchen von Rebellion und Spiritualität und einer verbreiteten Grundeinstellung von Nihilismus, Resignation und manchmal auch Kapitulation vor einer als abstrus, hohl und übermächtig empfundenen globalisierten Gegenwartskultur ohne innere Werte.

Ein weiteres Thema ist die Reflexion über die immer augenfälliger werdende Bedeutungslosigkeit der zeitgenössischen Literatur, die es seit Jahrzehnten nicht mehr schafft, „Leitkultur“ zu produzieren, immer mehr ihren jahrtausendealten Nimbus als hohe Kultur zu verlieren scheint und durch die Kakofonie zuerst des Fernsehens und heute der sozialen Medien übertönt wird.[5] Er beklagt in diesem Zusammenhang die (für ihn) „mafiösen“ Strukturen der (deutschen) Kultur- und Literaturindustrie mit ihren intransparenten und oft ungerechten Vergabe- und Verteilungsmechanismen.[6] Die Verzahnungen zwischen den großen Publikumsverlagen, öffentlicher Kulturarbeit, Feuilletons, Literaturpreisen und Bestsellerlisten sind (für ihn) ein Armutszeugnis von geschlossenen Gesellschaften des gegenwärtigen Literaturbetriebs, der nur eine Mainstream-Kultur überleben lässt.[7] Er sieht sich dabei in der Tradition der literarischen Untergrundliteratur eines Rolf Dieter Brinkmann und, mehr noch, deren Vorläufer und Wegbereiter in Nordamerika, der sogenannten Beat Generation.

Über seinen poetologischen Ansatz reflektiert Haberl im „Nachwort“ des Lyrikbandes „100 Gedichte und ein Nachwort“.[8]

Haberls Schreibstil ist häufig von Lakonie, Sarkasmus und Groteske gekennzeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wolfgang Haberl (Schriftsteller) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Review: Wolfgang Haberl - Patti Smith. In: Rolling Stone. (rollingstone.de [abgerufen am 10. Juli 2018]).
  2. Italien! Abgerufen am 5. September 2018.
  3. epubli - Wolfgang Haberl. Abgerufen am 10. Juli 2018.
  4. Wolfgang Haberls Bücherblog. Abgerufen am 10. Juli 2018 (deutsch).
  5. Wolfgang Haberl: Tot wie Stein. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  6. Wolfgang Haberl: Rumstänkern. Abgerufen am 17. August 2018.
  7. Wolfgang Haberl: Die übliche deutsche Literaturmafia. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  8. Wolfgang Haberl: Nachwort. Abgerufen am 18. Juli 2018.