Wolfgang Hefermehl

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Wolfgang Hefermehl (* 18. September 1906 in Elsterwerda; † 29. Oktober 2001 in Heidelberg) war ein deutscher Jurist, Professor an der Universität Heidelberg und einer der wirkmächtigsten Vertreter des deutschen Wirtschaftsrechts des 20. Jahrhunderts. Als SS-Mitglied seit 1934 und abgeordneter Landgerichtsrat im Reichsjustizministerium arbeitete er an der Verwirklichung des Nationalsozialismus durch nationalsozialistische Gesetzgebung mit, durch die Ende 1938 laut Hefermehl „die Judenfrage auf wirtschaftlichem Gebiet endgültig“ gelöst worden war. Hefermehl kommentierte dieses Gesetzgebungswerk im amtlichen Organ des Reichsjustizministeriums Deutsche Justiz und legitimierte es damit auch öffentlich.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Landgerichtspräsidenten besuchte das Internatsgymnasium Schulpforta und nahm nach dem Abitur an der Universität Berlin ein Studium der Rechtswissenschaft auf. 1934 beendete er seine juristische Ausbildung mit der Zweiten Juristischen Staatsprüfung. Anschließend trat Hefermehl als „Einserjurist“ in den preußischen Justizdienst ein. Im Heft 44 vom 30. Oktober 1936 der Amtsblatts des ReichsjustizministeriumsDeutsche Justiz“ wurde auf S. 1647 die Versetzung Hefemehls vom Landgericht Naumburg (Saale) zum Landgericht Wiesbaden bekannt gegeben. Von 1941 bis 1945 war er Oberlandesgerichtsrat am Oberlandesgericht Frankfurt am Main in Abordnung. Er war das einzige Mitglied der Richterschaft an diesem OLG, das der SS angehörte.[2] Bis 1945 war er an das Reichsjustizministerium abgeordnet. Dort war er als Mitarbeiter von Ernst Geßler als „Referent für die Gesetzgebung zur Verwaltung des Feindvermögens“ tätig. 1944 wurde Hefermehl an der Universität Berlin mit der Untersuchung „Die feindvermögensrechtlichen Verfügungsbeschränkungen“ bei Wolfgang Siebert zum Dr. iur. promoviert.

Nach Kriegsende flüchtete Hefermehl unter falschem Namen von Berlin nach Hamburg, wo er sich bei dem Rechtsanwalt Philipp Möhring versteckte. Nach einer Anzeige 1947 oder 1948 wurde er festgenommen und einem Entnazifizierungsverfahren unterzogen, konnte sich aber mit einem lückenhaften Schriftenverzeichnis als minderbelastet darstellen. Er zog nach Nordwalde bei Münster, dem Heimatort seiner Frau, wo ihm in Hessen eine untergeordnete Stelle als Inspektor angeboten wurde, die er ausschlug. Hiernach arbeitete er als Repetitor in Münster. [3] 1953 habilitierte er sich an der Universität zu Köln bei Hans Carl Nipperdey. Nach einer Vertretungsprofessur an der Universität Heidelberg nahm Hefermehl 1956 einen Ruf an die Wirtschaftshochschule Mannheim an. 1959 wechselte er an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und 1961 an die Universität Heidelberg, wo er bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht innehatte. Ein bekannter Schüler von Wolfgang Hefermehl ist Peter Ulmer.

2015 wurde Hefermehl posthum die Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg entzogen, da „… die aktive Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie im Verfahren zur Verleihung des Ehrendoktorates verschwiegen worden“ seien. In seinem Aufsatz über „Die Entjudung der deutschen Wirtschaft“ in der Zeitschrift Deutsche Justiz (1938)[4] kommentierte Hefermehl ausführlich die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 (RGBl. I, 1580), deren Durchführungsverordnung vom 23. November 1938 (RGBl. I, 1642) und die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens als Angehöriger des Reichsjustizministeriums, das wesentlicher Urheber dieser Verordnungen gewesen ist. Nach Nennung der drei Verordnungen teilt Hefermehl den Zweck mit, den sie verfolgen:

„[...] verfolgen den Zweck, den jüdischen Einfluß auf die deutsche Wirtschaft völlig zu brechen und damit die Judenfrage auf wirtschaftlichem Gebiet endgültig zu lösen. Sie stellen zugleich den Abschluß eines im ganzen betrachtet einheitlichen und planmäßigen Gesetzgebungswerks mit dem Ziel der Gesamtentjudung der deutschen Wirtschaft dar. [...] Im folgenden soll in großen Zügen ein Bild von diesem, in seinen Grundformen nunmehr feststehenden Gesetzgebungswerk gegeben werden.“[5]

Es folgen die Abschnitte „I. Persönlicher Geltungsbereich“, „II. Die Feststellung des jüdischen Vermögens“, „III. Der Ausschluß von der wirtschaftlichen Betätigung“, „IV. Die Überführung in nichtjüdischen Besitz“, „V. Der Einsatz jüdischen Vermögens“, „VI. Sachlicher Geltungsbereich“.

1940 erschien ein weiterer Kommentar Hefermehls zusammen mit Karl Krieger über die nationalsozialistische Verordnung über die Behandlung feindlichen Vermögens vom 15. Januar 1940.[6] Der fortlaufende Kommentar („Loseblatt-Ausgabe“) wurde Anfang 1942 in einer Rezension der „Zeitschrift für Osteuropäisches Recht“ des Breslauer Osteuropainstituts als Leitfaden für die Praxis (in den besetzten Ostgebieten) gelobt:

„Das vorliegende Werk verfolgt den Zweck, die Praxis fortlaufend über den Sinn und die Ziele der Gesetzgebung über die Behandlung des feindlichen Vermögens in gedrängter Form zu unterrichten.[7]

Die Verordnung vom 15. Januar 1940 wurde durch das Gesetz über die Aufhebung von Kriegsvorschriften vom 14. Juni 1951 aufgehoben.[8]

Nach den Erkenntnissen der Universität Salzburg trat Hefermehl ferner früh der SS bei und war ab 1934 auch SS-Sturmführer. Er sei wiederholt vom Reichsjustizministerium zu Parteiveranstaltungen sowie zur Unterstützung der Partei beurlaubt worden, unter anderem zum Reichsparteitag 1935 und 1936 sowie zur Betreuung ausländischer Gäste bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen. Seit 1941 war er SS-Obersturmführer, 1942 erfolgte die Einberufung zur Waffen-SS.[9]

(aberkannte) Würdigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 wurde Hefermehl mit dem Großen Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1983 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Salzburg verliehen, diese durch dieselbe Institution aber 2015[10] widerrufen. Posthum wurden Wirken und Werk Hefermehls im Dezember 2001 mit der Großen Universitätsmedaille der Universität Heidelberg gewürdigt.[11]

Primärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Knopp: Wolfgang Hefermehl. In: Juristen im Portrait. Verlag und Autoren in 4 Jahrzehnten. Verlag C.H. Beck, München 1988, ISBN 3-406-33196-3, S. 396–405
  • Peter Ulmer: Wolfgang Hefermehl. In: Stefan Grundmann, Karl Riesenhuber (Hrsg.), Deutschsprachige Zivilrechtslehrer in Berichten ihrer Schüler. Eine Ideengeschichte in Einzeldarstellungen, Band 1, Berlin 2007, S. 238–259. Bei Google-Books verfügbar
  • Louis Pahlow: Wolfgang Hefermehl (1906-2001). In: Simon Apel, Louis Pahlow, Matthias Wießner (Hrsg.): Biographisches Handbuch des Geistigen Eigentums, Mohr Siebeck, Tübingen 2017, S. 133–137.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Hefermehl: Die Entjudung der deutschen Wirtschaft, in: Deutsche Justiz, Heft 50 vom 16. Dezember 1938, S. 1981
  2. Arthur von Gruenewaldt: Die Richterschaft des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main in der Zeit des Nationalsozialismus: Die Personalpolitik und Personalentwicklung. Band 83 von Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, Mohr Siebeck, 2015 ISBN 978-3-16-153843-8, S. 315 ff.
  3. Stefan Grundmann (Hrsg.): Deutschsprachige Zivilrechtslehrer des 20. Jahrhunderts in Berichten ihrer Schüler, Band 2 zu: Eine Ideengeschichte in Einzeldarstellungen, Walter de Gruyter, München, 2011 ISBN 978-3-89949658-1, S. 423 ff.
  4. Wolfgang Hefermehl: Die Entjudung der deutschen Wirtschaft, in: Deutsche Justiz, Heft 50 vom 16. Dezember 1938, S. 1981–1984
  5. Wolfgang Hefermehl: Die Entjudung der deutschen Wirtschaft, in: Deutsche Justiz, Heft 50 vom 16. Dezember 1938, S. 1981
  6. Verordnung über die Behandlung feindlichen Vermögens vom 15. Januar 1940, online mit Kontext auf „ns-quellen.at“
  7. Heinz Meyer: Rezension von «Krieger, Karl und Wolfgang Hefermehl: Behandlung des feindlichen Vermögens. Kommentar. Loseblatt-Ausgabe. C. H. Beck’sche Verlagsbunchhandlung München und Berlin, 1941»; in: Zeitschrift für Osteuropäisches Recht, hrsg. vom Osteuropa-Institut in Breslau, Schriftleitung Dr. jur. Heinz Meyer (Leiter der Rechtsabteilung des Osteuropa-Instituts), N. F. 8. Jahrgang, Heft 7/8 vom Januar/Februar 1942, S. 438
  8. Gesetz über die Aufhebung von Kriegsvorschriften vom 14. Juni 1951
  9. Universität Salzburg widerruft Ehrendoktorat von Konrad Lorenz. In: Salzburger Nachrichten vom 17. Dezember 2015
  10. Uni widerruft Ehrendoktorat für Konrad Lorenz und Wolfgang Hefermehls
  11. Internetseite der Universität Heidelberg (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive)