Wolfgang Hufschmidt

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Wolfgang Hufschmidt (* 15. März 1934 in Mülheim an der Ruhr) ist ein deutscher Komponist und Kirchenmusiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Wolfgang Hufschmidt von 1954 bis 1958 an der Folkwang-Hochschule in Essen Kirchenmusik und Komposition bei Siegfried Reda studiert hatte, war er Kirchenmusiker in mehreren evangelischen Essener Gemeinden. Ab 1968 war Wolfgang Hufschmidt zunächst Dozent für Musiktheorie, ab 1971 Professor für Komposition an der Folkwang-Hochschule Essen, deren Rektor er zudem von 1988 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war. Der Jazzpianist und -komponist Thomas Hufschmidt und der Flötist Markus Hufschmidt sind Söhne Wolfgang Hufschmidts. Einer seiner Brüder ist der Schauspieler Dieter Hufschmidt.

Eine besondere Stellung nehmen Wolfgang Hufschmidts Kompositionen zu Texten von Günter Grass ein. Die erste ist das im Auftrag des Flötisten Aurèle Nicolet komponierte Ricercar. Für Sprecher und Altflöte. Thema und fünf Kontrapunkte in sechs Kapiteln und 24 Abschnitten nach dem Kapitel „Glaube, Hoffnung, Liebe“ aus dem Roman Die Blechtrommel von Günter Grass (1966). Bei der Uraufführung übernahm Günter Grass selbst den Part des Sprechers. Vor allem aber ist für Hufschmidt wichtig das Meißner Tedeum[1], eine Auftragskomposition zur Tausendjahrfeier des Meißner Doms, in der er Martin Luthers Tedeums-Übersetzung mit einem antiphonischen Text von Günter Grass kontrastierte, den dieser speziell für diese Komposition verfasste.[2]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hufschmidt hat 1983 den „Verein für musikalische Aufführungen und Veröffentlichungen“ mitbegründet. Im gleichen Jahr gründete er zudem die „edition V“, einen „Verlag der Komponisten“. 1989 war er Gründungsmitglied der „Gesellschaft für Neue Musik Ruhr“. Seit 1994 ist er Präsident der Internationalen Hanns-Eisler-Gesellschaft, die er ebenfalls mitbegründet hat. Seit 1996 ist Wolfgang Hufschmidt Vorsitzender des Choreographischen Zentrums NRW.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompositionen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Kompositionen stammen aus der Zeit von 1958 bis 1968, als Hufschmidt in Essen als Kirchenmusiker tätig war.

  • Meissener Tedeum (1967) nach dem „Tedeum laudamus“ deutsch von Martin Luther und einem antiphonischen Text von Günter Grass für Sopran, großen zwölfstimmigen Chor, Streicher, Blechbläser, Orgel und Schlagzeug, Bassbariton, kleinen vierstimmigen Chor, Bläserquintett, Klavier und Schlagzeug Tonband. Im Auftrag der „Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft“ aus Anlass des 1000-jährigen Bestehens des Meissener Doms. Bärenreiter, Kassel/Basel/Paris/London/New York 1968 (ba 6013).
  • Ricercar. Für Sprecher und Altflöte. Thema und fünf Kontrapunkte in sechs Kapiteln und 24 Abschnitten nach dem Kapitel „Glaube, Hoffnung, Liebe“ aus dem Roman „Die Blechtrommel“ von Günter Grass (1966). Pfau, Saarbrücken 1992 (330-009).
  • Ricercar (1979). Für Flöte solo. Konzertfassung. Pfau, Saarbrücken o.J. (330-017).
  • Lieder ohne Worte. (1985/1986)
  • RUHRWERK. (1997/1998)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Struktur und Semantik. Texte zur Musik 1968–1988. Mit einem Vorwort von Stefan Fricke und einem Beitrag von Wolfgang Pilz. Pfau, Saarbrücken 1994 (= Quellentexte zur Musik des 20. Jahrhunderts, herausgegeben von Stefan Fricke und Wolf Frobenius am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, Band 2.1).
  • Im Spannungsfeld der Mächtigen – Ein Bericht über die Uraufführung des Meißner Tedeums im Jahre 1968. In: Triangel – Das Programmjournal des Mitteldeutschen Rundfunks. Heft 10, 2. Jahrgang (Oktober 1997). Concept, Leipzig 1997.
  • „Den Teufel in die Kirche geholt“? Wolfgang Hufschmidt an Günter Grass. Essen, den 30. Mai 1968. In: Triangel – Das Programmjournal des Mitteldeutschen Rundfunks. Heft 10, 2. Jahrgang (Oktober 1997). Concept, Leipzig 1997.

Das Meissner Tedeum. Eine deutsch-deutsche Dialog-Komposition zum 1000jährigen Bestehen des Meißner Doms (1968). In: Matthias Herrmann (Hrsg.): Die Dresdner Kirchenmusik im 19. und 20. Jahrhundert. Laaber 1998, ISBN 3-89007-331-X. S. 517–530. (= Musik in Dresden, 3.)

  • „Willst zu meinen Liedern deine Leier drehn?“ Zur Semantik der musikalischen Sprache in Schuberts Winterreise und Eislers Hollywood-Liederbuch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Pfau, Saarbrücken 1997.
  • Denken in Tönen. Pfau, Saarbrücken 2004.
  • In: Begegnung in Meißen (mit Wiederholung). In Hartmut Haenchen 60 – Festschrift zum 60. Geburtstag. Herausgegeben von den Mitarbeitern der Dresdner Musikfestspiele, Druckerei und Verlag Christoph Hille, Dresden 2003. S. 26–29. Online

CD-Aufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meissner Tedeum. Nach dem Tedeum Laudamus von Martin Luther und einem antiphonischen Text von Günter Grass. Uraufführung (Konzert vom 26. Mai 1968) und Wiederaufführung (3. Oktober 1997). Cybele, 2003 (SACD 860.201).
  • Wolfgang Hufschmidt – Portrait. (Trio II – Sieben Inventionen über Farben und Bilder / Lieder ohne Worte – 24 Klavierstücke für Tonband. / Engel der Geschichte (II) – Flötentöne Nr. XVI.) CD. Cybele, 1995.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Hufschmidt ist einer der „7 Brüder“ aus dem gleichnamigen Dokumentarfilm von Sebastian Winkels (Deutschland 2003).

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christfried Brödel: „… wen soll ich loben? danken wem?“ Nach 30 Jahren erstmalige Aufführung des Meißner Te Deums von Wolfgang Hufschmidt im Meißner Dom. In: Der Sonntag, Nr. 41, 12. Oktober 1997.
  • Hanspeter Krellmann: Luther, Günter Grass und das „Tedeum Laudamus“. Ein Werk von Wolfgang Hufschmidt – Westdeutsche Erstaufführung. In: Neue Musikzeitung, Dezember/Januar 1969/1970.
  • Anselm Weyer: Günter Grass und die Musik. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55593-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel in der NMZ
  2. Anselm Weyer: Günter Grass und die Musik. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55593-8.